Noch gibt es sie in vielen Ländern der westlichen Welt, aber der Druck auf sie nimmt zu. In China wiederum wächst eine neue Mittelschicht heran.
Du siehst das zu pessimistisch. Der Lebensstandard der meisten Menschen hat heute einen historischen Höchststand erreicht, oder ist von diesem nur vergleichsweise wenig gefallen. Das Problem ist im Wesentlichen nicht, dass der Lebensstandard groß gesunken ist, sondern dass existierender Spielraum zur Verbesserung der Lebenverhältnisse nicht genutzt wurde.
Wird sie das? Ich habe eher den Eindruck, dass die (absolute) Armut konstant bleibt, obwohl die Zahl der Menschen immer noch ansteigt. Das ist im historischen Vergleich nicht so schlimm, lediglich unsere Sensibilität hat zugenommen. Trotzdem gibt es Stagnation und Absinken der Realeinkommen in der Unterschicht in Deutschland(Der kommende Mindestlohn könnte hier Milderung bewirken) und seit Ausbruch der Eurokrise und der folgenden Austerität gibt es in weiten Teilen Europas erhebliche Problem.
Es ist objektiv so, dass die oben ~5% der Einkommensverteilung ihren Anteil am gemeinsam erwirtschaften Wohlstand in den letzen Jahrzehnten erheblich erhöht haben. Aber das war nicht immer so, es lassen sich im 20. Jahrhundert Gegenbeispiele in einem Maße finden, das es zu berücksichtigt werden muss.
Bitte definiere mir mal Kapitalismus. War das Wirtschaftsystem der westlichen Staaten im Währungsystem von Bretton Woods Kapitalismus? War das Wirtschaftsystem Japans der 1980er Kapitalismus? Ist das Wirtschaftsystem des heutigen Chinas Kapitalismus? War das Wirtschaftsystem der skandinavischen Staaten Kapitalismus? Es lassen sich diversere Fälle finden, in denen sich die materielle Situation der unteren 95% der Bevölkerung stärker verbessert hat als die der oberen 5%.
Das ist ein idiotisch konstruiertes Finanzsystem. Wobei Milliardenhilfe ein Euphemismus ist. Geholfen hat es Griechenland offenbar nicht.
Das ist das Ergebnis von Deutschlands neoklassisch motivierter Lohnpolitik, die große Teile Europas zwingt seine Arbeitskosten massiv zu senken. Zusammen mit restriktive Fiskalpoltik ist das wirtschaftpolitischer Selbstmord. Das ist ein Resultat des deutschen Sparwahns, nicht des Kapitalismus.
Dort liegen die Ursachen ähnlich. Die Währung der Ukraine war durch Währungspekulationen überbewertet. Deswegen mangelte es an Wettbewerbsfähigkeit. Die Arbeitslosigkeit steigt und so ein ökomisches Chaos destabilisiert ein Land.
Auch in Afrika gibt es in letzer Zeit nicht wenige Beispiele einer ökomischen Gesundung.
In Europa hingegen scheint der Raubbau an der Natur stark abgenommen zu haben. Luftqualität und Wasserqualität haben in den letzen Jahrzehnten zu genommen.
Gab es denn einen Zeitpunkt, zu dem wir das Leben anderer mehr respektiert haben als heute? Der Einsatz tödlicher Gewalt gegen Menschen nimmt doch seit Jahrzehnten ab.
Es mag im Finanzkasino einige folgenschwere Entkopplungen von der Realitität geben, aber allen "Finanzheinis" den Anstand abzusprechen geht doch etwas weit. Es soll sogar Investmentbanker geben, die für eine intakte Umwelt, ein menschliches Miteinander und Vieles weitere eintreten.
Es heißt die Wahrheit sei die Erfindung eines Lügners. Die Realität, in der wir leben, ist komplex. Sie in angemessener Näherung zu verstehen ist eine schwierige und aufwändige Aufgabe. Daran kann man scheitern. Auch scheitern kann daran, dass der Einzelne in der Regel zu wenig Einfluss hat, um effektive Verbesserungen durchzusetzen. Das ist schon in der kleinen Schweiz schwierig. In einer Welt von 7 Milliarden Menschen in etwa 200 Staaten ist es nicht einfacher.![]()




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