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Thema: Saphirs elf Schatzln. Eine Saison Kickers Offenbach

  1. #131
    Blau schimmernd Avatar von Saphir
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    Verzeiht, ich war durch meine Geschichte drüben, die nun ein Ende fand, in den letzten Tagen etwas abgelenkt. Ich trage einfach mal nach, so als wäre nichts geschehen.
    "Der Wogen Schlag im Herz, der Flammen Glanz im Haar."

  2. #132
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    Mit Lars Bender gegen Schweinsteiger und Hummels

    ... oder: Das Duell der beiden Mannschaften mit der ausgeglichenen Tordifferenz. Man kann gut daran erkennen, wer eigentlich über seinen Möglichkeiten spielt und wer darunter. (Bei Offenbachs Bender handelt es sich freilich um einen Namensvetter, während in Unterhaching die Brüder der beiden Nationalspieler spielen.)

    So kommt es zum Kampf... und ja, es entpuppt sich als wirklich schönes Offenbacher Spiel (und damit als Seltenheit). Schon in der 7. Minute fällt das 1:0. Es ist schön anzusehen; erst wissen beide Mannschaften im Mittelfeld noch nicht, in welche Richtung der Zug nun rollen wird, dann spielt Matthias Schwarz einen hohen, weiten Ball genau in den Lauf von Julius Reinhardt, der steht damit frei vor dem Torwart und überlupft diesen. So kann ein Spiel wirklich häufiger losgehen.
    Die ersten fünfundzwanzig Minuten dominiert Offenbach ganz klar, wobei sich beide Mannschaften mit offenem Visier gegenüberstehen, was für einige Chancen auf beiden Seiten sorgte. So bekam Julius Reinhardt keine fünf Minuten später eine fast exakt gleiche Gelegenheit, die er aber über die Latte setzte, und der im Mittelfeld spielende Jan Washausen traf nur den Pfosten - auf der anderen Seite hätte ein Unterhachinger Stürmer nur ein wenig schneller sein müssen, um den Ausgleich zu schießen. So blieb es beim 1:0.
    Dann kamen beide Mannschaften mehr im Spiel an und schalteten einen Gang zurück: Bis etwa zur achtzigsten Minute blieb Offenbach überlegen, was Ballbesitz und auch Eckbälle angeht, doch die klaren Chancen fehlten (auf beiden Seiten). Erst in der Schlussphase drehte Unterhaching noch einmal auf, die Knappheit des Rückstands vor Augen, und das Spiel wurde intensiver, aber auch hässlicher. Schließlich blieb es beim knappen Ergebnis. Es war zwar ein schönes Spiel, doch das anschließende "An Tagen wie diesen" aus den Stadionlautsprechern "auf Wunsch der Mannschaft" wirkte übertrieben. Es war viel eher eine Erinnerung an eine Vor-Krisen-Zeit als ein tatsächlicher Triumph.

    Zuletzt möchte ich noch ein paar Worte zu einigen Hauptdarstellern verlieren.
    Sead Mehic ist es eher in tragischer Rolle, fehlte der Ex-Kapitän schon vor dem Anpfiff und fällt nun verletzungsbedingt bis Ende der Saison aus. Ihn ersetzte Jan Washausen im defensiven Mittelfeld und lieferte dort ein gutes Spiel ab; er kommt immer mehr in dieser Rolle an.
    Maxi Ahlschwede scheint ebenfalls seinen Marktwert zu steigern, so tritt der Außenverteidiger neuerdings auch vor Reinhardts Auswechslung die Ecken von seiner Seite. Dafür, dass er eigentlich nur als Backup eingeplant war, spielt er langsam eine richtig gute Saison.
    Stefan Vogler bewegt sich gerade in die andere Richtung, der Stürmer brachte seit seiner Stammplatzübernahme nichts Beeindruckendes mehr hervor und ließ mich erneut feststellen, was ich schon einmal bemerkte: Es bringt nichts, ihn zusammen mit Fabian Bäcker auf den Platz zu schicken, die beiden ergänzen sich nicht. (Letzterer spielte ein bemühteres Spiel, konnte jedoch auch nicht wirklich herausstechen.)
    Lars Bender bleibt wohl der (sportliche) Pechvogel der Mannschaft: Als einziger Profi bekam er von Schmitt vorher keine Chance und wurde nun auch nur für die letzten 10 Minuten gebracht - und fiel dann nicht auf, als 'Haching drängte.
    Thorsten Siegmund möchte ich als Letztes erwähnen, denn auch Offenbachs Pressesprecher und Stadionbiograf wertet sich auf: Er übernahm den Chefredakteursposten der neu erschienenen Zeitschrift "Anstoß Rhein-Main", die "Fußball der Region jenseits des Tagesgeschehens betrachten" möchte. Die ersten beiden Ausgaben wurden gratis verteilt und bringen mich zu dem Urteil: Ganz nett, aber kein must-have.
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  3. #133
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    Zwischenhalt in Jena

    Am Samstag spielten die Kickers nun auswärts gegen Babelsberg, ohne dass ich es im Geringsten verfolgen konnte, also bleibt das Ergebnis: 0:0 auf furchtbarem Rasen, also fast wie Burghausen, nur dass Babelsberg anschließend seinen Trainer rauswarf. So entsteht unter Rico Schmitt langsam ein Schnitt der nicht begeistert, aber sich abnicken lässt: So steigen die Kickers wenigstens nicht ab.

    Am Samstag wartet die nächste sportliche Herausforderung mit dem Heimspiel gegen Münster, doch schon heute Abend findet eine außerordentliche Mitgliederversammlung statt, an der ich nicht teilnehme (Ich bin ja kein Mitglied), aber über die ich sicher irgendwie berichten kann. Immerhin kommt mir die Offenbach-Post entgegen und berichtet via Live-Ticker.

    ps: Um die Busreise nicht ausufern zu lassen, legten die Spieler auf der Reise nach Babelsberg einen Zwischenstopp in Jena ein, wo sie auf dem Gelände des Carl Zeiss eine Trainingseinheit einlegen durften. Das war dann doch eine schöne Sache.
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  4. #134
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    pps: Die Mitgliederversammlung entpuppte sich als heiße Luft. Dr. Frank Ruhl hatte sie zu Beginn seiner Amtszeit angekündigt, nun lieferte er einen Bericht (ohne Neuigkeiten) ab. Es wurde nicht (wie befürchtet wurde) über eine Insolvenz abgestimmt, allerdings bekamen die Vereine auch noch nicht ihre Lizenz-Antworten zugestellt. Kickers Offenbach ist also noch nicht durch, holt sich aber auch nicht selbst von den Beinen.
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  5. #135
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    Hierarchie

    So kam dann Münster. Im tranfermarkt-Forum herrschte blanke Panik und die Pessimismus-Wellen überschlugen sich, doch erinnerte ich mich an die letzte Saison. Damals steckte Offenbach ebenso in einer Mini-Krise, worauf man mit einer Defensiv-Taktik reagierte, die so unbeliebt sein würde, dass man sich schon im Vorwort des Stadionhefts entschuldigte. Damals ging der Plan auf und man gewann 3:0, auch wenn die ersten beiden Treffer nach Standards fielen. Die Situation mag heute allerdings nicht vergleichbar sein: Münster war damals ein Aufsteiger mit einer überraschend guten Saison, der Offenbach auf Augenhöhe begegnete, heute... ach, man kann sagen: Ist Münster das Braunschweig der dritten Liga, ist Offenbach das Bochum.
    Am Samstag musste ich arbeiten und als ich dem Hundeblick meines Chefs zusagte, rechnete ich im Geist durch, dass alles schon sehr gut laufen müsste, um mich halbwegs pünktlich in Bieber erscheinen zu lassen. Tatsächlich lief auch alles sehr gut, doch ich ließ mir Zeit. So wichtig war es mir dann doch nicht.
    Der Bieberer Berg an einem Spieltag ist ein erhebender Anblick. Das Stadion besitzt an allen vier Ecken kleine Schlitze und wenn man vom Buswendeplatz einmal außenrum zur Stehplatz-Geraden wandert, erkennt man sofort die gut gefüllten und euphorischen Stehplatzränge, während keine dreißig Meter weiter die Spieler - nur von einem Zaun getrennt - auf Augenhöhe auf dem Rasen laufen. Wieder schaffe ich es nicht, meinen Namen auf dem Offenbacher Mannschaftsbus zu finden, wieder bin ich Ordnern gegenüber zu nett (Er: "Sie dürfen mit Ihrem Rucksack rein, mir wäre es aber lieber, wenn Sie ihn abgeben." Darauf drehte ich mich dann eben nicht um und sagte "Schön, der erste Teil reicht mir."), ließ mir generell Zeit und kann so nichts über die erste Hälfte der ersten Halbzeit berichten. Scheinbar dominierte Münster sie und bekam insgesamt zwei Ecken.
    Das Gefühl im Stadion war ein seltsames: Münster brachte die Busladungen voller Fans mit, die eine Traditionsmannschaft mit Aufstiegsambitionen eben mobilisieren kann, und die im Vergleich dazu leeren Offenbacher Ränge (Quote: Über 1.000 Münsteraner Fans bei etwas über 5.000 Leuten im Stadion) wärmten ihre DFB-Pokalfight-Stimmung wieder auf: Da wurde geklatscht, wenn Zweikämpfe gewonnen wurden, und eigentlich auch sonst bei jeder Gelegenheit. In der zweiten Hälfte der ersten Halbzeit verstand ich dann, warum man sich vor Münster fürchtete, doch die Kickers kamen besser ins Spiel. Ein Fan kommentierte es hinter mir mit: "Ja, doch, mit der ersten Halbzeit konnte ich ganz zufrieden sein. Ich sah ein gutes Spiel, wenn auch mit viel Kampf." (Oder ungefähr. Nach eineinhalb Wochen fällt ein genauer Wortlaut doch schwer.)
    Offenbach kam schon vor der Pause besser ins Spiel, ebenso ging es nach der Pause weiter. Alles schrie nach guten Chancen auf mindestens einen Punkt, die Mannschaft spielte insgesamt sehr gut und sehr motiviert... und fing sich dann doch ein Gegentor nach einem Einwurf auf Mittellinienhöhe, als Torwart und Innenverteidiger, die beide sonst eine gute Partie spielten, sich zu sehr auf den jeweils anderen verließen. Fünf Minuten lang betrachtete Rico Schmitt die Auswirkungen, dann brachte er zwei Auswechslungen, die das System mit einen Schlag auf "Aggro-van-Lent" brachten (drei Stürmer, nur noch ein Innenverteidiger).
    In dieser letzten halben Stunde dominierte Offenbach die Partie und auch wenn sich Münster einige Chancen eröffneten, den Sack zuzumachen, fand doch das Spiel hauptsächlich auf nur noch ein Tor statt. Offenbach blieb jedoch Offenbach und nichts geschah. Darauf war ich wirklich bedient: Eine tolle Mannschaftsleistung, die wirklich über jeden Fehler erhaben ist, und doch das Spiel durch einen dummen Fehler aus der Hand gegeben.

    ps: Der Titel bezog sich auf ein Gespräch zwischen einem OFC-Fan und einem Polizisten, welches ich am Bahnsteig mitbekam. Er beschwerte sich wohl darüber, warum wohl auf einen ernüchterten Offenbacher zwei Ordnungshüter nötig sind, und der Polizist antwortete: "Das ist eben Hierarchie. Da gibt es diese und diese und diese Stufe *mit Gesten begleitet* und ich stehe ganz unten. Glauben Sie mir, ich bin auch nicht gerne hier." Das war wohl das Wort zum Samstag.
    pps: Eben konnte mich der Raum Frankfurt fluchen hören. Die frisch entdeckte Funktion "Undo Close tab" erwies sich jedoch als Segen.
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  6. #136
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    Die Brücke

    Zwei Auswärtsspiele folgten, die ich jedoch nicht verfolgte.

    Dortmund II - Offenbach: 0:0
    Das letzte Nachholspiel brachte Offenbach zu einer amüsanten Bilanz: 5 Spiele mit 1:1 Toren. Scheinbar ging es wieder mit Kampf und Pech zur Sache...

    Chemnitz - Offenbach: 2:0
    ... doch all die Hoffnungen starben jäh. Scheinbar verpasste ich hier ein völliges Gegurke, bei dem sich Offenbach in der Schlussviertelstunde noch zwei Eier einschenken ließ. Die Einzelnoten der Spieler lesen sich jedoch ernüchternd.

    Zwei Entwicklungen möchte ich noch ansprechen, eine schöne, eine unschöne. So hieß es...
    a) In Chemnitz durfte Jan Washausen nicht spielen, da der Verein es wohl versäumte, dessen Sozialversicherungsdaten an den Verband weiterzuleiten, was nach drei Monaten geschehen muss.
    b) Es gibt einen Jugendspieler, der es in Münster und Dortmund auf den Rasen schaffte und der in Chemnitz durchspielte: Sascha Korb. Der 19-Jährige trainiert erst seit Anfang diesen Jahres mit den Profis und war ein Lichtblick des Spiels gegen Münster: Er wurde ins kalte Wasser geworfen und hielt auf gleicher Höhe mit (und das gegen einen Aufstiegskandidaten). Gegen Chemnitz brachte er wohl auch keine besseren Leistungen als der Rest der Mannschaft, doch sei das unerheblich: Ich mag den Jungen. Er ist toll.

    Somit schaffte ich es wieder in die Gegenwart. Heute sollte eigentlich in Langenselbold das letzte Spielertreffen stattfinden, doch wurde dieses abgesagt. Ich bin begeistert.
    Samstag spielen die Kickers dann ihr vorletztes (reguläres) Heimspiel gegen Darmstadt. Ich weiß nicht, ob ich anwesend sein kann... und bin ich ehrlich, sonderlich wichtig ist es mir auch nicht. Meine Liebe für die Kickers erreichte für diese Saison ihren Tiefpunkt.
    Wir sind dem Abstieg so nah wie Werder Bremen (5 Punkte), doch anders als in der ersten Liga gäbe es dann keine Relegation. Soll passieren, was passiert... im Ernst, ich nehme alles hin und erwarte langsam gar nichts mehr.
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  7. #137
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    Varus, gib mir meine 18.000 wieder

    Zum vorletzten Heimspiel wurde geladen und darum ein riesiger Wirbel veranstaltet. Da sprach man von einem "so intensiven Spiel wie gegen Wolfsburg", im Internet suchte man die "18.000 Zuschauer des Pokalspiels" und Barbara Klein wünschte sich zumindest eine fünfstellige Zahl. Es war eine Menge Theater, welches aufgeführt wurde, um in einer finanziell angespannten Lage wohl zum letzten Mal für einen Einnahmenschub zu sorgen. Wie immer leistete man der Mannschaft damit einen Bärendienst und es sollte sich rächen. Ich brachte am Ende den Kommentar: "Das waren eure 18.000." Auch das Minimalziel wurde knapp verfehlt.

    Offenbach muss momentan mit einer Verletztenmisere kämpfen, so reicht der Kader gerade noch so, um bei 10 Feldspielern dreimal wechseln zu können, wobei in der Offensive noch etwas mehr Luft ist als in der Defensive. (Das sah man schon daran, dass bei Jan Washausens Ausfall gegen Münster auf einmal ein Jugendspieler 90 Minuten durchspielen musste.) Von diesen gerade mal 13 Profispielern läuft etwa die Hälfte ihrer Form hinterher. Hinzu kommt die Motivation, die sicher nicht nur bei mir schwindet - eine Saison, die ins DFB-Viertelfinale führte und zugleich zwei Niederlagen gegen die Fußballgroßmacht Halle einbrachte, kann man nur noch schwer mit Herzblut zu Ende führen.
    Ich könnte jetzt Namen nennen, aber das lasse ich lieber. Kommen wir zum Spiel - und ich verspreche euch: Es ist der Tiefpunkt einer an Tiefpunkten reichen Saison.

    9.500 Fans, darunter eine Menge Darmstädter, sehen einen hitzigen Derby-Beginn. In der ersten halben Stunde kommt Offenbach auf mehr Ballbesitz, erspielt sich mehr Ecken und muss doch aufatmen: Darmstadt steht nicht umsonst im Tabellenkeller, zwei richtige Großchancen verbaseln sie noch. Dann findet der Ball in der 35. Minute nach langem Gestocher doch noch seinen Weg ins Offenbacher Netz. Da steht es 0:1 - leider absolut verdient.
    Fünf Minuten später - die Kickers bäumen sich gerade auf - geht ein Darmstädter nahe des Offenbacher Hauptfanblocks zu Boden und spielt toter Mann. Hatte es zuvor noch Wurfgeschosse auf den Offenbacher Eckstoßschützen gehagelt, zeigen nun die Heimfans ihre Schändlichkeit und bombardieren ihn. Das Spiel wird unterbrochen, die Mannschaften kehren in die Kabine zurück und lange wird nicht mitgeteilt, was passiert. Wie im Pokal stellt sich Barbara Klein vor den Block, um wenigstens das Spiel vor dem Abbruch zu bewahren, und wird von ihren drei kleinen Schweinchen (Ruhl, Bender, Fischer) mehr schlecht als recht unterstützt. Dann kehrt die Mannschaft zurück... und verlor nun endgültig ihre Courage. War man 40 Minuten lang zumindest auf dem Feld überlegen, bringt man das auch jetzt nicht mehr zustande. Offenbach kapituliert.
    In der 55. Minute holt sich Jan Washausen eine unnötige gelb-rote Karte ab. Direkt im Anschluss flattert wieder der Ball in Offenbachs Netz... doch, welch Glück, Abseits.
    Ein weiteres mögliches 0:2 wird Julius Reinhardt verhindern, doch verletzt er sich beim Segeln gegen den Pfosten und muss ausgewechselt werden.
    Das 0:2 passiert dann doch noch. Es ist egal. Die Möglichkeit eines Punkts war eigentlich nie gegeben.
    Nach dem Spiel stellen sich einige Spieler den Fans und lassen sich minutenlang zusammenschreien, ehe sich die Mannschaft insgesamt (allerdings ohne Trainer) genötigt sieht, sich den Fans zu stellen. Minutenlang diskutiert man, wenn auch nicht mit dem besten Ton. Ich leide innerlich mit den Jugendspielern, besonders mit Sascha Korb, der gar nicht mal schlecht spielte und einen solchen Schock wirklich nicht verdient hatte.
    Am Ende wird an die Zeitungen etwas von einem "fruchtbaren Dialog, wir haben die Fans noch auf unserer Seite" weitergegeben. Die Wahrheit? Nun gut, die kann man erahnen.
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  8. #138
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    Mit dem Kaninchen in die unendlich tiefe Grube

    Drei Tage später (Freitag und Montag) fand gleich das Rückspiel statt - Hessenpokal-Halbfinale in Darmstadt -, und ich war wieder nicht dabei. Diesmal entschied sich Trainer Schmitt anders, er verzichtete auf Stammkräfte und warf einen weiteren Jugendspieler ins kalte Wasser... mit einem optisch schöneren, wenn auch ähnlichen Ergebnis: 1:0-Niederlage. Kickers Offenbach bleibt damit nächstes Jahr dem DFB-Pokal fern, die möglichen Einnahmen der ersten Runde, mit denen man bei der Lizenzierung rechnen darf, bleiben aus. Die rabenschwarze finanzielle Situation wird damit noch ein wenig aussichtsloser.

    So bleiben noch drei Pflichtspiele in dieser Saison: auswärts gegen Rostock, heimatlich gegen Wiesbaden und auswärts gegen Heidenheim. Noch trennen die Kickers vier Punkte vom ersten Abstiegsplatz. Das kann reichen, aber auch noch böse enden.
    Ich werde wohl bei keinem dieser drei Spiele dabei sein. Mal sehen, was dann kommt.
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  9. #139
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    Aufbauhilfe aus Ost

    Da ich das Spiel nicht sah, fasse ich mich kurz: Auswärtsspiel in Rostock, 2:0 durch dumme Tore hinten gelegen, dann noch mit einem 2:2 den Punkt geholt.
    2 neue Spieler gesellen sich ins Lazarett hinzu. Inzwischen erhalten mehr und mehr Jugendspieler ihre Chance und nutzen sie auch. (Leider stellte der Verein den Spielberichtsbogen noch nicht online, weshalb ich die Aufstellung nicht kenne. Ich kenne nur den Fanradio-Bericht.)

    Wenn heute Karlsruhe gegen Darmstadt gewinnt, wird der Klassenerhalt ziemlich sicher sein. Verlieren sie, kann es übel enden: Wiesbaden und Heidenheim sind keine einfachen Gegner.
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  10. #140
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    "Das ist deiner. Der kann nichts."

    Vor eineinhalb Jahren saß ich in einem Testspiel gegen Mainz, als ein neues Gesicht am Bieberer Berg erschien. Christopher Lamprecht, der Außenverteidiger, hatte sich kurz vorher verletzt, der Ersatzmann wurde schon vor einer ganzen Weile suspendiert, also griff man auf jemanden zurück, der schon zu Beginn der Saison im Gespräch war. Nun war noch nichts amtlich, der Verein zeigte seinen guten Willen und ließ ihn mit Rückennummer spielen, doch der DFB hatte noch nicht zugestimmt.
    Der Spieler lief sich während des Spiels warm und weil zu dem Zeitpunkt gerade die Stehplatztribüne neugebaut wurde, saß ich ziemlich nahe. Ein Junge tritt an die Brüstung und sieht ihm zu. "Wer bist du denn?", ruft er. Die Antwort: "Ich bin der Maxi." Der Vater mischt sich ein: "Siehst du den Schwarzen da? Das ist deiner. Der kann nichts."
    Sein Name lautet Maximilian Ahlschwede. Er spielte zu dem Zeitpunkt in Bielefelds frisch zusammengestellten Drittligakader, doch da er damals (selbst im Abstiegskampf) nicht zum Zug kam, brauchten sie ihn nicht und gaben ihn ablösefrei her. So kam er mit der Rückennummer 2 nach Offenbach - und absolvierte in der Saison kein einziges Spiel, verletzte er sich doch kurz darauf schwer und fiel aus.
    In der neuen Saison, im inzwischen fertig gestellten Sparda-Bank Hessen-Stadion, änderte sich nichts an der Grundkonstellation. Christopher Lamprecht war immer noch verletzt, doch Maxi Ahlschwede wieder fit, also durfte er spielen. Das tat er... und fand sich gleich darauf auf der Bank wieder. Zu Saisonbeginn hatte er eine seiner beiden Schwächephasen, die andere kurz vor Jahresende - einmal profitierte Daniel Dziwniel davon, einmal musste Marcel Stadel den Außenverteidiger in sich entdecken -; in van Lents merkwürdiger Schlussphase durfte er dann den äußeren Mittelfeldspieler in sich entdecken.
    Sieht man davon ab, bewährte sich Maximilian Ahlschwede als Stammspieler und befand sich auch auf dem aufsteigenden Ast, da er mehr und mehr auch Ecken und Freistöße übernahm. Er war einer der Spieler, bei dem ich mir gewünscht hätte, dass er bleibt, eben weil er sich in der Mannschaft auch hätte weiterentwickeln können, doch nun (und das werdet ihr erwartet haben) ist er fort, als erster der Spieler mit auslaufenden Verträgen wechselt er zu Wehen Wiesbaden.
    Zwei Erinnerungen werden wach, wenn ich an Maxi Ahlschwede denke.
    Da wäre einmal das Spiel gegen Chemnitz. André Hahn verletzt sich schwer und wird ausfallen. Während die Sanitäter das Spielfeld überqueren, sitzt Maxi Ahlschwede bei dem Leidenden und streichelt ihm den Kopf. Eine sehr homoerotische Szene, aber auch eine sehr rührende - und heute sind sie beide weg.
    Da wäre aber auch die Fanshop-Adventsfeier mit Signierstunden. Als letztes Duo wird "Maximilian Ahlschwede und noch einer" angekündigt. Ich warte und warte, doch sie werden nicht mehr erscheinen.

    Herr Ahlschwede, ich kann Sie verstehen. Gleich ob die Insolvenz geschieht oder nur eine drastische Kader-Einsparung, Offenbach wird im nächsten Jahr nicht mehr auf gleicher Stufe stehen. Sie sind jung - möchten Sie nicht zurückschreiten, dann müssen Sie fort.
    Ich gebe zwei von drei Salutschüssen für Maximilian Ahlschwede. Den dritten erhält er, wenn am Wochenende gegen Wiesbaden gewonnen wird.

    (ps: Dass der Wechsel genau in dieser Situation bekannt wurde, halte ich nicht für schlimm. Das vermeidet im Nachhinein nur böses Blut.)
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