"Herr van Lent, was mögen Sie lieber..."
"Herr van Lent, was mögen Sie lieber, Derbysiege oder Weihnachten?"
Das ist ein alter Witz, den ihr sicher kennt. Müsste ich ihn zuende erzählen und unserem Trainer Worte in den Mund legen, würden sie lauten: "Weihnachten. Das ist häufiger." Nun ja...
Es ging am letzten Wochenende gegen Wiesbaden, das Wolfsburg der Dritten Liga: Ein Verein mit einem ambitionierten Sponsor im Rücken (den Wasserfilterhersteller Brita), einem den Mitteln nicht entsprechenden (das heißt: ausbleibenden) sportlichen Erfolg und keiner Fußballtradition, was sich in der Anhängerschaft wiederspiegelt: Gerade einmal 5.500 Fans besuchten das Spiel, wohl die Häfte aus Offenbach, und wo das Derby in Darmstadt einer Schlammschlacht glich, passierte hier vor halbleeren Rängen zwischen den Fangruppen so gar nichts. Man könnte also statt von Schlamm von gut gefiltertem Wasser sprechen.
Das Ergebnis wird bekannt sein: Offenbach verliert 2:1.
Eine Charakterisierung des Spiels würde wohl lauten: Offenbach tritt auf wie eine Heimmannschaft, bekommt definitiv mehr Ballbesitz, kann auch mit mehr Eckbällen punkten... und verliert doch verdient. Die Anspannung der Mannschaft, die gegen Rostock noch zu stark zu spüren war, fehlte ganz, in der Abwehr schwamm man, wenn's drauf ankam, Gefahr kam nicht zustande und ein überragender Spieler, der es im Alleingang hätte drehen können, fehlte - das wäre wohl Julius Reinhardt gewesen, doch wie so viele Kickers-Spieler erwischte er keinen guten Tag.
In der ersten Halbzeit fielen die Gegentore aus dem Nichts, in der zweiten Halbzeit passierte eine interessante Systemumstellung: Rathgeber kam für Mehic und verwandelte Offenbach in eine 4:4:2-Mannschaft mit vier ausgebildeten Stürmern. Das hatte Ende der letzten Saison sich schon bewährt, diesmal erreicht es noch einen Anschlusstreffer aus einem Elfmeter heraus und ein Eckballtor, das jedoch zuvor schon abgepfiffen wurde. Mist war's.
Offenbach rutscht so auf den neunten Rang zurück und würde nach einem Sieg gegen Heidenheim (am Samstag) wohl wieder da stehen, von wo man die Saison begann. Dann schreibe ich auch ein erstes Resümee.
Man möcht' fast nichts sagen
Folgender Artikel steht seit heute auf der offiziellen Seite. Man möcht' sich ja fast schämen.
Zitat:
Stellungnahme zu den Vorkommnissen bei der Veranstaltung „Kickers- Connect“ am gestrigen Abend
Freitag, den 23. November 2012
Die Geschäftsführung der OFC Kickers 1901 GmbH und das Präsidium des OFC Kickers 1901 e.V. möchten sich bei allen Partnern und Sponsoren für die Vorkommnisse bei der Kickers-Connect Veranstaltung am gestrigen Abend ausdrücklich entschuldigen. Die Geschäftsführung der OFC Kickers 1901 GmbH und das Präsidium des OFC Kickers 1901 e.V. haben sich zu folgenden Maßnahmen entschieden:
Aufgrund wiederholt vereinsschädigen Verhaltens wurde gegen Remo Kutz ein Stadionverbot für die Heimspiele der Offenbacher Kickers ausgesprochen. Es ist ab sofort gültig und tritt bereits zum morgigen Heimspiel gegen Heidenheim in Kraft.
Die Offenbacher Kickers verurteilen jegliche Form der Gewaltanwendung, insbesondere in den eigenen Räumlichkeiten, auch wenn diese, wie gestern, aus dem Affekt passieren. Aufgrund dessen wird Donato Cisternino nach seiner Auseinandersetzung mit Remo Kutz streng verwarnt.
Link
Ihr erinnert euch: Remo Kutz wäre gerne Präsident geworden, scheiterte jedoch ziemlich deutlich. Nun begibt es sich jedoch, dass die Kickers bei seiner Firma ziemlich deutlich in der Kreide stehen. Ich erinnere mich daran, dass er sich unbeliebt machte (ich weiß jedoch nicht mehr, wo ich das hörte), indem er nach seiner Wahlniederlage ziemlich laut nach seinem Geld verlangte, obwohl er doch zusagte, die Kickers trotzdem weiter zu unterstützen... die übliche Rhetorik eben. Nun scheint alles eskaliert zu sein.
Ich lasse das einfach mal so stehen. Ich weiß zum Einen zu wenig über die Vorgänge und möchte zum Anderen auch gar nicht mehr wissen.
Das Hirn des Weihnachtsmannes
Hatte ich erwähnt, dass ich mir einen Kickers Offenbach-Adventskalender zulegte, ihn neben mein Mannschaftsposter hängte und nun zusehe, dass er Tag für Tag leichter wird, getreu dem Motto: Kalorien statt Punkte? Er zeigt ein recht schönes Bild eines Weihnachtsmannes, der nachts durch einen verschneiten Wald schlendert, vom Stadion im Hintergrund fort und eine Spur an Geschenken hinter sich lassend? Am ersten Tag ließ sich eine Trillerpfeife aus dem Schnee ziehen, um zweiten ein Volleyball aus dem Hirn des Weihnachtsmannes, gestern erschienen Torwarthandschuhe hinter den Sternen und heute gab es eine 1:0-Tafel aus dem Stadion. Dumm nur, dass das nächste Spiel ein Auswärtsspiel ist.
Momentan läuft alles nicht ganz rund und glücklich beim OFC, vier Niederlagen aus fünf Spielen sprechen eine deutliche Sprache. Über die letzte sprach ich noch nicht.
OFC - Halle: 0:1
Das zweite Heimspiel der Saison verpasste ich, da ich arbeiten musste. Ich bot meine Dauerkarte darum meinem Mitbewohner an, der aber auch kurzfristig absagte. Es sollte generell nicht mein Wochenende werden und obwohl ich mich nicht frage, ob ich an dem Tag mein Geld wert war, traf ich doch einige unglückliche Entscheidungen. Den Kickers ging es ähnlich. Sie spielten schlecht, vergaben ihre raren Chancen und fingen noch das 0:1 durch einen Konter in der Schlussminute.
Am Sonntag folgte ein verkaufsoffener Sonntag im OFC-Fanshop, zu dem es mich zog, schon um das Stadionheft gegen Halle für meine Sammlung zu ergattern. Wieder stand alles unter einem schlechten Stern: Der Fanshop bot als Aktion das Heimtrikot zu einem guten Preis an... doch wozu brauche ich noch ein zweites? Er lockte mit Glühwein und Chili, beides für mich als fahrradfahrenden Vegetarier uninteressant, und schließlich gab es da auch noch ein Würfelspiel (bestehend aus Würfelbecher und drei Würfeln im OFC-Design), was mich gereizt hätte... nur eben nicht für 15 Euro.
Jede Stunde ließen sich außerdem zwei Spieler ankündigen, in der ersten: Stefan Kleineheismann (genesender Abwehrspieler) und Daniel Endres (Ersatztorwart), in der zweiten André Hahn und Lars Bender (beide Mittelfeldspieler)... und Letzterer war ruhigen Gewissens die ärmste Sau des Tages, denn alle Welt interessierte sich für seinen Banknachbarn, ohne den es beim OFC in der Saison nicht läuft, und niemand für ihn. Auch von mir musste er nur die Entschuldigung hören, dass ich mir von ihm kein Signum auf dem Trikot wünschte, da stände er nämlich schon drauf.
Die dritte und letzte Schicht, bestehend aus "Maxi Ahlschwede und noch irgendwem", fehlte ohne Absage. Auch das ist Offenbach in diesen Tagen.
"Der Platz war leider nicht bespielbar."
An diesem Wochenende sollte Offenbach gegen Stuttgart II spielen. Ich hätte dem Spiel nicht folgen können, doch spielt dies keine Rolle, denn es fiel aus. Gut so, scheint die verbreitete Meinung auf Transfermarkt zu sein; schade, denke ich. Stuttgart II besitzt eine irrsinnig gute Auswärts- und eine irrsinnig schlechte Heimbilanz - vor dem letzten Spieltag stellten sie den Zweiten in der Auswärts- und den Vorletzten in der Heimtabelle. Sowas hätten wir schlagen und damit Selbstbewusstsein sammeln können. Aber gut, ich ging ja auch nie von etwas anderem als einem Sieg gegen Halle aus.
Karlsruhe kann das wohl. Ich fand euch erst gar nicht auf der Tabelle wieder. Gratulation zum zweiten Platz.