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Thema: Euro-Endspiel

  1. #291
    Schaermt von Jim
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    Zitat Zitat von kronic Beitrag anzeigen
    Immerhin steht's überhaupt mal so geschrieben, denn in der deutschen Presse findet man das in dieser Form selten oder gar nicht. Ich weiß nicht, was noch passieren muss, damit die deutsche Bevölkerung endlich mal aufwacht, aber wenn die deutsche Presse weiterhin immer nur verharmlost und der großen Führerin huldigt, wird das nichts. Dabei kann man den NZZ-Artikel auf wenige Punkte zusammenfassen, die bei jedem Bürger dieses Landes die Alarmglocken schrillen lassen müssten:
    Man kann Merkel für ihre Außenpolitik derzeit schon mal loben, ich nehme ihr ab, dass sie tut, was sie kann.

    Zitat Zitat von kronic Beitrag anzeigen
    - Italien, Spanien und Frankreich erpressen systematisch und koordiniert Deutschland.

    - Die Kontrolle darüber, was mit den bereitgestellten Geldern passiert, ist weitgehend verloren gegangen. Gleichzeitig ist die Vergabe der Gelder faktisch nicht mehr an Gegenleistungen geknüpft. Man bedient sich also lieber an Deutschlands Bonität, statt die nationalen Volkswirtschaften so zu reformieren, dass sie sich selbst tragen können.
    Korrekt. Allerdings sind die Bevölkerungen jener Länder nicht bereit, dringend benötigte Strukturreformen über sich ergehen zu lassen. Das perverse ist, dass wir die letzten 20 Jahre dafür gesorgt haben, dass unsere Wettbewerbsfähigkeit besser wird, der Arbeitsmarkt flexibler etc. Das war natürlich mit Einschnitten der deutschen Bevölkerung verbunden. U.a. deshalb stehen wir nun recht gut dar und dürfen nun die Länder finanzieren, die jahrelang mit billigem Geld ihren Lebensstandard aufgeplustert haben.


    Zitat Zitat von kronic Beitrag anzeigen
    - Die Amerikaner und Briten stellen sich voll auf der Seite der Italiener, Spanier und Franzosen, da sie sich um die eigenen Bestände an Anleihen dieser Staaten sorgen. An einer starken Eurozone sind sie ohnehin nicht interessiert.
    Obama fordert, dass die Eurozone die Geldpresse anwirft, wie es in Amerika mal wieder passiert. Wir sollen weiterhin auf Pump amerikanische Produkte kaufen, damit die Wirtschaft drüben rechtzeitig vor der nächsten Wahl wieder etwas besser dasteht. Einerseits eine verständliche Position aus deren Sicht, andererseits will eh keiner amerikanischen Schrott.


    Zitat Zitat von kronic Beitrag anzeigen
    - Garniert wird das Ganze mit der Lüge, Deutschland profitiere ja so viel vom Euro. Wie aber der Artikel richtig darstellt, ist das gar nicht der Fall. Komischerweise ist das bisher weder bei der deutschen Presse, noch bei den deutschen Politikern angekommen. In der ausländischen Presse und von ausländischen Meinungsmachern (Soros, Krugman, etc.) wird die Mär ohnehin immer wieder verbreitet.
    Hattest Du hier nicht mal die Position vertreten, dass Deutschland enorm vom Euro profitiert hätte in der Vergangenheit bzgl. Exporten innerhalb der Eurozone? Vielleicht hab ich das falsch in Erinnerung, das Zitat hier würde ich so unterschreiben.

  2. #292
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    Zitat Zitat von Sare Beitrag anzeigen
    Man kann Merkel für ihre Außenpolitik derzeit schon mal loben, ich nehme ihr ab, dass sie tut, was sie kann.
    Das kann ich nach den Ereignissen von Do/Fr nicht mehr.

    Hattest Du hier nicht mal die Position vertreten, dass Deutschland enorm vom Euro profitiert hätte in der Vergangenheit bzgl. Exporten innerhalb der Eurozone? Vielleicht hab ich das falsch in Erinnerung, das Zitat hier würde ich so unterschreiben.
    Du verwechselst mich jemand anderem. Ich habe die deutsche Exportmanie schon immer skeptisch betrachtet. Noch bevor die Lage akut wurde, habe ich bspw. im Civforum mal die Auffassung vertreten, dass die Strategie irgendwann an ihre Grenzen kommt. Es ist auch leicht nachzuvollziehen, warum. Wer über den Export Wirtschaftswachstum erzeugen will, muss jedes Jahr seinen Exportüberschuss vergrößern. Bleibt er nur gleich, wächst ja nichts. Aber irgendwann geraten dann andere Staaten in die Lage, dies nicht mehr akzeptieren zu können oder zu wollen. An dem Punkt sind wir nun angekommen. Abgesehen davon wissen wir ja alle, dass ohne die massive Ausweitung des Niedriglohnsektors in Deutschland nach den Schröder-Reformen mancher Exporterfolg gar nicht denkbar gewesen wäre. Die Bevölkerung hat vom Euro überhaupt nicht profitiert, ein paar Industriekapitäne und Finanzkonzerne hingegen schon. Die sind dann wohl Deutschland, wenn es immer heißt, dass wir die großen Profiteure sind.

    Was allerdings schon richtig ist, dass ein Ende des Euro extrem teuer und auch viele Arbeitsplätze kosten wird. Das ist ja das Argument, mit dem uns verschiedene Kreise ruhig zu halten gedenken. Ein Teil des Exportsektors wird untergehen, nämlich der Teil, den es ohne den Euro so wahrscheinlich gar nicht erst gegeben hätte. Die Bundesbank und deutsche Banken werden gewaltige Verluste erleiden, wir in eine tiefe Rezession schlittern. Aber ich halte diese Option immer noch für weitaus besser als bis an den St. Nimmerleinstag Ressourcen in den Süden zu schieben. Am Ende dieses Weges werden wir erfolgreich auf deren wirtschaftliches Niveau abgestiegen sein...

    edit:
    Damit wir uns nicht falsch verstehen: Es ist schon wichtig, die Leistungskraft unserer Industrie zu erhalten. Wir dürfen nicht den Fehler von UK & Co. machen, unsere Industrien abzuschenken, und lieber Casinobetreiber werden. Wir müssen dafür sorgen, dass Deutschland weiter ein Land bleibt, dessen Güter überall begehrt sind, das eines der wichtigsten globalen Zentren für Forschung und Innovation ist. Aber dafür brauchen wir den Euro nicht, und wir brauchen auch nicht den Billigexportsektor. Von dem kann nämlich kaum ein Arbeitnehmer vernünftig leben. Aber gerade weil wir eines der wenigen westlichen Länder sind, die im globalen Wettbewerb gut aufgestellt sind, eignen wir uns natürlich zur Melkkuh. Nur wenn wir gemolken werden, und damit dann dutzende Milliarden in Form von Transfers als jährliche Belastung auf uns zukommen, werden die industriellen Vorteile unseres Landes verschwinden. Es ist einfach zu teuer.
    Geändert von Ford (01.07.2012 um 18:16 Uhr)

  3. #293
    Schaermt von Jim
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    Zitat Zitat von kronic Beitrag anzeigen
    Das kann ich nach den Ereignissen von Do/Fr nicht mehr.
    Ich halte ihr immer noch zu gute, dass sie außenpolitisch derzeit das geringste Übel für uns ist, von der Opposition hört man gerne "Eurobonds ja, aber mit Auflagen". Man sieht ja jetzt schon, dass selbst kleinere Auflagen politisch kaum durchzusetzen sind.

    Zitat Zitat von kronic Beitrag anzeigen
    Du verwechselst mich jemand anderem.[...]
    Ok sorry. Der Rest des Absatzes lässt sich nicht bestreiten.
    Auch wenn ich zugeben muss, dass der Euro für uns an der holländischen Grenze privat ein Segen war.

    Zitat Zitat von kronic Beitrag anzeigen
    Was allerdings schon richtig ist, dass ein Ende des Euro extrem teuer und auch viele Arbeitsplätze kosten wird. Das ist ja das Argument, mit dem uns verschiedene Kreise ruhig zu halten gedenken. Ein Teil des Exportsektors wird untergehen, nämlich der Teil, den es ohne den Euro so wahrscheinlich gar nicht erst gegeben hätte. Die Bundesbank und deutsche Banken werden gewaltige Verluste erleiden, wir in eine tiefe Rezession schlittern. Aber ich halte diese Option immer noch für weitaus besser als bis an den St. Nimmerleinstag Ressourcen in den Süden zu schieben. Am Ende dieses Weges werden wir erfolgreich auf deren wirtschaftliches Niveau abgestiegen sein...
    Ja, bei einer Wiedereinführung der DM würde diese wohl als Ankerwährung herhalten müssen und damit viel stärker aufwerten, als unsere Exportwirtschaft kurzfristig verkraften kann. Es sieht für mich auch immer mehr so aus, als wäre dies aber langfristig für uns das beste. Südländer schreien wieder nach Wachstum auf Pump, ohne essentielle Strukturreformen angehen zu wollen/können. Ich weiß nicht viel über den spanischen Arbeitsmarkt, aber eine Jugendarbeitslosigkeit von knapp 50% deutet stark darauf hin, dass der Arbeitsmarkt zu unflexibel ist. So etwas lässt sich ohne zusätzliches Geld korrigieren, auch wenn es nicht jedem gefallen wird. Ich habe aber auch in D beobachten dürfen, was mit der Arbeitsmotivation passiert, wenn man praktisch unkündbar ist. Dass Länder wie Italien oder Griechenland ihre korrupten Strukturen aufbrechen können, glaube ich ebenfalls nicht.

    Dass Frankreich sogar in die entgegengesetzte Richtung geht, könnte ein Sargnagel sein. Allein die Botschaft, die dies an andere Südstaaten sendet, ist verheerend.

    Zitat Zitat von kronic Beitrag anzeigen
    edit:
    Damit wir uns nicht falsch verstehen: Es ist schon wichtig, die Leistungskraft unserer Industrie zu erhalten. Wir dürfen nicht den Fehler von UK & Co. machen, unsere Industrien abzuschenken, und lieber Casinobetreiber werden. Wir müssen dafür sorgen, dass Deutschland weiter ein Land bleibt, dessen Güter überall begehrt sind, das eines der wichtigsten globalen Zentren für Forschung und Innovation ist. Aber dafür brauchen wir den Euro nicht, und wir brauchen auch nicht den Billigexportsektor. Von dem kann nämlich kaum ein Arbeitnehmer vernünftig leben. Aber gerade weil wir eines der wenigen westlichen Länder sind, die im globalen Wettbewerb gut aufgestellt sind, eignen wir uns natürlich zur Melkkuh. Nur wenn wir gemolken werden, und damit dann dutzende Milliarden in Form von Transfers als jährliche Belastung auf uns zukommen, werden die industriellen Vorteile unseres Landes verschwinden. Es ist einfach zu teuer.
    Ja, aber dafür brauchts eine Strategie, wie wir unsere Exportwirtschaft kurzfristig über Wasser halten können bei einer Explosion der DM. Das wiederum traue ich unseren Politikern nicht zu. :/

  4. #294
    what is my purpose? Avatar von Spaceman
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  5. #295
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    Und in der Zwischenzeit macht die Bad Bank der Hypo Real Estate 10 Milliarden Euro Verlust, die vom Bund getragen werden. Nach Steinbrück und Co., die das zu verantworten haben, kostet eine Bankenrettung ja nix. Jaja, man muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass das nur der Anfang war.

    http://www.tagesschau.de/wirtschaft/hre404.html

  6. #296
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    Es hat knapp eine Woche gedauert, bis die Zinsen für Spanien wieder über 7 % gestiegen sind. Aktuell 7,01 %, knapp unter Euro-Allzeithoch.

  7. #297
    Schaermt von Jim
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    Der letzte Investor hat mittlerweile scheinbar auch kapiert, dass die Südländer ohne Strukturreformen nicht weiterkommen, unabhängig davon, wieviel Geld wir reinpumpen.

  8. #298
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    Strukturreform... das ist etwas, was mich an der ganzen Debatte nervt. Hört sich natürlich schöner an, von "strukturellen Problemen" zu sprechen, als offen zu sagen, dass die Länder vor dem Hintergrund eines globalen Marktes nicht produktiv genug sind, um sich einen Sozialstaat leisten zu können...
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  9. #299
    Schaermt von Jim
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    Zu niedrige Produktivität ist halt auch nur ein Faktor. Wenn z.B. in Griechenland niemand meint, Steuern zahlen zu müssen, wo soll dann Geld für einen Sozialstaat herkommen? Sowas kann selbst bei genügender Produktivität nicht funktionieren. Oder Spaniens Arbeitsmarkt, der dafür sorgt, dass junge Leute gar nicht erst in den Arbeitsmarkt hinein kommen.

    An der Ausgabenseite zu drehen ist nur eine von mehreren Stellschrauben.

  10. #300
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    Zitat Zitat von Sare Beitrag anzeigen
    Zu niedrige Produktivität ist halt auch nur ein Faktor. Wenn z.B. in Griechenland niemand meint, Steuern zahlen zu müssen, wo soll dann Geld für einen Sozialstaat herkommen?
    Dumme Frage. Von denen, die es sich auch nicht leisten koennen.
    War das nicht von Anfang an der Deal?
    Es gibt Leute, die haben einen Horizont in Form eines Kreises mit dem Radius Null,
    und diesen nennen sie dann ihren Standpunkt.

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    Go ask the dust for any answers
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