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Thema: [Victoria II] Flamingoland

  1. #1
    Blau schimmernd Avatar von Saphir
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    [Victoria II] Flamingoland

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    Servus Leute,
    so stehe ich hier und suche nach Worten, da ich nur das Offensichtlichen zu sagen habe. Wie ihr wisst, wagte ich mich in den letzten Monaten in die Sphäre von Victoria II, sodass es für mich naheliegt, auch eine Story dazu zu schreiben. Da ihr mein EU4-Format kennt, könnt ihr annehmen, dass ich nicht bloß zu einem Staat aus der Dose greife, sondern etwas Neues einfügen möchte. Meine Wahl fällt dabei, weil ihr mit Rhenus so überhaupt nichts anfangen könnt, auf eine Wiedergeburt eines der burgundischen Staaten, des Königreichs Arelat. Das verriet schon meine Leseliste - ach, ich bin so gläsern...

    Ich möchte euch also in eine Welt führen, in der der Zweite Pariser Frieden und Wiener Kongress zu einer Wiedergeburt dieses unspektakulärsten der burgunidischen Staaten führt und in eine Zeit versetzt, in der der junge Staat Belgien in den Valois-Herzögen geistige Ahnherren entdeckt und das Nibelungenlied Deutschland entzündet. Bei fehlendem 'Nation Designer' wird dies freilich über Modding geschehen.

    Der Titel weist dabei nicht nur darauf hin, dass nahe der Stadt Arles, im Mündungsgebiet des Rhone namens Camargue, Flamingos brüten, sondern soll auch das Gefühl von Irrealität einfangen, dass das Projekt in jeder Faser zu begleiten scheint: Ein Jahrhunderte bestehendes mittelalterliches Königreich, dessen Existenz schließlich völlig vergessen wurde, erfährt im neunzehnten Jahrhundert eine künstliche Reanimation, ohne daraufhin daraufhin aber wie die schlechteren Ideen Wiens bei erster Gelegenheit wieder zu zerfallen, sondern zu irgendetwas zwischen einem "Französischen Österreich" oder einem burgunderroten "Purple Phoenix"-Fiebertraum heranzuwachsen.

    Es wird also ein größeres Projekt, bestehend aus Worldbuilding, Modding und einer Partie, und ich bitte schon einmal um Entschuldigung für gelegentliche Langsamkeit, aber vielleicht möchte der eine oder andere von euch mich dabei begleiten.

    Ich wünsche uns allen einen angenehmen Trip.
    Christian / Saphir

    ps: Für das Titelbild möchte ich mich bei meiner Mutter bedanken, die in diesem Jahr im Drôme weilte. Zwar gibt es dort keine Flamingos, doch liegt diese Region mitten im Arelat - im alten wie im neuen.
    "Der Wogen Schlag im Herz, der Flammen Glanz im Haar."

  2. #2
    Blau schimmernd Avatar von Saphir
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    Ein Überblick über die vielen burgundischen Staaten

    Im Verlauf der Geschichte gab es eine Reihe von Entitäten, die den Namen Burgund trugen. Oft bestand zwischen ihnen nur eine leichte Kontinuität, also weder eine volle noch gar keine.

    * Alles beginnt natürlich mit der germanischen Gruppe der Burgunden, die möglicherweise der Insel Bornholm entstammen, an der Weichsel greifbar wurden und von dort an den Main weiterzogen, ehe sie im Winter 406 n. Chr. zusammen mit anderen Germanen den Rhein überschritten. Sie schlossen mit einem Gegenkaiser einen Föderatenvertrag und siedelten sich am Rhein, wohl um Worms, an. Ihr Wunsch nach Expansion sorgte jedoch für neue Schwierigkeiten, sodass der römische Heermeister Flavius Aetius ihnen Hunnen auf den Hals hetzte und das Reich am Rhein zerstörte.
    Diese Ereignisse fanden ihren Weg in die deutsche und skandinavische Sagentradition, sodass sich ihre Spuren noch im Nibelungenlied und der Edda finden lassen.

    * Überlebende dieses Reiches wurden in Sapaudia/Savoyen angesiedelt, wo sie erneut expandierten, ehe sie sich zwischen den beiden germanischen Supermächten der katholischen Franken und arianischen Ostgoten eingeklemmt sahen. Es gelang ihnen eine Weile mehr oder weniger gut, den Balanceakt zwischen diesen und deren Konfessionen zu finden, doch als Theoderich starb und damit ein Beschützer wegfiel, griffen die Franken zu und annektierten es im Jahr 532.
    Dieses Burgund zeichnete sich durch sein Gesetz aus, das Lex Burgundionum, das das Zusammenleben zwischen Germanen und Römern regeln sollte. Außerdem wurde einer seiner Könige, Sigismund, für sein Martyrium für den katholischen Glauben heilig gesprochen.

    * Sowohl unter den Merowingern als auch unter den Karolingern entwickelte sich ein Burgund zu einem definitiven Reichsteil, zu einem Teil der Trias "Neustrien, Austrasien und Burgund". Bei den fränkischen Teilungen, die mit dem Vertrag von Verdun im Jahr 843 n. Chr., einsetzten, wurde darauf allerdings keine Rücksicht genommen; ein Teil des Gebiets fiel an das Westreich, der Rest zunächst an den Mittelteil.
    Dieses Burgund dürfte Eingang in das Waltharilied gefunden haben, das abseits der Handlung um Walthari, Gunther und Hagen ein Burgund bei Saone und Rhone mit der Hauptstadt Chalons beschreibt.

    * Als sich fünfzig Jahre und mehrere Verträge später der Staub um das Mittelreich legte, waren aus dem dortigen Burgundergebiet gleich zwei Burgunderreiche entstanden, 879 n. Chr. unter der lokalen Größe Bozo von Vienne das Königreich Niederburgund, 888 n. Chr. der Welfe Rudolf das Königreich Hochburgund. Beide wirkten im Chaos der damaligen Region, ehe Bozos zweiter Nachfolger dessen Königreich 930 n. Chr. an Rudolfs Sohn und Nachfolger übertrug, um im Gegenzug mit dessen Unterstützung König von Italien zu werden. Diese Fusion (oder feindliche Übernahme) sorgte wieder für ein geeintes Königreich Burgund, das nach der ideellen Hauptstadt Arles auch Arelat genannt wurde.
    Die Könige verloren zunehmend ihre Macht an die Großen und gerieten unter den Einfluss des Ostfrankenreichs, bis im Jahr 1033 n. Chr. als Erbe an den römisch-deutschen Kaiser Konrad II fiel und von nun an eine der drei Kronen in der Trias "Deutschland, Reichsitalien und Burgund" bildete. In den darauffolgenden Jahren und Jahrhunderten waren die Könige und Kaiser allerdings meist mit Wichtigerem eingespannt, sodass nur wenige von ihnen sich um Burgund bemühten und noch weniger effektive Herrschaft ausübten. Das Gebiet zerfiel weiter in einzelne Regionen und öffnete sich zunehmend dem französischen Einfluss.
    Dies fand im vierzehnten Jahrhundert mit Kaiser Karl IV. ein Ende, der sich 1365 n. Chr. noch einmal in Arles als König von Burgund krönen ließ, aber spürte, dass sich die Lage seit den Tagen Barbarossas gewandelt hatte: Das Lyonnais und andere Gebiete waren inzwischen direkt von Frankreich annektiert wurden und die Throne der Grafschaft Vienne (Dauphine), Freigrafschaft Burgund und Provence wiesen bereits eine erhebliche Franzosennähe auf, sodass fast nichts mehr übrig blieb. So löste er Savoyen aus dem Arelat und unterstellte es direkt dem Reich, ehe er den französischen Thronfolger im Januar 1378 sowohl mit dem Dauphine als auch der Statthalterschaft im Königreich Arelat einsetzte...
    ... und das war's. Von da an existierte dieses Reich nur noch auf dem Papier.
    Das Arelat hinterließ nur wenige Spuren. Die beiden Kirchenkonzile von Lyon (1245 und 1274 n. Chr.) fanden auf seinem Boden statt, der damals schon frankreichnahes politisches Niemandsland geworden war. Außerdem kam die Heilige Lanze als Geschenk des burgundischen Königs Rudolf II. in den Besitz des deutschen Kaisers.

    * Im Westen davon entstand nach dem Vertrag von Verdun ebenfalls ein neues Burgund innerhalb des westfränkischen Staats, das von lokalen Kräften zum Herzogtum geformt wurde und dann zunächst an die Kapetinger und (weitgehend gleichzeitig mit dem Dynastiewechsel in Frankreich) an die Valois fiel. Während der unter den ersten Kapetingern herrschenden Autonomie entwickelte sich dieser Burgunderteil stärker noch als der östliche zu einer Heimat der Kirchen und Klöster, aus der sowohl die Reformbewegung des Klosters Cluny als auch die Zisterzienser vom Kloster Cîteaux ihren Ausgang nahmen, ehe man sich zunehmend nach Frankreich orientierte. Die vier Valois-Herzoge schlugen derweil weit größere Wellen, indem sie im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert sowohl den Hundertjährigen Krieg als auch die dynastischen Rivalitäten um die Kaiserkrone zum Aufbau eines Länderkomplexes zu beiden Seiten der Reichsgrenze zu nutzen verstanden, der sich auf Augenhöhe der anderen europäischen Mächte verstehen konnte. Gerade der letzte Herzog Karl bemühte sich eifrig darum, von Kaiser eine angemessene und "echte" Krone zu erhalten, doch seine Vision der neuen "Königreiche von Burgund und Friesland" scheiterte am Widerstand der Kurfürsten. Nach seinem Tod bei der Schlacht von Nancy wurde sein Reich zwischen Frankreich und Habsburg-Österreich aufgeteilt.
    Dieses Burgund hinterließ... viele Spuren, uff.

    * Von da an erlebte zwar das Haus Habsburg noch kurz eine Burgundisierung, doch erwies sich dies als Episode. Dafür entstand im sechzehnten Jahrhundert innerhalb des Reiches aus dem ererbten Gebiet der Burgundische Reichskreis, der diesen Namen selbst beibehielt, nachdem mit der Freigrafschaft Burgund der letzte Rhoneteil 1678 n. Chr. an Frankreich fiel. (Vielleicht assoziiert deshalb Friedrich Schiller in der "Jungfrau von Orleans" Herzog Philipp den Guten ausschließlich mit nördlichen und niederländischen Gebieten.) Dieser Reichskreis bestand bis zur französischen Revolution.
    "Der Wogen Schlag im Herz, der Flammen Glanz im Haar."

  3. #3
    Blau schimmernd Avatar von Saphir
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    Im magischen Kreis: Die Geburt eines Flamingoeinhorns (1/2)

    An dieser Stelle verlassen wir die Realität und tauchen ab dem Jahr 1815 n. Chr. in die Welt des Paralleluniversums "Erde 2.01D" ein. Auch dort herrscht spürbare Frustration über die Schwäche der Bourbonen, Napoleons neue Rückkehr und den damit verbundenen Krieg. Nach dessen Niederlage beherrscht der Gedanke die Diskussionen, wie man genau dieses Szenario in Zukunft verhindern oder zumindest ein "drittes Mal Napoleon" abdämpfen könne. Man möchte Frankreich schwächen und bestraften, ohne aber den Geist des Wiener Kongresses gänzlich über Bord zu werfen, durch Eroberungen Krisenherde zu schaffen oder Rangeleien um die Beute zu entfachen.

    * So entsteht die Idee, Arelat-Burgund als einen neuen Staat unter einer zu findenden oder neu zu kreierenden Seitenlinie des Hauses Bourbon zu erschaffen. Dies solle zuvorderst dazu dienen, durch Teilung der Masse den möglichen Schaden zu reduzieren, den ein Coup in Frankreich mit anschließendem aggressivem Verhalten anrichten könne.
    * Diese Denkweise stände in gewisser Tradition mit dem Wiener Kongress, der etwa Italien mit kleineren Ablegern großer Herrscherhäuser zupflasterte. (Später sollte bei der Belgischen Revolution der erste Impuls aus „Neuer Staat mit einem König aus demselben Herrscherhaus“ bestehen.) Damit ginge auch die Hoffnung einher, dass Frankreich sich mit dieser Form des Gebietsverlusts, der mit einem befreundeten Staat einhergeht, besser anfreunden könnte als etwa mit einem abgetretenen Elsass oder Lothringen.
    * Für das Arelat spricht dabei ein anderer Umstand, den ich oben verschwieg: Der vom französischen Thronfolger getragene Titel „Dauphin“ geht unmittelbar auf die Grafschaft Vienne/das Dauphine zurück, seit der in deren Besitz gelangte Philipp VI. es an seinen Sohn und Thronfolger weitergab, weil er als französischer König kein Lehnsmann des Kaisers – für dieses Gebiet im Arelat – werden wollte und sich dies als Tradition verfestigte. Man könne so mit einer Fiktion arbeiten, dass die Krone Arelats nur aus der Verfilzung mit der französischen gelöst werde und damit eine Kontinuität besitze, die bei näherer Betrachtung nicht existiert.
    * Unter pragmatischen Gesichtspunkten schneidet dieses Burgund Frankreich von Italien ab und verhindert, dass es sie erneut umgestaltet; es übernimmt den Großteil von dessen Grenze mit der zu Napoleons Zeiten übel zugerichteten Schweiz und schwächt spürbar Frankreichs Position im Mittelmeer.

    Ich könnte mir die Errichtung dieses Burgunds als großbritannische, vielleicht großbritannisch-russische Initiative vorstellen, aber darüber hinaus sehe ich die Großmächte dieser Gründung recht lauwarm gegenüberstehen: Niemand (außer Frankreich natürlich) verliert etwas durch die Schaffung eines Frankreich nahen Staats auf Kosten Frankreichs, aber niemand ist auf dessen Bestehen zwingend angewiesen und niemand sollte sein Gewicht in den Ring werfen, um Frankreich irgendwann an dessen Wiederbeschaffung zu hindern. Der Zweck seiner Existenz besteht ja in erster Linie darin, Risiko zu minimieren, bis die allerchristlichsten Könige wieder fest im Sattel sitzen; alles danach erscheint optional.
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  4. #4
    Blau schimmernd Avatar von Saphir
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    Im magischen Kreis: Die Geburt eines Flamingoeinhorns (2/2)

    So beginnt die Suche nach einem passenden neuen König von Burgund:

    * Der französische König Ludwig XVI., jener unselige „Bürger Louis Capet“, hatte mit Marie Antoinette vier Kinder, von denen im Jahr 1815 n. Chr. aber nur noch eines lebt, die damals sechsunddreißigjährige Marie Thérèse Charlotte.
    * Der französische König Ludwig XVI. hatte sieben Geschwister, von denen 1815 n. Chr. noch zwei Brüder lebten, die ihm beide als französische Könige nachfolgen sollten, Ludwig XVIII. und Karl X.
    * König Ludwig XV., Großvater König Ludwigs XVI., hatte neben dessen Vater und acht Töchtern noch einen jüngeren Sohn, Philippe Louis, der allerdings als Kind verstarb.
    * Der Vater von König Ludwig XV. hatte drei Söhne, von denen die anderen beiden schon im Kindsalter verstarben.
    * Der Großvater von König Ludwig XV. kam auf drei Söhne. Einer von ihnen wurde König von Spanien und fällt aus der Liste, der andere hieß Charles von Bourbon, dessen beiden Kinder allerdings schon zu früh starben.
    * Der Urgroßvater von Ludwig XV., Ludwig XIV., hatte sechs Kinder, von denen nur eines älter als fünf Jahre wurde.
    * Der Vater Ludwigs XIV., Ludwig XIII., hatte zwei Söhne, nämlich auch einen jüngeren Bruder namens Philipp. Von diesem Philipp, dessen Zweig sich bald „Haus Orléans“ nennt, führt der Weg direkt (und alternativlos) zum „Bürgerkönig“ Louis-Philippe.

    Das führt mich zu einem Stopp, denn ich möchte die Welt möglichst wenig ändern und käme doch irgendwie nicht um ihn herum.
    Gehe ich noch einmal schnell die andere Seite ab:

    * König Ludwigs XVI. Bruder Ludwig XVIII. hatte keine Kinder.
    * König Ludwigs XVI. Bruder Karl X. hatte zwei Söhne. Wenn man bedenkt, dass Ludwig XVIII. im Jahr 1815 n. Chr. seinen sechzigsten Geburtstag feierte und sein Bruder es gerade einmal auf zwei Jahre weniger brachte – es also wahrscheinlich schien, dass der französische Thron an Karls Kinder fallen würde –, wäre es möglich, aber sicher auch riskant, den jüngeren Bruder, Charles Ferdinand, für Burgund zu nutzen und damit für Frankreich aus der Gleichung zu nehmen.

    Nehmen wir ansonsten einmal an, dass Louis-Philippes Vater, im Nationalkonvent für das Todesurteil für „Bürger Louis Capet“ zu stimmen, diesen und dessen Nachkommen (von denen außer Louis-Philippe keiner mehr lebte) für den Thron unmöglich machen. In diesem Fall…
    * Der Vater von König Ludwig XIII., Heinrich IV., hatte sechs Kinder. Die Linie des einzigen infrage kommenden Bruders endet jedoch eine Generation später.
    * Mit Heinrich IV. beginnt bereits die Herrschaft des Hauses Bourbon, weswegen ich nicht weiter zurückgehen möchte.

    Das heißt:
    * Ich könnte entweder Charles Ferdinand nehmen, auch wenn das in den Augen der Zeitgenossen wohl recht verwegen gewirkt hätte…
    * … oder ich könnte die Verwandtschaft zu den Bourbonen über eine Tochter herleiten…
    * … oder über einen Bastard…
    * … oder mich in den bereits bestehenden Nebenlinien umsehen.
    Über diese Entscheidung werde ich noch einmal schlafen.
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  5. #5
    Blau schimmernd Avatar von Saphir
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    Einen Tag später scheint mir diese Frage auf eine Richtungsentscheidung herauszulaufen, wobei jede Entscheidung ihre Vor- und Nachteile mit sich brächte (wobei die Vorteile oft nur darin bestehen, die Nachteile anderer Optionen zu vermeiden).
    * Nur einen Bastard würde ich ausschließen, weil die Situation dem völlig entgegensteht: Hier kommt es nicht darauf an, die Anbindung an eine Lichtgestalt um jeden Preis durchzusetzen, sondern eine neue Krone mit möglichst viel Prestige zu versehen - und da bringt eine Bastardlinie vermeidbare Einbußen mit sich.
    * Charles Ferdinand würde als Neffe des amtierenden französischen Königs die Anbindung an Frankreich garantieren, doch bestände zu befürchten, dass jener Prinz, der im Namen seines Onkels unlängst Truppen gegen den zurückgekehrten Napoleon führte, für viel zuviel Nestwärme sorgen könnte, sollte er den neuen Titel als Plastikkrone behandeln und den neuen Staat von Anfang an auf Wiedervereinigung ausrichten. Dann würde die Trennung scheitern und die Distanz nie hergestellt werden, die sich die Alliierten von dieser Neugründung erhoffen.
    * Eine Übernahme durch einen Kandidaten aus einer Nebenlinie, die eine Königskrone als Gewinn statt als Verlust ansehen würde, würde für mehr professionelle Distanz sorgen. Dafür läge die spanische Linie Bourbon-Anjou nahe (und würde mit ihrem Namen auch an die mittelalterliche Anjou-Herrschaft in der Provence erinnern, auch wenn es sich dabei um andere Anjou handelte). Allerdings stände bei der Wahl eines Spaniers das mittelalterliche Schreckbild einer "Einkreisung Frankreichs durch Spanien" im Raum, zumal mit dem Franche-Comté ein Teil des Gebiets bis 1678 n. Chr. zu Spanien gehörte.
    * Deshalb könnte es sich anbieten, lieber auf einen geeigneten Kandidaten des Hauses Bourbon-Sizilien zurückzugreifen. Eine Verbindung mit diesem Königreich auf Augenhöhe mit verstärkter Integration in die Mittelmeerwelt wäre wohl eine bescheidenere und pragmatische Option.
    * Eine Verwandschaft zu den Bourbonen über eine Tochter (in Verbindung mit einem französisch-adeligen Gatten) würde recht schnell in einer gänzlich neuen Dynastie resultieren, die sich nur noch mit ihrer Blutsverbindung zum Haus Bourbon legitimiert, diesem jedoch selbst nicht mehr angehört. Dies wäre die passende Wahl, wenn der Wunsch besteht, das Königreich Burgund dauerhaft als eine politische Einheit zu etablieren.

    Wahrscheinlich argumentierten auch im Paralleluniversum "Erde 2.01D" im Jahr 1815 n. Chr. die Großen im neuen Burgund über den angemessenen neuen König. Ich werde einmal schauen, welche Kandidaten ihnen dabei zur Verfügung stehen könnten.
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  6. #6
    Blau schimmernd Avatar von Saphir
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    Für das Haus Bourbon-Anjou möchte ich einmal sehr grob durchsieben:
    * Der erste spanische Bourbone, ein Enkel Ludwigs XIV., hieß Philipp V. und hatte drei Söhne, die Nachkommen zeugten. Einer sorgte für weitere Könige von Spanien, der andere begründete die Linie Bourbon-Parma, der dritte heiratete unstandesgemäß.
    * Dessen Sohn Karl III. entsprang... sehr viel, doch drei Söhne führten die Generationen fort, einer von ihnen in Spanien, der zweite begründete das Haus Bourbon-Sizilien, der dritte heiratete nach Portugal und stand dort mit seiner Linie in der Thronfolge...
    ... und das würde zu ersten Gesichtern führen, wäre der Zeitpunkt nicht denkbar ungünstig gewählt: Gabriels Sohn Pedro Carlos starb im Jahr 1812 n. Chr., dessen Sohn Sebastian wurde erst Ende 1811 n. Chr. geboren. Die Großen Burgunds würden damit 1815 n. Chr. ein Kind auf den Thron heben.
    * Karls III. Sohn Karl IV. sorgte für drei im Jahr 1815 n. Chr. noch lebende Söhne, nämlich den aktuellen König Ferdinand VII, dazu Carlos und Francisco.

    Zum Zeitpunkt der Entscheidung sorgten weder Ferdinand noch Carlos für Kinder, wobei sich beide erst um die Dreißig befanden. Hier würde in erster Linie also der dritte Sohn, der damals einundzwanzigjährige, ledige Francisco de Paula de Borbón übrig bleiben.


    Ein Blick auf das Haus Bourbon-Sizilien zeigt:
    * Karls III. Sohn Ferdinand begründete diese Linie und herrscht 1815 n. Chr. immer noch/wieder in Süditalien und Sizilien.
    * Er sorgte für eine Menge Kinder, jedoch nur zwei zum Zeitpunkt der Entscheidung noch lebenden Söhne, seinen Nachfolger Francis (da schon mit reichlich Kindern gesegnet) und den damals fünfundzwanzig Jahre alten Leopold.


    Für eine passende neue, mit den französischen Königen über einen weiblichen Vorfahr verwandte Dynastie gehe ich bis Ludwig XIV. zurück, ohne etwas zu finden - und diesen halte ich für unbedingt nötig. Die spanische Linie blende ich bewusst aus.


    Zur Vollständigkeit möchte ich auch noch das Haus Bourbon-Parma abklopfen:
    * Philipp, Sohn des spanischen Königs Philipp V., begründete die Linie der Herzöge von Parma und hinterließ nur einen Sohn.
    * Dessen Sohn Ferdinand hatte einen Sohn.
    * ... und dessen Sohn Ludwig hatte einen Sohn.
    * ... und dieser Sohn hieß Karl Ludwig, zum Spielbeginn an der Spitze Luccas und damit eingebunden.


    So existieren letztlich drei Kandidaten, ein spanischer, ein französischer und ein sizilianisch-neutraler. Auch hierüber werde ich eine Nacht schlafen (und mich für die nächsten Tage abmelden).
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  7. #7
    Blau schimmernd Avatar von Saphir
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    So steht und fällt alles mit dem Inhalt des "Neuen Pariser Friedens", dem Äquivalent des Zweiten Pariser Friedens im Paralleluniversum "Erde 2.01D".
    * Bei der ersten Bourbonenrestauration in Frankreich betrug es sich so, dass nach Napoleons Fall der französische Senat Ludwig XVIII. die Königskrone antrug und diesem damit die Verlegenheit ersparte, allein durch die Armeen der Besatzer wiederhergestellt zu werden.
    * Der Wiener Vertrag gab dabei seiner Neuschöpfung, der Republik Krakau, bereits ein politisches System mit.

    Da für das neue Königreich Burgund allerdings eine stärkere Rolle eingeplant war als für das Kondominium Krakau, würde ich annehmen, dass dem neuen Staat die Wahl einer Versammlung aufgetragen wurde, der die Aufgabe zukommen sollte, den neuen König von Burgund aus dem Haus Bourbon zu küren.
    Bei der Frage, ob von vorneherein (im Geiste des Vertrags von Utrecht) ein Verbot der Vereinigung der Kronen Frankreichs und Burgunds festgelegt werden sollte, tendiere ich zu "Ja" - weniger aus Furcht vor der näheren Zukunft als direkt vor der folgenden, denn sonst stände im Raum, dass sich die Abgeordneten der Versammlung direkt für den französischen König entscheiden. (Ein solcher vorauseilender Gehorsam war den Alliierten aus den napoleonischen Staaten wohlbekannt.) Um es jedoch nicht als unversöhnliche Härte herüberkommen zu lassen, könnte das Verbot auf zwanzig oder dreißig Jahre beschränkt sein. (Fünfundzwanzig Jahre als direkte Strafe für fünfundzwanzig Jahre Revolutionskrieg wäre möglich, aber unnötig gehässig.)
    Innerhalb dieser Versammlung (deren Wahlmodalitäten durchaus an die französische Verfassung von 1814 n. Chr. angelehnt sein kann) wird der spanische Kandidat wohl wenig Land sehen, weil ein verstärkter spanischer Einfluss bis hin zur Drohung eines Absinkens zu einem Nebenland in einer Personalunion niemandem in die Karten spielt (der Wiener Kongress beschloss ja eine ganze Reihe von Personalunionen, sodass den Abgeordneten dieses Mittel zu der Zeit als modern und möglich erscheinen kann). So sollte sich die Wahl zu der Entscheidung polarisieren, ob man dem französischen Kandidaten entgegenkommen oder dessen Brüskierung riskieren wolle, mit all den daraus folgenden Konflikten und Konsequenzen...
    ... und offen gesagt sehe ich das nicht eintreten. Man wird in einem Streben nach Harmonie Karl Ferdinand die Krone antragen, und dieser wird im Gegenzug dem Königreich Burgund eine Verfassung gewähren, die verblüffend der französischen Verfassung von 1814 n. Chr. ähnelt.
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  8. #8
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    Das Königreich Burgund in den Jahren 1815 - 1820

    So möchte ich mit einer Klarstellung einsteigen, da ich mich an einem Punkt irrte: Bei den Pairs handelte es sich bei Ausbruch der französischen Revolution um eine übersichtliche Gruppe hoher Herren, die entweder als geistliche Würdenträger während der Dauer ihrer Amtszeit oder erbliche Titel als Hochadelige in Verbindung mit Lehensgebieten führten - und just an dieser Stelle zeigt sich die Natur der Arelatgebiete als Eroberungen, dass entweder keine oder so gut wie keine Pairs direkt mit dem Territoriums des neuen Königreichs Burgund verbunden sind. Dies bedeutet, dass die logische Gruppe und erste Wahl für die Entscheidung über eine neue Dynastie ausfällt - und natürlich kann der König, den sie erst bestimmen sollen, noch keine weiteren Pairsstellen schaffen.
    Da es aber auch dem Geist des Wiener Kongresses zuwiderlaufen würde, die Entscheidungsträger per Wahl zu bestimmen, und eine "Versammlung der Großen" in diesem Fall Tradition hätte, wird im Paralleluniversum "Erde 2.01D" wohl der Neue Pariser Frieden wohl provisorische Richtlinien festlegen und etwa Bischöfe, Erzbischöfe und einheimische Adelige ab einem gewissen Rang für diesen Kronträgerfindungskonvent zulassen - und nach ihrer Entscheidung wird der neue König Karl Ferdinand all jene, die dem Aufruf zur Versammlung folgten, zu neuen Pairs und damit zu einem Teil des Pairkammer genannten, von der französischen Verfassung von 1814 n. Chr. kopierten Oberhauses zu werden.
    Dieser Umstand kommt dem neuen Staat entgegen, sorgt er doch direkt für Profiteure der neuen Ordnung. Ich würde aber annehmen, dass sich damit die in ihren Territorien und Strukturen klar definierten geistlichen Würdenträger leichter tun als die oftmals erst aus dem Exil zurückkehrenden und mit dem Chaos der Territorienabtrennung konfrontierten Adeligen. Schließlich tritt ja ein neuer Hof als möglicher Lebensmittelpunkt neben Paris.

    Die Wahl für eine neue Hauptstadt sehe ich recht schnell auf Lyon fallen. Man wird mehr über das Ausmaß an Zentralisierung im neuen Königreich diskutieren, doch da dies allgemein als ein Quell von Frankreichs Stärke galt, wird man große Teile davon beibehalten. Dagegen tritt die Frage, in welchem Maße sich die Stadt Marseille vom etwa gleichgroßen Lyon steuern lässt. Deshalb nehme ich an, dass einige Kompromisse die Macht der Zentrale einschränken.

    So steht ein guter Teil dieser ersten Jahre des Königreiches Burgund im Rahmen von Ankunft und Aufbau, sowohl hinsichtlich der Erschaffung eines Verwaltungszentrums als auch dem Aufbau eines Königshofs.

    In der realen Welt...
    * stimmte Frankreich mit dem Zweiten Pariser Frieden hohen Reparationszahlungen zu, die in den nächsten fünf Jahren geschehen sollen...
    * ... und mit der Besetzung eines Großteils des Landes für diesen Zeitraum einhergehen.
    * geschehen die ersten beiden Monarchenkongresse, in denen die Großmächte noch für eine Weile die Einheit der Koalitionen und des Wiener Kongresses zu bewahren suchen. Frankreich gelingt eine Rückkehr in den Kreis der Großmächte und eine Verkürzung der Besatzungszeit.
    * In Frankreich regiert König Ludwig XVIII., der die Verfassung anerkennt und sich bemüht, nach innen und außen Ruhe einkehren zu lassen.
    * Trotzdem brodelt es zwischen Monarchisten, Bonapartisten und Republikanern, und gerade der Süden Frankreichs erlebt im Jahr 1815 n. Chr. eine Welle der Gewalt der Monarchisten gegen ihre politischen Gegner.

    Da ich möglichst wenig an der Restwelt verändern möchte, wird ein Großteil davon auch das Königreich Burgund betreffen.
    * Ob das Königreich Burgund für die Sünden der Vergangenheit ebenfalls Besetzung und Strafzahlung erdulden muss, wird sicher innerhalb der Welt diskutiert werden. Ich würde annehmen, dass sich die Alliierten für eine Stationierung von Truppen entscheiden, dies allerdings mit der Sicherstellung einer Stabilisierung begründen, und das neue System die "Besatzungskosten" aufbringen muss. Wenn sich auch die realen Zonen übernehmen, dann sichern Schweizer und Piemontesen jeweils ein kleineres Fleckchen, während der Löwenanteil des Gebiets Österreich untersteht.
    * Sicher begleiten auch Gewalt und Chaos die Einrichtung der neuen Herrschaft, bei der auch eine ähnliche Serie weißen Terrors wie in der Realität auftreten kann. Bis 1818 n. Chr. sollte aber eine Ordnung wiederhergestellt worden sein, sodass die fremden Truppen im Windschatten Frankreichs auch das Königreich Burgund verlassen.

    Der historische Charles Ferdinand lebte während des Exils an mehreren Orten des Auslandes und wirkte in mehreren Armeen, ehe er nach Napoleons Niederlage auf das Festland zurückkehrte. Laut Wikipedia verschaffte er sich mit seiner aufrichtigen Art unter seinen Untergebenen Sympathien, außerdem betätigte er sich als Kunstsammler und zeugte mehrere uneheliche Kinder mit verschiedenen Geliebten.

    Zwischen den Jahren 1815 und 1820 n. Chr. geschah in der Realität...
    * seine Vermählung mit Marie Caroline von Bourbon-Sizilien, der ältesten Tochter des damaligen Kronprinzen von Sizilien.
    * die Geburt zweier Kinder, die direkt verstarben.
    * die Geburt einer überlebenden Tochter, Louise Marie Thérèse im Jahr 1819 n. Chr.
    * sein Tod infolge eines Attentats durch den Bonapartisten Louis-Pierre Louvel im Jahr 1820 n. Chr.
    * die Geburt seines Sohnes Henri Charles, sieben Monate nach seiner Ermordung.

    All das tritt im Paralleluniversum "Erde 2.01D" ebenfalls ein.
    Die Eheschließung dient hier sicher auch dazu, sämtliche möglichen Restspannungen mit dem unterlegenen Gegenkandidatenhaus aus der Königswahlfrage auszuräumen. Sie ergibt aber auch darüber hinaus zwischen den beiden Königreichen Sinn.

    Darüber hinaus sehe ich König Karl Ferdinand keine größeren Akzente setzen. Nach seiner Krönung in Arles mit der umgangssprachlich-sogenannten Flamingokrone (wegen der Vögel und dem vorherrschenden Rot... nur versteht mich bitte nicht falsch: das echte Königreich Arelat besaß soweit ich weiß keine überdauernde oder Ideal-Krone, also ist das ein purer Jux) beschränkt er sich auf das Tagesgeschäft, Ehe sowie Hobbys und blickt ansonsten nach Frankreich, wobei er das Streben nach Ausgleich im Inneren verbunden mit Ruhe nach außen von seinem Onkel kopiert. Bei der außenpolitischen Nicht-Präsenz stört es ihn auch nicht, dass Frankreich implizit auch für Burgund mitspricht.

    Zur Zusammenfassung:
    In den fünf Jahren zwischen 1815 und 1820 n. Chr. kommt das Königreich Burgund nach einer Phase innerer Tumulte und äußerer Besatzung langsam zur Ruhe und findet sich in den Alltag einer konstitutionellen Monarchie mit starkem, aber inaktivem König ein, während die neue Hauptstadt Lyon zum Verwaltungszentrum und Sitz eines Königshofs heranwächst. Schließlich stirbt König Karl Ferdinand bei einem Attentat.
    "Der Wogen Schlag im Herz, der Flammen Glanz im Haar."

  9. #9
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    Das Umbruchsjahr 1820 n. Chr.

    In der Realität sorgt nicht nur die Ermordung des Prinzen Charles Ferdinand für schlechte Nachrichten bei den Bourbonen, denn...
    * ... im Königreich Beider Sizilien geht König Ferdinand mit seinen absolutistischen Ambitionen zu weit und muss nach einem Militärputsch einer Verfassung zustimmen.
    * ... im Königreich Spanien geht König Ferdinand mit seinen absolutistischen Ambitionen zu weit und muss nach einem Aufstand die bestehende Verfassung anerkennen.
    * Anlässlich dessen (und liberalen Tendenzen in Portugal) versammeln sich die Großmächte zum Kongress von Troppau, der aber nur österreichisch-französische Rivalitäten um den Einfluss in Italien zutage treten lässt und sonst ohne Ergebnis endet. (Allerdings wird ein neuer Kongress im nächsten Jahr beschlossen.)

    In genau dieser schwierigen Lage entsteht im Königreich Burgund mit der Ermordung seines Königs in ein Machtvakuum.

    Derweil möchte ich zwei Dinge, die in der Realität geschahen, innerhalb des Paralleluniversums "Erde 2.01D" verändern:
    * Der historische Charles Ferdinand bat kurz vor seinem Tod um die Begnadigung seines Mörders, die aber bei dessen Prozess ignoriert wurde. Im Königreich Burgund handelt es sich dabei allerdings um den Willen des Monarchen, der den Attentäter nun vor der Hinrichtung rettet.
    * In der Realität mischte sich die Tochter König Ludwigs XVI. und Gattin von Charles Ferdinands Bruder, Marie Thérèse Charlotte, in die Erziehung ihrer Neffen ein. Hier handelt es sich aber nun um die königliche Familie Burgunds mit Wohnsitz in Lyon.

    So steht die schwangere und zur Witwe gewordene Königin Maria Karolina, zu dem Zeitpunkt 21 Jahre alt, im Rampenlicht und sieht sich abseits der Frage, ob es sich bei ihrem werdenden Kind um einen lebensfähigen Jungen handelt, einem Parlament gegenüber, dem genauso wenig wie dem Herrscherhaus an einer Rückkehr chaotischer Zustände gelegen ist und dessen Pairskammer im Zweifelsfall den Anspruch anmelden kann, bei der Thronbesetzung mitzubestimmen...
    ... und ja, ich nehme an, dass da ein Kuhhandel eintritt: Die Krone fällt an eines ihrer Kinder (abhängig von der Geburt) und sie übernimmt die Regentschaft bis zur Volljährigkeit, dafür erfährt die Verfassung eine Korrektur zugunsten des Parlaments, die diesem eine größere Selbständigkeit bei der Erledigung der Staatsgeschäfte erlaubt.
    Bei diesem Parlament handelt es sich derweil immer noch um ein aus Kirchenfürsten und Hochadel bestehendes Oberhaus und nach strengem Zensuswahlrecht bestimmten Unterhaus; diese Elite übernimmt mehr Verantwortung, um den Status Quo stabil zu halten.
    Die politischen Gruppierungen innerhalb der burgundischen Gesellschaft sollten derweil den französischen entsprechen, allerdings mit abgefeilten Enden: Niemand sieht den König des Rhonelands in der Pflicht, ein neuer Sonnenkönig zu sein, und niemand erstrebt die Pracht eines Hofs von Versailles. Derweil fehlt auch Paris als progressives Zentrum. Wenn nun auch noch die Begnadigung des Königs für seinen Mörder als einen Aufruf zur Versöhnung verstanden wird und die neue Regierung sich bemüht, die Gräben zu glätten, dass könnte der neue Staat eine größere Ruhe und Harmonie erreichen.

    Wikipedia beschreibt Maria Karolina als lebenslustig, mit Interesse an Mode, Theater und Reisen. Vermutlich verfolgt auch sie keine größere Agenda jenseits der Tagespolitik. Ihr politischer Blick richtet sich allerdings nicht mehr nur auf Frankreich, sondern auf die größere bourbonische Welt sowie (als Tochter einer Habsburgerin) auf Österreich.
    "Der Wogen Schlag im Herz, der Flammen Glanz im Haar."

  10. #10
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    So sieht übrigens das Königreich Burgund aus.
    Es handelt sich allein um exfranzösische Gebiete, sieht man von dem Umstand ab, dass das im Ersten Pariser noch bei Frankreich verbleibende Drittel Savoyens im Neuen Pariser Frieden nicht zurückgegeben wurde, sondern bei Frankreich verblieb. (Die Grenzen sind von Hand abgezeichnet und damit eher als ungefähre Orientierung zu nehmen.)

    ... Eigentlich wollte ich heute Abend noch etwas schreiben, aber nun bin ich zu platt dafür. So beschränke ich mich auf dieses Bild, dass ich zwar schon seit einer ganzen Weile besitze, aber noch nicht den rechten Zeitpunkt fand.
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