Schrödingers Kickersmiezen
Heute Nachmittag spielten die Kickers in Aachen gegen dieselben. Eben gerade, vor vielleicht einer Viertelstunde, erfuhr ich das Ergebnis. Womit sollte ich rechnen? Was sollte ich schreiben? "Die Sünden des Van Lent" und "Wenn du aus Aachen kommst, bist du wenigstens nicht Letzter" bei einer Klatsche, "Wie wir sehen, sehen wir nichts" bei einem Unentschieden und "Ich habe es euch gesagt" bei einem Sieg? Solange ich es nicht wusste, war es alles wahr, und auch wenn ich mein Möglichstes gab, symbolisch mein Team zu unterstützen (unter anderem durch Socken natürlich), gab ich mich doch keinen Illusionen hin. Ich wusste es einfach nicht.
Ich gab schließlich mit dem Hochfahren meines Rechners einen letzten Tipp ab: 1:2, knapper Auswärtssieg. Damit lag ich falsch, aber das nehme ich hin: 1:3. Ja!
Gemäß Ansage konnte ich das Spiel nicht verfolgen und möchte nur die (recht lange wirksame) Startaufstellung sowie jene des ersten Spiels gegen Halle posten. Ihr werdet die Unterschiede erkennen können.
Es spielten von Beginn an:
Wulnikowski
Stein - Stadel - Husterer - Dziwniel
Reinhardt - Mehic - Feldhahn - Hahn
Rathgeber - Fetsch
Gegen Halle hieß es noch:
Wulnikowski
Ahlschwede - Kleineheismann - Husterer - Stein
Bender - Reinhardt - Feldhahn - Hahn
Vogler - Fetsch
Mehic fehlte damals übrigens verletzt.
Bis zum nächsten Mal. Solltet ihr keine Themenwünsche äußern oder sonst nichts ereignen, sehen wir uns nächste Woche nach dem Pokalspiel gegen Fürth. Ich werde auch dort wieder dabei sein.
"Die Nummer Eins am Main"
"Die Nummer Eins am Main
könn' nur die Kickers sein!
Für immer OFC!
Für immer OFCeeee!"
Das war also der Pokal. Die gestrigen Sensationen (ach, was habe ich mich gefreut) lassen den vorgestrigen Tag trist erscheinen und nicht zuletzt erscheinen 'alte Neuigkeiten' innerlich widersprüchlich. Ich werde also die ganzen wirren Eindrücke und Einzelbilder nur zu einem kleinen Teil aufgreifen können und mich knapp halten. Eine gute Überleitung fällt mir auch nicht ein.
Hätte man mich vor zwei Jahren gefragt, wo ich fußballerisch stehe - und hätte ich ehrlich geantwortet -, hätte ich gesagt: Ich bin Fan der Offenbacher Kickers und sympathisiere mit Bayern München und Greuther Fürth. Zu Letzten kam ich, da ich in Erlangen studierte, und mich zog es sogar zweimal für sie ins Stadion: Einmal an einem verschneiten Dezembertag zu einem 1:0-Sieg gegen Cottbus (in der letzten Minute gefallen) ins damals noch Playmobil-Stadion, einmal noch (nach meinem Auszug) zu einem Testspiel gegen Erlangen-Bruck. In dem Maße aber, in dem meine Verbindung zu den Kickers wuchs, schwanden die anderen, und als Fürth letzte Saison aufstieg, war es mir ehrlich gesagt schon völlig egal. Ich kann euch den kompletten Kader der Kickers mit Rückennummern und letzten Vereinen aufzählen (und testete das die letzten Tage auch mit zwei Fehlern), ich war bei der Fanshop-Eröffnung zugegen, ich reiste sogar nach Bad Vilbel... und nun schreibe ich einen Blog. Was bindet mich dahingegen noch an Fürth?
Mein Herz ist ein Eisbock. (sic!) Was ist schon Fürth?
Fahrer Übt in Ohne Ferstand... so kam es zum Spiel und ich war zugegen. Ich tauschte meinen Stammplatz auf dem Stehblock gegen einen Sitzplatz hinter dem Tor ein (trotz Dauerkarte brauchte ich ja ein Ticket dafür) und ließ alles auf mich wirken. Hinter mir lag zu dem Zeitpunkt bereits ein langer, heißer Tag, ich war fertig, erhoffte und erwartete mir nichts mehr. Darauf erlebte ich ein Fußballspiel von der Sorte, für die es sich lohnt, ins Stadion zu gehen. Am Ende siegt der OFC gegen Fürth mit 2:0. Was war geschehen?
Um dieses Ergebnis zu erzielen, mussten die Fürther das Spiel verlieren und die Kickers es gewinnen. Anders würde es nicht reichen, doch genauso trat es ein. Da war Fürth: Mit den Köpfen schon bei Bayern in der ersten Liga und das Pokalspiel gegen den Vorletzten der dritten Liga nach der Serie im vergangenen Jahr als Selbstläufer ansehend, gingen sie mit einer Aggressivität in die Partie, die überraschte und schockierte. Der Erstligist griff an, dass sich der Drittligafan um die Gesundheit seiner Spieler sorgte, und sammelte im Verlauf der Partie vier oder fünf Gelbe Karten, eine Gelb-Rote und eine Rote... und Offenbach hingegen keine einzige. Stellt es euch bildlich vor... genau so war es, besonders in der ersten Halbzeit. So fingen sie auch ihr Tor: Ein Offenbacher stürmt konternd voran und wird von einem Fürther zwanzig oder dreißig Meter vor dem Tor umgeholzt. Daraus resuliert ein Freistoß. Der Freißstoß leitet über zu einem Handelfmeter und dieser Elfmeter zu einem Tor! (Ob das Handspiel elfmeterwürdig war, kann ich nicht sagen. Ich saß nahe dem anderen Tor.)
Andererseits lässt sich aber auch sagen, dass jeder einzelne Offenbacher Spieler ein gutes Spiel ablieferte. Befreit von dem Druck, gewinnen zu müssen, der sie in der Vergangenheit Tore kassieren und erst anfangen zu spielen ließ, wenn es um nichts mehr ging, hielten sie dagegen. Die erste Halbzeit fand auf Augenhöhe statt, mit Karten sammelnden Fürthern und ohne echte Torchancen, die zweite Halbzeit ließ die Offenbacher hinten stehen und nach vorne kontern. Als sie darauf kurz vor dem Schlusspfiff bei einem ebensolchen Konter sich das zweite Tor erspielten, stand es nach Ecken etwa Gleichstand, während die Zahl der Torchancen für die Kickers sprach. Am Tag zuvor hatte ich mir einen "richtig dreckigen, unverdienten 2:1-Sieg" gewünscht und bekam mehr als erhofft: Der Sieg war zwar nicht in jedem Moment sicher und auch von der Sympathie des Schiedsrichters erleichtert (wie selten man das doch in Offenbach sagen kann), doch aufs Ganze gesehen geht er in Ordnung.
Das war ein Samstag. Ich gönnte mir zur Feier des Tages eine Flasche Malzbier und eine Tüte Russisch-Brot (dem Frühstück der Autoren), freute mich für die Kickers über dringend benötigtes Geld (!) und dringend benötigte sportliche Bestätigung, legte die Sache geistig zu den Akten und ließ den Sonntag anbrechen. Dieser hatte es in sich...
Eintracht Frankfurt raus! Yessss...
FSV Frankfurt nur mit Mühe weitergestolpert und im Ergebnis schwächer als die Kickers. Yessss...
Darmstadt, Wiesbaden und die ganze Mischpoke schon im Hessenpokal erledigt! (Zum Teil direkt, zum Teil indirekt)
Mannheim spielt nicht mit!
Saarbrücken raus!
Kann es was Schöneres geben? Ich freute mich für Worms (Das ist eine wunderschöne Stadt), für den KSC (eher aus Sympathie zu meiner Leserschaft), sah die von mir so wenig geliebten Nordclubs ausscheiden und... ach, was will man mehr? Gut, Nürnberg tat mir Leid, hatte ich doch direkt nach dem Abpfiff in Offenbach einem befreundeten Club-Fan die SMS geschrieben: "Fürth ist raus. Grüße vom Main."
Gleich werde ich im Fitness-Studio noch einen Teil des Bayern-Spiels erleben und damit den Pokal zu den Akten legen. Von der zweiten Runde verspreche ich mir nicht viel, das Los wird eben entscheiden: Jeder Bundesligist wird uns schlagen, da möchte ich mehr auf Schalke als auf Wolfsburg hoffen. Mein Traumlos wäre Duisburg.
Am Samstag geht es gegen Dortmunds Zweite. Ich rechne mit einem vollen Stadion (Leverkusen können ja vor dem Frankfurt-Spiel vorbeikommen) und einem Heimsieg. Bei egal welchem Kickers-Selbstverständnis müsste der drin sein.