"Herr van Lent, was mögen Sie lieber, Derbysiege oder Weihnachten?"
Das ist ein alter Witz, den ihr sicher kennt. Müsste ich ihn zuende erzählen und unserem Trainer Worte in den Mund legen, würden sie lauten: "Weihnachten. Das ist häufiger." Nun ja...
Es ging am letzten Wochenende gegen Wiesbaden, das Wolfsburg der Dritten Liga: Ein Verein mit einem ambitionierten Sponsor im Rücken (den Wasserfilterhersteller Brita), einem den Mitteln nicht entsprechenden (das heißt: ausbleibenden) sportlichen Erfolg und keiner Fußballtradition, was sich in der Anhängerschaft wiederspiegelt: Gerade einmal 5.500 Fans besuchten das Spiel, wohl die Häfte aus Offenbach, und wo das Derby in Darmstadt einer Schlammschlacht glich, passierte hier vor halbleeren Rängen zwischen den Fangruppen so gar nichts. Man könnte also statt von Schlamm von gut gefiltertem Wasser sprechen.
Das Ergebnis wird bekannt sein: Offenbach verliert 2:1.
Eine Charakterisierung des Spiels würde wohl lauten: Offenbach tritt auf wie eine Heimmannschaft, bekommt definitiv mehr Ballbesitz, kann auch mit mehr Eckbällen punkten... und verliert doch verdient. Die Anspannung der Mannschaft, die gegen Rostock noch zu stark zu spüren war, fehlte ganz, in der Abwehr schwamm man, wenn's drauf ankam, Gefahr kam nicht zustande und ein überragender Spieler, der es im Alleingang hätte drehen können, fehlte - das wäre wohl Julius Reinhardt gewesen, doch wie so viele Kickers-Spieler erwischte er keinen guten Tag.
In der ersten Halbzeit fielen die Gegentore aus dem Nichts, in der zweiten Halbzeit passierte eine interessante Systemumstellung: Rathgeber kam für Mehic und verwandelte Offenbach in eine 4:4:2-Mannschaft mit vier ausgebildeten Stürmern. Das hatte Ende der letzten Saison sich schon bewährt, diesmal erreicht es noch einen Anschlusstreffer aus einem Elfmeter heraus und ein Eckballtor, das jedoch zuvor schon abgepfiffen wurde. Mist war's.
Offenbach rutscht so auf den neunten Rang zurück und würde nach einem Sieg gegen Heidenheim (am Samstag) wohl wieder da stehen, von wo man die Saison begann. Dann schreibe ich auch ein erstes Resümee.


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