Leipzig: Nur echt mit Völkerschlacht
Gestern, als ich von meinen Eltern per Rad zurückkehrend am Stadion vorbeifuhr, lief mir ein Geschäftsführer Jörg Hambückers über den Weg und da hab' ich... ach... den Blick geradeaus gehalten und meinen Weg fortgesetzt. Taugt das als Überleitung? Nein? Gibt Schlimmeres.
Als ich im letzten Eintrag schrieb, dass der OFC die Länderspielpause, die ihn ja kaum betrifft (einzig Ersatzverteidiger Daniel Dziwniel wuchs in die polnische U21 herein), mit einer Partie gegen RB Leipzig füllt, geschah dies im besten Wissen - und war, als ich es schrieb, schon veraltet. Heute gilt: Der OFC sagte dieses Spiel kurz darauf wieder ab und wählte Dynamo Dresden als Ersatz, mit denen man nun irgendwo in den Tiefen der sächsischen Provinz die Bälle kreuzen wird. RB Leipzig muss den Ball im Rasen begraben, man habe auf Offenbacher Seite unterschätzt, welch ein rotes Tuch dieser vollendete sportliche Werbeträger ohne Vereinscharakter darstellte, und wolle seinen Anhängern entgegenkommen; Leipzig reagierte enttäuscht und fragte, was die Chose solle, Offenbach wäscht seine Hände in Unschuld, spricht von Agenturen und gewahrten Formen und sieht trotzdem nicht gut aus. Soweit die Fakten.
In der Offenbach-Post (Name ist Programm) vermutete man einen Zusammenhang zu der Hauptversammlung am 20. September und der offenen Präsidentenfrage. Obgleich noch kein Gegenkandidat präsentiert wurde, würde Jörg Hambückers um die Fanclub-Unterstützungen buhlen, schon um seine eigene Position zu festigen. Auch die vor kurzem in Gang gesetzte Fanclub-Befragung, die einem der Anhänger-Vereinigungen ein Testspiel gegen die Profis bescheren wird, lässt sich in einem ähnlichen Kontext lesen.
Ich erinnere mich jedenfalls auch an eine andere Begebenheit, an ein Testspiel gegen den FSV Frankfurt letzte oder vorletzte Saison: Auf dem Bieberer Berg stattfindend, wurde es von Boykottaufrufen der Fanclubs und anderen Scherereien (Feuerzeug-Würfe, meine ich mich zu erinnern) begleitet, und der Verein, der auf Einnahmen hoffte, konnte von diesem Ergebnis nur enttäuscht sein. Vielleicht hätte die Begegnung mit Leipzig an gleichem Ort stattgefunden (ganz wurde das nie veröffentlicht, aber der Kleinere scheint sich dem Größeren zu beugen) und hätte mehr Kosten als Nutzen bedeutet. Dann könnte man es als Ungeschicktheit werten, RB Leipzig so vor den Kopf zu stoßen.
Was ist wahr? Vielleicht beides. Wir werden in zwei Wochen sehen, was herauskam, und aus fragen, wer davon profitiert.
"Kickers Offenbach? Die spielen doch fünfte Liga. (Pause) Oh."
(Reaktion einer Kollegin, der Saphir von diesem Blog erzählte.)
Eime Woche vergeht schnell, wenn man beschäftigt ist, und so möchte ich letztes Wochenende noch nachtragen, ehe ich morgen zum Spiel gegen Karlsruhe kommen kann. Letztes Wochenende ließ ich die Zweifel Wirklichkeit werden und blieb nach acht Jahren der Treue erstmals meiner Stamm-Convention fern... und würde euch damit nicht behelligen, hätte ich nicht einen der so plötzlich frei gewordenen Tage den Kickers gewechselt und mir zum ersten Mal ein Spiel der U23 in der Hessenliga (gegen Eddersheim, keine Ahnung, wo das liegt) angesehen. Denkt euch dieses nun als Fußball in seiner ursprünglichen Form ohne Stadien und Fans, die sich selbst feiern, stellt euch eine große, recht neue Anlage mit mehreren Sportplätzen vor, die auch von anderen ortsansässigen Vereinen genutzt wird, und lasst auf zweiundzwanzig Spieler auf dem Rasen vielleicht etwa einhundert Zuschauer kommen, neben fußballlos Verzweifelten wie mir und solchen, die sich besonders für die Familie Kickers Offenbach interessieren, die Kumpels, Familie und Freundinnen der Spieler (und sie haben hübsche) und die es nicht stört, wenn einer im FSV-Trikot dazutritt; ja, damit sind wir näher beim TSV Heusenstamm als beim Bieberer Berg... und dafür müsst ihr Ersteren nicht kennen.
Ich möchte nun das Spiel mit den Worten abhandeln, dass die Kickers-Jungs eine starke erste Halbzeit und eine Führung herschenkten und am Ende mit einem 1:1 gegen einen Aufsteiger zufrieden sein mussten, und mich auf das Interessante daran konzentrieren: Zur gleichen Zeit fand das Freundschaftsspiel gegen Dresden statt. Die Mannen auf dem Feld ließen Rückschlüsse auf die erste zu... und aus jener standen ganze fünf auf dem Feld.
Da wäre Daniel Endres, der Torwart, und überraschte mit seinem Erscheinen, steht doch sonst die Nummer 3, der 19jährige Yannic Horn, in der U23 im Kasten. Ich ging davon aus, dass Trainer van Lent seinem Nachwuchskeeper etwas Einsatzzeit gegen die Zweitligamannschaft aus Dresden verpassen und ihm die Angst vor den großen Namen nehmen wollte, sich aber dann dagegen entschied. Er stand nämlich auch nicht in Sachsen auf dem Feld.
Die Nummer 17 des Kaders, Stefano Maier, kandidiert im Moment aussichtsreich um den Posten der ärmsten Sau im Kader. Ich hatte bei der Kaderzusammenstellung erwähnt, Offenbach besäße ein Luxusproblem in der Innenverteidigung, da Vizekapitän Markus Husterer gesetzt sei und von Stefan Kleineheismann und Marcel Stadel eigentlich einer zu schade für die Bank sei? Im Moment drehte der Wind und lässt meinen Trikotnamenspaten von der Startelf an durchspielen, während Kleineheismann trotzdem auf seine Einsätze kommt... doch bleibt da keine Luft für den Mann Nummer 4. Nun fand sich Stefano Maier in der zweiten Mannschaft wieder, wo er diese doch eigentlich verlassen haben und fest zum Kader der ersten gehören sollte. Sollte jedoch niemand sich verletzen oder einbrechen, bekommt er wohl keine Chance.
Bleiben noch drei, darunter die beiden Talente, die ihre Zukunft in Offenbach wohl hinter sich haben (Jannik Sommer und Daniel Henrich) und die auch im Spiel der Hessenliga nicht großartig herausragten. Der dritte, der "Lehrling" Marcel Mosch, gefiel mir jedoch sehr. Der andere Lehrling, Sascha Korb, blieb beiden Plätzen fern, ich kann nicht sagen, warum.
Dynamo Dresden - Kickers Offenbach: 0:1
Hätte man mich vor dem Spiel gefragt, was ich tippen würde, hätte ich geantwortet: "Testspiele gehen meist nach Erwartungswert aus, da der besondere Ehrgeiz fehlt. Dynamo gewinnt mit ein oder zwei Toren Vorsprung." Nun gewannen die Kickers glücklich durch einen Elfmeter und einer über die Zeit gebrachten Führung. Das nahm sicher auch dem Trainer die Möglichkeit, noch wechselnd zu testen: Er wollte seinen Jungs lieber den Sieg gönnen als etwa Yannic Horn einige Spielminuten
So naht nun Karlsruhe. Die Kickers präsentierten sich in den letzten Wichen von den Ergebnissen her stärker, als sie einzuschätzen waren: Glücklicher Elfmeter gegen Burghausen, Glückliche Tore in Saarbrücken, Elfmeter in Dresden und Elfmeter gegen Fürth. Gegen Karlsruhe wird nun ein neuer Zuschauerrekord erwartet... ich hoffe also, sie brechen unter dem Druck nicht ein. Mein Wunsch lautet: Ein solides 2:0, glanzlos, aber verdient.
Wir sehen uns morgen.
"Gegen Karlsruhe? Schon? Da dürft ihr aber nicht gewinnen."
(Zitat meines Mitbewohners, der aus dem Badischen stammt.)
Da kam Karlsruhe... und da kommt es zu einer kuriosen Situation: Im DFB-Pokal schlugen sie Hamburg... und nun müssen sie gegen Offenbach ran, während sich der HSV an der Eintracht versuchen darf. Nicht lustig? Aus meinem Blick schon.
Im Vorfeld des Spiels zwischen dem Zehnten gegen den Elfen ließ Offenbach eine Aktion namens "7.000, 14.000, Ausverkauft" laufen, die jedem, der drei (oder mehr) Karten orderte, die entsprechende Menge an Verzehrgutscheinen für Getränk und Bratwurst in Aussicht stellte (in einem Wert von etwas über 6 Euro... das sind Offenbacher Preise), und da auch Karlsruhe eine Rekordmenge an Zuschauern mitbrachte und den Block füllte wie nie zuvor, lässt sich festhalten: Es kamen etwas über 10.000 Zuschauer zusammen. In der augenblicklichen Situation ist das wohl das Höchste, was Offenbach erreichen kann.
Lasst mich nun schnell das Spiel abhandeln: Die erste Halbzeit war schwach. Offenbach lässt den Biss vermissen und puscht mit seinen Fehlpässen nur den Gegner, der wiederum daraus nichts Drückendes zustande bekommt. Tormann Robert Wulnukowski gehört glasklar zu den besten Spielern, nicht nur der ersten Hälfte, als er seinen Kasten sauber hielt, doch konnte man Karlsruhes Vorstöße auch nicht als wirklich drückend bezeichnen. So war es gut, als es rum war.
Da beginnt die zweite Hälfte auch schon und Offenbach tritt wie verwandelt aus der Kabine. Auf einmal pressen sie und erspielen sich Chancen. Zweimal wird den KSC die Latte retten, allerdings verursacht ein Freistoß von vielleicht dreißig Metern ein Gerangel, bei dem es zum Foul kommt. Der Schiedsrichter gibt Elfmeter, Kapitän Mehic verwandelt wie gegen Dresden: 1:0.
Vom Spiel her wäre nach der ersten Halbzeit ein Unentschieden verdient und einigermaßen glücklich zu nennen, nun hoffte ich auf die Erfüllung meines Tipps... und es sah gut aus. Vielleicht vier gute Chancen wurden gingen daneben. Da ging ganz plötzlich aus heiterem Himmel ein Angriff nach Hinten los, der Ball wanderte aus der gegnerischen Hälfte wie zufällig mit einem Mal verdammt nahe ans Tor, ein Offenbacher (laut Homepage Marc Stein, dessen bestes Spiel dieses sicher nicht war) ging hart rein, um diese so unverhofft gefährliche Situation zu entschärfen, und erreichte damit bloß einen Freistoß nahe des Sechzehners. Ein Karlsruher tritt an... und tritt rein. Ausgleich.
Damit brach der Kampfgeist der Offenbacher. Zwar hatte die letzte "Kickers-Viertelstunde" gerade erst begonnen, doch statt eines noch stärkeren Aufbäumen klappten sie zusammen. Auf einmal wechseln sich die Chancen wieder ab... und plötzlich zeigt der Schiedsrichter auf den anderen Punkt. Karlsruhe bekommt zwei Minuten vor Schluss seine Chance, Robert Wulnikowski entscheidet sich für eine Ecke, die falsche, doch der Ball geht vorbei. Es bleibt beim Unentschieden.
Die Homepage spricht von einem "sensationellen Duell", dem stimme ich nicht zu. Ich sah ein streckenweise lahmes Spiel, dessen Ergebnis die Ausgeglichenheit der Mannschaften widerspiegelt (Erste Halbzeit: Augenhöhe, dann pro KSC; Zweite Halbzeit: Pro OFC, dann Augenhöhe) und über das eher Karlsruhe glücklich sein sollte. Ich bin nur froh, keinen Zusammenbruch erlebt zu haben, sehe aber durch den Elfmeter das Kartenhaus weiter wachsen. Hoffentlich kommt es in der nächsten Woche gegen Erfurt zu einem echten Erfolg.
Ein Nachwort sollte der Mannschaft gelten. Da Trainer Arie van Lent recht konstant spielen lässt, glichen sich die letzten Aufstellungen sehr, während in den ersten Spielen durch die Suche nach der perfekten Elf eher noch Unruhe hereingekommen war. Einige Spieler fielen durchs Raster und bekamen nun erst wieder ihre Chance. Da wäre Maximilian Ahlschwede, der Außenverteidiger, der nun dem wohl noch von der Länderspielreise mit der U23 Polens ausgelaugten Daniel Dziwniel wieder seinen Platz abnahm und mir eigentlich ganz gut gefiel, da wäre Stefan Vogler, der so glücklose und bemühte Fürther Stürmer, der nun Thomas Rathgeber während seiner Gelbrotsperre vertrat und spielte, wie ich ihn charakterisierte: Bemüht, aber glücklos. Auch Marcel Avdic, der einzige nicht eingeschlagene Neuzugang (aus Unterhaching), bekam seine Chance... und nutzte sie so lala. Das Spiel wurde ja auf dem Feld nicht gewonnen und ging nicht verloren, an beidem hatte er ähnlich viel Anteil wie seine Mitspieler. Da wäre dann noch einer, den ich in den nächsten Post packe, und schließlich Steffen Haas mit einem weiteren Einsatz auf dem Bieberer Berg. Der zeigte in seinem weißen Trikot zumindest Gutwill, schoss kein Tor, trat niemanden kaputt und wurde dann ausgewechselt.
"He, Fabian! Warum hast du nicht das 2:1 geschossen?"
Offenbach bekam noch einen Neuzugang. Am Tag vor Fürth gekommen, verschwieg ich ihn euch bisher, da ich nichts über ihn zu sagen hatte und er noch nichts Auffälliges tat, in vier Spielen stand er seitdem immer im Kader und kam zweimal für jeweils zwanzig Minuten. Heute ersetzte er wieder nach etwa einer Stunde den glücklosen Vogler und erwies sich als besser, er bekam auch seine Vorstellung in diesem Stadionheft, ein Tor gegen Bad Vilbel und... ach.
Ich rede von Fabian Bäcker, der nun die Nummer 24 trägt, ein Gladbacher Talent von inzwischen 22 Jahren, erst hell aufleuchtend (mit einem Bundesligator im ersten Einsatz für Gladbach), dann durch Verletzungen und falsche Entscheidungen im Dunkel versinkend, in Aachen nichts bewirken könnend, zu Gladbach in die zweite Mannschaft zurückgekehrt und dort für gute Regionalligaleistungen sorgend. Mit seiner Verpflichtung trugen die Kickers der Langzeitverletzung von Kai Hesse Rechnung, der wohl den Rest diesen Jahres noch ausfallen wird, wie auch der Tatsache, dass drei Stürmer für zwei Plätze extrem eng werden könnten. Versagt davon nämlich einer, wie etwa Stefan Vogler bisher, lässt sich nämlich gar nicht mehr wechseln.
Heute bemühte er sich redlich und wandte sich den Fanblocks zu, signierte einzelne Trikots, gab sein eigenes nicht her, klatschte dargebotene Hände ab (unter anderem meine) und hörte diesen im Titel stehenden, humorvoll vorgetragenen Rat. Ich wünsche ihm jedenfalls das Beste und denke, dass er seine Chance erhalten wird. So stark ist Offenbachs Sturm ja nicht besetzt.
Lasst mich an dieser Stelle das Wort an ihn selbst übergeben und auf das gute Offenbacher Fanradio verweisen, welches inzwischen über das Ziel hinausgeht, nur von Auswärtsspielen den Daheimgebliebenen zu berichten, sondern auch Events besucht und Interviews führt, unter anderem mit neuen Spielern.
http://www.youtube.com/watch?v=fTe3i...layer_embedded
Das Interview stammt noch von vor dem DFB-Pokalspiel in Fürth; sein Wechsel kam damals kurz vor Ende des Transferfensters so überraschend, dass er dann schon im Kader stand, aber im Stadionheft nicht erwähnt wurde.
"Wir haben... einen neuen... Präsidenten!"
(Raumschiff Highlander wird niemand von euch kennen. Das ist schade, aber nicht tragisch.)
Gestern Abend wurde es entschieden: Dr. Frank Ruhl gewann die Wahl zum Präsidenten von Kickers Offenbach (dem Verein, nicht der Profi-GmbH) gegen Remo Kutz mit etwas mehr als drei Vierteln der knapp über 600 Stimmen. Damit siegt die Reformpartei über die Konservativen (Ich hatte Kutz dahingehen falsch eingeordnet. Immerhin bekannte er sich zu Geschäftsführer Jörg Hambückers.). Ich muss fast sagen, dass ich darauf hoffte, war der Schaden durch Thomas Kalts Rücktritt doch schon angerichtet. Ich hoffe allerdings nicht, dass nun im Verein zu viele Köpfe rollen. Beim Stadion wurde meiner Ansicht nach nämlich keine schlechte Arbeit geleistet.
Was steht nun an? Kickers Offenbach sitzt auf einem Schuldenberg (etwa vier Millionen Euro), verfügt in nahezu allen Bereichen über eine ausgezeichnete und moderne Infrastruktur, was aber auch das Problem offenbart, dass das Stadion für die jetzigen Verhältnisse überdimensioniert ausfällt (über 20.000 Menschen passen hinein, gegen Karlsruhe kamen gerade einmal halb so viele). Die Jahre im sportlichen Niemalsland sollten hier geschadet haben und dass andere Vereine aus der Region groß wurden, sollte da sicher auch nicht helfen. Man muss also hoch und man sollte sich am Besten in einen Gute-Laune-Club verwandeln, der das Fansein einfach macht. Ersteres wird sicher irgendwann gelingen, wenn auch wohl nicht diese Saison (ich glaube nicht daran, es würde ja auch erst gehen, wenn die Vereine oben schwächeln). Ein Patent für den Aufstieg gibt es jedoch nicht.
... Zum Glück wusste Dr. Frank Ruhl schon im Voraus, worauf er sich einließ. Ich wünsche ihm viel Erfolg... ganz zwangsläufig.
Verliere ich mich gerade in Allgemeinplätzen? Ich möchte mich nun nicht durch alte Pressekonferenzen und Interviews wühlen, um einen Politiker nach seinen Wahlversprechen zu charakterisieren. Das hätte wohl wenig Sinn. Stattdessen kündige ich an, morgen mich krank im Bett liegend mit der Fanradio-Übertragung des Kickers-Spiels beschallen zu lassen... und das ist wohl auch nicht die beste Idee.
Bis morgen Abend...
...Und nun auf, ihr Franken! Legt drei ins Weckla!
Kalter Kaffee in der Geschäftsstelle
Viel passierte in den letzten Tagen, und ich berichtete nicht... weil es dann doch nicht sooo spannend ist.
Zunächst fand sich mit David Fischer ein neuer Profi-AG-Geschäftsführer, der Jörg Hambückers zum Monatsende endgültig beerben wird. Jener Herr Fischer ist 28 Jahre alt und arbeitete beim Kickers-Vermarkter Sportman Media Group, kennt somit den OFC aus der anderen Perspektive. Natürlich weist ihn all das schon als klaren Nicht-Konkurrenten um die Macht beim OFC aus, was Dr. Frank Ruhl sicherlich keineswegs stört; ach, es ist doch das gleiche Spiel wie damals bei den Frankenkönigen: Kaum greift der Hausmeier nach der Königskrone, gibt es das Amt des Hausmeiers nicht mehr.
Letzten Freitag spielte der OFC außerdem beim Zweiliga-Team in Sandhausen (das liegt bei Heidelberg, also nicht allzu weit entfernt). Das Spiel endete 3:1, also nach Erwartungswert: Sandhausen dominierte, Offenbach gab sich keine Mühe, das zu unterbinden, ließ Bankspieler Spielfeldluft schnuppern und erreichte immerhin in den Schlussminuten noch einen Ehrentreffer.
Am Samstag nun wartet noch Münster. Das Spiel würde im Livestream übertragen werden, doch ich werde wohl erst am Ende das Ergebnis erfahren.
Die Schlacht von Lobositz
Nun startete also in Bieber die Ostdeutsche Woche: Heute Chemnitz, Mittwoch Ost-Berlin, Freitag Rostock. Während sicher der eine oder andere Spieler in Gedanken beim DFB-Pokal verweilte und der Verein die Chance nutzte, ein doppeltes Stadionheft zu doppeltem Preis zu verkaufen, möchte ich noch einen Blick zurückwerfen, denn schon zu Beginn des Threads merkte ich an: Das Heimspiel letzte Runde gegen Chemnitz stellte den Tiefpunkt meiner Erfahrungen dar - Gegenstandswürfe aus Publikumsreihen führten zu einer Unterbrechung und einem drohenden Spielabbruch, Fans schreien nach Randale und die Kickers verlieren nach mauer Leistung gegen den Aufsteiger mit Lauf mit 0:1 aus einem Eigentor. Nichts, aber auch nichts war schön.
Das war damals, doch heut' ist heut': Es schneit und ist biestig kalt; mich friert, doch aus patriotischen Gründen werde ich bestimmt nicht gegen die "Blauen Füchse" auf meine blaue Jacke wechseln (auch das hatte ich schon im letzten Jahr). Den Spielern geht es ähnlich, so dass ich in der ersten Halbzeit auf kein Ereignisprotokoll setzen möchte: Sie ist zum Abgewöhnen. Dabei ist es nicht so, dass viel gefoult oder gepatzt oder gesonstigt wurde, nein, der Platz ist nur glatt und die Spieler lassen jede Laufbereitschaft vermissen. Gefährlich wurde Offenbach auch nicht, da jede Flanke entweder im Gelände landet oder an einer Stelle, an der sie gefährlich werden könnte, wenn dort ein Stürmer stände... ja.
Von Chemnitz kommt übrigens nichts. Im Stadion zittert man vor Kälte, nicht vor dem Gegner.
Direkt nach Wiederanpfiff verletzt sich aber Andre Hahn dämlich nach einem selbst auf 10 Meter Entfernung harmlos aussehenden Zweikampf und wird mit der Trage vom Spielfeld gebracht. Ich hoffe das Beste, das bräucht's nämlich nicht. Dann folgt nach einer Stunde der nächste Wechsel und er bringt Sonne: Stefan Vogler, der laufaktive Stürmer ohne Torinstikt (also quasi der Gomez Offenbachs), ersetzt den schwachen Thomas Rathgeber; der Block neben mir murrt, aber ich muss sagen, ich hätte das Gleiche getan - in der Situation braucht es einfach einen laufbereiten, motivierten Spieler. Vogler sollte mich auch nicht enttäuschen und wäre mein Mann des Spiels, wenn ich einen solchen hätte. Denn auf einmal wacht Offenbach auf...
Die letzte halbe Stunde findet das Spiel nur noch auf ein Tor statt: Offenbach erspielt sich seine Chancen... und doch fehlt Glück oder Können. Ich kann gar nicht sagen, wer da alles scheitert, das scheint die halbe Mannschaft zu sein. Dabei bleibt es dann auch: 0:0.
Hatte ich nicht mal gesagt, ich erlebte noch kein einziges torloses Spiel auf dem Berg? Das wäre nun auch erledigt.
Ich bin zufrieden, denn anders als vor einem Jahr wartete diesmal keine Blamage auf mich. Nun geht es am Mittwoch im DFB-Pokal gegen Union Berlin, doch morgen erst einmal zum Brunchen. Ich werde euch davon berichten.
... und da ging es Brunchen
Daher komme ich - oder besser: Ich bin erst auf dem halben Weg zurück und sitze noch miitten in Frankfurt in einem Netzcafe.
Dahinter steckte die Idee des Vereins, man könnte ja (einmal im Monat) den VIP-Bereich nutzen, um Fans und Verantwortliche zusammen frühstücken zu lassen und so für mehr Bindung zu sorgen... und außerdem etwas Geld einnehmen, leidet der Verein doch an einem Mangel an flüssigen Mitteln. So griff ich einmal mehr zu meinem Anzug (ich legte mir eine Kickers-Anzugnadel zu und habe nur bei solchen Gelegenheiten Möglichkeit, sie zu tragen), zog eine lange Unterhose drunter (weil kalt), druckte mir diesmal nicht die Buchung aus (wie bei der exklusiven Kickers Hautnah-Führung bekam ich keine Bestellbestätigung) und begab mich auf den Weg... und war nicht einmal overdressed.
Ehe ich zum Ergebnis (für mich, aber das ist ja auch ein persönlicher Blog) komme, möchte ich noch anmerken: Ich bin ein Einzelgänger. Ich gehe alleine ins Stadion, habe keine Kumpels, mit denen ich über Fußball diskutiere, und komme auch mit der Fan-Subkultur nicht so spielend zurecht wie mit manch anderer. Mit anderen Worten, ich brauche Bespaßung und Programm, sonst wirke ich gerne einmal wie bestellt und nicht abgeholt. Das war sicher auch heute der Fall, doch muss ich ehrlich sagen, dass mir mein Sitznachbar sympathischer war, als sich die Kommunikation noch auf "Könnten Sie mir den Kaffee reichen?" beschränkte. Sie wandelte sich allerdings dann von "Und wer ist denn der Spieler?" (als Dauerkarteninhaber konnte ich nahezu alle erkennen) zu Pöbeleien zum Gesprächserhält ("Sie sehen aber auch aus, als würden Sie durchgehend Hamburger fressen, höhö."). Bedenkt man, dass ich ihm vorher noch erzählte, Vegetarier zu sein... ach. Meine Lustigkeit hält sich bei solchen Gründen, die Menschheit und Rentner im Besonderen noch weniger zu mögen, doch stark in Grenzen.
Was gab es also? Essen, Aussicht (auf Stadion und Straße), Blick auf die Spieler beim Trainieren und Warten darauf, dass sie erscheinen. Das taten sie auch schließlich und (es sollte mich verblüffen) sie kamen so ziemlich alle. (Ungewöhnlich deshalb, da der Trainer die Mannschaft ziemlich abschirmt. Aber schlechte Stimmung war wohl auch nicht zu erwarten.) Man konnte ihnen beim Essen zusehen, sich mit ihnen fotografieren lassen oder sonstwas mit ihnen anstellen, ich indes nutzte lediglich die Gelegenheit, meinen Trikotpaten sich auf meinem Trikot verewigen zu lassen. Das hatte ich mir auch fest vorgenommen.
Es blieb also alles im allem beim Profanen... und kalt draußen. Mittwoch geht es im Pokal gegen Berlin. Dann bleibt zu hoffen, dass die Jungs heute dafür Wärme und Kraft tankten.
ps: Ich erfüllte mir sogar einen Badboy-Traum. Ich nahm eine Wasserflasche mit ins Stadion und trank sogar mitten im Büffet darauf. Echt, ich bin so krass. Al Capone wäre sicher stolz auf mich.
"Es kotzt mich an das die Wessis in meinem Stadion jubeln...."
Ein Union-Spieler sorgte Anfang der Saison mit diesem Ausspruch für Schlagzeilen. Ich muss sagen, ich bin da weniger spezifisch - ich empfinde es sogar als unangenehm, wenn Angehörige anderer deutscher Vereine in meinem Stadion jubeln... und eigentlich nicht einmal nur deutscher... gut, meinetwegen, natürlich würde ich nichts dagegen sagen, von einer jüdisch-israelischen Mannschaft aus der Champions League geworfen zu werden, aber welcher Offenbacher würde das auch tun? Nirgendwo in Deutschland ist der Name "Sachsenhausen" so negativ präsent wie hier.
Gut, genug gealbert, lassen wir das Spiel seinen Schatten werfen und mich zugeben, dass ich nicht daran glaubte. Es gab Vorzeichen, die mir nicht gefielen, so ging meine OFC-Tasse an dem Tag zu Bruch und verschwand trotz der Botschaft "Rot und Weiß, ein Leben lang" in einem Frankfurter Mülleimer, so sah ich mir die ersten Spiele in einer Kneipe an und musste das Joch der Verkaterung tragen, so trug ich auch das frisch signierte Trikot eines Spielers, der trotz seiner Teilnahme am (vom mir ja schon zitierten) Werbespot seinen Stammplatz in den letzten Wochen wieder an den eigentlich ersten Mann verlor, und dafür gewisse Kleidungsstücke nicht, die sonst zu Spielen zu meiner Montur gehören und nun seit dem doppelbelasteten Wochenende noch in der Wäsche lagen (zum Glück besitze ich aber drei Paar offizieller Kickers-Socken). Es gab ein Lied von Janus von einer meiner Autofahr-CDs, dass mir an diesem Tag durch den Kopf ging und das ich vor mich hin sang. Ich zitiere mal einen Ausschnitt, es heißt "Du siehst aus wie immer" und handelt davon, einen Freund im Krankenhaus sterben zu sehen.
Deine Frau kommt nur noch, um zu weinen.
Mit Worten, die dir fremd erscheinen,
spricht sie stockend von den Kleinen
mit ihren Kinderfragen.
Sie weiß darauf nichts mehr zu sagen.
Ein weißer Kittel kommt hereingeschwebt.
Er sagt fast ein Drittel hätte das hier überlebt.
Deine Frau zupft an den Rosen,
die Anspannung wird schlimmer,
sie hört schweigend die Prognosen.
Du drehst dich um, lächelst stumm.
Du siehst aus wie immer...
Ein Drittel überlebt, ja so sehe ich Offenbachs Chancen. Entweder können sie sich gerade so durchrumpeln, sie verlieren es unglücklich oder sie gehen unter. Das kann wohl alles passieren.
Ich entscheide mich also dazu, meinem Trikot-Paten die Ehre zu erweisen, indem ich die Frisur imitiere, die er bei der Autogrammstunde im Mobilfunkladen trug (die Haare in Strähnen nach vorne gegelt), nehme in Kauf, dass ich mit dem dünnen Trikot und meiner dünnen weißen Jacke frieren werde, und treffe meinen Mitbewohner, der mich (zum ersten Mal) ins Stadion begleitet, ein Teil meines Geburtstagsgeschenk an ihn. Es wird ihm gefallen... aber ich gleite ab.
Meine Sorge verfliegt am vertrauten Ort, dem Stadion, ohne Zuversicht - sondern Schicksalsergebenheit - Platz zu machen. Tatsächlich kommen die Kickers gut in die Partie und beherrschen den ersten Teil der ersten Hälfte, leiden jedoch an Nervosität vor dem Tor - sie wissen, dass ihnen wohl nicht viele Chancen bleiben werden, wollen sie deshalb besonders nutzen... und verbaseln sie dadurch zu schnell. Dann verlieren sie langsam die Kontrolle, als Berlin erwacht, und ich bin mit dem 0:0 zur Pause noch sehr zufrieden. Es könnte schlimmer kommen; ich hoffe darauf, dass der Trainer die richtigen Worte findet und wie am Wochenende gegen Chemnitz die zweite Halbzeit der Heimmannschaft gehört.
Es kommt anders. Nun dominiert Berlin und mein Mitbewohner klagt, er würde ja gar nichts vom Spiel sehen (wir standen immer nahe dem ungenutzten Tor); Tormann Wulnikowski beweist sein Können. Dann geschieht etwas, was der OFC schon im Spiel gegen Bielefeld erlebte, nur mit umgekehrten Vorzeichen: In einer Phase, in der sich das Spiel vor allen in Offenbachs Hälfte abspielt, gelingt ein Konter, Feldhahn schießt eine gute Flanke, Fetsch steht richtig und kann auch was... 1:0. Das war für Braunschweig.
Nun muss Berlin kommen, was Offenbach Konterchancen eröffnet... nur leider spielen sie gegen keinen Drittligisten, dem sie mal eben enteilen können. Das 2:0 entsteht aus einem Freistoß: Reinhard schießt, Vogler köpft und belohnt sich. Der schon in Chemnitz gute Stürmer, auf dessen Einwechslung ich hoffte, weil schnell und motiviert, schießt sein erstes Saisontor. Gut so.
Das war's dann. Es bleibt die Heimfahrt in einer Bahn mit friedlichen Berliner Fans, während sich beim Tor noch Randale anbahnte und die Grenze zwischen den beiden rot-weißen Blocks von Polizisten geschützt werden musste (aber scheinbar befanden sich unter den Berlinern auch eine Menge Eintracht-Fans). Ich legte mir auch noch eine neue Tasse zu, eine OFC-Weihnachtstasse. Wenn sie in Runde 3 Glück bringt, soll es das wert gewesen sein.
Was bleibt mir als Fazit zu sagen? Offenbach spielte eine (für sie) solide Leistung - der Sieg geht in Ordnung, auch wenn er nicht dominierend-glanzvoll errungen wurde. Es blieb aber auch bemerkbar, dass die Mannschaft gegen einen soliden Erstligisten kein Land sehen würde, das nach dem doch drastischen Zweitligistensterben in dieser zweiten Runde die Zahl der machbaren Gegner recht gering ausfallen lässt. Bochum wäre wohl das glücklichste Los, Köln auch machbar (auch wenn das Freundschaftsspiel letztes Jahr verloren ging), Augsburg...? Danach hört es dann auf.
Egal, wer es wird: Hoffentlich wirft er den OFC nicht an meinem Geburtstag aus dem Pokal, wie vor zwei Jahren Nürnberg. Dann könne ich mich wirklich erbrechen.
Schlammschlacht im Sägewerk
Ich wäre letztes Wochenende gerne in Berlin gewesen. Da fand die AniMaCo statt, es wäre meine erste (und einzige) Anime-Con dieses Jahres geworden, und eigentlich hätte ich auch nichts gegen ein spaßiges Wochenende fern von der Heimat... aber... Pecunia, die Schlampe. Mal eben 200 Euro für Übernachtung und Zug wollte ich nicht ausgeben, nicht bei meinen ganzen noch offenen Fragen und geleisteten Schnitzern in diesem Jahr. Da wurde es eben Darmstadt, 20 Euro tun's ja auch.
Über den Wert einer solchen Entscheidung lässt sich freilich streiten. Zu oft habe ich schon erleben müssen, wie sehr Ausweichprogramm enttäuschte.
Setzen wir uns also in den Zug. Ich freue mich darüber, dass auch bei den Darmstädtern ein RMV-Ticket miteinbegriffen ist, wandere im Nieselregen durch das waldige Gelände, erfreue mich dabei meiner blauen Jacke, die für Ruhe sorgt, und kann noch ein bisschen ausholen: Zwischen den Fans der Lilien und des OFCs herrscht erbitterte Feindschaft, und wo sie bei den (m)einen direkt hinter SGE und DFB auf Hassplatz Nummer 3 rangieren, bleibt den anderen kein weiteres Feindbild. Entsprechend fielen auch die Gesänge der Fans aus, auf einen Teil Unterstützung der eigenen Mannschaft folgen zwei Teile a la "Pflastersteine auf die Kickers-Schweine!". Ach ja...
Von der Tabellensituation her herrscht ein deutlicher Unterschied, denn wo der OFC mit 13 ungeschlagenen Pflichtspielen in Folge die Aufstiegsaspiranten jagt, schwimmen die Blauen im Abstiegssog, und wo zuletzt die Kickers im Pokal vorankamen, ließen die Lilien sogar bei Dortmunds zweiter Mannschaft Punkte. Die Sache läge also klar, doch... a) der angesprochene Pokal. Die Kickers erduldeten eine englische Woche, die Darmstädter logischerweise (und auch dank der Kickers) nicht und b) Spiele gegen Darmstadt fielen in der letzten Saison schwer. Sie sind keine Selbstläufer.
Mit dem Anpfiff wirkt es gleich, als seien meine Befürchtungen übertrieben gewesen, die Kickers schnüren den Gegner gut ein, doch keine zehn Minuten später dreht der Wind. Offenbach geht unter, während Darmstadt dominiert und in der folgenden halben Stunde bestimmt zehn Torschüsse (eher mehr als weniger) abgibt, doch darin auch zeigt, warum sie unten drinstehen: Keiner davon wurde wirklich gefährlich (gegen eine Spitzenmannschaft selbst der dritten Liga lägen die Kickers nach 40 Minuten sicher schon 0:3 hinten). Einen Grund darin erkenne ich im Herbstwetter: Wo der Platz durch den Regen rutschig wurde, fällt Schnelligkeit nicht ins Gewicht, und wo Winde den Ball mit sich zerren, werden Flanken ungenauer... und eine Mannschaft, die auf beides setzt, nähert sich eben einer Mannschaft an, die das ohnehin schon nicht kann. Kaum nähert sich die erste Halbzeit jedoch dem Ende, sehen die Kickers etwas Licht - das Wetter bessert sich, der Rasen lässt Trocknung erwarten und ich denke mir: "Jetzt legt den Darmstädtern noch ein Ei ins Netz, dann kommt gestählt aus der Halbzeit, genießt den besseren Platz und zeigt ihnen mal, was ihr könnt"... da fangen sie das 1:0. Fragt mich nicht mehr, wie es dazu kam, ein Konter, glaube ich... auf jeden Fall ein blödes Ding. Das hätte es nicht gebraucht.
Während in der zweiten Halbzeit nun die Kickers trotz wieder schlechteren Wetters erwachen, ziehen (leider) deren Fans Aufmerksamkeit auf sich: Pyros bringen "Nebelschwaden in Rot und Weiß", Leuchtfackeln fliegen aus dem Block in Richtung der Ordner, die Polizei rückt auf und ein Spielabbruch wird angedroht. Ich bin froh, mich im Sitzblock aufzuhalten (stehe aber, die regennassen und schmutzigen Sitze sind einfach nur eklig), distanziere mich so weit wie möglich und denke an Berlin. Da drehen nun die Kickers auf.
Zwanzig, vielleicht dreißig Minuten der zweiten Halbzeit gehören völlig den Gästen. Der Trainer stellte durch Wechsel auf ein 4:4:2 (mit drei Stürmern) um, die beiden Ergänzungsstürmer Vogler und Bäcker spielten eine gute Partie und mehrfach schien der Ausgleich in der Luft zu liegen (die Homepage meinte, dass der Darmstädter Torwart eine gute Partie spielte, ich sehe das mal als Erklärung). Der Schiri zeigte sogar Kulanz durch eine recht lange Nachspielzeit, allein, es sollte nicht gelingen. Die Serie riss unglücklich im 14. Pflichtspiel, im Aufstiegsrennen erklingt nun Offenbachs Stimme ein wenig leiser.
Auf dem Heimweg, einer knapp einstündigen, von Heerscharen "der Turtles" eingedrängten Wanderung der Kickers-Anhänger vom Berg herab zum Bahnhof Darmstadt-Süd, blieb genug Zeit zum Überlegen. Warum stellte der Trainer nicht nach der englischen (Pokal-)Woche die Mannschaft nicht in mehr als einer (zwangsweisen, Stadel statt Husterer) Position um? Hätte man dieses Spiel vielleicht dadurch gewinnen können, indem man es mit einer B-Elf quasi schon verloren gäbe? Das wäre ja eine Möglichkeit gewesen... und wann käme sie wieder, wenn man sie jetzt nicht nutzte? Allerdings hätte man das Spiel ja auch so gewinnen können, unmöglich war das (bzw. schon der Ausgleich) ja nicht.
Gut. Morgen geht es zu Hause gegen Rostock, eine Mannschaft in etwa gleicher Lage. Mal sehen, was dann geschieht.
Als hätt' ich's gesagt...
Nun kam am Freitag Hansa Rostock zu Gast auf den Berg - und diesmal möchte ich die Ehemaligen voransetzen, nicht dass ich es vergesse. Bei Hansa Rostock spielt nämlich der Ex-Offenbacher Denis Berger.
Wenn ich vorweg nehme, dass seine Rückkehr mit "Arschloch"-Sprechchören eingeleitet und mit konstanten Pfiffen begleitet wurde, erkennt ihr die Besonderheit der Personalie: Denis Berger kam vorletzte Saison von Jahn Regensburg an den Berg und wurde ein wichtiger Bestandteil der Überflieger-"Quasi Zweitliga"-Mannschaft, die in der Hinrunde die Liga dominierte und die Serie aufstellte, bis zur Winterpause zu Hause ungeschlagen zu sein. In der Rückrunde drehte allerdings der Wind und Denis Berger fiel (wie bei seinen vorherigen Stationen) nur noch durch eine Null-Bock-Einstellung und zweifelhafte Aussagen auf (ich kann den Co-Trainer Manfred Binz (wohl sinngemäß, da lange her) zitieren: "Gott sei Dank, dachte ich, ist Denis Berger weg. Nicht, dass wir ihn nicht zum Lächeln bekommen hätten, aber bis dahin hätte er uns den ganzen Kader runtergezogen."). Er wechselte nach der Saison nach Bochum, die er ja vorher mit aus dem Pokal schoss, und brachte dem Verein damit noch etwas Geld ein, doch hier wechselte sich der Wind: Fiel Denis Berger damals durch Talent, aber einen schwierigen Charakter auf, kam es in Bochum genau andersherum: Er ließ sich nichts zu Schulden kommen, versagte aber auf dem Platz auf ganzer Linie. Ihr könnt euch einmal den Spielerthread auf transfermarkt.de durchlesen, selten waren Fans so froh, einen Spieler los zu sein.
Nun endete Denis Berger genau an der Stelle, an der er sich vor zwei Jahren befand. Er wurde von seinem damaligen Trainer Wolfgang Wolf (der inzwischen ausgetauscht wurde) nach Rostock geholt und spielt wieder bei einer Spitzenmannschaft der dritten Liga. Mal sehen, wie es ihm da ergeht.
Lassen wir Denis Berger nun erst einmal auf der Bank sitzen und kommen zum Spiel. Zu Darmstadt schrieb ich: "Ich hätte mich über eine veränderte Stammelf gefreut; wann könnte man sie bringen, wenn nicht jetzt?", nun geschah exakt das: Der für extreme Konstanz berücksichtigte Trainer Arie van Lent veränderte einige Positionen gegenüber der Stammelf, teils freiwillig, teils gezwungen: Stadel ersetzt Kleineheismann (ausgefallen wegen Nierenbeschwerden), Dzwiniel spielt für Stein (fünfte Gelbe Karte, bisher die volle Zeit gespielt), Bäcker für Hahn (verletzt seit Chemnitz) bzw. dessen schwachen Ersatz Bender und Vogler für Rathgeber (zuletzt schwächelnd). Kuriose Folge davon war, dass der spät nach Offenbach gewechselte Bäcker noch über kein Mannschaftsaufstellungs-Bild verfügt und damit für einen Systemfehler sorgte.
Zu meinem Mitbewohner, der mir wieder folgte, sagte ich: "Das ist eine ungewöhnliche Aufstellung, aber keine schlechte", und ich behielt Recht. In der ersten Halbzeit riss Offenbach das Spiel an sich und gefiel richtig gut: Pässe kamen an, Zweikämpfe wurden gesucht und auch gewonnen und auch die Laufbereitschaft stimmte. Alles, was störte, war eine schlechte Abschlussfähigkeit. Kurz vor der Pause fiel allerdings das ersehnte Tor; der sonst so glücklose Stürmer Stefan Vogler scheint seinen Ruf zu überwinden und trifft zum 1:0. Es bedeutete aber auch ein Abflauen der Anspannung auf dem Platz, die bis dahin herrschte: Die Offenbacher spürten, dass etwas ging, während die Rostocker um ihre Serie fürchteten und auch gerne mal zu Grobheiten griffen (sie sammelten dafür auch Karten, vier oder fünf, die Offenbacher bekamen keine). Es waren diesmal weniger die Fans als die Mannschaften mit dem Strom.
In der zweiten Halbzeit erhöht Stefan Vogler sogar (kurz nach Beginn) auf 2:0, doch soll damit der Zenit überschnitten sein: Offenbachs Spielweise, die so begeisterte, kostete Kraft und die Einwechslungen, die noch möglich waren, saßen eben aus gutem Grund auf der Bank. Auf der anderen Seite brachten Rostocks Ersatzmänner (darunter Berger, aber nicht nur) frischen Wind und sorgten dafür, dass das Spiel kippte; regiert eine Stunde lang der OFC, zogen sich diese (auch mit den Auswechslungen, aus drei gelernten Stürmern auf dem Platz wurde am Ende einer) zurück und rührten Granit an. Da fiel das 2:1, nachdem auf der Seite ein Rostocker drei Offenbacher schlecht aussehen ließ und der Stürmer nur noch reinmachen musste. Für einen Moment konnte man auf Abseits hoffen, doch dann musste man zum Befürchten wechseln: Offenbach konnte noch Punkte lassen.
Das geschah nicht... auch weil Zeit vor dem Rostocker Tor rumgebracht wurde (ohne aber für echte Gefahr zu sorgen, Offenbachs Kräfte waren dazu verbraucht). Es blieb beim 2:1 und bei einer Verbesserung der Tabellensituation um zwei Plätze. Ich muss nicht mehr sagen, es war schön.
Nächstes Wochenende geht es nach Wiesbaden (auch mit meiner Beteiligung) zum zweiten Derby, dann folgt noch Heidenheim. Das könnte alles leichter und weniger anstrengend sein.