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Thema: [Victoria II] Marstöchter

  1. #31
    Blau schimmernd Avatar von Saphir
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    Ich möchte Strabons Quellen einmal durchgehen:
    * Die Werke des Kleitarchos gingen bis auf einige Fetzen verloren.
    * Bei Theophanes von Mytilene sieht es ähnlich aus.
    * Von Metrodoros von Skepsis kann ich nicht einmal sagen, ob er überhaupt etwas schrieb.
    * Hypsikrates ging verloren.
    * Von Kleitarchus überlebten nur einige wenige Fragmente.
    * Pindar, jenen Athleten-Mythen-Verschmelzer, behandelten wir bereits.
    * Hellanikus besitzt nicht einmal einen englischen Wikipedia-Eintrag.
    * Eudoxos aus Kyzikos ging auf See verloren.
    * Bei Ephoros von Kyme handelt es sich wohl um einen weiteren großen Autor mit einem Monimentalwerk, von dem allerdings nur einige Fragmente überdauerten.
    * Palaiphatos schrieb ein Werk namens "Unglaubliche Geschichten", und es wäre toll, wenn ich es in die Hände bekommen könnte.
    * Demetrios von Skesis überlebte nur in den paar Fragmenten des Strabon.
    * Das längste Fragment des Dichters Hipponax umfasst sechs Zeilen.

    Das ist alles... trostlos. Wenn ich mich recht erinnere, überlebte nur etwa 3% des antiken Schriftschatzes die Jahrtausende, und diese Stichprobe macht dies greifbar.
    Ich ließ einen Namen aus, den ich schon die ganze Zeit lang übergehe, weil er wahrscheinlich wieder einmal mit einem riesigen Berg Arbeit einhergeht... und das ist Herodot.
    "Der Wogen Schlag im Herz, der Flammen Glanz im Haar."

  2. #32
    Blau schimmernd Avatar von Saphir
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    (23) Herodot, Historien

    Der griechische Historiker und "Vater der Geschichtsschreibung" Herodot lebte im fünften vorchristlichen Jahrhundert zur Zeit des Peloponnesischen Kriegs. Er hinterließ ein großes Werk, in neun Bänden.

    Der Erstauftritt der Amazonen geschieht im Rahmen einer Geschichte.

    Zitat Zitat von 4. Buch, 110
    Von den Sauromaten sagt man folgendes: Als die Hellenen mit den Amazonen kämpften (die Amazonen aber nennen die Szythen Oiorpata, ein Wort, das in unserer Sprache Männertöter heißt; Oior nämlich heißt der Mann, und Pata töten) – damals, lautet die Sage, seien die Hellenen, als Sieger in der Schlacht am Thermodon, auf drei Fahrzeugen mit all den Amazonen heimgefahren, die sie gefangengenommen hatten; diese seien aber auf der See über die Männer hergefallen und hätten sie erschlagen. Nun seien sie der Fahrzeuge nicht kundig gewesen, weder des Gebrauchs der Steuer, noch der Segel und Ruder; daher sie denn, nach Erschlagung der Männer, Wind und Wellen überlassen waren und so nach Kremnoi am Maiotischen See kamen. Dieses Kremnoi liegt im Lande der freien Szythen. Daselbst stiegen die Amazonen aus den Fahrzeugen und nahmen ihren Weg ins bewohnte Land hinein, machten da die erste beste Roßherde zur Beute, setzten sich auf die Pferde und plünderten im Szythenlande.
    Bei der Maiotischen See handelt es sich um das Asowsche Meer, die Stadt Kremnoi heißt heute Taganrog und liegt nahe der Stadt Asow.
    Es geht weiter.

    Zitat Zitat von 4. Buch, 111-116
    Die Szythen wußten nicht aus dem Dinge klug zu werden, kannten ihre Sprache nicht, noch auch die Kleidung und den Volksstamm: sondern hatten ihr Wunder daran, wo sie herkämen. Sie hielten sie jedoch für lauter Männer ebensolchen Alters und lieferten ihnen auch eine Schlacht; wie die Szythen aus dieser Schlacht die Toten in die Hand bekamen, sahen sie erst, daß es Weiber waren. Da berieten sie und beschlossen, sie auf keine Weise mehr zu töten, sondern ihre jüngsten Männer zu ihnen hinauszuschicken, in ungefähr gleicher Anzahl, wie jene waren, um sich in ihrer Nähe zu lagern und dann immer dasselbe zu tun, was jene täten; wenn sie aber verfolgt würden, nicht zu kämpfen, sondern zu weichen, bis sie nachließen, und dann gleich wieder in ihrer Nähe zu lagern. Diesen Beschluß faßten die Szythen in der Absicht, Kinder von ihnen zu bekommen.
    Die Jünglinge wurden hinausgeschickt und taten, was ihnen befohlen war. Da nun die Amazonen merkten, sie seien ganz ohne feindliche Absicht gekommen, ließen sie sie gehen, und von Tag zu Tage rückte das eine Lager näher an das andere heran. Die Jünglinge hatten aber, ebenso wie die Amazonen, nichts als ihre Waffen und Pferde und lebten nur, wie diese auch, vom Jagen und Plündern.
    Nun machten es die Amazonen zur Mittagszeit immer so: Sie zerstreuten sich, einzeln oder zu zweien, um voneinander abseits ihre Notdurft zu verrichten. Da das die Szythen auch merkten, machten sie's ebenso, und da machte sich einer an eine, die ganz allein war, und die Amazone sträubte sich nicht, sondern ließ sich's gefallen. Sprechen konnte sie nun zwar nicht, weil sie einander nicht verstanden, doch bedeutete sie ihn mit der Hand, des folgenden Tages wieder an den Ort zu kommen und einen andern mitzubringen; sie deutete durch Zeichen an, daß es zwei sein sollten, und daß auch sie eine andere mitbringen wolle. Der Jüngling ging also zurück, sagte das den übrigen und kam darauf am andern Tage an den Ort mit noch einem, wo er denn auch die Amazone fand, die mit einer zweiten auf ihn wartete. Die übrigen Jünglinge machten, als sie das erfuhren, nun auch die übrigen Amazonen sich zu Willen.
    Hernach vereinigten sie ihre Lager und wohnten beisammen, und jeder hatte die zum Weibe, zu der er sich zuerst gesellt hatte. Die Sprache der Frauen waren nun zwar die Männer nicht imstande, von ihnen zu lernen, aber die Weiber nahmen die ihrer Männer an. Da sie nun einander verstanden, sprachen die Männer zu den Amazonen, wie folgt: »Wir haben Eltern, wir haben Besitz; so laßt uns denn nicht länger dieses Leben führen, sondern zurückkehren und unter dem Volke leben. Ihr aber sollt unsere Weiber sein und keine andern.« Diese sagten hierauf folgendes: »Wir würden unter euern Weibern nicht hausen können; denn wir haben nicht dieselben Sitten wie sie. Wir schießen mit dem Bogen, werfen den Speer und sind beritten; Weiberarbeiten haben wir aber alle keine gelernt; eure Weiber aber tun keines der besagten Dinge, sondern treiben ihre Weiberarbeiten, wobei sie immer auf ihren Wagen bleiben, ohne auf die Jagd auszugehen oder sonstwohin. Wir würden uns also nicht mit ihnen vertragen können. Wenn ihr uns also zu Weibern haben und euch dabei ganz rechtschaffen zeigen wollt, so geht zu euern Eltern und holt euer Erbteil: wenn ihr dann wiederkommt, hausen wir für uns allein.«
    Die Jünglinge nahmen das an und taten es. Wie sie dann mit ihrem Erbteile wieder zu den Amazonen zurückkamen, sprachen die Weiber zu ihnen: »Es ist uns angst und bange, in diesem Lande zu wohnen, da wir euch von euern Vätern losgerissen und außerdem eurem Lande soviel Schaden getan haben. Weil ihr uns nun einmal zu Weibern haben wollt, wohlan, so laßt uns jetzt aus diesem Lande wegziehen, über den Tanaïsstrom gehen und dort wohnen.«
    Die Jünglinge nahmen auch das an, und sie gingen über den Tanaïs und zogen drei Tagereisen vom Tanaïs gegen Sonnenaufgang und drei vom See Maiotis gegen den Nordwind, bis sie in die Gegend kamen, wo sie jetzt wohnhaft sind, und sie zum Wohnplatze nahmen. Daher haben die Weiber der Sauromaten noch ihre alte Lebensart, gehen zu Pferde auf die Jagd, mit und ohne die Männer, ziehen in den Krieg und tragen auch dieselbe Kleidung wie ihre Männer.
    Ihr seht hier also eine Herkunftsgeschichte der Sarmaten/Sauromaten, die laut Herodot aus einer Verbindung zwischen Skythen und Amazonen entstanden. Dabei fällt die Ähnlichkeit zwischen dieser Annäherung und Strabons Bergritual ins Auge, und ich würde fast vermuten, dass Letztere nach ersterer modelliert wurde.
    Für den Mod lässt sich folgendes festhalten:
    * Die Skythen nennen die Amazonen "Oiorpata", "Männertöter".
    * Amazonen können nicht Auto... ähhm... Boot fahren.
    * Sie gehen bei Kremnoi/Taganrog an Land, ziehen dann allerdings mit ihren neuen Gatten nach Nordosten.
    * Amazonen gehen allein oder zu zweit aufs Klo.
    * Amazonen und Skythen sprechen verschiedene Sprachen, sie erlernen jedoch das Skythische.
    * Amazonen lassen sich recht leicht auf Beischlaf ein, wollen danach allerdings heiraten.
    * Amazonen lehnen die sogenannte "Frauenarbeit" ab und erlernten nur das Kriegshandwerk. Sie würden sich nicht mit "normalen" Frauen arrangieren können.
    * Amazonen konnten von ihrer Kleidung her für Männer gehalten werden und tragen nun skythische/sarmatische Männerkleidung.

    Ein Abschnitt folgt noch.

    Zitat Zitat von 4. Buch, 117
    Die Sprache der Sauromaten ist eigentlich szythisch, obschon von vornherein mit Fehlern durchsetzt, da sie die Amazonen nicht ganz richtig erlernten. Das Heiraten anlangend, besteht bei ihnen die Einrichtung, daß keine Jungfrau heiratet, bevor sie einen Feind getötet hat. Und einige von ihnen kommen ans Ende ihrer Tage, ehe sie heiraten, weil sie das Gesetz nicht erfüllen können.
    Auch das kann ich aufnehmen.

    Tatsächlich war dies bereits der Großteil des Inhalts. Nur recht am Ende werden noch einmal Amazonen erwähnt, als ein Sprecher Athens historische Leistungen rühmt.

    Zitat Zitat von 9. Buch, aus 27
    Die Herakleiden zunächst, deren Führer diese, wie sie sagen, am Isthmos erschlugen, ebendie haben vorher, da sie verstoßen wurden von allen Hellenen, zu denen sie vor der Knechtschaft der Mykenäer sich flüchteten, wir allein ausgenommen und wir haben den Trotz des Eurystheus vernichtet, als wir mit ihnen die damaligen Peloponnesier in einer Schlacht besiegten. Als ferner die Argiver, die mit Polyneikes gegen Theben zogen, gefallen waren und unbestattet dalagen, da rühmen wir uns, die Kadmeier befehdet und die Leichname gewonnen und in unserem Lande zu Eleusis bestattet zu haben. Auch haben wir eine rühmliche Tat ausgeführt gegen die Amazonen, die einst vom Thermodonflusse her in das attische Land eindrangen. Und in den troischen Kämpfen standen wir keinem nach.
    Gut.
    "Der Wogen Schlag im Herz, der Flammen Glanz im Haar."

  3. #33
    Blau schimmernd Avatar von Saphir
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    (24) Justin, Epitoma historiarum Philippicarum

    Der um das dritte oder vierte Jahrhunderte lebende Autor Markus Julianus Justinus hinterließ der Welt ein Geschichtswerk, bei dem es sich laut Vorwort um eine Sammlung von Ausschnitten eines verlorenen Werks des Trogus handeln soll.

    Er kommt auf die Amazonen im Kontext der Skythen zu sprechen.

    Zitat Zitat von 2. Buch, aus Kapitel 1
    In narrating the acts of the Scythians, which were very great and glorious, we must commence from their origin; for they had a rise not less illustrious than their empire; nor were they more famous for the government of their men than for the brave actions of their women. As the men were founders of the Parthians and Bactrians, the women settled the kingdom of the Amazons; so that to those who compare the deeds of their males and females, it is difficult to decide which of the sexes was more distinguished.
    Da die Skythen schon im ersten Buch vorkommen, sieht er diese nicht aus den Parthern und Baktriern hervorgehen, aber die andere (Geschlechter-)Hälfte bleibt eindeutig: Er sieht die Skythinnen aus den Amazonen hervorgehen.
    Zu dieser Geschichte kommt er später. Sie entspringt, als ein König von Ägypten leichtfertig den Skythen den Krieg erklärt. Diese schlagen ihn, setzen ihm nach, kommen aber mit dem Klima Ägyptens nicht zurecht und unterwerfen stattdessen in einem fünfzehnjährigen Feldzug weite Teile Asiens, ehe ihre Frauen auf eine Rückkehr drängen.

    Zitat Zitat von 2. Buch, Anfang von Kapitel 4
    Among the Scythians, in the meantime, two youths of royal extraction, Ylinos and Scolopitus, being driven from their country by a faction of the nobility, took with them a numerous band of young men, and found a settlement on the coast of Cappadocia, near the river Thermodon, occupying the Themiscyrian plains that border on it. Here, making it their practice for several years to rob their neighbours, they were at last, by a combination of the surrounding people, cut to pieces in an ambuscade. Their wives, when they found that to exile was added the loss of their husbands, took arms themselves, and maintained their position, repelling the attacks of their enemies at first, and afterwards assailing them in return. They relinquished all thoughts of marrying with their neighbours, saying that it would be slavery, not matrimony. Venturing to set an example unimitated through all generations, they established their government without the aid of men, and soon maintained their power in defiance of them. And that none of their females might seem more fortunate than others, they put to death all the men who had remained at home. They also took revenge for their husbands that were killed in war, by a great slaughter of their neighbours.
    Zusammenfassung: Während der Abwesenheit des Heeres gründen zwei skythische Prinzen eine Siedlung am Thermodon und terrorisieren von dort aus als Plünderer die Umgebung, bis sie in einem Hinterhalt vernichtet werden. Daraufhin greifen ihre Frauen zu den Waffen, verteidigen ihre Siedlung und verwandeln sich schließlich in einen vollkommenen Frauenstaat, wofür sie auch aus Gleichheitsgründen die überlebenden Männer ihrer Gruppe hinrichten.

    Zitat Zitat von 2. Buch, weiter aus dem 4. Kapitel
    Having thus secured peace by means of their arms, they proceeded, in order that their race might not fail, to form connexions with the men of the adjacent nations. If any male children were born, they put them to death. The girls they bred up to the same mode of life with themselves, not consigning them to idleness, or working in wool, but training them to arms, the management of horses, and hunting; burning their right breasts in infancy, that their use of the bow might not be obstructed by them; and hence they were called Amazons. They had two queens, Marpesia and Lampedo, who, dividing their forces into two bodies (after they were grown famous for their power), conducted their wars, and defended their borders separately and by turns. And that a reason for their success might not be wanting, they spread a report that they were the daughters of Mars.
    Zusammenfassung: Ihr Staat besitzt folgende Eigenarten...
    * Sie bedienen sich für die Nachkommenproduktion Männern benachbarter Nationen. Dabei töten sie männliche Kinder und erziehen weibliche zum Reiterkriegerhandwerk.
    * Sie brennen Mädchen die rechte Brust aus.
    * Sie besitzen ein Doppelköniginnentum mit zwei getrennten Heeren, wobei eines zum Angriff und eines zur Verteidigung dient.
    * Sie gelangen in den Ruf, Töchter des Mars zu sein.

    Es geht weiter.

    Zitat Zitat von 2. Buch, weiter aus dem 4. Kapitel
    After subduing the greater part of Europe, they possessed themselves also of some cities in Asia. Having then founded Ephesus and several other towns there, they sent a detachment of their army home, laden with a vast quantity of spoil. The rest, who remained to secure their power in Asia, were cut to pieces, together with their queen Marpesia, by a combination of the barbarous tribes.
    Sie erobern also weite Teile Kleinasiens und gründen Städte. Ihre zurückbleibenden Truppen, die die Macht sichern sollen, werden allerdings geschlagen.
    Weiter im Text.

    Zitat Zitat von 2. Buch, weiter aus dem 4. Kapitel
    Orithya, the daughter of Marpesia, succeeded to the government in her room, and has attracted extraordinary admiration, not only for her eminent skill in war, but for having preserved her virginity to the end of her life. So much was added by her valour and conduct to the fame and glory of the Amazons, that the king, for whom Hercules was bound to perform twelve labours, ordered him, as if it were a thing impossible, to bring him the arms of the queen of the Amazons. Hercules. accordingly, having proceeded thither with nine ships of war, the principal young men of Greece accompanying him, attacked the Amazons unawares. Two sisters at this time held the government, Antiope and Orithya; but Orithya was engaged in a war abroad. When Hercules, therefore, landed on the coast of the Amazons, there was but a small number of them there with their queen Antiope, free from all apprehension of hostilities. Hence it happened that a few only, roused by the sudden alarm, took up arms, and these afforded an easy conquest to the enemy. Many were slain, and many taken prisoners; among the latter were two sisters of Antiope, Menalippe being taken by Hercules, and Hippolyte by Theseus. Theseus, having received his prisoner as his share of the spoil, took her to wife, and had by her his son Hippolytus. Hercules, after his victory, restored his captive Menalippe to her sister, receiving the arms of the queen as a recompence; and having thus executed what was imposed on him, he returned to the king.
    Hier wird nun also die Herkules- und die Theseus-Geschichte in kombinierter Version aufgeführt und die verschiedenen Amazonennamen miteinander harmonisiert.
    Derweil stolpere ich über einen Satz aus dem [url=https://de.wikipedia.org/wiki/Amazonen]Wikipedia-Artikel[/quote]: "...zu ihrem Gefolge gehört Alkippe, die einzige erwähnte Amazone mit abgelegtem Keuschheitsschwur". Nein, klingt so, als gelte das auch für Orythia.
    Weiter.

    Zitat Zitat von 2. Buch, weiter aus dem 4. Kapitel
    But Orithya, when she found that war had been made upon her sister, and that the assailant was a chief of the Athenians, exhorted her followers to revenge the affront, saying that the “coast of the Pontus, and Asia, had been conquered in vain, if they were still exposed, not merely to the wars, but to the marauding invasions, of the Greeks.” She then solicited aid from Sagillus, king of Scythia; representing to him “their Scythian descent, the loss of their husbands, their obligation to take arms, and their reasons for making war;” adding, “that they had proved by their valour, that the Scythians must be thought to have women not less spirited than their men.” Sagillus, alive to the glory of his nation, sent his son Panasagoras, with a numerous body of cavalry, to their aid. But some disagreement having occurred before the battle, they were deserted by their auxiliaries, and worsted in the conflict by the Athenians. They had, however, the camp of their allies as a place of refuge, under whose protection they returned to their kingdom unmolested by other nations.
    Hier kommt nun also der bekannte Angriff auf Athen auf, wobei bezeichnenderweise diesmal ein stärkerer Fokus auf den skythischen Hilfstruppen als auf den Kämpfen in der Stadt selbst liegt. Ich würde mich auch nicht wundern, wenn das Doppelkönigtum nur existiert, damit der Rettungsversuch einer Königin von einer Königin geführt werden kann.
    So geht es weiter.

    Zitat Zitat von 2. Buch, Rest des 4. Kapitels
    After Orithya, Penthesilea occupied the throne, of whose valour there were seen great proofs among the bravest heroes in the Trojan war, when she led an auxiliary force thither against the Greeks. But Penthesilea being at last killed, and her army destroyed, a few only of the Amazons, who had remained at home in their own country, established a power that continued (defending itself with difficulty against its neighbours), to the time of Alexander the Great. Their queen Minithya, or Thalestris, after obtaining from Alexander the enjoyment of his society for thirteen days, in order to have issue by him, returned into her kingdom, and soon after died, together with the whole name of the Amazons.
    Justin führt also die klassischen vier Amazonen in Verbindung mit einer Entstehungs- und Quasi-Endgeschichte auf (ein echtes Ende fehlt) und bringt diese auch in einen Zusammenhang. Bei ihm geht es mit dem großen Asien-Feldzug der Skythen und deren daheimgebliebenen Frauen weiter, als wäre nichts geschehen, wobei überraschenderweise die beschriebenen Umstände vor und nach dem Amazonen-Intermezzo voneinander abweichen.

    Thalestris taucht noch einmal bei Alexander auf:

    Zitat Zitat von 12. Buch, aus dem 3. Kapitel
    Having, by this speech, revived the spirits of his soldiers for new exertions, he subdued Hyrcania and the Mardians. Here Thalestris, or Minithya, queen of the Amazons, came to meet him, having travelled for twenty-five days, with three hundred women in her train, and through extremely populous nations, in order to have issue by him. Her appearance and arrival was a cause of astonishment to all, both from her dress, which was an unusual one for women, and from the object of her visit. To gratify her, thirteen days’ rest was allowed by the king; and when she thought herself pregnant, she took her leave.
    Das ist noch einmal die bekannte Anekdote, auch erneut mit dem bislang unbekannten Zweit-Namen.
    Das wiederholt im Teil über Armenien und Parthien.

    Zitat Zitat von 42. Buch, aus dem 3. Kapitel
    After the death of Jason, Medus, emulous of his virtues, built a city named Medea in honour of his mother, and established the kingdom of the Medes after his own name, under whose dominion the empire of the east afterwards fell. On the Albanians border the Amazons, whose queen Thalestris, as many authors relate, sought the couch of Alexander.
    Für den Mod kann ich einiges mitnehmen, da sich Justin den bislang extremsten Amazonenstaat ausmalte (vergleicht dieses "Sie töteten ihre übrig gebliebenen Männer, und sie töten ihre männlichen Kinder" nur etwa mit dem "Amazonen heiraten nach dem Ende ihres Kriegsdiensts" der Libyer Diodors.) und sich mit der Frage auseinandersetzte, wie er wohl funktionierte.
    "Der Wogen Schlag im Herz, der Flammen Glanz im Haar."

  4. #34
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    (25) Jordanes, Getica

    Bei dem Werk des Sekretärs und Gelehrten Jordanes aus dem sechsten Jahrhundert nach Christus muss ich erneut mit einer Erklärung beginnen: Ich las dieses Buch privat und in dem Wissen, dass das sechste Jahrhundert nicht mehr zwangsläufig mit zur Antike gehört, aber es lag auf meinem Stapel und... nun ja. Es ist allerdings auch nicht zwangsläufig falsch, und ihr werdet sehen, dass sich vieles bekannt anfühlen wird.
    Jordanes schrieb (im Windschatten des nur wenige Jahre vorher aktiven Cassiodor, dessen Werk verloren ging) eine Geschichte des Volks der Goten, trickst aber dabei, indem er die thrakischen Geten kurzerhand zu Goten erklärt und damit ein höheres Alter erreicht. Die Behandlung der Amazonen fällt mit in diesen Zusammenhang.

    Zitat Zitat von 44
    Then, as the story goes, Vesosis waged a war disastrous to himself against the Scythians, whom ancient tradition asserts to have been the husbands of the Amazons. Concerning these female warriors Orosius speaks in convincing language. Thus we can clearly prove that Vesosis then fought with the Goths, since we know surely that he waged war with the husbands of the Amazons. They dwelt at that time along a bend of Lake Maeotis, from the river Borysthenes, which the natives call the Danaper, to the stream of the Tanais.
    Er nennt zwar ausdrücklich andere Quellen, aber es handelt sich wahrscheinlich um dieselbe Geschichte, die Justin erzählt. Bei ihm heißt "Vesosis" "Sesostis", und auch dieser erklärte einen Krieg gegen die Skythen, die "Ehemänner der Amazonen". Nun postuliert er, dass es sich bei den Amazonen zweifelsfrei um Gotinnen und deshalb statt um Skythen um Goten gehandelt habe...
    Er verortet deren Reich auf alle Fälle zwischen Dnjepr und Don, also nördlich des Schwarzen und Asowschen Meers.

    Die Geschichte geht genauso wie bei Justin weiter: Die Goten besiegen (unter einem bei Jordanes neu auftauchenden König namens Tanausis) die Ägypter, setzen ihnen nach, werden aber bei ihrem Gegenangriff vom Nil blockiert und unterwerfen stattdessen weite Teile Asiens, wobei aus einigen ihrer in der Ferne zurückbleibenden Truppen die Parther entstehen. Während aber dieses Heer in der Ferne weilt...

    Zitat Zitat von 49
    After his death, while the army under his successors was engaged in an expedition in other parts, a neighboring tribe attempted to carry off women of the Goths as booty. But they made a brave resistance, as they had been taught to do by their husbands, and routed in disgrace the enemy who had come upon them. When they had won this victory, they were inspired with greater daring. Mutually encouraging each other, they took up arms and chose two of the bolder, Lampeto and Marpesia, to act as their leaders.
    Die beiden Stränge "Die Frauen der Skythen bitten ihre Gatten um die Rückkehr, da sie Unheil befürchten" und "Nachdem die Skythengruppe am Thermodon bei einem Hinterhalt die meisten ihrer Männer verlor, nehmen die Frauen Waffen zur Hand und besiegen die Angreifer" verschmelzen hier also zu einer Geschichte, und auch die Namen Lampeto und Marpesia sind bekannt. (Justin schreibt sie "Lampedo".)

    Zitat Zitat von 50
    While they were in command, they cast lots both for the defense of their own country and the devastation of other lands. So Lampeto remained to guard their native land and Marpesia took a company of women and led this novel army into Asia. After conquering various tribes in war and making others their allies by treaties, she came to the Caucasus. There she remained for some time and gave the place the name Rock of Marpesia, of which also Virgil makes mention: "Like to hard flint or the Marpesian Cliff."
    It was here Alexander the Great afterwards built gates and named them the Caspian Gates, which now the tribe of the Lazi guard as a Roman fortification.
    Doppelkönigtum mit Aufgabenteilung und Losung, ja, das ist bekannt.
    Die Vergil-Stelle entstammt dem sechsten Buch, wo Aeneas in die Unterwelt herabsteigt, und lässt den Kontext vermissen. Dass er damit ursprünglich eine Amazonenkönigin meinte, scheint mir eher unwahrscheinlich.

    Hier ist sie, mit ein wenig mehr Fleisch. Aeneas trifft die verstorbene Dido, die ihm allerdings ausweicht.

    Zitat Zitat von Aeneis, 6. Buch, ab 467
    Also versucht Aineias den scheel dreinschauenden, grimmen
    Geist mit freundlichem Wort zu besänftigen, selber in Tränen.
    Doch von ihm gewandt hielt fest sie am Boden die Augen
    Und zeigt Mienen und Blick so wenig bewegt bei der Rede,
    Als ob Kieselgestein dastand und marpesischer Marmor.
    Für den Mod spielt das aber keine Rolle, stattdessen kann ich einen entsprechenden Felsen aufnehmen, auch wenn seine Lokalisierung erneut Fragen aufwirft.

    Zitat Zitat von 51 und 52
    Here, then, the Amazons remained for some time and were much strengthened. Then they departed and crossed the river Halys, which flows near the city of Gangra, and with equal success subdued Armenia, Syria, Cilicia, Galatia, Pisidia and all the places of Asia. Then they turned to Ionia and Aeolia, and made provinces of them after their surrender. Here they ruled for some time and even founded cities and camps bearing their name. At Ephesus also they built a very costly and beautiful temple for Diana, because of her delight in archery and the chase--arts to which they were themselves devoted. Then these Scythian-born women, who had by such a chance gained control over the kingdoms of Asia, held them for almost a hundred years, and at last came back to their own kinsfolk in the Marpesian rocks I have mentioned above, namely the Caucasus mountains.
    Hier kommt also erneut ein "Amazonen erobern weite Teile Kleinasiens" vor, wobei zum ersten Mal Armenien explizit genannt wird. Es fehlt jede Erwähnung von Themiskyra oder dem Thermodon, stattdessen kam dem Marpesischen Felsen diese Aufgabe zu. (Die Laren lebten zu Jordanes' Zeiten in Georgien, mein Buch interpretiert die Kaspische Pforte als "Sirdar Pass" am Kaspischen Meer.)
    ... und ja, er nennt diese Gotinnen tatsächlich einmal "skythisch". Für ihn lebten die Goten ja eine Weile in "Skythien", während er ansonsten offen zu lassen scheint, ob sie auch mit diesem Stamm identisch sind.

    Nach einem Exkurs über den Kaukasus kommt er zu den Amazonen zurück.

    Zitat Zitat von 56 und 57
    Fearing their race would fail, they sought marriage with neighboring tribes. They appointed a day for meeting once in every year, so that when they should return to the same place on that day in the following year each mother might give over to the father whatever male child she had borne, but should herself keep and train for warfare whatever children of the female sex were born. Or else, as some maintain, they exposed the males, destroying the life of the ill-fated child with a hate like that of a stepmother. Among them childbearing was detested, though everywhere else it is desired. The terror of their cruelty was increased by common rumor; for what hope, pray, would there be for a captive, when it was considered wrong to spare even a son? Hercules, they say, fought against them and overcame Menalippe, yet more by guile than by valor. Theseus moreover, took Hippolyte captive, and of her he begat Hippolytus. And in later times the Amazons had a queen named Penthesilea, famed in the tales of the Trojan war. These women are said to have kept their power even to the time of Alexander the Great.
    Für ihn lösen die Amazonen ihre Nachwuchsfrage durch ein jährliches Treffen mit Nachbarvölkern, wobei er nicht entscheiden möchte, ob männliche Kinder umgebracht oder zurückgegeben werden. Der Rest ist bekannt. (Tatsächlich folgt er Justin darin, "Melanippe" als "Menalippe" zu bezeichnen.)
    Das war es. Für den Mod besteht die größte Besonderheit darin, dass Jordanes einen Felsen zur Bedeutung erhebt und ein Amazonenreich explizit im Kaukasus platziert.
    "Der Wogen Schlag im Herz, der Flammen Glanz im Haar."

  5. #35
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    Auch hier möchte ich noch einmal die Karte nachtragen.

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    Wie gesagt, ich nehme an, dass mit "dem Rest Asiens" auch die übrigen Teile Kleinasiens gemeint sind.
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  6. #36
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    (26) Orosius, Historiae adversum Paganos

    In seinem Werk beruft sich Jordanes häufig auf den Historiker und Theologen Paulus Orosius, der im frühen vierten Jahrhundert wirkte und damit auch eindeutig zur Antike zählt. Dieser schrieb als sein großes Werk eine Weltgeschichte, in der er den Vorwurf widerlegen wollte, der Wandel zum Christentum habe dem Römischen Reich geschadet (deshalb auch der Titel). Dabei streift er natürlich auch Amazonen.

    Er beginnt mit einer Vorstellung der Lande.

    Zitat Zitat von 1. Buch, aus dem 1. Kapitel
    In the lands from the Caspian Sea on the east, along the edge of the Northern Ocean as far as the Tanais River and the Palus Maeotis on the west, to the shores of the Cimmerian Sea on the southwest, and to the heights and passes of the Caucasus on the south, there are thirty-four tribes. The nearest region is usually called Albania, while the more distant territory near the Sea and the Caspian Mountains is called the land of the Amazons.
    Albani lag etwa im heutigen Azerbaidschan. Der Kommentar der Webseite setzt die "Kaspischen Berge" mit dem Elburs-Gebirge im nördlichen Iran gleich, doch würde dies völlig der oben beschriebenen Geographie widersprechen (zwischen Kaspischem Meer, Don, Asowschen Meer und Kaukasus). Ich würde deshalb eher an den Nordkaukasus und die nördlich davon liegende Ebene als "Amazonenland" denken.

    Schließlich wiederholt er Bekanntes.

    Zitat Zitat von 1. Buch, Beginn des Kapitels 15
    Meanwhile among the Scythians, two young men of the royal family, Plynos and Scolopetius, were driven from their home by a faction of the nobility. They took with them a large band of young men and founded a settlement on the coast of Cappadocia Pontica near the Thermodon River and close to the Themiscyrian Plains. From that base they plundered the nearby lands for a long time, until their neighbours finally united for common action, led them into ambush, and slaughtered them. Violently agitated by their own exile and by the loss of their husbands, their wives took up arms and killed the men who survived so that the common lot of widowhood might unite all of them in one purpose. Enraged against the enemy, these women then destroyed their neighbours and at the cost of their own blood exacted vengeance for their dead husbands. Later they obtained peace by force of arms and entered into marital relations with foreigners. They put their sons to death as soon as they were born, but brought up their daughters carefully. They burned off the right breasts of these girls so that they might discharge arrows without hindrance. For this reason these women were called Amazons.

    The two queens of these Amazons, Marpesia and Lampeto, divided the army into two parts and drew lots to decide which should carry on war and which should guard the homeland. When the Amazons had subdued most of Europe and had captured some cities of Asia as well - they themselves became founders of Ephesus and other cities - the principal part of their army, laden with rich booty, was then recalled home. The rest of the army, which had remained with Queen Marpesia to protect their empire in Asia, was cut to pieces in battle with the enemy.
    Das entspricht ziemlich genau der Stelle von Justin, auch wenn hier die Amazonen noch bösartiger wirken, da sie sofort nach der Niederlage ihre Männer töten und dies an den Beginn ihrer Verwandlung setzen, statt an das Ende.
    "Marital relations" ist nicht misszuverstehen: Der lateinische Text spricht hier explizit von Geschlechtsverkehr.
    Die Amazonen gründen außerdem explizit Ephesos und erobern den Großteil Europas wie auch Teile Asiens - das sind weitere Änderungen.

    Weiter im Text.

    Zitat Zitat von 1. Buch, Rest des 15. Kapitels und Anfang des 16.
    Sinope, the daughter of Marpesia, took her place. As a crowning achievement to her matchless reputation for courage, she remained a virgin to the end of her life. So great was the admiration and fear spread by her fame among peoples already alarmed that even Hercules, when he was ordered by his master to bring the weapons of the queen, certain that he would have to face inevitable peril, gathered together the pick of the noble youth of all Greece and prepared nine vessels of war. After estimating his forces, he was still not satisfied and preferred to proceed against the queens suddenly and to surround them when they had no suspicion of attack.

    Two sisters, Antiope and Orithyia, were ruling the kingdom at this time. Arriving by sea, Hercules overcame them when they were off their guard, unarmed, and indolent from the care-free existence of peaceful times. Among the large number slaughtered or captured were the two sisters of Antiope, of whom Hercules kept Melanippe while Theseus took Hippolyte. Theseus married Hippolyte, but Hercules returned Melanippe to her sister Antiope and received as the price of her ransom the weapons of the queen. After the reign of Orithyia, Penthesilea became ruler of the kingdom, and the accounts of her courage exhibited among men during the Trojan War have come down to us.

    O grief! The shame of human error! Women, fleeing from their native land, entered, overran, and destroyed Europe and Asia, the largest and most powerful sections of the world. For almost a hundred years they kept control of these lands by overthrowing many cities and founding others. The blame for the oppression of the times was nevertheless not to be imputed to the utter worthlessness of men.
    Die Amazone Sinope ist neu (und trägt sich als weitere Amazonen-Jungfrau ein), der Rest klingt weitgehend vertraut. Herkules handelt wieder freier, und organisiert statt des Gürtels erneut die Waffen.

    Orosius fährt chronologisch fort. So...

    Zitat Zitat von 1. Buch, aus Kapitel 21
    Thirty years before the Founding of the City, the Peloponnesians and the Athenians waged a great war into which both peoples entered with their full strength and enthusiasm. Each side was finally forced by mutual destruction to withdraw from combat and to terminate the war, as if both had been defeated. At this time a tribe of Amazons, accompanied by the Cimmerians, made a sudden incursion into Asia and wrought severe, prolonged, and widespread devastation and carnage.
    Das klingt im ersten Moment wie der Angriff auf Athen (Amazonen mit Verbündete), doch das Ziel liegt völlig anders. So steht die Sache einfach nur im Raum. (Die Kimmerer wanderten im Verlauf ihrer Geschichte vom Schwarzen Meer nach Anatolien, sodass ich beim Kenntnisstand des Autors eine Münze werfen müsste, da sie sowohl als Nachbarn des oben skizzierten Amazonenlandes wie auch als solche Themiskyras Sinn ergäben.)

    Der nächste Teil wirkt vertraut,...

    Zitat Zitat von 3. Buch, aus dem 18. Kapitel
    After the death of Darius, Alexander the Great brought the Hyrcani and the Mardi into subjection. While he was in their lands as eager for war as ever, the bold Amazon Thalestris, or Minothea, with three hundred women in her train, came to meet him because she was desirous of conceiving offspring by him. Afterward Alexander entered into battle with the Parthians whom, after a protracted resistance, he almost destroyed before he had defeated them.
    ... auch mit dem Doppelnamen. (Sie heißt bei Justin auch "Minithya".)

    Das war es dann auch. Vieles wirkt vertraut, manches nicht.
    Geändert von Saphir (10.02.2022 um 22:01 Uhr)
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  7. #37
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    (27) Isokrates, Reden

    Der berühmte Redner Isokrates wirkte im Athen des vierten vorchristlichen Jahrhunderts und führt damit wieder ein ganzes Stück zurück. In einigen seiner überlieferten Reden kreuzte er (anders als bei seinen Schriften) auch den Amazonen-Mythos.

    Die "Panathenaikos", seine letzte, befasste sich mit dem Scheitern athenischer Politik (laut Wikipedia).

    Zitat Zitat von Panathenaikos (12) Beitrag anzeigen
    For our country was invaded by the Thracians, led by Eumolpus, son of Poseidon, who disputed the possession of Athens with Erechtheus, alleging, that Poseidon had appropriated the city before Athena; also by the Scythians, led by the Amazons, the offspring of Ares, who made the expedition to recover Hippolyte, since she had not only broken the laws which were established among them, but had become enamored of Theseus and followed him from her home to Athens and there lived with him as his consort;
    Es handelt sich also um den bekannten Überfall der Amazonen, auch mit Begleitung der Skythen. Er nennt die Amazonen "Abkömmlinge des Ares" und führt an, dass Hippolyte deren Gesetz gebrochen habe, als sie sich in Theseus verliebte und ihn als Gattin in die Ferne begleitete.

    In der "Panegyrikos" ruft er zum gemeinsamen Kampf gegen die Perser unter Führung Athens auf (laut Wikipedia).

    Zitat Zitat von Panegyrikos (4), 68-70
    Now, while the most celebrated of our wars was the one against the Persians, yet certainly our deeds of old offer evidence no less strong for those who dispute over ancestral rights. For while Hellas was still insignificant, our territory was invaded by the Thracians, led by Eumolpus, son of Poseidon, and by the Scythians, led by the Amazons, the daughters of Ares—not at the same time, but during the period when both races were trying to extend their dominion over Europe; for though they hated the whole Hellenic race, they raised complaints against us in particular, thinking that in this way they would wage war against one state only, but would at the same time impose their power on all the states of Hellas.
    Of a truth they were not successful; nay, in this conflict against our forefathers alone they were as utterly overwhelmed as if they had fought the whole world. How great were the disasters which befell them is evident; for the tradition respecting them would not have persisted for so long a time if what was then done had not been without parallel.
    At any rate, we are told regarding the Amazons that of all who came not one returned again, while those who had remained at home were expelled from power because of the disaster here; and we are told regarding the Thracians that, whereas at one time they dwelt beside us on our very borders, they withdrew so far from us in consequence of that expedition that in the spaces left between their land and ours many nations, races of every kind, and great cities have been established.
    Er beschreibt einen anderen Amazonen- und Skythenangriff, doch von den Details würde ich annehmen, dass es sich um einen anderen als den oben genannten handelt: Diese Amazonen kamen, als sie nach der Dominanz über Europa strebten, sie wollten mit ihrem Kampf gegen Athen ganz Griechenland einschüchtern und sie wurden komplett aufgerieben, woraufhin auch in deren Heimat auch Stühle frei wurden.

    In der Rede an Archidamos wandte er sich gegen Theben und warb für eine Annäherung an Sparta (laut Wikipedia).

    Zitat Zitat von Archidamos (6), 41 und 42
    Now in the case of Sparta I can cite no instance of this kind, for in times past no nation stronger than ourselves ever invaded our territory; but in the case of other states there are many such examples which one might use, and especially is this true of the city of the Athenians.
    For we shall find that as a result of dictating to others they lost repute with the Hellenes, while by defending themselves against insolent invaders they won fame among all mankind. Now if I were to recount the wars of old which they fought against the Amazons or the Thracians or the Peloponnesians who under the leadership of Eurystheus invaded Attica, no doubt I should be thought to speak on matters ancient and remote from the present situation; but in their war against the Persians, who does not know from what hardships they arose to great good-fortune?
    Das enthält nichts Neues.

    Im Areopagitikos rief Isokrates zur Rückkehr zur Verfassung Solons auf (laut Wikipedia).

    Zitat Zitat von Areopagitikos (7), 74 und 75
    This is not the first time that I have expressed this sentiment; I have done so many times and before many people. For I know that while other regions produce varieties of fruits and trees and animals, each peculiar to its locality and much better than those of other lands, our own country is able to bear and nurture men who are not only the most gifted in the world in the arts and in the powers of action and of speech, but are also above all others in valor and in virtue.
    This conclusion we may justly draw from the ancient struggles which they carried on against the Amazons and the Thracians and all of the Peloponnesians, and also from the wars which they waged against the Persians, in which, both when they fought alone and when they were aided by the Peloponnesians, whether on land or on the sea, they were victorious over the barbarians and were adjudged the meed of valor; for they could not have achieved these things, had they not far surpassed other men in the endowments of nature.
    Auch das ist bekannt.

    In diesen Texten übernehmen die Amazonen eine andere Funktion als in den letzten, indem der Aspekt der Gegenkultur ausbleibt und sie sich nur in die Zahl der für Athen existenzbedrohenden, aber überwundenen Feinde einreihen. Auch das "Gesetz der Amazonen" klingt für mich eher danach, als sollen damit in erster Linie die Athener von jeder Verantwortung für den Amazonenüberfall freigesprochen werden.
    ... und trotzdem gehört es zu den Dingen, die ich in den Mod aufnehmen kann, neben den Arestöchtern und dem zweiten Überfall.
    "Der Wogen Schlag im Herz, der Flammen Glanz im Haar."

  8. #38
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    (28) Proklos, Chrestomathie

    Das Hauptwerk rund um Penthesilea und ihr Eingreifen in den trojanischen Krieg, die Aithiopis, ging wie geschrieben verloren. Es existiert nur noch eine Zusammenfassung aus der Hand eines Herren namens Proklos...

    ... und dieses Werk aus dem homerischen Zyklus beginnt direkt mit ihr.

    Zitat Zitat von Aus dem Fragment #1
    The Amazon Penthesileia, the daughter of Ares and of Thracian race, comes to aid the Trojans, and after showing great prowess, is killed by Achilles and buried by the Trojans. Achilles then slays Thersites for abusing and reviling him for his supposed love for Penthesileia. As a result a dispute arises amongst the Achaeans over the killing of Thersites, and Achilles sails to Lesbos and after sacrificing to Apollo, Artemis, and Leto, is purified by Odysseus from bloodshed.
    Das ist wenig - und es sagt nicht einmal, ob sich Achill wirklich in sie verliebte. Aber Penthesilea ist Thrakerin und eine Tochter des Ares.
    "Der Wogen Schlag im Herz, der Flammen Glanz im Haar."

  9. #39
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    (29) Quintus Smyrnaeus, Posthomerica (Teil 1)

    Der Autor Qunitus von Smyrna setzte sich im dritten nachchristlichen Jahrhundert an das Monsterprojekt, die Ereignisse zwischen Ilias und Odyssee in einem Monsterwerk einzufangen, und dieses Unterfangen bringt mich in eine hier bislang ungewohnte Situation, widmet er der Episode rund um Penthesilea einen Großteil des ersten Buchs. Ich werde deshalb versuchen, euch markante Stellen herauszusuchen und den Rest zu subsummieren.
    Ich möchte jedoch auch zu bedenken geben, dass zwischen Homer und Quintus etwa tausend Jahre liegen. Während es schlicht unbekannt zu sein scheint, ob der Autor den ursprünglichen Homerischen Zyklus mit der Aithiopis kannte oder auf Zusammenfassungen wie die des Proklos zurückgriff, stützte er sich für die Recherche wohl auf andere, hier schon genannte Werke und nutzt auch eine "modernere", erotischere Amazonendarstellung im Vergleich zum klassischen "Amazonen sind weitere Monster der Wildnis" des Originals.

    So betreten wir also das erste der vierzehn Bücher, jenes mit dem Titel: "Wie für Troja die Königin der Amazonen, Penthesilea, starb."
    (Ich verwende wieder einen Text des Projekts Gutenberg ohne Zeilenangaben. Er entstand vor etwa hundert Jahren, und ich muss mich leider ungeprüft auf seine Qualität verlassen. Dieses erste Buch besitzt einen Umfang von 24 Word-Seiten.)

    Then from Thermodon, from broad-sweeping streams,
    Came, clothed upon with beauty of Goddesses,
    Penthesileia—came athirst indeed
    For groan-resounding battle, but yet more
    Fleeing abhorred reproach and evil fame,
    Lest they of her own folk should rail on her
    Because of her own sister's death, for whom
    Ever her sorrows waxed, Hippolyte,
    Whom she had struck dead with her mighty spear,
    Not of her will—'twas at a stag she hurled.
    Ihr seht die Gemeinsamkeiten und Unterschiede? Das Motiv, das Penthesilea in den Trojanischen Krieg eingreift, nachdem sie in der Heimat bei einem Jagdunfall eine Mitamazone tötete, ist bekannt. Hier kommt sie jedoch vom Thermodon statt aus Thrakien, wurde also in diese Geschichte eingebunden, und ist ausgesprochen besonders hübsch.

    So came she to the far-famed land of Troy.
    Yea, and her warrior spirit pricked her on,
    Of murder's dread pollution thus to cleanse
    Her soul, and with such sacrifice to appease
    The Awful Ones, the Erinnyes, who in wrath
    For her slain sister straightway haunted her
    Unseen: for ever round the sinner's steps
    They hover; none may 'scape those Goddesses.
    Sie beginnt die Geschichte also reichlich gebrochen und von ihren Dämonen verfolgt.
    Sie reist dabei mit zwölf adeligen Gefährtinnen, bei denen es sich jeweils um berühmte Kriegerinnen handelt, die aber dennoch hinter ihrer Königin zurückstehen.

    Clonie was there, Polemusa, Derinoe,
    Evandre, and Antandre, and Bremusa,
    Hippothoe, dark-eyed Harmothoe,
    Alcibie, Derimacheia, Antibrote,
    And Thermodosa glorying with the spear.
    Das sind zwölf Namen, die ich gerne aufnehme.
    Die Amazonen rund um die sagenhaft schöne Penthesilea ziehen daraufhin in Troja ein und werden von den Trojanern mit offenen Augen empfangen.

    To right, to left, from all sides hurrying thronged
    The Trojans, greatly marvelling, when they saw
    The tireless War-god's child, the mailed maid,
    Like to the Blessed Gods; for in her face
    Glowed beauty glorious and terrible.
    Her smile was ravishing: beneath her brows
    Her love-enkindling eyes shone like to stars,
    And with the crimson rose of shamefastness
    Bright were her cheeks, and mantled over them
    Unearthly grace with battle-prowess clad.
    ... japp, sie ist hübsch. Danke, Autor, wir haben es verstanden.
    Die nach Jahren der Kämpfe zermürbten Trojaner, darunter auch Priamos, schöpfen beim Eintreffen dieser strahlenden Verstärkung zumindest etwas fische Hoffnung, auch wenn diese Hoffnung in ambivalenter Gestalt einherkommt.

    Yet, after all his anguish, joys to have
    Some small relief, albeit the stings of pain
    Prick sharply yet beneath his eyelids;—so
    Joyed the old king to see that terrible queen—
    The shadowy joy of one in anguish whelmed
    For slain sons. Into his halls he led the Maid,
    And with glad welcome honoured her, as one
    Who greets a daughter to her home returned
    From a far country in the twentieth year;
    Eine hübsche Textstelle, die ich euch nicht vorenthalten wollte. Dass er in seiner Jugend gegen Amazonen kämpfte, bleibt unerwähnt.
    Priaomos begrüßt die neuen Verbündeten mit einem Fest und imposanten Geschenken, Penthesilea lässt sich einspannen und verspricht, die Griechen und besonders Achill zu vernichten. Das veranlasst Hektors Witwe Andromache zu einer gemurmelten Reaktion.

    But when Andromache, the stately child
    Of king Eetion, heard the wild queen's vaunt,
    Low to her own soul bitterly murmured she:
    "Ah hapless! why with arrogant heart dost thou
    Speak such great swelling words? No strength is thine
    To grapple in fight with Peleus' aweless son.
    Nay, doom and swift death shall he deal to thee.
    Alas for thee! What madness thrills thy soul?
    Fate and the end of death stand hard by thee!
    Hector was mightier far to wield the spear
    Than thou, yet was for all his prowess slain, (...)"
    Es ist ein weiteres Zwischenspiel zwischen Amazone und Zivilistin, die ja oft kühl ausfallen, und auch hier bleibt jeder Verweis auf eine gemeinsame Weiblichkeit aus. Stattdessen besteht der herausgestrichene Teil nur aus einem "Mein Hektor war größer als du". (Der Autor hingegen nutzt bewusst Charaktere als personalisierte Standpunkte und lässt hier selbstzerstörerische, von Ruhmsucht und inneren Dämonen getriebene Amazonenkönigin auf die gesittete, gesellschaftlich integrierte Königinnentochter und weiterhin treue Witwe treffen.)

    Nach dem Fest schläft Penthesilea in der Halle und träumt von ihrem kommenden Ruhm in der Schlacht. Daraufhin steht sie auf und zieht sich an.

    But when the Dawn, the rosy-ankled, leapt
    Up from her bed, then, clad in mighty strength
    Of spirit, suddenly from her couch uprose
    Penthesileia. Then did she array
    Her shoulders in those wondrous-fashioned arms
    Given her of the War-god. First she laid
    Beneath her silver-gleaming knees the greaves
    Fashioned of gold, close-clipping the strong limbs.
    Her rainbow-radiant corslet clasped she then
    About her, and around her shoulders slung,
    With glory in her heart, the massy brand
    Whose shining length was in a scabbard sheathed
    Of ivory and silver. Next, her shield
    Unearthly splendid, caught she up, whose rim
    Swelled like the young moon's arching chariot-rail
    When high o'er Ocean's fathomless-flowing stream
    She rises, with the space half filled with light
    Betwixt her bowing horns. So did it shine
    Unutterably fair. Then on her head
    She settled the bright helmet overstreamed
    With a wild mane of golden-glistering hairs.
    Die strahlend schöne Amazonenkönigin von Welt trägt also...
    * goldene Beinschienen.
    * ein regenbogenfarbenes Korsett.
    * ein Schwert aus Elfenbein und Silber in einem Schultergurt? (Bin hier tatsächlich nicht sicher, ob das "massy brand" noch eine Art Mantel darstellt oder es sich bloß bei diesem Schwert um ihr Markenzeichen handelt.)
    * einen sehr prächtigen halbmondförmigen Schild.
    * einen Helm mit golden-hellem Helmbusch (würde ich sagen).
    All das stammt vom Kriegsgott selbst.

    Dazu...

    Then in hot haste forth of her bower to pass
    Caught she two javelins in the hand that grasped
    Her shield-band; but her strong right hand laid hold
    On a huge halberd, sharp of either blade,
    Which terrible Eris gave to Ares' child
    To be her Titan weapon in the strife
    That raveneth souls of men.
    ... kommen noch zwei Wurfspeere und eine Doppelaxt.
    Sie stürzt in den Kampf, doch nicht zu Fuß.

    But she in pride of triumph on she rode
    Throned on a goodly steed and fleet, the gift
    Of Oreithyia, the wild North-wind's bride,
    Given to her guest the warrior-maid, what time
    She came to Thrace, a steed whose flying feet
    Could match the Harpies' wings.
    Hier kommt dann doch noch eine Verbindung nach Thrakien hinzu, die ja bislang gekappt wurde.

    An dieser Stelle möchte ich den ersten Schnitt machen. Da es sich bei Penthesilea immer noch um ein Individuum handelt, lässt sich durch sie zu den Amazonen nicht allzuviel sagen. Sie hat imposante Waffen, sie hat ein besonderes Pferd, sie hat Gefährten... und irgendwie war es das.
    "Der Wogen Schlag im Herz, der Flammen Glanz im Haar."

  10. #40
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    (30) Quintus Smyrnaeus, Posthomerica (Teil 2)

    So stürzen sich "starke Trojaner und wilde Amazonen" gemeinsam in den Kampf. Von den Mauern betet König Priamos bei Zeus für ihre Rückkehr.

    "Father, give ear! Vouchsafe that on this day
    Achaea's host may fall before the hands
    Of this our warrior-queen, the War-god's child;
    And do thou bring her back unscathed again
    Unto mine halls: we pray thee by the love
    Thou bear'st to Ares of the fiery heart
    Thy son, yea, to her also! is she not
    Most wondrous like the heavenly Goddesses?
    And is she not the child of thine own seed?
    Penthesilea wird von diesem Autor (wie üblich) als leibliche Tochter des Ares angesehen. Das hätte ich auch schon gestern anmerken können.

    Priamos sieht daraufhin als Zeichen, wie ein Adler eine Taube reißt, und wird von der Ahnung erschüttert, dass Penthesilea nicht lebend zurückkehren wird. Das Auftauchen dieses Gegners mit neuem Kampfesmut erschreckt derweil die Griechen, die sich nach Hektors Tod schon siegreich wähnten und die nun beinahe das Eintreten eines Gottes auf Seite des Feindes befürchten. Es beginnt ein wildes Gemetzel, und der Blick geht ins Detail.

    Then first Penthesileia smote and slew
    Molion; now Persinous falls, and now
    Eilissus; reeled Antitheus 'neath her spear
    The pride of Lernus quelled she: down she bore
    Hippalmus 'neath her horse-hoofs; Haemon's son
    Died; withered stalwart Elasippus' strength.
    And Derinoe laid low Laogonus,
    And Clonie Menippus, him who sailed
    Long since from Phylace, led by his lord
    Protesilaus to the war with Troy.
    Anders als bei Vergil werden hier also auch die Gefährtinnen der Königin aktiv.

    Griechen sterben, Clonie fällt einem Speerstoß zum Opfer. Ihr Mörder stirbt durch Penthesilea, Bremusa erhält einen Stich in die rechte Brust... und es folgen einige weitere tote Amazonen und Griechen, ehe sich die Kamera den mitgestürmten Trojanern zuwendet und weitere Leichen kommentiert. Penthesilea hält sich tapfer und hat immer noch nicht genug.

    So chased she, and so dashed the ranks asunder
    Triumphant-souled, and hurled fierce threats before:
    "Ye dogs, this day for evil outrage done
    To Priam shall ye pay! No man of you
    Shall from mine hands deliver his own life,
    And win back home, to gladden parents eyes,
    Or comfort wife or children. Ye shall lie
    Dead, ravined on by vultures and by wolves,
    And none shall heap the earth-mound o'er your clay.(...)"
    Sie fragt provokativ, wo sich die stärksten griechischen Helden befinden, und fordert diese auf, sich mit ihr zu messen.
    Hinter ihr schließt die Infanterie auf.

    Behind her swept
    The charging lines of men fleet-footed, friends
    And brethren of the man who never flinched
    From close death-grapple, Hector, panting all
    The hot breath of the War-god from their breasts,
    All slaying Danaans with the ashen spear,
    Who fell as frost-touched leaves in autumn fall
    One after other, or as drops of rain.
    Das führt mich an einen Punkt, den ich bisher verschwieg, weil er mir zu waghalsig schien: Bei Penthesilea handelt es sich um eine in Ungnade gefallene Königin, und sie begann ihre Reise mit zwölf Adeligen an ihrer Seite, doch existiert daneben auch noch eine einfach nur ungenannte amazonische Armee? Soll heißen: Ist Penthesileas Gruppe Ausdruck eines Feudalstaats, oder gleicht sie mehr einer Heldengruppe?
    Die oben erwähnten Infanteristen gehören zu den Trojanern. Bisher sieht für mich alles im Text wie eine "Heldengruppe" aus - und das heißt, dass ich nicht mehr als "Es gibt vermutlich amazonische Kriegeradelige" sagen kann.

    Der einstweilige Erfolg auf dem Schlachtfeld beflügelt Priamos und bringt ihn dazu, von den Mauern zu rufen, dass der Krieg nun so gut wie gewonnen sei, da sich eine Göttin ihnen angeschlossen habe. Der Erzähler erklärt dies zu einer trügerischen Hoffnung, da noch keiner der griechischen Helden sich eingemischt habe.
    Penthesilea schnetzelt sich derweil weiter durch eine namenlose Griechenmasse und inspiriert dabei.

    From Troy afar the women marvelling gazed
    At the Maid's battle-prowess. Suddenly
    A fiery passion for the fray hath seized
    Antimachus' daughter, Meneptolemus' wife,
    Tisiphone. Her heart waxed strong, and filled
    With lust of fight she cried to her fellows all,
    With desperate-daring words, to spur them on
    To woeful war, by recklessness made strong.
    "Friends, let a heart of valour in our breasts
    Awake! Let us be like our lords, who fight
    With foes for fatherland, for babes, for us,
    And never pause for breath in that stern strife!
    Let us too throne war's spirit in our hearts!
    Let us too face the fight which favoureth none!
    For we, we women, be not creatures cast
    In diverse mould from men: to us is given
    Such energy of life as stirs in them. (...)"
    Sie führt aus, dass Frauen dieselben Körper hätten, dieselbe Luft atmen und dieselbe Nahrung zu sich nehmen wie Männer und damit auch zum Kämpfen fähig wären. Sie verweist auf Penthesilea, die es vormachen würde.

    Then let us shrink not from the fray
    See ye not yonder a woman far excelling
    Men in the grapple of fight? Yet is her blood
    Nowise akin to ours, nor fighteth she
    For her own city. For an alien king
    She warreth of her own heart's prompting, fears
    The face of no man; for her soul is thrilled
    With valour and with spirit invincible.
    But we—to right, to left, lie woes on woes
    About our feet: this mourns beloved sons,
    And that a husband who for hearth and home
    Hath died; some wail for fathers now no more;
    Some grieve for brethren and for kinsmen lost.
    Sie erklärt, dass sich die Frauen Trojas schon deshalb am Kampf beteiligen müssten, da im Falle einer Niederlage ein schlimmes Schicksal auf sie warten würde.
    Die Frauen Trojas greifen tatsächlich zu den Waffen,...

    Even so bestirred themselves the women of Troy,
    And kindled each her sister to the fray.
    The weaving-wool, the distaff far they flung,
    And to grim weapons stretched their eager hands.
    ... werden aber direkt vor der für den Autor unabwendlichen Katastrophe von einer anderen Frau aufgehalten.

    And now without the city these had died
    In that wild battle, as their husbands died
    And the strong Amazons died, had not one voice
    Of wisdom cried to stay their maddened feet,
    When with dissuading words Theano spake:
    Theano weist die Trojanerinnen darauf hin, dass ihnen bislang jegliche Kampferfahrung fehle, was sie von den Amazonen unterscheide.

    Never your limbs have toiled
    In conflict yet. In utter ignorance
    Panting for labour unendurable,
    Ye rush on all-unthinking; for your strength
    Can never be as that of Danaan men,
    Men trained in daily battle. Amazons
    Have joyed in ruthless fight, in charging steeds,
    From the beginning: all the toil of men
    Do they endure; and therefore evermore
    The spirit of the War-god thrills them through.
    Das ist zwar nur das übliche "Amazonen erlernen von klein auf das Kriegerhandwerk", aber es ist da - und ich kann es aufnehmen.
    Theano greift das Argument der gemeinsamen Menschlichkeit auf, verweist aber auf die unterschiedlichen Talente und Professionen...

    Yea, of one blood be all the race of men,
    Yet unto diverse labours still they turn;
    And that for each is evermore the best
    Whereto he bringeth skill of use and wont.
    Therefore do ye from tumult of the fray
    Hold you aloof, and in your women's bowers
    Before the loom still pace ye to and fro;
    ... und legt ihren Mittrojanerinnen nahe, das Kämpfen besser den Adeligen zu überlassen, zumal ihre Lage noch nicht so ernst wäre, dass sie dringend in die Schlacht stürzen müssten.
    Penthesilea schnetzelt sich weiter vor und der Erfolg sorgt für eine Wiederholung der Mechanismen der Ilias: Sobald die Trojaner soweit vorrücken, dass sie die Schiffe bedrohen, bequemt sich Achill zum Eingreifen. Von da an wird die Schlacht wieder im Detail erzählt, und es sterben Individuen.

    But Peleus' son burst on the Amazons
    Smiting Antandre, Polemusa then,
    Antibrote, fierce-souled Hippothoe,
    Hurling Harmothoe down on sisters slain.
    Then hard on all their-reeling ranks he pressed
    With Telamon's mighty-hearted son; and now
    Before their hands battalions dense and strong
    Crumbled as weakly and as suddenly
    As when in mountain-folds the forest-brakes
    Shrivel before a tempest-driven fire.
    Penthesilea stellt sich Achill und Aiax zum Kampf und verhöhnt ihre Gegner.

    Draw nigh, come through the press to grips with me,
    So shall ye learn what might wells up in breasts
    Of Amazons. With my blood is mingled war!
    No mortal man begat me, but the Lord
    Of War, insatiate of the battle-cry.
    Therefore my might is more than any man's."
    Ihr Wurfspeer trifft Aiax an den Beinschienen, doch dessen Schicksal, in diesem Krieg niemals von einem Feind verwundet zu werden, hindert die Spitze am Durchdringen. Trotzdem zieht er weiter und lässt Achill mit Penthesilea allein.
    Dieser gibt ihr Spott zurück.

    "Woman, with what vain vauntings triumphing
    Hast thou come forth against us, all athirst
    To battle with us, who be mightier far
    Than earthborn heroes? We from Cronos' Son,
    The Thunder-roller, boast our high descent.
    Ay, even Hector quailed, the battle-swift,
    Before us, e'en though far away he saw
    Our onrush to grim battle. Yea, my spear
    Slew him, for all his might. But thou—thine heart
    Is utterly mad, that thou hast greatly dared
    To threaten us with death this day! On thee
    Thy latest hour shall swiftly come—is come!
    Er greift also Andromaches Vergleich vom Beginn auf und stößt ihr den Speer über die rechte Brust. Blut bricht heraus, sie lässt die Doppelaxt fallen und während ihr schwarz vor Augen wird, durchfahren sie Gedanken.

    Confusedly
    She thought: "Or shall I draw my mighty sword,
    And bide Achilles' fiery onrush, or
    Hastily cast me from my fleet horse down
    To earth, and kneel unto this godlike man,
    And with wild breath promise for ransoming
    Great heaps of brass and gold, which pacify
    The hearts of victors never so athirst
    For blood, if haply so the murderous might
    Of Aeacus' son may hearken and may spare,
    Or peradventure may compassionate
    My youth, and so vouchsafe me to behold
    Mine home again?—for O, I long to live!"
    Achill versetzt ihr jedoch bloß den Todesstoß. Sie sinkt zu Boden.

    So from the once fleet steed low fallen lay
    Penthesileia, all her shattered strength
    Brought down to this, and all her loveliness.
    Penthesileas Ende erschüttert die Moral der Trojaner, die sich in die Stadt zurückziehen. Achill sieht auf den Leichnam herab und lacht ihn aus: Wie habe sie nur so arrogant sein können zu glauben, dass sie mit ihm den stärksten Helden der Griechen erschlagen und lebend sowie mit Geschenken beladen heimkehren zu können. Sie müsse nicht den Göttern, sondern einem dunklen Stern gefolgt sein.

    Nay, but it was the darkness-shrouded Fates
    And thine own folly of soul that pricked thee on
    To leave the works of women, and to fare
    To war, from which strong men shrink shuddering back."
    Da zieht er ihr den Helm vom Kopf...

    Now from her head he plucked
    The helmet splendour-flashing like the beams
    Of the great sun, or Zeus' own glory-light.
    Then, there as fallen in dust and blood she lay,
    Rose, like the breaking of the dawn, to view
    'Neath dainty-pencilled brows a lovely face,
    Lovely in death. The Argives thronged around,
    And all they saw and marvelled, for she seemed
    Like an Immortal. In her armour there
    Upon the earth she lay, and seemed the Child
    Of Zeus, the tireless Huntress Artemis
    Sleeping, what time her feet forwearied are
    With following lions with her flying shafts
    Over the hills far-stretching. She was made
    A wonder of beauty even in her death
    By Aphrodite glorious-crowned, the Bride
    Of the strong War-god, to the end that he,
    The son of noble Peleus, might be pierced
    With the sharp arrow of repentant love.
    Er sieht eine Göttin in ihr und bereut, sie umgebracht zu haben. Tja...

    Yea, and Achilles' very heart was wrung
    With love's remorse to have slain a thing so sweet,
    Who might have borne her home, his queenly bride,
    To chariot-glorious Phthia; for she was
    Flawless, a very daughter of the Gods,
    Divinely tall, and most divinely fair.
    Der Tod der Penthesilea erschüttert auch Ares und Zeus. Als die Verstärkungen bei Achill ankommen, steht er immer noch vor der Leiche und trauert um Penthesilea wie zuvor um Patroklos.
    Thersites tritt hinzu und spricht den Widerspruch an: Er trauert hier um eine Amazone und eben nicht um eine Frau, die sich einfach an den Herd führen lässt.

    "Thou sorry-souled Achilles! art not shamed
    To let some evil Power beguile thine heart
    To pity of a pitiful Amazon
    Whose furious spirit purposed naught but ill
    To us and ours? Ha, woman-mad art thou,
    And thy soul lusts for this thing, as she were
    Some lady wise in household ways, with gifts
    And pure intent for honoured wedlock wooed!
    Er wirft ihm vor, dass die Sehnsucht nach einer Frau ihn vom Pfad des Ruhms abbrächte und unmännlich-schwach werden lasse, zumal genau dieselbe Sehnsucht nach einer schönen Frau für Trojas gegenwärtiges Unglück verantwortlich sei.

    Nothing there is to men more ruinous
    Than lust for woman's beauty; it maketh fools
    Of wise men. But the toil of war attains
    Renown. To him that is a hero indeed
    Glory of victory and the War-god's works
    Are sweet. 'Tis but the battle-blencher craves
    The beauty and the bed of such as she!"
    Achill sieht rot und bringt ihn um. Die Nachwehen davon seien hier ausgeblendet.
    Die Griechen überlassen Penthesileas Leichnam den Trojanern.

    Then of their pity did the Atreid kings—
    For these too at the imperial loveliness
    Of Penthesileia marvelled—render up
    Her body to the men of Troy, to bear
    Unto the burg of Ilus far-renowned
    With all her armour. For a herald came
    Asking this boon for Priam; for the king
    Longed with deep yearning of the heart to lay
    That battle-eager maiden, with her arms,
    And with her war-horse, in the great earth-mound
    Of old Laomedon. And so he heaped
    A high broad pyre without the city wall:
    Upon the height thereof that warrior-queen
    They laid, and costly treasures did they heap
    Around her, all that well beseems to burn
    Around a mighty queen in battle slain.
    Penthesileas Leichnam wird zusammen mit ihrem Pferd verbrannt, die Knochen werden in einer Schatulle gesammelt und begraben.

    And, as for a beloved daughter, rang
    All round the Trojan men's heart-stricken wail,
    As by the stately wall they buried her
    On an outstanding tower, beside the bones
    Of old Laomedon, a queen beside
    A king. This honour for the War-god's sake
    They rendered, and for Penthesileia's own.
    And in the plain beside her buried they
    The Amazons, even all that followed her
    To battle, and by Argive spears were slain.
    So endet der Penthesilea-Teil...

    ... aaaaaber: Im sechsten Buch rekrutieren die Griechen den Enkel des Herkules, der auf seinem Schild die berühmten Werke seines Vorfahren verewigt hatte.

    Next thereto
    Wrought on the shield was one in beauty arrayed
    As of a Goddess, even Hippolyta.
    The hero by the hair was dragging her
    From her swift steed, with fierce resolve to wrest
    With his strong hands the Girdle Marvellous
    From the Amazon Queen, while quailing shrank away
    The Maids of War.
    Auch diese Darstellung der Hippolyte innerhalb des Werks präsentiert diese als bildhübsch und einer Göttin gleich, und auch dieses "An den Haaren vom Pferd reißen, um ihr den Gürtel zu entwenden" wirkt sexualisierter als viele andere Varianten dieser Aufgabe des Herkules.

    Wie schon gesagt: Quintus nutzt Charaktere als personalisierte Standpunkte, und so gleicht seine Penthesilea am ehesten einem Wunderkind, das über Talent auf sich aufmerksam macht, aber an der eigenen Überheblichkeit und Grenzenlosigkeit zerbricht. Sie bedroht ihre Umgebung als schlechtes "Role Model", indem sie beinahe Trojas Frauen in den Abgrund reißt, aber in ihrem Genie besitzt sie auch eine Nähe zu den Göttern. Diese Ambivalenz kann nicht aufgelöst werden, denn wie Thersites sagt, lässt sich eine Amazonenkönigin nicht einfach in eine brave Ehefrau verwandeln.
    Leider handelt es sich bei dieser ausgestoßenen Königin um die einzige Amazone mit Charaktertiefe und Agenda, sodass sich über sie nur sehr wenig über die Amazonen selbst sagen lässt: Diese besitzen Königinnen, die direkt von Ares abstammen, die jagen gehen können und die bei einem Jagdunfall ihr Standing verlieren. Es gibt Krieger-Adelige, die einer solchen Königin in die Ferne folgen und diese bei in ihrer Wildheit und beim Streben nach Ruhm und Ehre unterstützen. Diese Amazonen lernen von früh auf das Kriegerhandwerk und werden von der üblichen Welt als männergleich angesehen. Für den Mod fällt außerdem ins Gewicht, dass sich nahe Troja ein Grab für Penthesilea und ihre Gefährtinnen befindet.
    "Der Wogen Schlag im Herz, der Flammen Glanz im Haar."

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