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Thema: Euro-Endspiel

  1. #301
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    Sarrazin hat einen recht leserlichen Artikel in der FAZ veröffentlicht: http://www.faz.net/aktuell/feuilleto...-11822292.html

    Das Fazit lautet wohl wieder einmal, entweder man schafft den Euro wieder ab oder schafft die volle Transferunion in einem Bundesstaat. Und die Spitze: Genau das würden die Franzosen am wenigsten wollen.

  2. #302
    what is my purpose? Avatar von Spaceman
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    Was haltet ihr denn von der These, dass Deutschland die Krise massiv mitverschuldet habe?

    Logik: Währungsunion=Inflationsunion. Zwar hätten die Südländer systematisch über ihren Verhältnissen gelebt, Deutschland habe die eigenen Inflation bewusst unter den vereinbarten zwei Prozent gehalten und so die Euro Nachbarn bewusst niederkonkurriert.

    Meinungen?
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  3. #303
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    Bewusst passt nicht so recht. Afaik lag die durchschnittliche Inflation in Deutschland seit Einführung des Euros nicht unter 2%. Bei Einführung des Euros war die D-Mark im Vergleich zu den anderen Währungen überbewertet, was unter anderem an der Ankerfunktion und der geringen Inflationserwartung lag. Die Überbewertung trug zur damals schwachen Wirtschaftsentwicklung in Deutschland bei und erhöhte den Druck die Kosten relativ zu drücken. Hinzu kam aber in einem inzwischen weit größeren Maße die Neigung der Südländer nominale Lohnerhöhungen durchzusetzen, die bei hoher Inflation wenig Problem schaffen, langfristig aber Probleme von inzwischen recht offensichtlicher Schwere schaft. Diese kultuelle Kluft haben bei Einführung des Euros viele "Verantwortliche" massiv unterschätzt. Hätte man sich bei der Einführung 15-50 Jahre mehr Zeit gelassen, hätte man nur solche Länder reingelassen, die längerfristig problemlos einen festen Wechselkurs zur D-Mark aufrecht erhalten haben, dann wäre uns vieles erspart worden.
    Deutschland hätte den Südländern insoweit entgegenkommen können, die eigene Inflation nicht unter das Niveau D-Mark zu drücken. Aber den Beitrag Deutschlands schätze ich eher auf ein Drittel, zwei Drittel kam aus dem Süden einschließlich Frankreich.

  4. #304
    Schaermt von Jim
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    Deutschland kann die Inflation gar nicht direkt steuern, das kann nur die EZB per Geldmengensteuerung.

  5. #305
    what is my purpose? Avatar von Spaceman
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    Zitat Zitat von Sare Beitrag anzeigen
    Deutschland kann die Inflation gar nicht direkt steuern, das kann nur die EZB per Geldmengensteuerung.
    Das ist meiner Meinung nach nicht ganz richtig. Die Regierung kann zwar die Geldmenge nicht steuern, das heißt aber nicht, dass man nicht über eine geschickte Arbeitsmarktpolitik die Gütermenge steuern kann.

    Nebenbei ist mir noch immer nicht ganz klar, wie die EZB die Geldmenge in "einem" Eurostaat steuern soll.

    Zitat Zitat von justanick Beitrag anzeigen
    Deutschland hätte den Südländern insoweit entgegenkommen können, die eigene Inflation nicht unter das Niveau D-Mark zu drücken. Aber den Beitrag Deutschlands schätze ich eher auf ein Drittel, zwei Drittel kam aus dem Süden einschließlich Frankreich.
    Was mich eigentlich mehr interessiert als die Schuldfrage sind die Schlüsse, die man aus der Analyse zieht. Wenn du sagst, du brauchst in der Eurozone eine einheitliche Inflation, dann ist es dämlich die Südländer weiter zum sparen zu zwingen, weil die folgende Rezession nicht gerade die Kaufkraft erhöhen wird. Mit dem Sparzwang bekämpfen wir zwar die Symptome, fördern aber die Ursache...

    Gleichzeitig muss man dann fragen, ob eine Exportnation überhaupt eine Währungsunion mit lauter Ländern hätte eingehen sollen, die auf den Binnenhandel ausgelegt sind.

    Gleichzeitig ist es schwachsinnig (bezogen auf den europäischen Binnenhandel) zu sagen, ganz Europa muss Wettbewerbsfähiger werden. Wettbewerbsfähigkeit ist halt eine relative Größe. Oder anders: Wir sind in einer fünf Mann Pokerrunde, der Abend ist noch jung, aber bereits jetzt sind zwei unserer Mitspieler pleite. Ist natürlich toll, dass wir besser Spielen als die, aber wenn wir weiter spielen wollen, müssen wir Kohle rausrücken...
    Geändert von Spaceman (03.08.2012 um 08:09 Uhr)
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  6. #306
    Schaermt von Jim
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    Zitat Zitat von Spaceman Beitrag anzeigen
    Das ist meiner Meinung nach nicht ganz richtig. Die Regierung kann zwar die Geldmenge nicht steuern, das heißt aber nicht, dass man nicht über eine geschickte Arbeitsmarktpolitik die Gütermenge steuern kann.
    Zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit wird ein negativer Zusammenhang vermutet, niedrige Arbeitslosigkeit = hohe Inflation. (Stichwort Phillips Kurve).

    Zitat Zitat von Spaceman Beitrag anzeigen
    Nebenbei ist mir noch immer nicht ganz klar, wie die EZB die Geldmenge in "einem" Eurostaat steuern soll.
    Sie ist die einzige Institution im Euroraum, die Banknoten ausgeben kann. Die Geldmenge kann sie steuern, allerdings wirken Eingriffe natürlich in jedem Land anders, für ein Land kann eine expansive-, für's andere eine restriktive Geldpolitik zum gleichen Zeitpunkt optimal sein.


    Für deutsche Geldpolitiker ist Preisstabilität das höchste, das war schon in DM-Zeiten so und kommt vor allem daher, dass D die letzten 100 Jahre bereits zwei totale Entwertungen der eigenen Währung hinter sich hat.

  7. #307
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    Sorry Sare, das hat mir echt nicht weiter geholfen.

    Zitat Zitat von Sare Beitrag anzeigen
    Zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit wird ein negativer Zusammenhang vermutet, niedrige Arbeitslosigkeit = hohe Inflation. (Stichwort Phillips Kurve).
    Kenne ich, und deshalb spreche ich auch nicht von Arbeitslosigkeit sondern von Arbeitsmarktpolitik. Mit Leiharbeit, hohem Druck auf Arbeitslose und Zuschüsse für Geringverdiener hat unser Staat alles getan, um die Arbeitskosten und damit die Produktionskosten künstlich zu senken. Natürlich sinkt dadurch die Arbeitslosigkeit (da ist jetzt Platz für deine Phillps Kurve) aber die Produktionskapazitäten werden so auch künstlich hoch gehalten...

    Sie ist die einzige Institution im Euroraum, die Banknoten ausgeben kann. Die Geldmenge kann sie steuern, allerdings wirken Eingriffe natürlich in jedem Land anders, für ein Land kann eine expansive-, für's andere eine restriktive Geldpolitik zum gleichen Zeitpunkt optimal sein.
    Ist doch das, was ich durch die Blume gesagt habe, Die EZB kann die Inflation nur auf ebene der Euro-Zone steuern, also müssen unterschiedliche Inflationsraten innerhalb der Zone wohl auf lokal geschaffenen Rahmenbedingungen zurückgehen.

    Für deutsche Geldpolitiker ist Preisstabilität das höchste, das war schon in DM-Zeiten so und kommt vor allem daher, dass D die letzten 100 Jahre bereits zwei totale Entwertungen der eigenen Währung hinter sich hat.
    Und was in der Geldpolitik in den 80er (vielleicht) richtig war, gilt selbstredend noch heute... ist ja alles gleich geblieben.
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  8. #308
    Schaermt von Jim
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    Zitat Zitat von Spaceman Beitrag anzeigen
    Kenne ich, und deshalb spreche ich auch nicht von Arbeitslosigkeit sondern von Arbeitsmarktpolitik. Mit Leiharbeit, hohem Druck auf Arbeitslose und Zuschüsse für Geringverdiener hat unser Staat alles getan, um die Arbeitskosten und damit die Produktionskosten künstlich zu senken. Natürlich sinkt dadurch die Arbeitslosigkeit (da ist jetzt Platz für deine Phillps Kurve) aber die Produktionskapazitäten werden so auch künstlich hoch gehalten...
    Die Flexibilisierung sorgt dafür, dass Produktionsspitzen variabel befriedigt werden können.^^
    Die Zuschüsse werden durch Steuern finanziert, was sich entweder direkt auf die Preise auswirken könnte oder durch eine erwartete zukünfige höhere Staatsverschuldung negativ auf den privaten Konsum heute und somit indirekt auf die Preise.

    Inflation wird durch viele exogene Faktoren beeinflusst: Ölpreis, Dollar/Euro-Kurs, Nahrungsmittelpreise, technischer Fortschritt usw.

    Die Arbeitsmarktmaßnahmen, die Du nanntest, mitsamt Senkung der Lohnnebenkosten und Reallohnstagnation/-rückgang hat unsere Wettbewerbsfähigkeit erhöht, während andere Länder in der gleichen Zeit zu hohe Lohnerhöhungen durchgedrückt haben. MMn sollte man hier ansetzen, nicht bei der Inflation.

    Zitat Zitat von Spaceman Beitrag anzeigen
    Ist doch das, was ich durch die Blume gesagt habe, Die EZB kann die Inflation nur auf ebene der Euro-Zone steuern, also müssen unterschiedliche Inflationsraten innerhalb der Zone wohl auf lokal geschaffenen Rahmenbedingungen zurückgehen.
    Ja, aber da gibt es noch viele andere Ursachen, das fängt schon bei unterschiedlichen Zusammensetzungen der Verbraucherpreisindizes an. Aber auch viele andere Einflüsse, wie den Balassa-Samuelson-Effekt.


    Zitat Zitat von Spaceman Beitrag anzeigen
    Und was in der Geldpolitik in den 80er (vielleicht) richtig war, gilt selbstredend noch heute... ist ja alles gleich geblieben.
    Das ist eine Glaubensfrage. FED und Bank of England gehen schon seit einiger Zeit in die andere Richtung, indem sie versuchen, mittels Geldpresse (expansiver Geldpolitik^^) die Wirtschaft anzukurbeln. In Nicht-Kriesenzeiten hat uns dies in die derzeitige Krise geführt, in Krisenzeiten kann damit kurzfristig die Wirtschaft angekurbelt/stabilisiert werden. Damit kann man sich Zeit verschaffen, um Reformen im Realbereich durchzuführen, eine nachhaltige Lösung ist dies nicht.

  9. #309
    what is my purpose? Avatar von Spaceman
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    Zitat Zitat von Sare Beitrag anzeigen
    Die Flexibilisierung sorgt dafür, dass Produktionsspitzen variabel befriedigt werden können.^^
    Das ist doch Käse. Der Argen halten für Unternehmen Broschüren bereit, diese ihren neuen Mitarbeiten aushändigen können und die die Mitarbeiter anleiten Wohngeld zu beantragen, weil sie sich ohne ihren neuen Job nicht leisten könnten. Die Argen selbst unterstützen kleine Unternehmen, die sich sonst nicht halten könnten...

    Inflation wird durch viele exogene Faktoren beeinflusst: Ölpreis, Dollar/Euro-Kurs, Nahrungsmittelpreise, technischer Fortschritt usw.

    Die Arbeitsmarktmaßnahmen, die Du nanntest, mitsamt Senkung der Lohnnebenkosten und Reallohnstagnation/-rückgang hat unsere Wettbewerbsfähigkeit erhöht, während andere Länder in der gleichen Zeit zu hohe Lohnerhöhungen durchgedrückt haben. MMn sollte man hier ansetzen, nicht bei der Inflation.
    Nur um das mal kurz klarzustellen: Letztendlich ist Inflation ein Missverhältnis zwischen den Geldmengenentwicklung und der Entwicklung der Gütermenge (und Dienstleistungen... blabla). Und Produktivität ist das Verhältnis zwischen produzierten Gütern und Bla auf der einen und den Produktionsfaktoren auf der anderen Seite. In einer Dienstleistungsgesellschaft ist der Preis von Arbeit ein nicht gerader unbedeutender Produktionsfaktor. Wenn ich ihn senke erhöhe ich die Produktivität, vermehre die Anzahl der produzierten Güter und senke die Inflation.

    Und was wäre dann der natürliche Effekt im Außenhandel? Die Aufwertung der Währung. Geht aber nicht...

    Und genau dein "hat unsere Wettbewerbsfähigkeit erhöht" ist ja gerade der Vorwurf, der gemacht wird.
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  10. #310
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    Letztendlich ist Inflation ein Missverhältnis zwischen den Geldmengenentwicklung und der Entwicklung der Gütermenge (und Dienstleistungen... blabla).

    Missverhältnis würde ich's nicht nennen, auch deutsche Geldpolitiker aus den 80ern sehen eine Inflation von ca. 2% als Optimum an (wg. technischem Fortschritt, Substitutionseffekte unso). Aber ja.^^

    Und Produktivität ist das Verhältnis zwischen produzierten Gütern und Bla auf der einen und den Produktionsfaktoren auf der anderen Seite. In einer Dienstleistungsgesellschaft ist der Preis von Arbeit ein nicht gerader unbedeutender Produktionsfaktor.

    Korrekt

    Wenn ich ihn senke erhöhe ich die Produktivität

    Arbeitsproduktivität = Output / eingesetzte Arbeitsstunden. Das ist ein reales Maß, Preise gehen hier nicht mit ein.

    vermehre die Anzahl der produzierten Güter und senke die Inflation.

    Du vernachlässigst die Nachfrageseite.

    Und was wäre dann der natürliche Effekt im Außenhandel? Die Aufwertung der Währung. Geht aber nicht...

    Arbeitsintensive Güter werden von Deutschland eher selten exportiert, wir sind gut bei kapitalintensivem Zeug. Du schmeißt alles in einem Topf, bei deiner Argumentation solltest Du allerdings nach Branchen differenzieren. In welchen Branchen werden Preise durch staatliche Zuschüsse beeinflusst, welche Branchen haben einen nennenswerten Exportanteil.

    Ich argumentiere nicht, dass deine Behauptungen falsch sind, ich versuche dich nur auf Problemstellen hinzuweisen. Mit makroönomomischen, insb. monetären Aussagen sollte man sehr vorsichtig sein.

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