"Die Cousins" und "Gut für zwo"
In Offenbachs Stadionheft wird auf der letzten Seite einem Spieler ein Fragebogen gestellt und während gegen Erfurt die Profis versagen sollten, beantwortete der Jungspieler Marcel Mosch die Frage, mit wem in der Mannschaft er sich denn am Besten verstünde, wie folgt: "(Mit) den Cousins. Den Namen haben wir uns selbst gegeben. Gemeint ist die junge Generation mit Marcel Avdic, Stefano Maier, Daniel Dziwniel, Jannik Sommer, Yannic Horn, Daniel Henrich, Sascha Korb und mir. Wir sind auch privat viel zusammen unterwegs."
Ihr lest hier von acht Spielern - zwei Jungen auf Ausbildungsplätzen (Mosch, Korb), zwei Jungstars ohne Zukunft (Henrich, Sommer), zwei eigentlich in den Kader der ersten Mannschaft fest integrierte Ersatzspieler (Dziwniel, Maier), den dritten Torwart (Horn) und den unglücklichen Neuzugang (Avdic) - alle trainierten sie in der Saison mit den Profis, spielten zumeist (und dann mit Stammplatz) in der zweiten, wenn sie nicht gerade bei den Profis auf der Bank saßen. Wirkliche Einsätze bekamen nur die Wenigsten (Sommer eine halbe Stunde, Mosch eine Viertel-, Dziwniel konnte zumindest in sieben Spielen den schwächelnden Ahlschwede ersetzen, Avdic nimmt in diesem Zusammenhang eine Sonderstellung ein) - und seit dem Trainerwechsel ging es für sie bergab, setzte Rico Schmitt angesichts der Krise voll auf die Profis und verscheuchte die Cousins von der Ersatzbank. Eine gute Gelegenheit also, die "Gut für zwo"-Aktion in einem anderen Sinn auszulegen und ihnen mal auf die Finger (oder besser: Füße) zu schauen. Kurioserweise sollte es mich mehr kosten als ein einfacher Stadionbesuch.
Der Gegner hieß in diesem Fall 1. FCA Darmstadt und rangierte mit einem deutlichen Abstand nach oben auf dem vorletzten Platz (Eddersheim, der Gegner meines ersten Berichts über die U23, ist weiterhin Letzter). Lasst mich das Spiel kurz fassen, da es ja nicht dem Thema meines Blocks entspricht: Die erste Viertelstunde spielt Offenbach den Gegner an die Wand, ab dann schwankt es zwischen Offenbacher Dominanz, Offenbacher Überlegenheit und seltenen Darmstädter Chancen. Die einzige Schwäche wird bleiben: Sie verzagten oder versagten beim Abschluss. Erst in der 80. Minute fiel das 1:0, zum 2:0 kam es dann wenige Minuten vor Schluss.
Acht Profis sollten von Beginn an spielen, also ziemlich die ganze Mannschaft. Marcel Mosch gefiel mir dabei wieder einmal sehr gut (er schoss auch das 1:0), er führte das Spiel vom offensiven Mittelfeld aus und lässt mich hoffen, dass er es auch in den Profikader schaffen wird. Ebenfalls möchte ich Marcel Avdic Lorbeeren spenden, da er durch seine technischen Fähigkeiten seine Gegner auf engstem Raum austricksen konnte und sich auch sehr bemühte. Für Sascha Korb hebe ich ebenfalls den Daumen (auf seiner Position als Außenverteidiger, das spielte er schon einmal bei der Stadioneröffnung) - endlich kann ich mir auch von ihm ein Bild machen -, und zuletzt lobe ich Yannic Horn. Unser junger Torwart erinnert (sicher nicht nur mich) an Manuel Neuer - ein eigentlich nett wirkender Junge, der aber in bester Kahn-Manier seine Vorderleute dirigieren und zusammenschreien kann. Hatte er zu tun, tat er es gut.
Schweigen möchte ich zu Stefano Maier, da ich einfach zu wenig von ihm mitbekam. Ja, er schoss das zweite Tor. Nein, ich weiß nicht, was ein Innenverteidiger aus dem Spiel heraus vor dem gegnerischen Tor zu suchen hat. Wenig kann ich auch zu Daniel Henrich sagen, das alte Problem mit den Spielern mitten im Platz, die hat man einfach nie vor der Nase. Was ich von ihm sah, war aber ganz orderntlich.
Von Daniel Dziwniel und Jannik Sommer bin ich eher enttäuscht. Erster fand kaum ins Spiel und wenn er es tat, kamen seine Flanken nicht an, letzterer bemühte sich glücklos und zunehmend frustrierter und bekam die einzige Offenbacher Gelbe Karte mit den Worten: "Du! Ich habe vorhin schon mit dir gesprochen. Weißt du was? Jetzt reicht es mir. (zeigt Gelb) Das nächste Mal fliegst du raus." Drei Wechsel folgten darauf auf Offenbacher Seite, doch er spielte bis zuletzt durch.
Es war eben die alte Bolzplatzatmosphäre, die mich das mitbekommen ließ. Kurios fand ich auch ein Gespräch zwischen einem Rentner und einem Vater direkt neben mir: Er habe ja mit Offenbach nichts zu tun, käme (auch fußballerisch) aus Mainz, doch was solle er denn machen? Sein Sohn würde jetzt seit der Winterpause bei den Kickers spielen. Das tat er übrigens auch gut - er war einer der drei Nicht-Profi-Spieler.
Nach dieser Beobachtung mit Schirm bei Dauerregen verabschiede ich mich erst einmal wieder. Bald wird die Saison enden und ich spüre auch, dass bei mir das Fieber verglüht. Was kommen will, das kommt, und an zwei Auswärtsspielen lässt sich nichts ändern.
Alles wird anders. Später.
Was ich im letzten Post als Gerücht präsentierte, wurde nun bestätigt: Das vakante Amt des Geschäftsführers Sport wurde mit Manfred Bender, dem ehemaligen Bayern-Spieler, besetzt. Die Umstände, die dazu führten, wirken leicht dubios: Er wird nicht vom Verein bezahlt, bringt vielleicht einen Sponsor mit und bekam auf eigenen Wunsch einen Vertrag für nur ein Jahr. Das alles könnt ihr in diesem Interview nachlesen.
Seine Aufgabe wird es wohl sein, den Kader für die nächste Saison festzulegen, und da schlägt er andere Töne an: Er spricht von zu hoch dotierten Verträgen, kein Wort fällt mehr von Kontinuität oder auch nur davon, auslaufende Verträge verlängern zu wollen. Das klang bei Rico Schmitt etwa noch ganz anders.
Im Sommer werden 20 der 28 Verträge auslaufen. Folgende Spieler bleiben damit im Normalfall erhalten:
Tor: Robert Wulnikowski
Abwehr: Markus Husterer
Mittelfeld: Marcel Avdic, Julius Reinhardt, Theo Vogelsang
Sturm: Mathias Fetsch, Kai Hesse, Thomas Rathgeber
Das sind meist erfahrene Männer (alle außer Avdic und Vogelsang spielten schon zweite Bundesliga), die sicher als Kern der neuen Mannschaft fungieren sollen. Einer davon ist aktuell verletzt (Husterer), zwei gelangen nach längeren Lazarettpausen gerade wieder ihre Form (Hesse, Vogelsang) und was die Form angeht, nun... Avdic und Rathgeber sind aktuell keine Glanzlichter. Vielleicht kommt da noch mehr.
Gestern Abend fand außerdem ein Spielertreff statt, zu dem es mich zog und bei dem Matthias Schwarz und Fabian Bäcker auftauchten (Theo Vogelsang sollte eigentlich der dritte im Bunde werden, doch fehlte er krankheitsbedingt). Beide kannte ich noch nicht und beide befanden und befinden sich in einer ähnlichen Situation: Sie kamen aus der Arbeitslosigkeit zum OFC, gelten unter dem neuen Trainer mehr als unter dem alten (bei Schwarz in sehr deutlichem Maße), besitzen auslaufende Verträge und dürften nun wieder beim Arbeitsamt vorgesprochen haben. Nach einem Sieg war die Stimmung entsprechend gelöst und auch dadurch gut, dass Fabian Bäcker sein erstes Tor für den OFC erzielte.
Erzählerisch, kann ich anmerken, schließt sich ein Kreis, fand doch das Spielertreffen bei dem Fanclub statt, bei dem ich schon vor dem Saarbrücken-Auswärtsspiel auf den Bus wartete, inhaltlich muss ich gestehen, den Anfang verpasst zu haben und deshalb nur wenig inhaltlich weitergeben zu können. Nur dreierlei...
a) Die Beobachtung, die ich gegen den KSC machen konnte, wurde mir bestätigt: Der OFC spielt hinten irrsinnig positionstreu und vorne sehr flexibel. Fabian Bäcker meinte: Das wäre der deutschen Nationalmannschaft nachempfunden.
b) Auf den Fankommentar hin, van Lents Auswechslungen seien nicht immer zu verstehen gewesen, antwortete gleicher Spieler: "Die haben wir am Ende auch nicht mehr verstanden."
c) Der Umschwung von Erfolgsserie zu der Niederlagenphase sei schwer zu begründen gewesen: Vorher war einfach Glück da, welches später dann in Pech umschlug.
Matthias Schwarz ist ein ruhiger, erfahrener Spieler (immerhin entstammte er dem FCB-Ausbildungslager), Fabian Bäcker vom Typ her eher ein spielender Fan. Vorher hörte ich im Block, er sei eingebildet, und als er die Gesprächsrunde damit eröffnete, dass er vorrechnete, dass unter dem neuen Trainer mit ihm auf dem Platz - rein von den Ergebnissen während dieser Spielzeit betrachtet - noch nicht verloren wurde, aber so ziemlich allem, was er sagte, konnte ich aus meiner Perspektive zustimmen: Seine Einwechslungen belebten das Spiel und er mehr Einsatzzeit verdient. Das Weiteren geizte er nicht mit Anekdoten: Er erzählte von einem furchtbaren Probetraining in Burghausen, von einem furchtbaren Fantreffen in seiner Gladbach-Zeit und wie es ihn nur wenige Tage vor seinem Vertrag in den Fanblock des Bieberer Bergs zog. Am Ende, als er im Auto an mir vorbeifuhr, grüßte er mich und das fand ich auch nett. Ja, doch, ich bleibe dabei: Die aktuelle Mannschaft der Kickers ist eigentlich sehr sympathisch.
Das nächste Spiel findet am Wochenende in Wiesbaden statt, dann geht es auf in den Hessenpokal. Ich kann noch nicht versprechen, vor Ort zu sein, aber ich werde zumindest vom Ergebnis berichten.
ps: Auch jenseits der Mannschaft scheint es jemanden zu geben, dessen Stern am Sinken begriffen ist: Sportkoordinator Ramon Berndroth. Vorher wohl Vermittler zwischen Trainer, Geschäftsstelle und Jugendbereich, hört man unter Frank Ruhl von ihm gar nichts mehr und es scheint, als würde er mehr und mehr in den Nachwuchsbereich abgeschoben. Wenn Dr. Ruhl nun von den "dre Musketieren" Schmitt, Bender und Fischer spricht, dann denkt er wahrscheinlich nicht an Berndroth als d'Artagnan.
Ein neuer Anlauf, Stufe 1
Im DFB-Pokal treten von Beginn an 64 Mannschaften an, von denen etwas über die Hälfte gesetzt ist (bis zum einschließlich Vierten der Dritten Liga) und die andere sich über regionale Pokale qualifiziert - in Offenbachs Fall über den Hessenpokal. Letztes Jahr wurde in diesen drei Spielen der Grundstock für das Pokalabenteuer gelegt, dieses Jahr möchte man natürlich Ähnliches zu Wege leiten - bei durchaus namhafter Konkurrenz, sind doch neben vier kleinen Namen noch die großen Clubs Wehen-Wiesbaden, Darmstadt und Hessen Kassel vertreten. Letztes Jahr führte der Weg von einem 8:7-Elfmeterschießen-Heimsieg gegen Darmstadt über einen 0:2-Auswärtssieg in Kassel zu einem 6:0-Finalsieg gegen den FC-Ederbergland vor heimischer Kulisse und... ach, da kann ich eine kleine Anekdote einflechten: Letztes Jahr teilten sich die acht Teams in einen großen und einen kleinen Block, so dass es zu diesem Finale kam. Hätte es nun der OFC geschafft, Vierter in der Liga zu werden (und die Chance bestand), dann hätte der FC Ederbergland, ohne auch nur einen einzigen namhaften Gegner zu besiegen, im DFB-Pokal gespielt. Allerdings - es sollte nicht sein, Offenbach verlor seine beiden letzten Spiele und der Zweite ging leer aus. Dieses Jahr wurden die Regularien entweder so geändert, dass das nicht mehr passieren kann, oder der Zufall hatte seine Hand im Spiel: Die vier Großen (es sind die gleichen Großen, Eschborn schien sich nicht qualifizieren zu können) treten in der ersten Runde alle zu Auswärtsspielen bei den Kleinen an. In Offenbachs Fall ging es zum Wiesbadener Stadtteilclub FV Biebrich 02, oder - wie gewitzelt wurde - zu einem "echten Wiesbadener Traditionsclub".
Ich hätte mir das Spiel hautnah ansehen können. Ich hatte es sogar vor - bis ich fand, dass es die 30 € nicht wert war. Dann hätte ich das Spiel auch noch im Fanradio ansehen können, doch dann ging ich lieber ins Kino. Das Spiel, war ich ehrlich, interessierte mich einfach nicht, ich glaube, ich bin gerade etwas kickersmüde.
Was konnte passieren? Ein unerwünschter Außenseitersieg, ein knapp-unter-zweistellig Pflichtsieg oder eine trostlose Rumpelkiste. Jubeln kann man bei allem irgendwie nicht, die Spieler dabei anfeuern... ach. Der FV Biebrich 02 spielt dermaßen unterklassig, dass selbst Offenbachs U23 als deutlicher Favorit ins Rennen gehen würde. Die waren allerdings beschäftigt, bestritten sie doch kurioserweise ein Heimspiel gegen Wehen-Wiesbadens zweite Mannschaft. (Ja, auch da hätte ich hingehen können, aber das hatte ich ja erst.)
Offenbach zog im Vorhinein die Posse ab, den Gegner genau zu beobachten und "ja nicht zu unterschätzen", so sehr brauchte man das Geld aus dem DFB-Pokal. Darin glich man wirklich nicht dem FSV Frankfurt, der vor der ersten Pokalrunde mal eben einen Vertreter zu einem Spiel von Sonnenhof Großaspach schickte und den dann "Ach ja, damit werden wir fertig" berichten ließ. (Anschließend konnte sich der FSV mit Mühe ein 2:1 errumpeln.) Offenbach schickte eine A-Mannschaft ins Rennen - und bekam auch bloß ein errumpeltes 1:0.
Es muss wie im DFB-Pokal sein, allerdings mit verkehrten Vorzeichen: Biebrich stellte sich mit Mann und Maus hinten rein und Offenbach kam mit so etwas auch in der Liga nicht zurecht. Kai Hesse schoss in der 70. Minute den Siegtreffer; ein Tor vorher von ihm wurde aufgrund von Abseits nicht gegeben, einen späteren Elfmeter sollte Thomas Rathgeber versemmeln. Es war wohl wirklich ein Spiel zum Verpassen.
Offenbach spielte mit einem irrsinnig offensiv ausgerichteten Kader (vier Stürmer, verteilt auf beide Außenbahnen und Doppelspitze) und einer knapp-unter-A-Formation (es gab auch einige Ausfälle). Ruhmreiche einzige Ausnahme: Sascha Korb. Nachdem wohl alle anderen beiden Außenverteidiger ausfielen (Daniel Dziwniel reiste zur polnischen U21-Nationalmannschaft, Maxi Ahlschwede litt schon unter der Woche an Grippe), sprang der Perspektivspieler auf seiner U23-Position ein und spielte durch.
So heißt es: Mund abwischen und weitermachen. In der Liga geht es am Dienstag gegen Burghausen (ein Nachholspiel), im Hessenpokalspiel wohl auswärts gegen Darmstadt. Beides wird nicht leicht, beides sollte aber zu gewinnen sein.
Mit Lars Bender gegen Schweinsteiger und Hummels
... oder: Das Duell der beiden Mannschaften mit der ausgeglichenen Tordifferenz. Man kann gut daran erkennen, wer eigentlich über seinen Möglichkeiten spielt und wer darunter. (Bei Offenbachs Bender handelt es sich freilich um einen Namensvetter, während in Unterhaching die Brüder der beiden Nationalspieler spielen.)
So kommt es zum Kampf... und ja, es entpuppt sich als wirklich schönes Offenbacher Spiel (und damit als Seltenheit). Schon in der 7. Minute fällt das 1:0. Es ist schön anzusehen; erst wissen beide Mannschaften im Mittelfeld noch nicht, in welche Richtung der Zug nun rollen wird, dann spielt Matthias Schwarz einen hohen, weiten Ball genau in den Lauf von Julius Reinhardt, der steht damit frei vor dem Torwart und überlupft diesen. So kann ein Spiel wirklich häufiger losgehen.
Die ersten fünfundzwanzig Minuten dominiert Offenbach ganz klar, wobei sich beide Mannschaften mit offenem Visier gegenüberstehen, was für einige Chancen auf beiden Seiten sorgte. So bekam Julius Reinhardt keine fünf Minuten später eine fast exakt gleiche Gelegenheit, die er aber über die Latte setzte, und der im Mittelfeld spielende Jan Washausen traf nur den Pfosten - auf der anderen Seite hätte ein Unterhachinger Stürmer nur ein wenig schneller sein müssen, um den Ausgleich zu schießen. So blieb es beim 1:0.
Dann kamen beide Mannschaften mehr im Spiel an und schalteten einen Gang zurück: Bis etwa zur achtzigsten Minute blieb Offenbach überlegen, was Ballbesitz und auch Eckbälle angeht, doch die klaren Chancen fehlten (auf beiden Seiten). Erst in der Schlussphase drehte Unterhaching noch einmal auf, die Knappheit des Rückstands vor Augen, und das Spiel wurde intensiver, aber auch hässlicher. Schließlich blieb es beim knappen Ergebnis. Es war zwar ein schönes Spiel, doch das anschließende "An Tagen wie diesen" aus den Stadionlautsprechern "auf Wunsch der Mannschaft" wirkte übertrieben. Es war viel eher eine Erinnerung an eine Vor-Krisen-Zeit als ein tatsächlicher Triumph.
Zuletzt möchte ich noch ein paar Worte zu einigen Hauptdarstellern verlieren.
Sead Mehic ist es eher in tragischer Rolle, fehlte der Ex-Kapitän schon vor dem Anpfiff und fällt nun verletzungsbedingt bis Ende der Saison aus. Ihn ersetzte Jan Washausen im defensiven Mittelfeld und lieferte dort ein gutes Spiel ab; er kommt immer mehr in dieser Rolle an.
Maxi Ahlschwede scheint ebenfalls seinen Marktwert zu steigern, so tritt der Außenverteidiger neuerdings auch vor Reinhardts Auswechslung die Ecken von seiner Seite. Dafür, dass er eigentlich nur als Backup eingeplant war, spielt er langsam eine richtig gute Saison.
Stefan Vogler bewegt sich gerade in die andere Richtung, der Stürmer brachte seit seiner Stammplatzübernahme nichts Beeindruckendes mehr hervor und ließ mich erneut feststellen, was ich schon einmal bemerkte: Es bringt nichts, ihn zusammen mit Fabian Bäcker auf den Platz zu schicken, die beiden ergänzen sich nicht. (Letzterer spielte ein bemühteres Spiel, konnte jedoch auch nicht wirklich herausstechen.)
Lars Bender bleibt wohl der (sportliche) Pechvogel der Mannschaft: Als einziger Profi bekam er von Schmitt vorher keine Chance und wurde nun auch nur für die letzten 10 Minuten gebracht - und fiel dann nicht auf, als 'Haching drängte.
Thorsten Siegmund möchte ich als Letztes erwähnen, denn auch Offenbachs Pressesprecher und Stadionbiograf wertet sich auf: Er übernahm den Chefredakteursposten der neu erschienenen Zeitschrift "Anstoß Rhein-Main", die "Fußball der Region jenseits des Tagesgeschehens betrachten" möchte. Die ersten beiden Ausgaben wurden gratis verteilt und bringen mich zu dem Urteil: Ganz nett, aber kein must-have.
Varus, gib mir meine 18.000 wieder
Zum vorletzten Heimspiel wurde geladen und darum ein riesiger Wirbel veranstaltet. Da sprach man von einem "so intensiven Spiel wie gegen Wolfsburg", im Internet suchte man die "18.000 Zuschauer des Pokalspiels" und Barbara Klein wünschte sich zumindest eine fünfstellige Zahl. Es war eine Menge Theater, welches aufgeführt wurde, um in einer finanziell angespannten Lage wohl zum letzten Mal für einen Einnahmenschub zu sorgen. Wie immer leistete man der Mannschaft damit einen Bärendienst und es sollte sich rächen. Ich brachte am Ende den Kommentar: "Das waren eure 18.000." Auch das Minimalziel wurde knapp verfehlt.
Offenbach muss momentan mit einer Verletztenmisere kämpfen, so reicht der Kader gerade noch so, um bei 10 Feldspielern dreimal wechseln zu können, wobei in der Offensive noch etwas mehr Luft ist als in der Defensive. (Das sah man schon daran, dass bei Jan Washausens Ausfall gegen Münster auf einmal ein Jugendspieler 90 Minuten durchspielen musste.) Von diesen gerade mal 13 Profispielern läuft etwa die Hälfte ihrer Form hinterher. Hinzu kommt die Motivation, die sicher nicht nur bei mir schwindet - eine Saison, die ins DFB-Viertelfinale führte und zugleich zwei Niederlagen gegen die Fußballgroßmacht Halle einbrachte, kann man nur noch schwer mit Herzblut zu Ende führen.
Ich könnte jetzt Namen nennen, aber das lasse ich lieber. Kommen wir zum Spiel - und ich verspreche euch: Es ist der Tiefpunkt einer an Tiefpunkten reichen Saison.
9.500 Fans, darunter eine Menge Darmstädter, sehen einen hitzigen Derby-Beginn. In der ersten halben Stunde kommt Offenbach auf mehr Ballbesitz, erspielt sich mehr Ecken und muss doch aufatmen: Darmstadt steht nicht umsonst im Tabellenkeller, zwei richtige Großchancen verbaseln sie noch. Dann findet der Ball in der 35. Minute nach langem Gestocher doch noch seinen Weg ins Offenbacher Netz. Da steht es 0:1 - leider absolut verdient.
Fünf Minuten später - die Kickers bäumen sich gerade auf - geht ein Darmstädter nahe des Offenbacher Hauptfanblocks zu Boden und spielt toter Mann. Hatte es zuvor noch Wurfgeschosse auf den Offenbacher Eckstoßschützen gehagelt, zeigen nun die Heimfans ihre Schändlichkeit und bombardieren ihn. Das Spiel wird unterbrochen, die Mannschaften kehren in die Kabine zurück und lange wird nicht mitgeteilt, was passiert. Wie im Pokal stellt sich Barbara Klein vor den Block, um wenigstens das Spiel vor dem Abbruch zu bewahren, und wird von ihren drei kleinen Schweinchen (Ruhl, Bender, Fischer) mehr schlecht als recht unterstützt. Dann kehrt die Mannschaft zurück... und verlor nun endgültig ihre Courage. War man 40 Minuten lang zumindest auf dem Feld überlegen, bringt man das auch jetzt nicht mehr zustande. Offenbach kapituliert.
In der 55. Minute holt sich Jan Washausen eine unnötige gelb-rote Karte ab. Direkt im Anschluss flattert wieder der Ball in Offenbachs Netz... doch, welch Glück, Abseits.
Ein weiteres mögliches 0:2 wird Julius Reinhardt verhindern, doch verletzt er sich beim Segeln gegen den Pfosten und muss ausgewechselt werden.
Das 0:2 passiert dann doch noch. Es ist egal. Die Möglichkeit eines Punkts war eigentlich nie gegeben.
Nach dem Spiel stellen sich einige Spieler den Fans und lassen sich minutenlang zusammenschreien, ehe sich die Mannschaft insgesamt (allerdings ohne Trainer) genötigt sieht, sich den Fans zu stellen. Minutenlang diskutiert man, wenn auch nicht mit dem besten Ton. Ich leide innerlich mit den Jugendspielern, besonders mit Sascha Korb, der gar nicht mal schlecht spielte und einen solchen Schock wirklich nicht verdient hatte.
Am Ende wird an die Zeitungen etwas von einem "fruchtbaren Dialog, wir haben die Fans noch auf unserer Seite" weitergegeben. Die Wahrheit? Nun gut, die kann man erahnen.
Mit dem Kaninchen in die unendlich tiefe Grube
Drei Tage später (Freitag und Montag) fand gleich das Rückspiel statt - Hessenpokal-Halbfinale in Darmstadt -, und ich war wieder nicht dabei. Diesmal entschied sich Trainer Schmitt anders, er verzichtete auf Stammkräfte und warf einen weiteren Jugendspieler ins kalte Wasser... mit einem optisch schöneren, wenn auch ähnlichen Ergebnis: 1:0-Niederlage. Kickers Offenbach bleibt damit nächstes Jahr dem DFB-Pokal fern, die möglichen Einnahmen der ersten Runde, mit denen man bei der Lizenzierung rechnen darf, bleiben aus. Die rabenschwarze finanzielle Situation wird damit noch ein wenig aussichtsloser.
So bleiben noch drei Pflichtspiele in dieser Saison: auswärts gegen Rostock, heimatlich gegen Wiesbaden und auswärts gegen Heidenheim. Noch trennen die Kickers vier Punkte vom ersten Abstiegsplatz. Das kann reichen, aber auch noch böse enden.
Ich werde wohl bei keinem dieser drei Spiele dabei sein. Mal sehen, was dann kommt.
"Das ist deiner. Der kann nichts."
Vor eineinhalb Jahren saß ich in einem Testspiel gegen Mainz, als ein neues Gesicht am Bieberer Berg erschien. Christopher Lamprecht, der Außenverteidiger, hatte sich kurz vorher verletzt, der Ersatzmann wurde schon vor einer ganzen Weile suspendiert, also griff man auf jemanden zurück, der schon zu Beginn der Saison im Gespräch war. Nun war noch nichts amtlich, der Verein zeigte seinen guten Willen und ließ ihn mit Rückennummer spielen, doch der DFB hatte noch nicht zugestimmt.
Der Spieler lief sich während des Spiels warm und weil zu dem Zeitpunkt gerade die Stehplatztribüne neugebaut wurde, saß ich ziemlich nahe. Ein Junge tritt an die Brüstung und sieht ihm zu. "Wer bist du denn?", ruft er. Die Antwort: "Ich bin der Maxi." Der Vater mischt sich ein: "Siehst du den Schwarzen da? Das ist deiner. Der kann nichts."
Sein Name lautet Maximilian Ahlschwede. Er spielte zu dem Zeitpunkt in Bielefelds frisch zusammengestellten Drittligakader, doch da er damals (selbst im Abstiegskampf) nicht zum Zug kam, brauchten sie ihn nicht und gaben ihn ablösefrei her. So kam er mit der Rückennummer 2 nach Offenbach - und absolvierte in der Saison kein einziges Spiel, verletzte er sich doch kurz darauf schwer und fiel aus.
In der neuen Saison, im inzwischen fertig gestellten Sparda-Bank Hessen-Stadion, änderte sich nichts an der Grundkonstellation. Christopher Lamprecht war immer noch verletzt, doch Maxi Ahlschwede wieder fit, also durfte er spielen. Das tat er... und fand sich gleich darauf auf der Bank wieder. Zu Saisonbeginn hatte er eine seiner beiden Schwächephasen, die andere kurz vor Jahresende - einmal profitierte Daniel Dziwniel davon, einmal musste Marcel Stadel den Außenverteidiger in sich entdecken -; in van Lents merkwürdiger Schlussphase durfte er dann den äußeren Mittelfeldspieler in sich entdecken.
Sieht man davon ab, bewährte sich Maximilian Ahlschwede als Stammspieler und befand sich auch auf dem aufsteigenden Ast, da er mehr und mehr auch Ecken und Freistöße übernahm. Er war einer der Spieler, bei dem ich mir gewünscht hätte, dass er bleibt, eben weil er sich in der Mannschaft auch hätte weiterentwickeln können, doch nun (und das werdet ihr erwartet haben) ist er fort, als erster der Spieler mit auslaufenden Verträgen wechselt er zu Wehen Wiesbaden.
Zwei Erinnerungen werden wach, wenn ich an Maxi Ahlschwede denke.
Da wäre einmal das Spiel gegen Chemnitz. André Hahn verletzt sich schwer und wird ausfallen. Während die Sanitäter das Spielfeld überqueren, sitzt Maxi Ahlschwede bei dem Leidenden und streichelt ihm den Kopf. Eine sehr homoerotische Szene, aber auch eine sehr rührende - und heute sind sie beide weg.
Da wäre aber auch die Fanshop-Adventsfeier mit Signierstunden. Als letztes Duo wird "Maximilian Ahlschwede und noch einer" angekündigt. Ich warte und warte, doch sie werden nicht mehr erscheinen.
Herr Ahlschwede, ich kann Sie verstehen. Gleich ob die Insolvenz geschieht oder nur eine drastische Kader-Einsparung, Offenbach wird im nächsten Jahr nicht mehr auf gleicher Stufe stehen. Sie sind jung - möchten Sie nicht zurückschreiten, dann müssen Sie fort.
Ich gebe zwei von drei Salutschüssen für Maximilian Ahlschwede. Den dritten erhält er, wenn am Wochenende gegen Wiesbaden gewonnen wird.
(ps: Dass der Wechsel genau in dieser Situation bekannt wurde, halte ich nicht für schlimm. Das vermeidet im Nachhinein nur böses Blut.)
Liste der Anhänge anzeigen (Anzahl: 1)
Endspiel
Letzte Woche war ich etwas vorschnell. Ich sagte: "Wenn Karlsruhe gewinnt, dann sind die Dropps gelutscht." Dabei übersah ich allerdings ein Nachholspiel, welches zu Offenbachs Ungunsten ausging - Dortmund II schlägt Erfurt 4:3, damit rückt der Tabellenkeller bis auf einen Punkt an uns heran.
... und nun geht es auch noch gegen den 7. und gegen den 5.. Das kann noch einmal richtig hässlich werden.
In diesem beiden Spielen präsentieren die Spieler auch gleich die neuen Trikots. Ich weiß noch nicht ganz, was ich davon halten soll.
Anhang 9954
Links seht ihr die (ganz offen von Barcelona abgekupferten) Auswärtstrikots, ähnlich furchtbar wie aktuelles Leuchtwestengrün. Das Heimtrikot gefällt mir soweit und auch das Torwarttrikot ist ganz schick. Mal sehen...
Schnell werde ich ohnehin nicht zuschlagen, möchte ich doch erst einmal sehen, wer im Verein verbleibt - und ob es diesen überhaupt noch geben wird. Im Falle eines Abstiegs gehen in Offenbach nämlich die Lichter aus, das ist ziemlich sicher.