Ich habe viele Aktien in Dollar, von daher macht es mich eher reich. Was besseres wie Dollar und € Gleichstand, könnte mir gar nicht passieren.
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Damit dürftest Du in Deutschland zu einer kleinen Minderheit gehören. Aber irgendwann kommen auch die Aktienkurse mal wieder zurück. Die US-Märkte sind derzeit sehr hoch bewertet. Sei vorsichtig. Ein schwacher Euro bremst da nur den Abstieg, wenn's fällt.
Der Dollar ist selbst ja auch nicht dafür bekannt, stark zu sein. Nur ist der Euro halt noch schwächer...
Der Vergleich hinkt einigermaßen. Japan hat beinahe Vollbeschäftigung(3.5% offizielle Arbeitslosigkeit, aber die Zahl der offenen Stellen ist groß) und trotzdem war Abenomics ein zumindest teilweiser Erfolg. Ein Sektor, der sich relativ schnell an geänderte Preisrelationen anpassen kann ist der Tourismus und dort gab es einen erheblichen Anstieg der Übernachtungen. In anderen Branchen gibt es komplexe Produduktionsketten, die sich nicht so schnell umstellen lassen. Und dann gibt es auch noch die Fälle, dass Unternehmen Aufträge ablehnen, weil sie dafür die Beschäftigung erhöhen müssten, was jedoch ohne Lohnerhöhungen nicht zu bewerkstelligen ist. Die Frage bei Japan ist, ob es endlich gelingt ein nennenswertes Wachstum der nominalen Löhne zu erreichen. Marktgerecht wäre es wegen der Knappheit auch, aber die Widerstände sind noch erheblich. Ohne vernünftig steigende Löhne sind die Anreize in effizienteres Arbeiten zu investieren jedoch gering.
In Europa liegen die Probleme anders. Hier sind die Preisrelationen innerhalb des Währungsraums und die Bekämpfung der Ursachen nominalen Wachstums das Problem. Stattdessen feiert man die schwarze Null. Japan ist zwischen 2007 und 2014 trotz Deflation real um 1.4% gewachsen. Im gleichen Zeitraum ist die Wirtschaft der bisher 18 Mitglieder der Eurozone in einem damals noch nicht deflationärem Umfeld um 1% geschrumpft.
Ich bitte Dich. Als wäre der Tourismus für Japan ein so wichtiger Sektor. Schau doch mal auf die Schattenseite: die Entwicklung der japanischen Leistungsbilanz. Die geht durch Abenomics kaputt, weil die Exporte gar nicht so stark explodieren können wie der Wert der Importe steigt. Und bei einer Staatsverschuldung, die nun ungeberemst auf die 300 % zumarschiert, ist das fatal, weil nun zunehmend ausländische Akteure die japanischen Schulden finanzieren müssen. Damit verliert Japan aber seinen eigentlichen Trumpf, nämlich weitgehend von ausländischen Finanziers unabhängig zu sein. Der gefallene Ölpreis mag kurzfristig die Lage erst einmal wieder stabilisieren, aber Abe oder seine Nachfolger werden früher oder später von dieser Politik abrücken müssen. Ganz abgesehen davon, dass eine so stark gealterte Gesellschaft wie Japan es tunlichst vermeiden sollte, dauerhaft Leistungsbilanzdefizite zu generieren.
Die Preisrelationen innerhalb der Eurozone wird QE nicht ändern können. Man kann die Zinsen für Staatsanleihen für alle Länder gegen 0 drücken (wobei wir dann wieder genau das hätten, was ein wichtiger Teil für die Ursachen der Krise war), aber daran, dass der festgeschriebene Wechselkurs zwischen den Ländern der Eurozone nicht passt, wird das nichts ändern.
Die Bedeutung ist bisher einigermaßen gering, da leistet Berlin mehr als ganz Japan. Trotzdem ist dieser Menschenimport eine einigermaßen kluge Maßnahme existierende Infrastruktur bei einer schrumpfenden Bevölkerung auszulasten.
Die Bank of Japan kauft 90% aller neu emitierten Staatsanleihen auf, für zehnjährige Anleihen ist der Zins deswegen auf unter 0,5% p.a. gesunken. Dieser Markt ist dermaßen geräumt, dass er für ausländische Geldgeber kaum interessant sein dürfte und dieser Effekt ist intendiert. Die Staatsverschuldung auf 300% zu steigern dürfte schon allein aus mathematischen Gründen schwerfallen. Bei einer permanenten Neuverschuldung von 7% reicht ein nominales Wachstum von 3%, um die Verschuldungsquote Richtung 233,3% zu lenken. Die Staatsschulden sind reichlich egal. Interessanter ist da schon die Leistungsbilanz. Japan hat nach China die zweitgrößten Devisenreserven der Welt und nach Deutschland das drittgrößte Nettoauslandvermögen. Es ist nicht Japan, das auf ausländische Investoren angewiesen ist, Japan investiert erheblich im Ausland. Auf Grund der Nettovermögensposition wäre eine maßvoll negative Leistungsbilanz als gesund zu verstehen. Durch die Abwertung gab es eine Verschlechterung in den terms of trade, aber das ist so beabsichtigt. Kürzerfristig mag sich dies nicht positiv auf den Leistungsbilanzsaldo auswirken, aber längerfristig setzt es Anreize, die die Leistungsbilanz ins positive Treiben. Der Schlüssel zum Erfolg von Abenomics liegt darin die Strategie langfristig aufrechtzuerhalten. Der Wechselkurs muss einigermaßen stabil sein und der Staat muss sich solange fleißig verschulden bis die Unternehmen diese Rolle freiwillig übernehmen. Dass Unternehmen die größten Schulder einer Volkswirtsschaft sind ist eigentlich der Normalfall. Derzeit sind sie in Deutschland und Japan Nettosparer. :hahm
Die Hauptursache der Eurokrise ist das deutsche Lohndumping. Mit den Zinsen hat dies außer vielleicht im Extremfall Griechenland erst sekundär zu tun.
Die Hoffnung bei QE ist, dass das Wachstumsniveau erhöht wird. Je höher das nominale Wachstum ist, desto größer können die Unterschiede in der Preisentwicklung sein ohne in die Deflation zu rutschen. Der Effekt von QE wird wohl einigermaßen klein sein und der Effekt auf die Lohnstückkosteniveaus wird noch kleiner ausfallen. Aber zumindest die Richtung sollte doch stimmen. :gruebel
Der Tourismus ist einigermaßen nebensächlich. Darum geht es nicht. Wichtiger ist die Wettbewerbsfähigkeit im Allgemeinen. Und wichtiger als die ist das nominale Wachstum, damit es sich lohnt zu investieren. Damit es sich heute lohnt zu investieren müssen die heute anfallenden Kosten klein sein im Vergleich zu der morgen bedienbaren Nachfrage. Die wichtigste Kostenkomponente in einer Volkswirtschaft sind die Löhne und sie sind auch die wichtige Komponente der Masseneinkommen, aus denen der Großteil der Nachfrage gespeißt wird. Es ist also nötig, dass die nominalen Stundenlöhne exponentiell mit etwa 5% p.a. wachsen. Wenn Lohnkosten mit zunehmender Zeit wachsen, dann sinken sie mit abnehmender Zeit. Investitionen borgen Nachfrage aus der Zukunft. In der Hoffnung zukünftig Geld zu verdienen wird heute Geld ausgeben. Damit erschaffen Unternehmer die Nachfrage, die sie zu bedienen versuchen.
Im Detail kann man da sicher drüber streiten. Der Aufbau von Nettoauslandsvermögen bedeutet, dass man den Aufbau realer Werte im Inland mindert, um das Ausland bei sich verschulden zu lassen. Das ist nur bedingt rational, mag im Einzelfall aber noch sinnvoll sein. Passiert es jedoch im großen Maße wie im Falle Deutschlands, Japans, Chinas oder der Schweiz, dann müssen erhebliche Bewertungsverluste hingenommen werden und genau dies ist ja der Fall gewesen. Ein stabiles Nettoauslandsvermögen nahe Null erscheint mir da das kleinste Übel zu sein. Priorität sollte die Maximierung realer Werte sein, nicht eine Maximierung risikobehafteter Verschuldung.
Warum eigentlich nicht? Existiert ein rationales Argument dagegen? Vernünftigt wird ein begrenzter Ausstieg erst durch sehr hohes nominales Wachstum, das droht überwiegend in Inflation statt realem Wachstum umgesetzt zu werden. Dann sind maßvolle monetäre Straffungen durch Verkauf der Staatsanleihen und durch Zinserhöhungen durchaus sinnvoll. Allerdings gäbe es durch den zuerst erfolgenden Anstieg des nominalen Wachstums auch ein viel höheres Einkommen, aus dem heraus der Schuldendienst bezahlt werden kann. Mir erscheint dies alles einigermaßen unproblematisch. In normalen Zeiten scheinen mir Staatsanleihen in der Größenordnung von 60% vom BIP im Besitz der Notenbank sinnvoll. So wird ein Grundangebot an Geld sicher gestellt.
Diese Aussage ist ein populärer Irrtum. In der Zeit zwischen 1950 und 1980 lag das Wachstum der nominalen Stundenlöhne in der BRD meist über 5% p.a.. In der 1980er lag es bei 4-5% p.a., die Lohnstückkosten stiegen mit ziemlich genau 2%. Prima! Hätte Deutschland sich weiterhin daran gehalten wäre die Eurokrise mangels Hauptursache nie ausgebrochen.
Das stimmt zwar, allerdings ist die Abweichung vom gemeinsamen Inflationsziel viel kleiner gewesen und sie war ja sogar nötig, um trotzdem das Inflationsziel einzuhalten. Hätte Deutschland seine LSK mit 2% wachsen lassen hätte die EZB die Zinsen erhöhen können und dies hätte die Exzesse in Spanien und Griechenland zumindest gedämpft. Auch hätte Anfang der 2000er ein bewusster Verstoß Deutschlands gegen die Maastrichtkriterien die Kreditnachfrage in Deutschland soweit erhöhen können, dass Banken etc. nicht genötigt gewesen wären stattdessen Geld ans Ausland zu verleihen.
Heute liegt die Entwicklung der LSK zum Basisjahr 1999 in Spanien und Griechenland unter dem Inflationsziel von 2%. In Frankreich liegt sie ziemlich genau auf dem Ziel. Italien liegt als einziges wichtiges Land drüber. Die meisten Länder liegen knapp drunter und nur Deutschland liegt deutlich drunter.
Meine Lösung besteht darin, alle beim Preisniveau gleich zu machen. Über die konkrete Höhe des nominalen Wachstums ist damit erstmal nichts gesagt, aber spürbar unter 5% p.a. halte ich schon für problematisch, das stimmt.
Was die Frage der Inflationshöhe angeht, so ist es nötig zu differenzen zwischen einer offenen Volkswirtschaft und einer geschlossenen. Die EWU als ganzes ist eine überwiegend geschlossene Volkwirtschaft und daher ist eine nominales Wachstum von nicht weniger als 5% p.a. richtig und wichtig. Was die Zeit vor dem Euro angeht, so muss man die damaligen Handelsungleichgewichte beachten. Vor 1980 waren diese klein. In den 1980er bauten die Niederlande und Deutschland erhebliche Handelsungleichgewichte auf, 1989 hatte Deutschland einen Leistungsbilanzüberschuss von etwa 5% vom BIP, und dies reduzierte das Wachstum seiner Handelspartner natürlich. Eine solche Überlagerung von Nominallohnwachstum und Außenhandelsungleichgewicht erschwert den Vergleich. Zwischen 1970 und 1980 und zwischem 1980 und 1990 wuchsen Westdeutschland real um 29% und um 25,9%, Frankreich um 42,7% und 27,8%, Italien um 45,2% und um 26,8%, die USA um 36,6% und um 38,8%. Die Zahlen habe ich aus "Gross domestic product at 2010 market prices" von AMECO entnommen. Eine klare Überlegenheit restriktiver Lohnpolitik oder restriktiver Fiskalpolitik ergibt sich aus den Zahlen nicht, eher im Gegenteil. Beachtet werden müssen sicher auch gewisse Unterschiede in Demografie und Entwicklungsniveau. Bei beiden dürfte Deutschland nicht so gut abschneiden, als entwickelte Volkswirtschaft sind hohe Wachstumsraten halt nicht so leicht zu erreichen. Persönlich recht beeindruckend finde ich die positiven Auswirkungen expansiver Fiskalpolitik in den USA. Frankreich hat das damals auch versucht, das half damals aber vor allem seinem östlichen Nachbarn. Das ist heute recht ähnlich.
Ganz interessant wie dem neuen griechischem Finanzminister da die antideutschen Aussagen untergeschoben werden:
http://www.bildblog.de/62651/im-zwei...-den-griechen/
Zitat:
Das Problem sei nicht, dass die Deutschen zu wenig gezahlt hätten, sondern viel zu viel.
Syriza ist halt ein rotes Tuch, besonders für bestimmte Kreise. Es darf halt nicht sein, dass es offensichtlich wird, dass der Euro und die Rettungspolitik Müll sind. So werden eben schwere Geschütze aufgefahren. Die Welt hat vor paar Tagen auch schon den Antisemitismus-Keule geschwungen. "So judenfeindlich sind Tsipras und seine Leute" oder so hieß es bei denen. Dazu natürlich die Russland-Connection...
Eines muss man Syriza halten was man will, er und seine Truppe (z. B. sein Finanzminster) haben aber schon eine Show drauf. Zwar aktuell mehr entertaining als nützlich, aber mal schauen was noch so kommt.
Auf Carta wird der aktuelle Spiegel-Titel mit seinem Syriza-Gebashe ziemlich auseinandergenommen:
http://www.carta.info/77108/im-tal-der-ahnungslosen/
Das sind eben alles überzeugte Europäer. :)
Die EZB zieht gerade die Daumenschrauben an. Griechische Staatsanleihen werden nicht mehr als Sicherheiten akzeptiert. Damit ist die Kacke am Dampfen, da nun die griechischen Banken wohl von der Notfallliquditätsversorgung (ELA) abgeschnitten sind. Ein schleichender Bankrun läuft ja ohnehin bereits. Wird sehr interessant sein, was die neue Regierung jetzt macht. Nachgeben oder ja...was sonst...raus aus dem Euro?
edit: ELA läuft wohl weiter. Nur griechische Staatsanleihen werden nicht mehr als Sicherheiten von der EZB akzeptiert. Dann kann ja erst einmal weitergewurschtelt werden.
Es torpediert zumindest die Pläne der griechischen Regierung durch Ausgabe neuer kurzfristiger Staatsanleihen die Liquidität der griechischen Banken zu erhöhen und das Bankensystem ist derzeit Griechenlands Achillesferse. Über ELA mag die Zuspitzung durch die EZB begrenzt sein, aber zumindest erhöhen sich so die Finanzierungskosten der griechischen Banken weiter. Der Preis im Euro zu bleiben steigt.
Während die Damen und Herren weiter miteinander spielen, habe ich die jüngsten Zahlen zu unseren Nettotransferzahlungen über den regulären EU-Haushalt herausgesucht. Im Jahr 2013 haben wir netto über 15 (!) Mrd. Euro eingezahlt. Das ist gut doppelt so viel wie vor der Krise. Seit 2000 sind es insgesamt ca. 115 Mrd. Euro, ohne Inflationsbereinigung. Ich wusste ja, dass es viel sein würde, aber die Zahlen schockieren selbst mich. Über unsere Nettozahlungen habe ich allerdings schon lange nichts mehr gehört oder, nicht einmal von Seiten der AfD. Wie wohl die Bevölkerung auf solche Zahlen reagieren würde?
http://www.eu-oplysningen.dk/euo_en/spsv/all/79/
http://www.telegraph.co.uk/finance/f...d-to-know.html
Ich halte die Zahl für akzeptabel. Uns geht es im vergleich zu anderen Ländern in der EU blendend.
Trotz der 15 Mrd € hatten wir noch einen Leistungsbilanzüberschuss von etwas über 220 Mrd in 2014. So gesehen kann man gut argumentieren, dass unsere Nettoeinzahlungen zu niedrig sind.
15 Milliarden sind nun mal Erdnüsse für die Bundesrepublik, speziell da sie derzeit aufgrund nicht vorhandener Zinsen keine weiteren Schulden aufnehmen braucht.
Dass eine hohe Importquote zu einer Zusammenbruch des entsprechendes Landes führen würde, ist Nonsens. Die USA importieren schon poraktisch immer mehr als exportieren, trotzdem sind die nicht so ssehr am Arsch wie Griechenland. Gilt für viele andere Länder auch. Wer seine Hausaufgaben nichts macht, geht unter. Andere, wie Spanien und Portugal haben ihre Staatsapperate mal entmistet und die Wirtschaft af Fordermann gebracht, weswegen es da auch wieder bergauf geht. Deswegen hört man da auch nichts mehr von. Die einzigen, die Reformen bisher stur verweigern, sind die Griechen. Wer eine Putzfrau im Staatsdienst mit vielleicht mal 4 Stunden Arbeit am Tag, mit 1000€ bezahlt, ein Akademiker mit drei Abschlüßen (richtigen, nicht welche in den brotlosen Künsten) noch net mal 700€ bekommen kann, macht was grundlegendes falsch.
Mal davon abgesehen, dass sie es immer noch net gebacken bekommen, ihre Steuern mal einzuziehen. Ein Staat, der nicht mal das gebacken bekommt, ist ohnehin so ineffizient und unfähig, das kann von vorne herein nichts werden. Und so ein Staat will auch noch selber Häfen und Co betreiben. Da kann doch nur Grütze bei rumkommen.
Schon immer? Ham die zu Weltkriegszeiten nicht fast die Hälfte der weltweiten Industriegüter alleine rausgehauen? :look
Wenn ich mich recht erinnere lag ihr Anteil am weltweiten BIP bei nur ~30%, aber ja, sie haben lange Zeit viel mehr exportiert als importiert. Dass die USA die Rolle als Konjunkturlokomotive einnehmen ist ein relativ neues Phänomen. 1983 erreichte ihr Leistungsbilanzdefizit erstmals 1% und stieg dank starken Dollar rasch so weit an, dass der Dollar abgewertet wurde. 1991 lag die Leistungsbilanz leicht im Plus, sank aber wieder ab in ein moderates Minus von weniger als 2%. Seit Ende der 1990er schwankt das Defizizt zwischen 2% und bis zu 5,8% in 2006. 2014 waren es 2.5%.
Japan, Europa, China und viele Schwellenländer haben zuletzt gegenüber dem Dollar abgewertet. Inzwischen sind die USA aber zu klein, um weiter die Konjunkturlokomotive für die ganze Welt zu spielen. :popcorn
Die griechische Regierung hat es wohl eingesehen, das sie nicht zaubern kann.
Als Europa zerbombt war vielleicht, ansonsten waren das VK, Deutschland und Co immer auch gut mit dabei. Und nur, weil man viel Produziert, das heißt das nicht, dass man auch viel Exportiert. Die brauchen zum einen viel für sich selber, zum anderen kann man mit Industrieprodukt nicht anziehen, essen oder trinken. Und so geht das munter weiter.
Die USA sind seit mindestnes 1976 durchgehend defizitär in der Handeslbilanz unterwegs, vor bis 60 ist es bei +/- 0. Griechenland ist seit 81 in der EU, der Binnenmarkt existiert seit 93. Es war also mehr als genug Zeit für die USA, ebenso an den vielen Importen zu grunde zu gehen wie Griechenland.
Davon abgesehen bedeutet "schon immer" im Allgemeinen Sprachgebrauch 'sehr lange'. In jeder anderen Bedeutung ist der Ausdruck auch sinnlos, weil es nichts schon immer gibt. Von der Zeit mal abgesehen, da es ohne Zeit ja auch kein vorher geben kann.
Bei Griechenland lag das Leistungsbilanzdefizit in der Spitze bei 15% vom BIP. Das ist eine ganz andere Größenordnung als bei den USA. Auch zu bedenken ist, dass die USA eine große Volkswirtschaft mit einer weltweit akzeptierten Währung sind, die sie selber drucken können und dies auch fleißig tun.
Griechenland hatte zwischen 1999 und 2014 ein Leistungsbilanzdefizit von insgesamt 308.4 Mrd € oder 171,1% des nominalen BIP in 2014.
Die USA hatte zwischen 1999 und 2014 ein Leistungsbilanzdefizit von insgesamt 8273.1 Mrd $ oder 47,4% des nominalen BIP in 2014.
super Interview: http://mosaik-blog.at/merkel-muss-si...rechtfertigen/Zitat:
Zitat von Sonneborn
Zitat:
Die häufig gestellte Frage, was die Griechenlandhilfe die deutschen Steuerzahler bisher gekostet hat, ist schnell beantwortet: Nichts. [...] Teuer wird es erst, wenn Griechenland pleitegeht und die Kredite nicht mehr bedienen kann. Bis dahin verdient der Bundesfinanzminister sogar an der Griechenlandrettung: Seit 2010 hat er aus Athen Zinsen in Höhe von 360 Millionen Euro bekommen.
http://www.zeit.de/wirtschaft/2015-0...omplettansichtZitat:
Nur etwa ein Zehntel der bereitgestellten Summe ging in die normalen Staatsausgaben, wurde also zur Deckung von Fehlbeträgen im Budget verwendet. 90 Prozent der Gelder dienten dazu, fällige Altschulden abzulösen, Zinsen zu zahlen, Staatsanleihen zurückzukaufen und die griechischen Banken zu rekapitalisieren, die beim Schuldenschnitt einen Großteil ihres Eigenkapitals verloren hatten.
Zum oberen Zitat: Auf dem Papier mag das richtig sein, aber eine Bank z.B. hätte längst Rückstellungen und Wertberichtigungen gebildet. Nur weil Staaten sich darum drücken können, heißt es nicht, dass das Geld nicht in Wirklichkeit bereits weg ist.
Um es mal mit Trailerpark zu sagen: Dachtet ihr dass es den Ouzo kostenfrei zum Essen gibt? :p
Die Griechenlandsaga erzeugt irgendwie nur noch Agonie. Wenn man bedenkt, dass das Drama schon ein halbes Jahrzehnt oder länger läuft, und immer noch keine Entscheidung getroffen wurde, ist das einfach nur noch befremdlich. Die derzeitige Generation von Politikern in Europa ist wahrscheinlich eine der schwächsten, die wir in langer Zeit hatten. Vielleicht ist das auch kein Wunder, wenn man sich anschaut, wie verkrustet unsere Parteien und das Parteiensystem sind und wer Politikerkarrieren einschlägt. Stromlinienförmig bis zum "Geht nicht mehr" und unfähig Entscheidungen zu treffen, entsprechende Mehrheiten zu organisieren und um Unterstützung dafür in der Bevölkerung zu werben. Merkel ist die Personifizierung dieses Politikertyps.
Zur konkreten Situation: Die Chancen wachsen, dass es zu einem unkontrollierten Bankrott Griechenlands kommt. Die beiden Seiten pokern wie in einem Chicken Game, wobei ich nach wie vor glaube, dass die Gläubiger mehr zu verlieren haben als die Griechen. Ich möchte Merkel sehen, wie sie uns erklärt, dass 60 Mrd. € oder mehr, die Deutschland im Feuer hat, einfach weg sind. Weg sind die natürlich schon lange, das habe ich ja auch schon x mal geschrieben. Aber dazu noch die politische Erkenntnis, dass der Euro eben nicht unumkehrbar ist. Da bin ich mal gespannt, ob Merkel bereit ist, das zu akzeptieren.
Hier ist übrigens der Bericht des "Truth Committee" (ein bezeichnender Name) des griechischen Parlaments zu den Ursachen der griechischen Schulden: http://debt-truth.gr/wp-content/uplo...6/Report-3.pdf
Der Bericht bietet paar interessante Einblicke, aber auch einiges zum Schmunzeln. Da wird z.B. darüber lamentiert, dass eine Hauptursache des Anstiegs der griechischen Schulden bis 2008 die hohen Zinsen gewesen seien. Natürlich ohne zu hinterfragen, warum denn Griechenland nur zu hohen Zinsen leihen konnte. Die Zinskonvergenz nach Maastricht bleibt ebenso unerwähnt, stattdessen wird natürlich die Stabilisierung des Schuldenstands nach der Euro-Einführung ausführlich gelobt usw. Jede Menge Spin als auch in Parlamentsberichten.
Selbst wenn Griechenland Pleite ist bleiben die Schulden bis zu einem Schuldenschnitt oder einer Umschuldung unverändert. Es wird für den griechischen Staat nur wesentlich schwerer nach einer unkontrollierten Pleite das staatliche Grundgerüst stabil zu halten.
Die Schulden/Forderungen würden nur für eine der beiden Seiten unverändert bleiben. Notieren sie nach einer Währungsreform (die nach einer Pleite kommen wird oder gar muss) weiterhin in den jeweiligen Ursprungswährungen, bleiben sie für die Gläubigerseite gleich, für Griechenland nach der wohl heftigen Abwertung der neuen Währung steigen sie. Schaffen es die Griechen irgendwie, die Schulden in ihre neue Währung zu konvertieren, ist es umgekehrt.
Ein Schuldenschnitt, eine Streckung derer oder eine Abwertung würde zwangsweise sehr schnell kommen, Insolvenz halt.^^
Griechenland hat im Moment drei Möglichkeiten: Grundlegende Strukturreformen, Euro-Austritt + Abwertung + Schuldenschnitt oder weiterhin bei anderen durchschnorren.
Bedauerlich finde ich, dass Tsipras derzeit sehr geschickt taktiert, die Merkelseite leider nicht. Schäuble kann man in der letzten Zeit wenig vorwerfen, aber seine Chefin will die Eurozone scheinbar um jeden Preis zusammenhalten. Da dies ziemlich durchsichtig ist, haben die Griechen leichtes Spiel.
Wenn Griechenland sagt, dass es die Schulden nicht mehr anerkennt, können die Gläubiger sich auf die Hinterbeine stellen wie sie wollen. Das Geld ist dann schlicht uneinbringlich. Es gibt in der Geschichte zig Beispiele, in denen die Gläubiger einem Schuldenschnitt nicht zugestimmt haben, aber die Zahlungen dennoch schlichtweg eingestellt wurden.
Das geliehene Geld ist, zumindest in Teilen, verloren. Das ist ja auch nichts Neues für alle, die die Angelegenheit verfolgen. Der Schuldenstand Griechenlands liegt jetzt bei 180 % des BIP. Tragfähig ist das nicht, egal ob Griechenland noch Reformen macht oder nicht. Der bisherige Rettungskurs ist schlicht erscheitert, weil die Szenarien, unter denen man die bisherigen Rettungspakete verabschiedet hat, nicht ansatzweise eingetreten sind. Ich glaube auch, dass alle Akteure das wissen. Aber Merkel und Co. droht so ein gewaltiger Gesichtsverlust, dass sie händeringend nach einer Lösung suchen, dies zu kaschieren. Umgekehrt wäre eine erneute Schuldenrestrukturierung natürlich ein Triumph für Tsipras, die Umsetzung der Forderungen des IWFs jedoch zuhause genauso mit einem Gesichtsverlust verbunden.
Was mich aber anpisst, ist, dass die Entscheidung, ob GR im Euro bleibt, letztendlich nicht von den Politikern getroffen wird, die dafür gewählt wurden, sowas zu entscheiden, sondern von der EZB, die m.E. kein Mandat hat und auch keines haben sollte (mit welcher Legitimation?), darüber zu entscheiden, ob ein Land Mitglied der Eurozone ist oder nicht. Sollte nämlich GR Zahlungen einstellen, besteht der einzige Hebel, das Land aus dem Euro zu zwingen darin, die Liquiditätsversorgung der griechischen Banken zu kappen. Dann muss GR eine neue Währung einführen. Implizit droht die EZB ja auch damit, indem sie mittlerweile fast täglich über die Höhe der Liquiditätshilfen entscheidet.
Ich schätze mal, dass es in den nächsten Tagen zu irgendeinem Kompromiss kommt, bei dem die Entscheidung wieder um einige Monate herausgezögert wird. Die handelnden Akteure sind entscheidungsunfähig.
Wir wollen Griechenland in der Eurozone halten, aber keine Transferunion. Die EZB muss irgendwie mit diesem widersprüchlichen politischen Murks umgehen. Da die Politik nicht entscheiden will, bleibt der EZB gar nichts anderes übrig. Stellt sie die Hilfen ein, beschließt sie faktisch den Austritt, bleibt sie der aktuellen Linie treu, entscheidet sie anders herum.
:japan
Ja, es sind in der Tat die Politiker, die die EZB in diese Rolle zwingen. Es gibt in der Politikwissenschaft zahlreiche Definition des Begriffs Politik. Eine häufig aufgegriffene geht ungefähr so: Politik ist die Herstellung gesamtgesellschaftlich verbindlicher Entscheidungen. Gemessen daran mutet das Handeln unserer Politiker wie ein Verweigern von Politik an.
Auf dem Papier ändert sich nichts solange keine Schuldenschnitt oder -erlass kommt. Selbst wenn man die Zahlungen einstellt wäre es ein Bärendienst da niemand mehr Geld an den säumigen Schuldner verleiht bzw. nur zu astronomischen Zinsen.
Auf dem Papier ist das geliehene Geld immer noch da. Es ist erst weg wenn der Gläubiger darauf verzichtet.
Tja. Und die HSH Nordbank hat gerade WIEDER ein Paket Schiffe zwecks Umfinanzierung an griechische Reeder verkauft. Die Millionen zahlen die aus ihrer Portokasse.
Ökonomisch gesehen ist Griechenland dritte Welt und wird das noch lange bleiben.
Und es ist egal in welcher Wahrung sie ihre Schulden nicht bezahlen
Ihr seid mir schon zwei Strategen. :hadrian
Tsipras will anscheinend ein Referendum über das letzte Angebot der Troika abhalten. Sehr begrüßenswert, es wird damit eine Entscheidung erzwungen...hoffe ich.
So ist es wenn man Amateure wählt. :donk
Sieht so aus, als gäbe es eine knappe Mehrheit für "Nein". Aber ob das nun irgendeine Entscheidung bringt, wie ich vor paar Tagen noch gehofft habe, steht eher in den Sternen. Es wird wohl weiter verhandelt werden...