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Saphirs Schatzln 13/14 - Kick-Off im regionalen Wunderland
Anhang 12597
Es war einmal... ja, es war einmal ein Verein, der den Weg des modernen Fußballs nicht mehr mitgehen wollte. Da gab es keine Tradition mehr, sondern nur noch profihafte Stille und solch dekadente Erscheinungen wie Vereine, die Spieler mit Geld lockten und das dann auch noch bezahlen konnten. Als dann die dritte Liga durch Sandhausen von der einen Seite und RB Leipzig von der anderen fast schon eingesandwitcht wurde, sagte man in Offenbach: "Jetzt reicht's, das machen wir nicht mehr mit! Wir gehen zurück an einen Ort, an dem noch echte Fußballkultur zu Hause ist, an dem die Spieler blöd sein müssten, um für so wenig Geld so viel zu leisten, und an dem die Wege schön kurz sind." Und das tat man...
... das oder man war im entscheidenden Moment richtig, richtig, richtig unfähig, eines von beidem jedenfalls.
Aber wie ließ einstmals ein Frankfurter, der einmal in eine Offenbacherin verliebt war, eine seiner Figuren sagen: "Hier steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor." (Ironischerweise steigt Dr. Faust just zu dieser Zeit wieder aus Offenbach aus.) So befindet sich Kickers Offenbach zusammen mit siebzehn anderen Mannschaften aus Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland in der Regionalliga Südwest und prügelt sich mit diesen um sechs besondere Plätze: Zwei Relegationsplätze nach oben, vier sichere Plätze nach unten. (Ja, diese Regionalliga gewährt als einzige zwei Mannschaften die Chance auf eine Rückkehr auf die etwas größere Bühne. Das führte letzte Saison zu dem Kuriosum, dass der Zweite aufstieg und der Erste nicht.)
Die Mitbewerber sind (in der Reihenfolge der letzten Saisonplatzierung, die letzten drei stiegen aus unterschiedlichen Ligen auf)...
KSV Hessen Kassel, 1. FC Kaiserslautern II, SG Sonnenhof Großaspach, Eintracht Trier, Waldhof Mannheim, SC Freiburg II
TuS Koblenz, 1899 Hoffenheim II, SSV Ulm, Mainz 05 II, Wormatia Worms, SC Pfullendorf
FC Homburg, Eintracht Frankfurt II, SVN Zweibrücken, SpVgg Neckarelz, KSV Baunatal
Fünf zweite Mannschaften, einige große Namen wie Kassel, Mannheim, Ulm oder Koblenz... nun ja, wir werden sehen, was dabei herauskommt. transfermarkt.de schätzt Offenbachs Kader ins untere Mittelfeld, aber in den unteren Ligen werden sie ja ziemlich unpräzise.
Am Freitag, den 26. Juli, geht es los gegen (und in) Koblenz. Zwar halte ich noch weder meine Dauerkarte noch ein Trikot in den Händen, doch ich bin guter Dinge und voller Vorfreude.
Bin ich also ein Narr und gehe auf die Reise. Viel Spaß euch und mir wünscht...
Christian / Saphir
Das obligatorische Abholen - Kickers Offenbach heute
"Unsere Träume sind größer als die Dritte Liga."
Dieses Motto des Fanshops beschreibt gut den Geist, der auf Biebers Höhen herrschte, seitdem man vor fünf Jahren in die damals neu gegründete eingleisige Dritte Liga abgestiegen war. Als "gefühlter Zweitligist", der gerade einmal vier der letzten zwanzig Spielzeiten in der zweiten Bundesliga verbrachte (und nein, Erstligajahre waren nicht dabei), fuhr man einen riskanten Kurs: Man wollte aufsteigen um jeden Preis und investierte dazu viel in Kader wie auch in ein neues Stadion, und wäre die Rechnung aufgegangen, dann hätte man die Voraussetzungen geschaffen, um sich im Mittelfeld der zweiten Liga zu etablieren - allein, der Ruhm war ein undankbarer Hund, der eben nicht nach Hause zurückkehrte, egal wie laut und wütend das Herrchen doch schrie. Drei Jahre lang spielte man oben mit, brach aber nach überzeugenden Hinrunden immer wieder im Winter ein und belegte siebte Plätze. Im vierten Jahr schwanden langsam die Kräfte und eine Übergangssaison unter Verwalter Arie van Lent wurde eingeplant - mit anderem Verlauf, aber ähnlichem Ergebnis (Platz 8). Im letzten Jahr sollte nun unter dem gleichen Trainer mit etwas mehr deutlich mehr erreicht werden... damit scheiterte man grandios und stellte erst am vorletzten Spieltag den Klassenerhalt sicher.
Inzwischen hatte sich jedoch auch der Vorstand verändert: Der langjährige Vizepräsident und Geschäftsführer der Profi GmbH und Verantwortlicher für den riskanten Kurs, Thomas Kalt, hatte mit Eröffnung des neuen Stadions seinen Rücktritt erklärt und schaffte Platz für den neuen starken Mann: Dr. Frank Ruhl, selbständiger Unternehmensberater und neuer Vereinspräsident. Dieser Herr brachte nun neuen Wind in den Verein: Er mistete den Augiasstall der Finanzen aus, präsentierte sich als starker Mann, tat eine Menge... und scheiterte doch auf den letzten Metern, als der DFB seine Arbeit nicht anerkannte. So wurde es amtlich: Kickers Offenbach muss in die Regionalliga Südwest zurück.
Über Dr. Frank Ruhl, der im September nach langen Schlammschlachten sein Amt niederlegen wird, und seine Schuld möchte ich hier nicht sprechen - inwiefern die Lizenz durch Unmöglichkeit oder pure Dummheit verspielt wurde, lässt sich wohl nicht sagen. Im Moment muss man über Kickers Offenbach wohl nur folgendes wissen:
a.) Sie besitzen ein neues Stadion, welches zu Beginn der letzten Saison eingeweiht wurde - sehr schön, zweitligatauglich, aber schon für Drittliga-Rumpelfußball eindeutig zu groß.
b.) Der große Erfolg der letzten Saison, das Erreichen des DFB-Viertelfinales, sorgt zumindest für etwas Ruhm. Für die neue Runde qualifizierte man sich jedoch nicht.
c.) Vom Vorstand wurde in den letzten Wochen eine Menge Porzellan zerschlagen. Nun scheint zumindest erst einmal Ruhe eingekehrt zu sein.
d.) Unter den Fans herrscht Aufbruchsstimmung wie lange nicht mehr. Die erwartete Absatzmenge der Dauerkarten wurde bereits überschritten - nun sollte sich die Zahl den 1.500 nähern.
e.) Der Kader wurde komplett neu gestaltet und neben einer Handvoll Übernommener mit frischen Leitwölfen und jungen Wilden aufgefüllt. Die Planungen sind jedoch noch nicht abgeschlossen.
f.) Als mögliche Trumpfkarte könnte sich die Zweite Mannschaft in der Hessenliga, also gerade einmal eine Klasse darunter, erweisen. (Die Zwei-Stufen-Unterschied-Regel, die sowieso eher eine Ausnahme ist, gilt hier nicht.)
g.) Das Letzte und Wichtigste: Der Verein ist insolvent, was den Insolvenzverwalter Dr. Andreas Kleinschmidt zur wichtigsten Figur auf Biebers Höhen macht. Es scheint sich dabei allerdings um eine sehr sympathische Person zu handeln.
Kommen wir nun zum Punkt s.), den ich aber kurz halten möchte: Ich bin Kickers-Fan seit eingen Jahren und da ich in der Nähe wohne und mit einer Dauerkarte "gesegnet" bin (die ich noch nicht erhalten, aber schon bestellt habe), kann ich bei vielen Spielen und Events dabei sein. Ich informiere mich über die offizielle Homepage (die gerade sehr schweigsam ist und sich auf Dementis und Erfolgsmeldungen beschränkt), das Fanradio, die Webseite der Offenbach-Post und über das transfermarkt-Forum. Inwiefern die Seite www.4-liga.com , die sich noch im Aufbau befindet, noch zu etwas Wertvollem heranwächst, kann ich nicht abschätzen - ebensowenig werde ich andere Quellen vermeiden, wenn sie mir über den Weg laufen.
Im Moment finden noch die letzten Testspiele statt, die ich aber an mir vorbeiziehen lasse. Die Regionalliga startet für die Kickers am Freitag, den 26.7., in Koblenz, während am vorherigen Sonntag, den 21.7., die Mannschaft vorgestellt wird. Ich versuche, an beiden Terminen vor Ort zu sein, und werde berichten.
In Bälde möchte ich auch etwas zum Kader schreiben, doch steht dieser wohl noch nicht fest und ist schwierig einzuschätzen. Vielleicht muss ich damit sogar bis nach Saisonbeginn warten.
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Geh'ma Jungs gucken
Anhang 10322
(Ein süßer Vertippsler auf der Homepager. Ich bin ein Dauerkater - miaunz, genau.)
Ehe ich mich (endlich) an die Mannschaft setzen möchte, wäre da noch etwas zu der Mannschaftsvorstellung zu sagen (schließlich geht es in dem Blog ja auch um persönliche Erlebnisse), aber vielleicht wäre für euch eine kleine Geschichte ja ganz erheiternd, die zeigt, dass ich mein Talent, über die eigenen Füße zu stolpern, noch nicht verloren habe.
... Ich wollte ja, das hatte ich beschrieben, ein Trikot. Meine Wahl fiel auf Denis Mangafic (wegen des Namens und weil Nicht-Mainstream, rein von der Sympathie her hätte ich wohl anders entschieden) und vor einer Woche, als mir offenbart wurde, dass mein Wochenplan keine freien Tage mehr vorsah, bestellte ich online beim Fanshop, packte eine Kleinigkeit dazu, um keine Versandkosten zu zahlen, kalkulierte knapp durch, dass es klappen sollte und bereitete mich darauf vor, dass Paket am Freitag bei einer Station abzuholen, da ich wohl nicht anzutreffen sein sollte. An dem Tag traf mich aber der Schock: Das Paket ging nach Offenbach zurück und DFL offenbarte, dass es an die falsche Hausnummer gegangen war. Ich schnappe mir also mein Handy, rufe an und möchte eigentlich nur die Meldung übermitteln, dass ich das Trikot am Samstag abholen komme. Was denkt ihr also, wie schwierig die Übermittlung sein kann? Wenn ihr mit einem halben Dutzend Besetzt-Meldungen und einem anschließend gefühlt zehnminütigen Gespräch rechnetet, in dem ich nur schwer meine Botschaft übermitteln konnte, dass a) Schuldfragen mich nicht interessierten und b) sie doch bitte keine Dummheiten anstellen sollten, dann lagt ihr richtig.
Ich führte das Gespräch vom Handy aus (tatsächlich habe ich den OFC-Fanshop in meinem Adressbuch) und beging einen Fehler, nämlich die Öffnungszeiten zu überschätzen. Ich fuhr an diesem Tag mit meiner Mutter und meiner Tante wandern und so begab es sich, dass ich nur etwa einen Kilometer vom Fanshop entfernt auf meinen Anschlusszug wartete... und das gerade mal eine Viertelstunde vor Landenöffnungszeit. Ich fragte mich, ob ich es riskieren sollte: Ein Taxi nehmen, mich durch Klopfen bemerkbar machen, mit etwas Glück die Sendung abholen und wieder zurück sein, ehe es zu spät war. Es hätte Vorteile, doch es enthielt auch ein Risiko... ich entschied mich für den Mittelweg, nämlich telefonisch die Lage zu taxieren und mich also anzukündigen. Es kam aber so, wie man es erwarten konnte: Außerhalb der Öffnungszeiten ging niemand ran. So wartete ich seelenruhig auf meinen Zug und ließ die Chance verstreichen.
Inzwischen kam mir eine andere Idee: Der Fanshop würde auf dem Kickers-Tag vertreten sein. Konnten sie also nicht einfach...? Ich rief noch von der Wanderung aus an, doch nun griff das Schicksal ein: Irgendwo im Nichts bekam ich einfach keinen Empfang. Wenn ich meinen Gesprächspartner schon kaum hören konnte, dann würde ich ihm auch nicht begreiflich machen können, was ich von ihm wollte. Ich beschränkte mich also kurz darauf, nachzufragen, ob der Fanshop denn präsent sei, und nahm mir vor, am Abend noch eine Email zu diesem Thema zu schreiben. Das setzte ich dann um.
Am nächsten Morgen wartete schon der Kickers-Tag zur Saisoneröffnung - mein erster übrigens, das Jahr zuvor reiste ich entweder in der Weltgeschichte herum oder arbeitete oder beides -, die jedoch diesmal nicht im Stadion stattfand, sondern im Herzen Offenbachs. Der Grund wurde nicht genannt, nicht verborgen und war leicht zu erraten: Da der Verein nur noch Mieter im Stadion war, wäre eine Veranstaltung vor Ort teurer gewesen. In gewisser Weise passte es jedoch auch zur Situation: Der Verein, gerade wieder in einer dunklen Stunde, muss sein hohes Ross auf dem hohen Berg verlassen und sich seinen Anhängern annähern, die ihm wiederum nicht im Stich lassen: Statt der kalkulierten 1.000 Dauerkarten wurden inzwischen mehr als 2.000 verkauft. So wurde der Wilhelmsplatz im Herzen Offenbachs, auf dem sonst die Wochenmärkte stattfanden, festlich in rot-weiß geschmückt und mit einem Volksfest-Charakter belebt, während in Frankfurt die CSD-Wagen rollten. Diese gingen diesmal völlig an mir vorbei.
Was also erwartete einem auf einem berglosen Berg-Tag? Ich kann nur für mich sprechen und damit nur vom diesem: Stellt euch Buden im Halbkreis vor, in denen sich der Verein mit seinen Abteilungen (Frauenfußball und Cheerleading etwa), einzelne Fanclubs und Fanprojekte (Fanmuseum, Initiative zur Rettung der Flutlichtmasten) vorstellten, anlockten und warben. Den Abschluss bildete eine Bühne und in der Mitte gab es den obligatorischen Getränkestand (nötig bei dem Wetter, ich hatte mich jedoch mit einer Wasserflasche im Rucksack vorbereitet) und die noch obligatorischeren Bierzeltgarnituren. Es gab ein Programm von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr, welches Livemusik, Interviews und am Ende die Mannschaftsvorstellung umfasste, und ich druckte es mir aus, versehen mit Ausweichprogramm (Museum, Kino), sollte es mich langweilen. Ich kenne mich dann doch.
Der Fanshop antwortete nicht auf meine Email, was meine Lust etwas dämpfte und mich das Programm kürzen ließ: Warum alles mitnehmen, wenn doch das Wichtigste genügte? Natürlich hatte ich auch ein Buch dabei, für die Fahrt (und mehr noch für die Wartezeiten, blöde Sonntage), doch dass ich es auch nicht auf der Veranstaltung rausholte, zeigte mir, dass ich nicht so ganz falsch gerechnet hatte. Zweieinhalb Stunden waren genau die richtige Zeit.
Mit dem Fanshop sprach ich noch kurz (Nein, natürlich hatten sie's nicht dabei.) und bat sie darum, es mir nun doch (an die richtige Adresse) zuzuschicken (sie verlangten nicht einmal Versandkosten dafür. Nett.), doch inzwischen hatte ich meine Pläne geändert. Hole ich mir doch eines dieser neuen schwarzen T-Shirts mit großer weißer Nebelfläche und dem Spruch "Tradition braucht keine Lizenz", Das tut es doch sicher auch. (Ich muss gestehen, so lustig fand und finde ich es gar nicht. Mich beeindruckte eher das Logo: Das Traditions-Logo umgeben von einem Lorbeerkranz. Einfach hübsch.)
Da kam auch schon der Mannschafts-Bus angerollt und während ich darauf meinen Namen mal wieder vergeblich suchte (wer hatte gesagt, den findet man immer?), öffneten sich die Toren und die Spieler stiegen aus. Die Masse bemerkte es nicht und lustigerweise waren es fast nur Frauen, die mit mir zusammen diesem Ereignis folgten. Tja, da hatten wohl auch andere angekündigt, sie würden "am Sonntag Jungs gucken gehen".
Die Mannschaft wurde kurz vorgestellt, ein paar Spieler beantworteten ein paar oberflächliche Fragen und weil ich sehr schnell merkte, dass es mich nicht interessierte, wartete ich beim Fanshop (wo sonst?) darauf, dass sich die Spieler für Autogramme über die Buden verteilten. Zu mir sollten sich damit Denis Mangafic und Fabian Bäcker gesellen - mein Trikotpate und einer, der es verdient hätte, wäre er nicht zugleich bei so vielen anderen so beliebt gewesen. Ich kannte ihn ja schon von einem Spielertreffen. (Fabian Bäcker war übrigens während des Fests ganz in seinem Element - er scheint ein Mensch zu sein, der es genießt, von den Massen gefeiert zu werden. So posierte er, ließ sich fotografieren und als er zum Spaß OFC-Badelatschen hingehalten bekam, verzierte er sie mit drei X'en.) Das war für mich wirklich ein angemessener Startpunkt für die neue Saison. (Mangafic... na gut, was soll ich über ihn groß sagen? Vielleicht nur das: Er hat ganz eindeutig nicht die schönsten Augen.)
Sie waren wirklich in großer Masse angerückt: 23 Spieler und 7 Funktionäre verteilte sich über die Buden, das heißt: Alle Mann außer dem dritten Torwart. (Da war ich dann doch ganz froh, mein Trikot nicht in den Händen zu halten. Es auf diese Weise voll zu bekommen, erscheint mir so unpersönlich und unangebracht.) Es bildeten sich schnell (unterschiedlich lange) Schlangen und ich ließ mir mein T-Shirt signieren und Autogrammkarten reichen (dabei ging eine an mir vorbei, die werde ich im Fanshop nachkaufen müssen). Dabei trug ich selbst das weiße T-Shirt, welches ich bei meiner Premium-Stadionführung dazu bekam, und bin sogar einmal kurz im Fanradio-Zusammenschnitt von hinten zu sehen. Natürlich hatte ich die Idee, dieses Trikot als Unterschriftenträger zu verwenden, aber das erschien mir ebenso falsch, wie das Trikot der letzten Saison um nichtgewechselte Spielernamen zu ergänzen: Es steht einfach für eine Saison, die vorbei ist. Andere, so bemerkte ich aber auch, hatten damit weniger Probleme.
Nachdem meine erste Runde hinter mir lag, bemerkte ich, wie kurz die Schlangen geworden waren, und da mir bei einem Fanclub ein Poster in die Hand gefallen war, ging ich eine zweite Runde und ließ es mir von den Spielern (also diesmal nur die "Schatzln" und keine Funktionäre) abzeichnen. Es stammt von der Flutlichtmasteninitiative, zeigt einen leuchtenden Mast und dazu die Schrift "Need. Kickers. Now.". Fabian Bäcker fand das so amüsant, dass er seine Unterschrift mit einem Smiley beendete.
(Lasst mich euch noch kurz die Initiative erklären und warum ich das Plakat anders verstehe, als es gemeint ist: Mit dem Neubau des Stadions wurden die alten Flutlichtmasten obsolet und wurden abgebaut, während Fans diese "Offenbacher Eiffeltürme" gerne erhalten würden, da sie damit legendäre Flutlichtspiele verbinden. Ich jedoch denke eher aus der Perspektive eines S-Bahn-Reisenden, der sie einstmals als vom Stadion kündenden Monumente sah, die nun fehlen, und der bei den legendären Flutlichtspielen nicht dabei war. Ich lese den Text eher als: "Ich möchte, dass es losgeht." Tue ich ja auch.) Ein Fanclubmitglied, welches neben den Spielern saß und entweder zu der Initiative gehörte oder nur lustig sein wollte, schrieb mir eine Widmung samt seines eigenen Signums darauf, und weil das Eis damit schon gebrochen war, fügte ich meinen eigenen Namen gleich auch noch dazu. "Saphir (12)" steht da nun in blauer Schrift auf einem Plakat an meiner Wand. So gefällt es mir eigentlich besser als mit einem Mannschaftsfoto (und das, obgleich es diese Saison schöne gibt). Bei einem solchen fühlte ich zu beobachtet.
So zog ich dann von dannen, soweit zufrieden mit meiner Ausbeute. Am Freitag findet der erste Spieltag statt - ich werde wohl nicht erscheinen. Trotzdem hoffe ich dann natürlich, dass meine Schatzln nicht nur gut aussehen.
Zum Schluss noch eine Anekdote: Als am Fanshopstand die Spieler Platz nahmen und plötzlich merkten, dass keine Stifte vorhanden waren, überließ ich ihnen bisweilen meinen Edding, den ich erst nach meiner zweiten Runde wieder zurückforderte, als sich der Sturm schon wieder legte. Da wurde mir gesagt, ich könne ihn gerne zurückhaben, doch sei er leider leer... so geht es im Leben, letzte Saison ging mir ein Kugelschreiber an die Geschäftsstelle verloren, diesmal stirbt ein Edding seinen Tod für's Vaterland. (Als ich gerade testweise einige Striche machte, ging er allerdings tadellos. Trotzdem soll dieser Umstand bitte nicht die Anekdote ruinieren.)
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Die Mannschaft in all ihrer Schönheit
Anhang 10323
Diese Liste ist ganz aktuell von der Homepage. Ihr könnt das veraltete Trikot ebenso wie die vereinfachte Länderangabe beachten (falsch ist sie außerdem, nicht alle Spieler sind auch nur in irgendeiner Weise deutsch) oder feststellen, dass die Mannschaft von unten nach oben gefüllt wirkt (die Nummern 2 und 3 fehlen, die Nummer 4 kam erst am Tage der Saisoneröffnungsfeier hinzu). Mit springt etwas anderes ins Auge: Die Mannschaft ist jung. Selbst der älteste Spieler ist ein halbes Jahr jünger als ich. Das ist irgendwie frustrierend.
24 Spieler sind es insgesamt, von denen 7 verlängerten, 3 aus der eigenen Jugend nachrückten und 14 neu dazustießen. Mich wunderte es einen Moment, dass niemand aus der zweiten Mannschaft in die bloß eine Klasse höhere Regionalliga aufgestuft wurde, doch dann überlege ich: Die zweite Mannschaft diente ja in der letzten Saison ja auch dazu, den ungenutzten Erstlingen Spielpraxis zu verschaffen, und dann blieben ja nicht mehr viele Plätze frei. Trotzdem hätte es den einen oder anderen Namen geben können... gut, eine Entscheidung.
Tor:
Daniel Endres, letzte Saison noch ein bei seinen Einsätzen überzeugendes Backup, wird zur neuen Nummer eins und da der dritte Torwart, der junge Yannic Horn, wohl lieber in der Hessenliga noch Spielpraxis sammeln soll (und auch gerade verletzt ist), wurde ein zweiter Mann verpflichtet: Feim Statovci, ein zuletzt arbeitsloser Torwart mit Erfahrung aus dem Kosovo.
Abwehr:
In der Innenverteidigung wurde Stefano Maier übernommen, der aber in der letzten Saison gerade einmal ein Spiel absolvierte und nun wohl erst einmal als Backup vorgesehen ist; Marcel Wilke (aus Chemnitz) und Guiliano Modica (von Eintracht Frankfurt II) scheinen erst einmal gesetzt zu sein. Als letzter Mann wurde nun Klaus Gjasula, Bruder des frisch nach Bulgarien gewechselten Jürgen Gjasula (Ex-Duisburger und FSV-Frankfurter), verpflichtet - wie er da hineinpasst, ist noch offen.
In der Außenverteidigung gäbe es Alexis Theodosiadis (Lokomotive Leipzig) und Dennis Schulte (Carl-Zeiss Jena), während Philipp Fleischer zu den drei U19-Lehrlingen gehört, die erst einmal langsam an den A-Kader herangeführt werden soll. (Dass die Schranken in diesem Jahr durchlässiger sein sollten als im letzten, versteht sich aber von selbst.)
Mittelfeld:
Matthias Schwarz gehörte unter Schmitt bereits zu den Drittliga-Stammspielern und sollte auch in dieser Saison eine Stütze sein, mit dem hoffnungsvollsten Talent Sascha Korb wird wohl auch in der Außenverteidigung geplant, doch ist er noch verletzt. Rico Schmider kam von Preussen Münster, Kevin Wittke sammelte in Worms und Mannheim eine Menge Regionalliga-Erfahrung und Jan Biggel war Kapitän von Karlsruhes Zweiter Mannschaft - Cem Kara und Baris Yakut (ersterer aus Offenbachs U19, letzterer aus der U19 von Mainz) sollen wohl erst einmal herangeführt werden. Da bleibt noch Denis Mangafic, der wohl von Korbs Ausfall erst einmal profitieren wird und seine Chance erhält; ich hoffe, er nutzt sie. (Er kam von Wiesbadens Zweiter.)
Sturm:
Auf dem Papier scheint Offenbach zu viele Stürmer zu besitzen, aber sicherlich wird sich wieder einer von ihnen auf den Außenbahnen wiederfinden, ob er will oder nicht. Fabian Bäcker gehörte in der letzten Saison zum Drittliga-Stamm und Christian Cappek (von Augsburgs Zweiter) wurde als erster (und einziger) Neuzugang für die geplante Drittligamannschaft bekannt, entschied sich dann aber dazu, es auch mit Offenbach in der Regionalliga zu versuchen - die beiden sollten die geplanten Stammspieler im Sturm stellen. Marcel Mosch präsentierte sich in der letzten Saison gut und in der Vorbereitung eher mau (wie ich hörte), weshalb mit ihm wohl erst einmal nur für die Bank geplant wird. Steven von der Burg (von Mainz II) wurde für die zweite Mannschaft verpflichtet, Mohamed Tahiri (ich folge mal der transfermarkt-Schreibweise) kam von der eigenen U19 und ist der dritte Auszubildende. Wie Benjamin Pintol nun hereinpasst, kann ich nicht sagen - das Ex-FSV-Talent soll sich wohl (ähnlich wie damals Vogelsang) erst einmal regenerieren und dann auf seine Chance lauern.
Transfermarkt.de nennt diese teuerste Aufstellung (rechnet aber auch mit einigen anderen Positionen). Sie wird wohl so nicht in Koblenz auflaufen, aber sie ist dennoch ein schönes Bild.
Anhang 10324
Fassen wir zusammen: Von 14 Neuzugängen kamen 2 aus der Dritten Liga und 6 aus der Regionalliga, während 3 erfahrene Spieler gehalten wurden. 2 Spieler bringen es auf eine zweistellige Zahl an Zweitligapartien, 5 weitere auf eine zweistellige Zahl an Einsätzen in der Dritten Liga, 6 weitere können das von sich für die Regionalliga behaupten. (Die Namen: Endres, Schwarz - Bäcker, Cappek, Schmider, Wilke, Wittke - Biggel, Gjasula, Modica, Pintol, Schulte, Theodosiadis.) 12 erfahrene Feldspieler für 10 Positionen... das ist zumindest eine gute erste Garnitur. Die Verteilung erinnert mich nicht zuletzt auch an letzte Saison - da sollte es aber alles eine Klasse drüber gewesen sein.
Was kann man also von der Mannschaft erwarten? Die Testspiele waren soweit befriedigend (0:0 gegen Sandhausen, 1:3 gegen Saarbrücken, 6:1 gegen Leverkusen II und 1:0 gegen Carl-Zeiss Jena), doch das sind Testspiele in Offenbach meistens. Ich würde damit rechnen (und fürchte, dass es gefährlich ist, weil ich letzte Saison genau dasselbe gesagt hätte), dass ein Platz in der oberen Tabellenhälfte möglich sein sollte - dass es gegen Mannschaften wie Kassel oder Koblenz reicht, die sich schon länger auf den Aufstieg vorbereiteten und teurere Kader haben, kann man bestenfalls wünschen.
Ich blicke zuversichtlich nach vorne, doch da ich da nichts sehe, wage ich einen Blick zurück und der sagt mir: Sämtliche unverletzten Ex-Letztsaisons-Offenbacher Spieler standen am Drittliga-Eröffnungs-Spieltag in der Startformation und spielten durch: Julius Reinhardt gegen den MSV Duisburg, Thomas Rathgeber gegen Maximilian Ahlschwedes neue Mannschaft (wo sein Tor die Niederlage nicht verhindern konnte), Stefan Kleineheismann gegen Marc Stein und schließlich Nico Feldhahn und Marcel Stadel gegen die Blauen Füchse aus Chemnitz. Gerade dieses Duo feierte den höchsten Sieg und führt nun die Tabelle an.
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Blätterwald
Noch während der Sommerpause tauchte plötzlich eine Frage in meinem Kopf auf: War der Lizenzentzug nicht sogar eine gute Sache? Immerhin wirkt sie wie ein reinigendes Gewitter, es schwemmt Totes davon und macht Platz für Neues.
Die Antwort, die ich fand, fiel dann doch recht eindeutig aus: Nein. Ein klares Nein. Mit Glück wird der Verein in einigen Jahren wieder dort stehen, von wo es ihn fortriss, nämlich von einem Platz als Stammpersonal der Dritten Liga. Dann mag er gesundet sein, denn von "Eigentlich zweite Liga" ist nun keine Rede mehr, doch ansonsten... Nein.
Ich würde aber sagen, es hätte schlimmer kommen können.
Nun tritt die neue Mannschaft beim Aufstiegsfavoriten in Koblenz an und eröffnet damit (in doppelter Hinsicht) die Saison. Ich verfolge das Geschehen vom heimischen Rechner aus via Fanradio. So erfahre ich auch die Aufstellung.
Anhang 10443
Noch über einer Stunde werden auch Yakut, Theodosiadis und Biggel eingewechselt... und warum ich das sage? Ob mit Baris Yakut schon für die erste Mannschaft geplant wurde oder er langsam herangeführt werden sollte, weiß ich nicht, jedenfalls ist er jung. Ich sagte doch, die Schranken seien dieses Jahr durchlässiger als in der Vergangenheit.
Was ansonsten folgte, war eine Galavorstellung des OFC: Über 2.000 mitgereiste Fans sorgten für ein Heimspiel, die Mannschaft gab in der ersten Halbzeit alles und verwaltete in der zweiten, wohingegen Koblenz niemals recht ins Spiel fand und mit dem Ergebnis noch gut bedient war. Zwei Tore von Christian Cappek in der ersten halben Stunde sorgten für den Endstand, woraufhin die Zeitungen die neue Mannschaft mit Lob überhäuften: Es sei eines der besten Kickers-Spiele im Jahr 2013 gewesen.
TuS Koblenz - Kickers Offenbach: 0:2
Einen Abend lang waren die Kickers Tabellenführer (und sind jetzt Zweiter mit der Möglichkeit auf Rang Drei), während der nächste Gegner Worms zuhause gegen Eintrachts Zweite über ein 1:1 nicht hinaus kam (das Gegentor schoss Ex-Offenbacher Zahit Findik) - klingt also alles nach einer wunderbaren Ausgangsposition.
Ich muss sagen, ich bin skeptisch: Mir gefällt der Wirbel nicht, dafür habe ich zu viele überragende Hinrunden bei Rückrunden-Einsturz erlebt. Zwar mag sich die erwartete Saisonbeginn-Schwäche (man sei immerhin noch nicht eingespielt) in das Gegenteil einer Euphoriewelle verwandelt haben, doch ich fürchte mich vor einem bösen Erwachen. Ganz ehrlich gesagt wäre mir ein unscheinbarerer Sieg lieber gewesen.
Heute Abend folgt das letzte Testspiel, am Samstag dann das erste Heimspiel. Dann kann ich mir auch selbst ein Bild von der Mannschaft machen.
ps: Wundert euch nicht über die Uhr auf dem Screenshot. Diese zählte noch die Zeit bis zum Spielbeginn herab.
pps: Den Titel zu diesem Spieltag führte erst im Nachhinein ein, nachdem meine Struktur sich verfestigt hatte. Ich spiele damit auf das erste Youtube-Promo-Video zu den Heimspielen an.
"Achso, ich dachte... irgendwas mit 1. FC..."
Am Abend nach dem Spiel verschlug es mich noch zu einem Open-Air-Kino-Event und da ich dafür aus Frankfurt nach Offenbach zurückkehrte, entschied ich mich dazu, doch auch dort Farbe zu bekennen und zum ersten Mal mein mit Unterschriften angereichertes und frisch gewaschenes (und danach immer noch mit Unterschriften angereichertes) Traditionslizenz-T-Shirt zu tragen, und während ich in der Popcornschlange wartete, sprach mich jemand auf das (alte) Logo an und brachte die oben zitierte Antwort. So weit ist es also schon gekommen: Keine zehn Fuß-Minuten von Offenbachs zentraler S-Bahn-Station entfernt - und nicht einmal fünf von der Stadtbücherei - wird das Logo des eigenen Vereins nicht erkannt. O tempora, o mores.
Kickers Offenbach - Wormatia Worms: 0:0
Zu diesem Zeitpunkt lag das brennend erwartete erste Heimspiel bereits hinter mir. 7.500 Fans, davon vielleicht 150 aus Worms, bedeuten wirklich eine Zahl, kamen aber nicht ganz unerwartet. Mal im Ernst: Wer den furchtbaren Drittliga-Fußball der letzte Saison überstand, der lässt sich doch auch nicht von der Aussicht auf Regionalliga abschrecken. Viel gespannter war ich darauf, ob der Waffenstillstand halten würde oder ob die Fans zu altem Zynismus zurückfinden würden, wenn es einmal nicht so lief. Tatsächlich blieben sie aber ruhig - überraschend für mich.
Das Spiel selbst... nun, es war schnell und umkämpft, auch reich an Karten, aber gut anzusehen. Man merkte, dass hier zwei starke Mannschaften der Regionalliga aufeinander trafen, aber auch, dass beiden Teams noch die Eingespieltheit fehlte. Dem versuchte Rico Schmitt zu begegnen, indem er die gleiche Aufstellung wie gegen Koblenz brachte - sicher keine schlechte Idee und besonders eine, die es mir leichter macht, langsam mit der Mannschaft warm zu werden.
Es sollte ein Spiel auf Augenhöhe werden. Offenbach begann aktiv, wie zuletzt schon gegen Koblenz, und hätte es in den ersten zehn Minuten, die es völlig dominierte, ein Tor geschossen, dann wäre die Wormatia vielleicht zusammengebrochen, doch die Bollwerke hielten und der Gegner fand ins Spiel. Ich möchte jetzt nicht ins Detail gehen (und kann es womöglich auch nicht mehr), doch ich tue wohl nicht Unrecht, wenn ich sage, dass Wormatias Klasse wohl etwas Offenbachs übertraf, was die Heimmannschaft aber mit mehr Einsatzbereitschaft ausglich und während sie nun wiederum ein deutliches Chancenplus erspielen sollte (8:1 Ecken nach 90 Minuten), besaß Worms die besseren.
Nach etwa einer gespielten Stunde schwanden den Offenbachern die Kräfte, während Worms' Wechsel sich bezahlt machten: Die zehn Minuten zwischen 60 und 70 gehen klar an die Gäste. Dann reagierte Rico Schmitt und stellte die Gleichheit wieder her. Die Offenbacher drehten mit dem Wind und konnten in den zehn Minuten zwischen 80 und 90 beinahe alles für sich entscheiden, brachen aber in der Nachspielzeit völlig zusammen und konnten froh sein, am Ende nicht noch alles zu verlieren (die Eckballstatistik verschlechterte sich auf 8:4, das sagt wohl alles). So kam ein 0:0 der gerechten Sorte heraus, mit dem beide Seiten zufrieden sein konnten und auch die Fans besänftigt waren. Die Mannschaft bekam ihren verdienten Applaus.
Ich möchte nun nicht über Spieler sprechen, da ich sie einfach noch nicht gut genug kenne, aber über eine offene Frage: Bei den Kickers fehlt noch jemand, der für gefährliche Standards sorgt. Wenn 8 Ecken und eine gefühlt gleiche Zahl an aussichtsreichen Freistößen einfach verpufft, ohne dass die geringste Gefahr besteht, dann ist das ein Makel. (Bezeichnenderweise wurden sie von Stefano Maier getreten, dem als Außenverteidiger eingesetzten Innenverteidiger, der ansonsten eine solide Partie ablieferte.) Diesmal rächte er sich nicht, brachte aber auch keine Punkte.
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Mannschaften ohne O
Als in Hoffenheims erster Bundesligasaison diese ihren beeindruckenden Lauf hinlegten und nicht Nicht-Hardcore-Fußballfans über die verschworene Gemeinschaft der Dauerkarteninhaber spotteten, sprang die Sendung Extra-3 auf diesen Zug auf und witzelte über das ungeschriebene Gesetz des Fußballs: "Die ersten zehn Plätze der Bundesligatabelle sind reserviert für Mannschaften ohne O... außer Dortmund natürlich." Tja, woran ich da wohl wieder denke...
Irgendwo im Zettelstapel vor mir liegt mein Ticket für Hoffenheim. Ich hatte die Möglichkeit, hinzufahren, doch dann waren da die Bahn-Verbindungen und mein Kopf war nicht frei und auf die Idee, mir einen Bus zu suchen, kam ich nicht mal und... ach, was klage ich: Irgendwie werde ich gerade mit den Kickers nicht warm. Teile ich euch mit, dass ich das Spiel teilweise via Fanradio verfolgte, oftmals aber einfach keine Lust hatte, dann wiegt das wohl schwer, und erkläre ich euch, warum das so ist, dann ist das wohl aufschlussreicher als alles, was ich über das Spiel sagen könnte - unabhängig davon, wieviel das wäre.
TSG Hoffenheim II - Kickers Offenbach: 0:2
Tja, da spielt meine Mannschaft einen überzeugenden Saisonbeginn wie seit drei Jahren nicht mehr und es lässt mich kalt. Neben all den persönlichen Gründen und auch den nostalgischen (ach, ich suche immer noch unter den aufwärmenden Spielern nach meiner Nummer 23) sitzt wohl dieser im Zentrum: Ich bin einfach ein Randgruppenfan. Ich mag das "muss ja", ich mag die Atmosphäre zwischen Hoffnung und Zynismus und ich mag es, einem halb vergessenen Fußball-Götzen meine Opfer darzubringen. Jetzt hingegen... ach... ist Offenbach beliebt. Zwischen Fans und Mannschaft/Verein herrscht eine so innige Zuneigung wie seit langem nicht mehr und Letztere lassen sich auch keine Gelegenheit verstreichen, es Ersteren recht zu machen. Sie sprechen nicht nur bei jeder Gelegenheit Dankesworte aus, sondern sie spielen auch endlich so, wie sie es sich wünschen: Die Spieler sind junge Kerle, die sich mit Leib und Seele reinhängen, es sich "welche von ihnen" und das kommt an. Erschreckenderweise muss ich damit sagen: Der OFC gehört in die Regionalliga, wie so viele andere Traditionsvereine. Nur hier können sie den Fußball spielen, den sich die Anhänger wünschen. In der zweiten Liga würden sie mit nur Kampf und Leidenschaft keinen Blumentopf mehr gewinnen.
Offenbach und seine Fans sind gerade eine Einheit. Ich bin allerdings kein typischer Fan, so befremdet es mich. So ist es mir der Verein gerade nicht wert, an einem Donnerstagabend über Stunden hinweg in der Weltgeschichte herumzureisen.
Anhang 10604
Reden wir nun einmal über das Spiel: Es war eine Wiederholung der Koblenz-Partie. Viele mitgereiste Anhänger färbten das Dietmar-Hopp-Stadion (kein Witz) rot-weiß, die Startaufstellung blieb auch im dritten Spiel unverändert, der OFC ging früh in Führung und konnte dann den Sieg ungefährdet nach Hause fahren. Da können die Fans nur singen: Oh Schorsch, ist des schee.
Die Karikatur des Mannschaftsfotos, die hier das Bild ziert, lässt sich inzwischen erwerben - ich könnte noch nicht alle Spieler benennen, doch manche. Der sechste von links in der zweiten Reihe ist etwa mein Trikotpate Denis Mangafic - Stammspieler bislang mit beeindruckenden Leistungen, also auch nicht randgruppig genug für mich.
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"Wie Freiburg"
(Ein Fan kommentiert das aktuelle Heimtrikot. Inzwischen ist es soweit gekommen, dass wir auch bei diesem jede Originalität abgesprochen bekommen.)
Am Freitag, den 30. August (ja, so weit hinke ich inzwischen hinterher), hatte ich die Wahl, denn Angela Merkel kam nach Frankfurt und überschnitt sich genau mit dem Kickers-Spiel. Da musste ich grübeln. Ich würde sie zwar höchstwahrscheinlich nicht wählen (das gilt auch heute), doch... es ist die Kanzlerin, es ist damit auch irgendwie meine Kanzlerin, und wenn ich nicht jetzt die Chance wahrnahm, sie live zu erleben, wann dann? Irgendwie ist es doch beschämend, wenn ich Vierliga-Fußballern nachreise, aber unser Staatsoberhaupt im Regen stehen lasse (symbolisch gesprochen, es war zwar an dem Tag bewölkt, regnete jedoch nicht... meine ich). Was sagt das über mich aus?
Ich musste mich also fragen: Rotes Elend oder Schwarzes Elend? Ich entschied mich für das Heimspiel aus zwei Gründen: Einmal würde es auf dem Römerberg sicher gerammelt voll sein, was meines nicht ist, und zweitens würde ich so bald nicht wieder ins Stadion kommen. Auch das sollte sich bewahrheiten.
Ich sollte es nicht bereuen. In Offenbach selbst war die Stimmung inzwischen besser, von der verkrampften, gewollten Positivheit war nichts mehr zu spüren, die 6.500 Zuschauer, die kamen, kamen trotz Mannheim und Baunatal, sie wussten, was sie erwarten konnten und namen es hin. Bezeichnenderweise sah es bei Ulm ganz anders aus, welches diesmal all die wohlbekannten Anzeichen von Ratlosigkeit einer kriselnden Traditionsmannschaft zeigte: Mit einem Aufstiegswunsch gestartet und aktuell unten drinhängend, sollte der Trainer mit frühen Wechseln reagieren, während die Fans (ich sollte sie unterschätzen, da ihr Block etwa so gut gefüllt war wie zu Drittligazeiten gegen Bremen II, aber das ist in der Regionalliga wohl nicht schlecht.) das Spiel völlig ignorierten, für den Erhalt ihres Mannschaftsnamens und Wappens (auch mit Choreo) eintraten, zur Halbzeit geschlossen auf oberkörperfrei wechselten und Rauchpulver zündeten, wofür sie verwarnt wurden. Offenbachs Reaktion? Keine, wenn man von den Einlaufjungen absieht, die IAA-Werbezettel zusammenknüllten und über die Brüstung warfen. Das störte aber bezeichnenderweise nicht einmal den Ordner unter ihnen.
An diesem sechsten Spieltag griff Rico Schmitt endlich die Gelegenheit beim Schopfe und veränderte seine zuvor immer konstante Startaufstellung. Er war dazu gezwungen, da Klaus Gjasula das Kunststück gelang, im fünften Spiel die fünfte Gelbe Karte gesammelt zu haben. Das Ergebnis seht ihr hier, von mir während des Spiels notiert. Auch das System sollte sich jedoch im Verlauf der Partie ändern.
Anhang 11113
Tor: Daniel Endres (16)
Abwehr: Dennis Schulte (23), Giuliano Modica (5), Marcel Wilke (21), Kevin Wittke (7)
Mittelfeld: Jan Biggel (13), Matthias Schwarz (6), Benjamin Pintol (9), Denis Mangafic (30)
Sturm: Fabian Bäcker (11), Christian Cappek (14)
Auf der Ersatzbank wartete eine Überraschung: Ersatztorwart Feim Statovci fehlte aus Gründen, die ich nicht kenne und da Yannic Horn immer noch verletzt ist, stand auf einmal die Nummer 1 der U23 (und damit faktisch deren Ersatztorwart), Jonas Iser, mit frischer Rückennummer im Kader - mit der 28, der Nummer des Stammtorwarts der letzten Jahre, Robert Wulnikowski. Das wäre ein humorvoller Schlussstrich unter diese in Ungnade gefallene Legende gewesen.
Offenbacher Kickers - SSV Ulm: 1:0
Das Spiel, das kann man nicht anders sagen, war toll. Beide Mannschaften spielten sehr offensiv und offen, hatten ihre Chancen und vergaben sie entweder, oder die starken Torhüter vereitelten sie. (Auf Transfermarkt.de sollte ich später lesen, ein 3:2 wäre das passendere Ergebnis gewesen. Dem stimme ich zu.) Kickers Offenbach dominierte den Großteil, hatte jedoch eine wirklich miese Chancenverwertung und konnte froh sein, dass sie nicht bestraft wurde - das Ergebnis war glücklich, aber verdient. Herausheben möchte ich zwei Spieler: Einmal Daniel Endres, an dem nicht vorbeizukommen war, und der trotz Karambolagen die Zähne zusammenbiss und bis zum Ende durchspielte (auch wenn ich Jonas Iser sein erstes Spiel gegönnt hätte, wäre dieses wohl falsch dafür gewesen.), und Benjamin Pintol, jenem Akteur zwischen OM und Mittelstürmer. Hätte ich ihn noch in der Woche zuvor gerne gegen Stefano Cincotta eingetauscht, überraschte er mich nun positiv und absolvierte eine beeindruckende Partie.
... Für die Statistik muss ich aber sagen, dass den Treffer keiner der zweieinhalb Spitzen erzielte, sondern der Innenverteidiger Giuliano Modica nach einer Ecke. So fiel es denn, das erste Heimtor der OFC.
Im Wunderland muss man manchmal rennen...
..., um auf der Stelle zu bleiben. So schwer es mir fällt, es zuzugeben, doch ein echter Aufhänger für diese Begegnung mag mir nicht einfallen. Ich könnte darüber sprechen, dass das Spiel auf einen Montag vorverlegt wurde, da sich ein Sender die Übertragungsrechte für die Regionalliga sicherte und ausgewählte Partien in sein Montagabendprogramm aufnimmt, doch davon war im Stadion selbst wenig zu merken. Lasst mich also mit einem Rechenbeispiel starten: Offenbachs Kader umfasst 24 Mann, darunter 3 Torhüter. Fallen nun Spieler aus, wie mit Korb, Schwarz, Bäcker, Mangafic und Schmider geschehen, reicht der Rest genau für die zehn Mann auf dem Platz und die sechs Feldspieler auf der Bank. Offenbach spielte also seit einiger Zeit am Rande seiner Kapazitäten.
Nun kehrt Hoffnungsträger Sascha Korb zurück und wird gegen Kassel spielen, während Stefano Maier aus dem Kader verschwindet, ich weiß nicht, warum. Die Aufstellung lautete damit:
Tahiri
Theodosiadis - Pintol - Wittke
Biggel - Gjasula
Schulte - Modica - Wilke - Korb
Endres
Nach vier Niederlagen in Folge wollte man gegen Kassel nicht noch einmal verlieren, und das merkt man: Hier tauchen auf einmal zwei Defensivleute auf den Außenbahnen auf. Entsprechend war das Spiel... ach, es war genauso lahm, wie sich das Freiburg-Spiel aus der Ferne anhörte, nur ohne böses Erwachen. Am Ende stand ein Punkt.
Kickers Offenbach - Hessen Kassel: 0:0
Den größten Aufreger gab es allerdings zu Beginn. Erinnert ihr euch an den Eklat des Eintracht II-Spiels, nach dem der DFB von Kickers Offenbach forderte, Aktionen gegen Rassismus und Intoleranz durchzuführen? (Ich hatte gemutmaßt, es würde sich um einen Zwang handeln, und lag damit richtig.) Leider hätte man wissen können, wie ungern sich Menschen belehren lassen, zumal von einem Verein, der so viel Gutwill fordert. Diesmal gab es keine diskutablen "Scheiß Eintracht"-Rufe, sondern ein Pyro-Feuer (ja, doppelt gemoppelt) als Antwort aus dem Block. Natürlich war das bei dem Derby zu erwarten gewesen.
Kickers Offenbach kommt nicht vom Fleck und rutscht immer weiter nach unten. Es ist traurig.