Kalter Kaffee in der Geschäftsstelle
Viel passierte in den letzten Tagen, und ich berichtete nicht... weil es dann doch nicht sooo spannend ist.
Zunächst fand sich mit David Fischer ein neuer Profi-AG-Geschäftsführer, der Jörg Hambückers zum Monatsende endgültig beerben wird. Jener Herr Fischer ist 28 Jahre alt und arbeitete beim Kickers-Vermarkter Sportman Media Group, kennt somit den OFC aus der anderen Perspektive. Natürlich weist ihn all das schon als klaren Nicht-Konkurrenten um die Macht beim OFC aus, was Dr. Frank Ruhl sicherlich keineswegs stört; ach, es ist doch das gleiche Spiel wie damals bei den Frankenkönigen: Kaum greift der Hausmeier nach der Königskrone, gibt es das Amt des Hausmeiers nicht mehr.
Letzten Freitag spielte der OFC außerdem beim Zweiliga-Team in Sandhausen (das liegt bei Heidelberg, also nicht allzu weit entfernt). Das Spiel endete 3:1, also nach Erwartungswert: Sandhausen dominierte, Offenbach gab sich keine Mühe, das zu unterbinden, ließ Bankspieler Spielfeldluft schnuppern und erreichte immerhin in den Schlussminuten noch einen Ehrentreffer.
Am Samstag nun wartet noch Münster. Das Spiel würde im Livestream übertragen werden, doch ich werde wohl erst am Ende das Ergebnis erfahren.
Die Schlacht von Lobositz
Nun startete also in Bieber die Ostdeutsche Woche: Heute Chemnitz, Mittwoch Ost-Berlin, Freitag Rostock. Während sicher der eine oder andere Spieler in Gedanken beim DFB-Pokal verweilte und der Verein die Chance nutzte, ein doppeltes Stadionheft zu doppeltem Preis zu verkaufen, möchte ich noch einen Blick zurückwerfen, denn schon zu Beginn des Threads merkte ich an: Das Heimspiel letzte Runde gegen Chemnitz stellte den Tiefpunkt meiner Erfahrungen dar - Gegenstandswürfe aus Publikumsreihen führten zu einer Unterbrechung und einem drohenden Spielabbruch, Fans schreien nach Randale und die Kickers verlieren nach mauer Leistung gegen den Aufsteiger mit Lauf mit 0:1 aus einem Eigentor. Nichts, aber auch nichts war schön.
Das war damals, doch heut' ist heut': Es schneit und ist biestig kalt; mich friert, doch aus patriotischen Gründen werde ich bestimmt nicht gegen die "Blauen Füchse" auf meine blaue Jacke wechseln (auch das hatte ich schon im letzten Jahr). Den Spielern geht es ähnlich, so dass ich in der ersten Halbzeit auf kein Ereignisprotokoll setzen möchte: Sie ist zum Abgewöhnen. Dabei ist es nicht so, dass viel gefoult oder gepatzt oder gesonstigt wurde, nein, der Platz ist nur glatt und die Spieler lassen jede Laufbereitschaft vermissen. Gefährlich wurde Offenbach auch nicht, da jede Flanke entweder im Gelände landet oder an einer Stelle, an der sie gefährlich werden könnte, wenn dort ein Stürmer stände... ja.
Von Chemnitz kommt übrigens nichts. Im Stadion zittert man vor Kälte, nicht vor dem Gegner.
Direkt nach Wiederanpfiff verletzt sich aber Andre Hahn dämlich nach einem selbst auf 10 Meter Entfernung harmlos aussehenden Zweikampf und wird mit der Trage vom Spielfeld gebracht. Ich hoffe das Beste, das bräucht's nämlich nicht. Dann folgt nach einer Stunde der nächste Wechsel und er bringt Sonne: Stefan Vogler, der laufaktive Stürmer ohne Torinstikt (also quasi der Gomez Offenbachs), ersetzt den schwachen Thomas Rathgeber; der Block neben mir murrt, aber ich muss sagen, ich hätte das Gleiche getan - in der Situation braucht es einfach einen laufbereiten, motivierten Spieler. Vogler sollte mich auch nicht enttäuschen und wäre mein Mann des Spiels, wenn ich einen solchen hätte. Denn auf einmal wacht Offenbach auf...
Die letzte halbe Stunde findet das Spiel nur noch auf ein Tor statt: Offenbach erspielt sich seine Chancen... und doch fehlt Glück oder Können. Ich kann gar nicht sagen, wer da alles scheitert, das scheint die halbe Mannschaft zu sein. Dabei bleibt es dann auch: 0:0.
Hatte ich nicht mal gesagt, ich erlebte noch kein einziges torloses Spiel auf dem Berg? Das wäre nun auch erledigt.
Ich bin zufrieden, denn anders als vor einem Jahr wartete diesmal keine Blamage auf mich. Nun geht es am Mittwoch im DFB-Pokal gegen Union Berlin, doch morgen erst einmal zum Brunchen. Ich werde euch davon berichten.
... und da ging es Brunchen
Daher komme ich - oder besser: Ich bin erst auf dem halben Weg zurück und sitze noch miitten in Frankfurt in einem Netzcafe.
Dahinter steckte die Idee des Vereins, man könnte ja (einmal im Monat) den VIP-Bereich nutzen, um Fans und Verantwortliche zusammen frühstücken zu lassen und so für mehr Bindung zu sorgen... und außerdem etwas Geld einnehmen, leidet der Verein doch an einem Mangel an flüssigen Mitteln. So griff ich einmal mehr zu meinem Anzug (ich legte mir eine Kickers-Anzugnadel zu und habe nur bei solchen Gelegenheiten Möglichkeit, sie zu tragen), zog eine lange Unterhose drunter (weil kalt), druckte mir diesmal nicht die Buchung aus (wie bei der exklusiven Kickers Hautnah-Führung bekam ich keine Bestellbestätigung) und begab mich auf den Weg... und war nicht einmal overdressed.
Ehe ich zum Ergebnis (für mich, aber das ist ja auch ein persönlicher Blog) komme, möchte ich noch anmerken: Ich bin ein Einzelgänger. Ich gehe alleine ins Stadion, habe keine Kumpels, mit denen ich über Fußball diskutiere, und komme auch mit der Fan-Subkultur nicht so spielend zurecht wie mit manch anderer. Mit anderen Worten, ich brauche Bespaßung und Programm, sonst wirke ich gerne einmal wie bestellt und nicht abgeholt. Das war sicher auch heute der Fall, doch muss ich ehrlich sagen, dass mir mein Sitznachbar sympathischer war, als sich die Kommunikation noch auf "Könnten Sie mir den Kaffee reichen?" beschränkte. Sie wandelte sich allerdings dann von "Und wer ist denn der Spieler?" (als Dauerkarteninhaber konnte ich nahezu alle erkennen) zu Pöbeleien zum Gesprächserhält ("Sie sehen aber auch aus, als würden Sie durchgehend Hamburger fressen, höhö."). Bedenkt man, dass ich ihm vorher noch erzählte, Vegetarier zu sein... ach. Meine Lustigkeit hält sich bei solchen Gründen, die Menschheit und Rentner im Besonderen noch weniger zu mögen, doch stark in Grenzen.
Was gab es also? Essen, Aussicht (auf Stadion und Straße), Blick auf die Spieler beim Trainieren und Warten darauf, dass sie erscheinen. Das taten sie auch schließlich und (es sollte mich verblüffen) sie kamen so ziemlich alle. (Ungewöhnlich deshalb, da der Trainer die Mannschaft ziemlich abschirmt. Aber schlechte Stimmung war wohl auch nicht zu erwarten.) Man konnte ihnen beim Essen zusehen, sich mit ihnen fotografieren lassen oder sonstwas mit ihnen anstellen, ich indes nutzte lediglich die Gelegenheit, meinen Trikotpaten sich auf meinem Trikot verewigen zu lassen. Das hatte ich mir auch fest vorgenommen.
Es blieb also alles im allem beim Profanen... und kalt draußen. Mittwoch geht es im Pokal gegen Berlin. Dann bleibt zu hoffen, dass die Jungs heute dafür Wärme und Kraft tankten.
ps: Ich erfüllte mir sogar einen Badboy-Traum. Ich nahm eine Wasserflasche mit ins Stadion und trank sogar mitten im Büffet darauf. Echt, ich bin so krass. Al Capone wäre sicher stolz auf mich.
"Es kotzt mich an das die Wessis in meinem Stadion jubeln...."
Ein Union-Spieler sorgte Anfang der Saison mit diesem Ausspruch für Schlagzeilen. Ich muss sagen, ich bin da weniger spezifisch - ich empfinde es sogar als unangenehm, wenn Angehörige anderer deutscher Vereine in meinem Stadion jubeln... und eigentlich nicht einmal nur deutscher... gut, meinetwegen, natürlich würde ich nichts dagegen sagen, von einer jüdisch-israelischen Mannschaft aus der Champions League geworfen zu werden, aber welcher Offenbacher würde das auch tun? Nirgendwo in Deutschland ist der Name "Sachsenhausen" so negativ präsent wie hier.
Gut, genug gealbert, lassen wir das Spiel seinen Schatten werfen und mich zugeben, dass ich nicht daran glaubte. Es gab Vorzeichen, die mir nicht gefielen, so ging meine OFC-Tasse an dem Tag zu Bruch und verschwand trotz der Botschaft "Rot und Weiß, ein Leben lang" in einem Frankfurter Mülleimer, so sah ich mir die ersten Spiele in einer Kneipe an und musste das Joch der Verkaterung tragen, so trug ich auch das frisch signierte Trikot eines Spielers, der trotz seiner Teilnahme am (vom mir ja schon zitierten) Werbespot seinen Stammplatz in den letzten Wochen wieder an den eigentlich ersten Mann verlor, und dafür gewisse Kleidungsstücke nicht, die sonst zu Spielen zu meiner Montur gehören und nun seit dem doppelbelasteten Wochenende noch in der Wäsche lagen (zum Glück besitze ich aber drei Paar offizieller Kickers-Socken). Es gab ein Lied von Janus von einer meiner Autofahr-CDs, dass mir an diesem Tag durch den Kopf ging und das ich vor mich hin sang. Ich zitiere mal einen Ausschnitt, es heißt "Du siehst aus wie immer" und handelt davon, einen Freund im Krankenhaus sterben zu sehen.
Deine Frau kommt nur noch, um zu weinen.
Mit Worten, die dir fremd erscheinen,
spricht sie stockend von den Kleinen
mit ihren Kinderfragen.
Sie weiß darauf nichts mehr zu sagen.
Ein weißer Kittel kommt hereingeschwebt.
Er sagt fast ein Drittel hätte das hier überlebt.
Deine Frau zupft an den Rosen,
die Anspannung wird schlimmer,
sie hört schweigend die Prognosen.
Du drehst dich um, lächelst stumm.
Du siehst aus wie immer...
Ein Drittel überlebt, ja so sehe ich Offenbachs Chancen. Entweder können sie sich gerade so durchrumpeln, sie verlieren es unglücklich oder sie gehen unter. Das kann wohl alles passieren.
Ich entscheide mich also dazu, meinem Trikot-Paten die Ehre zu erweisen, indem ich die Frisur imitiere, die er bei der Autogrammstunde im Mobilfunkladen trug (die Haare in Strähnen nach vorne gegelt), nehme in Kauf, dass ich mit dem dünnen Trikot und meiner dünnen weißen Jacke frieren werde, und treffe meinen Mitbewohner, der mich (zum ersten Mal) ins Stadion begleitet, ein Teil meines Geburtstagsgeschenk an ihn. Es wird ihm gefallen... aber ich gleite ab.
Meine Sorge verfliegt am vertrauten Ort, dem Stadion, ohne Zuversicht - sondern Schicksalsergebenheit - Platz zu machen. Tatsächlich kommen die Kickers gut in die Partie und beherrschen den ersten Teil der ersten Hälfte, leiden jedoch an Nervosität vor dem Tor - sie wissen, dass ihnen wohl nicht viele Chancen bleiben werden, wollen sie deshalb besonders nutzen... und verbaseln sie dadurch zu schnell. Dann verlieren sie langsam die Kontrolle, als Berlin erwacht, und ich bin mit dem 0:0 zur Pause noch sehr zufrieden. Es könnte schlimmer kommen; ich hoffe darauf, dass der Trainer die richtigen Worte findet und wie am Wochenende gegen Chemnitz die zweite Halbzeit der Heimmannschaft gehört.
Es kommt anders. Nun dominiert Berlin und mein Mitbewohner klagt, er würde ja gar nichts vom Spiel sehen (wir standen immer nahe dem ungenutzten Tor); Tormann Wulnikowski beweist sein Können. Dann geschieht etwas, was der OFC schon im Spiel gegen Bielefeld erlebte, nur mit umgekehrten Vorzeichen: In einer Phase, in der sich das Spiel vor allen in Offenbachs Hälfte abspielt, gelingt ein Konter, Feldhahn schießt eine gute Flanke, Fetsch steht richtig und kann auch was... 1:0. Das war für Braunschweig.
Nun muss Berlin kommen, was Offenbach Konterchancen eröffnet... nur leider spielen sie gegen keinen Drittligisten, dem sie mal eben enteilen können. Das 2:0 entsteht aus einem Freistoß: Reinhard schießt, Vogler köpft und belohnt sich. Der schon in Chemnitz gute Stürmer, auf dessen Einwechslung ich hoffte, weil schnell und motiviert, schießt sein erstes Saisontor. Gut so.
Das war's dann. Es bleibt die Heimfahrt in einer Bahn mit friedlichen Berliner Fans, während sich beim Tor noch Randale anbahnte und die Grenze zwischen den beiden rot-weißen Blocks von Polizisten geschützt werden musste (aber scheinbar befanden sich unter den Berlinern auch eine Menge Eintracht-Fans). Ich legte mir auch noch eine neue Tasse zu, eine OFC-Weihnachtstasse. Wenn sie in Runde 3 Glück bringt, soll es das wert gewesen sein.
Was bleibt mir als Fazit zu sagen? Offenbach spielte eine (für sie) solide Leistung - der Sieg geht in Ordnung, auch wenn er nicht dominierend-glanzvoll errungen wurde. Es blieb aber auch bemerkbar, dass die Mannschaft gegen einen soliden Erstligisten kein Land sehen würde, das nach dem doch drastischen Zweitligistensterben in dieser zweiten Runde die Zahl der machbaren Gegner recht gering ausfallen lässt. Bochum wäre wohl das glücklichste Los, Köln auch machbar (auch wenn das Freundschaftsspiel letztes Jahr verloren ging), Augsburg...? Danach hört es dann auf.
Egal, wer es wird: Hoffentlich wirft er den OFC nicht an meinem Geburtstag aus dem Pokal, wie vor zwei Jahren Nürnberg. Dann könne ich mich wirklich erbrechen.