"Herr van Lent, was mögen Sie lieber..."
"Herr van Lent, was mögen Sie lieber, Derbysiege oder Weihnachten?"
Das ist ein alter Witz, den ihr sicher kennt. Müsste ich ihn zuende erzählen und unserem Trainer Worte in den Mund legen, würden sie lauten: "Weihnachten. Das ist häufiger." Nun ja...
Es ging am letzten Wochenende gegen Wiesbaden, das Wolfsburg der Dritten Liga: Ein Verein mit einem ambitionierten Sponsor im Rücken (den Wasserfilterhersteller Brita), einem den Mitteln nicht entsprechenden (das heißt: ausbleibenden) sportlichen Erfolg und keiner Fußballtradition, was sich in der Anhängerschaft wiederspiegelt: Gerade einmal 5.500 Fans besuchten das Spiel, wohl die Häfte aus Offenbach, und wo das Derby in Darmstadt einer Schlammschlacht glich, passierte hier vor halbleeren Rängen zwischen den Fangruppen so gar nichts. Man könnte also statt von Schlamm von gut gefiltertem Wasser sprechen.
Das Ergebnis wird bekannt sein: Offenbach verliert 2:1.
Eine Charakterisierung des Spiels würde wohl lauten: Offenbach tritt auf wie eine Heimmannschaft, bekommt definitiv mehr Ballbesitz, kann auch mit mehr Eckbällen punkten... und verliert doch verdient. Die Anspannung der Mannschaft, die gegen Rostock noch zu stark zu spüren war, fehlte ganz, in der Abwehr schwamm man, wenn's drauf ankam, Gefahr kam nicht zustande und ein überragender Spieler, der es im Alleingang hätte drehen können, fehlte - das wäre wohl Julius Reinhardt gewesen, doch wie so viele Kickers-Spieler erwischte er keinen guten Tag.
In der ersten Halbzeit fielen die Gegentore aus dem Nichts, in der zweiten Halbzeit passierte eine interessante Systemumstellung: Rathgeber kam für Mehic und verwandelte Offenbach in eine 4:4:2-Mannschaft mit vier ausgebildeten Stürmern. Das hatte Ende der letzten Saison sich schon bewährt, diesmal erreicht es noch einen Anschlusstreffer aus einem Elfmeter heraus und ein Eckballtor, das jedoch zuvor schon abgepfiffen wurde. Mist war's.
Offenbach rutscht so auf den neunten Rang zurück und würde nach einem Sieg gegen Heidenheim (am Samstag) wohl wieder da stehen, von wo man die Saison begann. Dann schreibe ich auch ein erstes Resümee.
Man möcht' fast nichts sagen
Folgender Artikel steht seit heute auf der offiziellen Seite. Man möcht' sich ja fast schämen.
Zitat:
Stellungnahme zu den Vorkommnissen bei der Veranstaltung „Kickers- Connect“ am gestrigen Abend
Freitag, den 23. November 2012
Die Geschäftsführung der OFC Kickers 1901 GmbH und das Präsidium des OFC Kickers 1901 e.V. möchten sich bei allen Partnern und Sponsoren für die Vorkommnisse bei der Kickers-Connect Veranstaltung am gestrigen Abend ausdrücklich entschuldigen. Die Geschäftsführung der OFC Kickers 1901 GmbH und das Präsidium des OFC Kickers 1901 e.V. haben sich zu folgenden Maßnahmen entschieden:
Aufgrund wiederholt vereinsschädigen Verhaltens wurde gegen Remo Kutz ein Stadionverbot für die Heimspiele der Offenbacher Kickers ausgesprochen. Es ist ab sofort gültig und tritt bereits zum morgigen Heimspiel gegen Heidenheim in Kraft.
Die Offenbacher Kickers verurteilen jegliche Form der Gewaltanwendung, insbesondere in den eigenen Räumlichkeiten, auch wenn diese, wie gestern, aus dem Affekt passieren. Aufgrund dessen wird Donato Cisternino nach seiner Auseinandersetzung mit Remo Kutz streng verwarnt.
Link
Ihr erinnert euch: Remo Kutz wäre gerne Präsident geworden, scheiterte jedoch ziemlich deutlich. Nun begibt es sich jedoch, dass die Kickers bei seiner Firma ziemlich deutlich in der Kreide stehen. Ich erinnere mich daran, dass er sich unbeliebt machte (ich weiß jedoch nicht mehr, wo ich das hörte), indem er nach seiner Wahlniederlage ziemlich laut nach seinem Geld verlangte, obwohl er doch zusagte, die Kickers trotzdem weiter zu unterstützen... die übliche Rhetorik eben. Nun scheint alles eskaliert zu sein.
Ich lasse das einfach mal so stehen. Ich weiß zum Einen zu wenig über die Vorgänge und möchte zum Anderen auch gar nicht mehr wissen.
Das Hirn des Weihnachtsmannes
Hatte ich erwähnt, dass ich mir einen Kickers Offenbach-Adventskalender zulegte, ihn neben mein Mannschaftsposter hängte und nun zusehe, dass er Tag für Tag leichter wird, getreu dem Motto: Kalorien statt Punkte? Er zeigt ein recht schönes Bild eines Weihnachtsmannes, der nachts durch einen verschneiten Wald schlendert, vom Stadion im Hintergrund fort und eine Spur an Geschenken hinter sich lassend? Am ersten Tag ließ sich eine Trillerpfeife aus dem Schnee ziehen, um zweiten ein Volleyball aus dem Hirn des Weihnachtsmannes, gestern erschienen Torwarthandschuhe hinter den Sternen und heute gab es eine 1:0-Tafel aus dem Stadion. Dumm nur, dass das nächste Spiel ein Auswärtsspiel ist.
Momentan läuft alles nicht ganz rund und glücklich beim OFC, vier Niederlagen aus fünf Spielen sprechen eine deutliche Sprache. Über die letzte sprach ich noch nicht.
OFC - Halle: 0:1
Das zweite Heimspiel der Saison verpasste ich, da ich arbeiten musste. Ich bot meine Dauerkarte darum meinem Mitbewohner an, der aber auch kurzfristig absagte. Es sollte generell nicht mein Wochenende werden und obwohl ich mich nicht frage, ob ich an dem Tag mein Geld wert war, traf ich doch einige unglückliche Entscheidungen. Den Kickers ging es ähnlich. Sie spielten schlecht, vergaben ihre raren Chancen und fingen noch das 0:1 durch einen Konter in der Schlussminute.
Am Sonntag folgte ein verkaufsoffener Sonntag im OFC-Fanshop, zu dem es mich zog, schon um das Stadionheft gegen Halle für meine Sammlung zu ergattern. Wieder stand alles unter einem schlechten Stern: Der Fanshop bot als Aktion das Heimtrikot zu einem guten Preis an... doch wozu brauche ich noch ein zweites? Er lockte mit Glühwein und Chili, beides für mich als fahrradfahrenden Vegetarier uninteressant, und schließlich gab es da auch noch ein Würfelspiel (bestehend aus Würfelbecher und drei Würfeln im OFC-Design), was mich gereizt hätte... nur eben nicht für 15 Euro.
Jede Stunde ließen sich außerdem zwei Spieler ankündigen, in der ersten: Stefan Kleineheismann (genesender Abwehrspieler) und Daniel Endres (Ersatztorwart), in der zweiten André Hahn und Lars Bender (beide Mittelfeldspieler)... und Letzterer war ruhigen Gewissens die ärmste Sau des Tages, denn alle Welt interessierte sich für seinen Banknachbarn, ohne den es beim OFC in der Saison nicht läuft, und niemand für ihn. Auch von mir musste er nur die Entschuldigung hören, dass ich mir von ihm kein Signum auf dem Trikot wünschte, da stände er nämlich schon drauf.
Die dritte und letzte Schicht, bestehend aus "Maxi Ahlschwede und noch irgendwem", fehlte ohne Absage. Auch das ist Offenbach in diesen Tagen.
"Der Platz war leider nicht bespielbar."
An diesem Wochenende sollte Offenbach gegen Stuttgart II spielen. Ich hätte dem Spiel nicht folgen können, doch spielt dies keine Rolle, denn es fiel aus. Gut so, scheint die verbreitete Meinung auf Transfermarkt zu sein; schade, denke ich. Stuttgart II besitzt eine irrsinnig gute Auswärts- und eine irrsinnig schlechte Heimbilanz - vor dem letzten Spieltag stellten sie den Zweiten in der Auswärts- und den Vorletzten in der Heimtabelle. Sowas hätten wir schlagen und damit Selbstbewusstsein sammeln können. Aber gut, ich ging ja auch nie von etwas anderem als einem Sieg gegen Halle aus.
Karlsruhe kann das wohl. Ich fand euch erst gar nicht auf der Tabelle wieder. Gratulation zum zweiten Platz.
"Steh auf, wenn du am Boden bist"
Letzten Samstag kam ich wieder nicht ins Stadion, die Arbeit rief, und doch wäre ich wieder gerne dabei gewesen. Auch wenn es nicht schön klingt.
OFC - Osnabrück: 1:5
Scheinbar war es eine Stunde lang ein Spiel auf Augenhöhe: 0:1 unglücklich gefangen, danach ausgeglichen, erneut in Rückstand geraten und wiederum den Ausgleich auf dem Fuß gehabt. Wieder stellt der Trainer die Mannschaft zum Offensiven um und wieder nutzt es nichts, dafür versagt die komplette Defensive und am Ende ist die höchste Saisonniederlage perfekt.
Gut. Nun heißt es, am Dienstag im Pokal Vollgas zu geben und vielleicht noch im Pokal dem Verein etwas dringend benötigtes Geld einzufahren, auch wenn daran wohl niemand hier wirklich daran glaubt. Es gibt auch wieder ein Werbevideo.
http://www.youtube.com/watch?feature...&v=c8MfLlsxwT0
Kommt es mir nur so vor oder misslang der Versuch, geistreich und witzig zu sein, so sehr, dass er ins Peinliche abdriftet? Lasst mich lieber die Worte von Pele Wollitz, Trainer von Osnabrück, nach dem Spiel zitieren: "Wir wünschen Arie (...) am Dienstag alles Gute. Jetzt nach der Niederlage setzt wohl keiner mehr auf euch - und das ist eure große Chance."
Elfter gegen Vierzehnter oder: Zwölf gegen zwölf
Ein Spiel wartete in diesem Jahr noch und die Gerüchteküche tat alles, um rheinlandfreundlich zu sein. Zunächst hieß es, die Kickers müssten gewinnen, sonst gingen finanziell die Lichter aus, doch nach der Umbenennung der Westtribüne nach einem Mobilfunkanbieter wurde dies ersetzt durch: Die Mannschaft muss gewinnen oder der Trainer fliegt. Dann wäre Holland so richtig in Not.
Meine eigene Perspektive war da distanzierter. Nach einem knappen Monat ohne Fußball merke ich die Entfernung und wo ich vor Berlin zitterte, ließ mich Düsseldorf weitgehend kalt. Es würde werden oder eben nicht. Sah man von den Umständen einmal ab, dann gab es durchaus Chancen für Offenbach, auch jenseits von Heimspiel-Flutlicht-Psychologie. Die Kickers spielen gewöhnlich mit Viererkette und zwei defensiven Mittelfeldspielern, das sorgt für einen schönen Block gegen Offensiven. Wichtig wäre nur, nicht früh in Rückstand zu geraten, denn dann könne es hässlich enden. Meinem Mitbewohner sagte ich, die erste halbe Stunde würde das Spiel entscheiden. Dieser gab als Tipp ab: 2:1 oder 1:11. So ähnlich sah ich das auch.
Ich kann das Spiel nun nur als Ganzes betrachten, da sich einfach wenig änderte. Die Kickers besaßen mehr Ballbesitz und dominierten etwa zwei Drittel jeder Halbzeit, ohne dass jedoch irgendeine Mannschaft (zunächst) zwingende Torchancen besaß. Das Eckballverhältnis spricht hier wohl Bände, das stand nach einer Halbzeit gerade mal bei 1:1. Größter Trumpf Offenbachs: Ein ausverkauftes Stadion (allerdings mit starkem Düsseldorfer Block, die bekamen die gesamte Westtribüne statt nur einem Teil). Größter Trumpf Düsseldorfs: Der Schiedsrichter. Seine Entscheidungen waren sehr konstant unterschiedlich hart.
War in der ersten Halbzeit noch Offenbachs Nervosität Tod jedes Chancengewinns, fielen kurz vor Ende die Tore - und leider am komplett anderen Ende des Stadions, so dass ich euch wenig sagen kann. Es war nur schön.
OFC - Düsseldorf: 2:0
Zur Mannschaft kann ich sagen, dass kein einziger Spieler wirklich eine schlechte Leistung brachte... und das, obwohl einer auf einer Notposition spielte: Maxi Ahlschwede fiel wohl kurzfristig verletzt aus, doch statt nun Daniel Dziwniel auf den Platz zu stellen, der in der Liga ja schon solide Spiele ablieferte, zog van Lent den Innenverteidiger Marcel Stadel nach außen. Dort spielte er eine ansehnliche Partie (auch wenn er wirklich keine Flanken schlagen kann).
So stehen die Kickers nun im Viertelfinale und kamen damit weiter als die "Quasi-Zweitliga"-Truppe vor zwei Jahren. Im Topf befinden sich noch eineinhalb Zweitligisten... und einen von denen hätte ich gerne.
Kein Hahn, doch Vogelsang (und Vogler, klar)
Scheinbar ging eine Diskussion über die Höhe der Ablöse für André Hahn durch die Medien, doch da wieder Tage vergingen, möchte ich mich auf die Gegenwart konzentrieren, die nun einmal so aussieht: Ein Grund, warum André Hahn so erstrahlte, war der Tatsache geschuldet, dass er nicht ersetzt werden konnte. Immerhin kam Neuzungang Marcel Avdic noch nicht in der Mannschaft an, Lars Bender wird die Saison sicher auch bald vergessen wollen (zwar kann er viele Positionen spielen, doch schaffte er es in der Saison nicht, sich als Stmmplatz für auch nur eine zu empfehlen), Matthias Schwarz ist eher Defensivspieler und Jannik Sommer wurde bekanntlich frisch ausgemustert. Bleibt also eine Problemstelle auf der linken Außenbahn, die bislang nur Stürmer Fabian Bäcker halbwegs lindern konnte (Ich hatte jedoch den Eindruck, dass er nicht gut mit Stefan Vogler harmoniert, da beide als Spielertyp identisch sind und keinen Mehrwert erzeugen). Ich nehme an, dies wird erst einmal sein neues Heim auf dem Spielfeld werden - zumindest, bis Kai Hesse wieder Spielpraxis sammeln konnte.
Offenbach besitzt auch einen neuen Spieler: Theo Vogelsang kam (nach zwei Testspieleinsätzen nicht überraschend) von Twente Enschede, ein Offensiver Mittelfeldspieler mit frischen Zweieinhalbjahresvertrag, dem jedoch (auch das wurde in den Testspielen offensichtlich) noch Spielpraxis fehlt, kam er doch nur in deren zweiter Mannschaft zum Einsatz. Wie man sieht, wird hier auch perspektivisch gedacht - immerhin ist er damit der Spieler mit dem längsten Vertrag, wer hätte es gedacht?
Das Testspiel gegen Worms wurde (ich hatte es andernorts erwähnt) mit 2:0 gewonnen, nun sind alle Blicke auf Bielefeld am Samstag gerichtet. Die Aufstellung werde ich mit Spannung erwarten, das Ergebnis natürlich auch.
"Warum seid ihr so schlecht?"
Dienstag gab es das Nachholspiel gegen Stuttgart und getreu dem Motto: "Hast du Scheiße am Schuh, hast du Scheiße am Schuh!" verloren es die Kickers unglücklich mit 1:0. Nebenher fiel ein Rasen ins Gewicht, der aus Schnee und Schlamm bestand, ein zumindest zweifelhafter Handelfmeter, der zum Tor führte, und schließlich eine mindestens ebenso zweifelhafte gelb-rote Karte. Damit war man dann bedient.
Am Mittwoch wurden Arie van Lent und Co-Trainer Manfred Binz beurlaubt. Der Grund war sichtbar: Erfolglosigkeit. Vier (!) Punkte aus den letzten neun (!) Ligaspielen zeichnen eine erschreckende Bilanz. Das ist nicht nur Absteiger, das ist Fürth.
Am Mittwochabend fand dann zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt der Spielerstammtisch statt - Fragen über den alten Trainer wurden hinfällig, von einem neuen wusste man noch nichts, erst einmal übernimmt der A-Jugend-Trainer Michael Hartmann das Ruder, doch wird er es in spätestens zwei Wochen wieder abgeben müssen, da ihm der notwenige Trainerschein fehlt. Tja...
Bei den Spieler-Stammtischen handelt es sich wohl um eine monatlich wiederkehrende Institution, die allerdings bislang an mir vorbeiging, bis mich nun ein Aushang im Stadion lockte (ich bin nicht in Facebook, scheinbar wird es hauptsächlich da kommuniziert). Drei Spieler wurden angekündigt, Marc Stein, Julius Reinhardt und "ein Überraschungsgast"... worauf ich schmunzeln musste. "Das wird eine Überraschung" ist schließlich nichts als eine schöne Art, zu sagen: "Das weiß ich selbst noch nicht." (Damit sollte ich recht behalten und später den Grund erfahren: Eigentlich war die Teilnahme André Hahns angedacht, doch der hatte ja die Siebenmeilenstiefel für sich entdeckt.)
Der Ort: Glauburg-Stockheim, ein Örtchen im Nirgendwo zwischen Frankfurt und Fulda, ein Nest ohne Straßenschilder (und lustigerweise kannte ich vom Ziel nur den Straßennamen, aber keine Hausnummer), genauer: eine Pizzeria mit Eintracht-Wimpel an der Wand und ausliegenden Eintracht-Stadionheften. Organisator war ein dortiger Fanclub, die Teilnehmerzahl belief sich auf zwischen zwanzig und dreißig, darunter eine Dame von der Lokalpresse und dem (ehrenamtlich arbeitenden) OFC-Fanbeauftragten, Matthias Schmidt. Den kenne ich nun auch.
Was passiert nun? Die drei Spieler (der dritte Mann war übrigens dann Jan Washausen) stellten sich gemeinsam den Fragen der Runde, schließlich verteilten sie sich an die Tische und wechselten durch. Allerdings kamen sie zu spät... oder taten sie das überhaupt? Das Publikum musste eine halbe Stunde warten, die Spieler gaben sich nicht schuldbewusst (und gaben auch nicht, wie vorgeschlagen, eine Runde aus) und schließlich stellte sich heraus, dass man einfach zwei verschiedene Zeiten wusste. Der Fehler lag, das erkannte man, beim Verein.
Mit der im Titel stehenden Frage begann darauf die offene Runde und... ach, wie kann ich es zusammenfassen? Führt euch einfach die Situation im Stadion vor Augen: Da gibt es eine Gruppe von Leuten, die rackern und kämpfen, und da gibt es eine Gruppe, die ihnen dabei zusieht und deren Leistung darin besteht, dabei eine Bockwurst und jede Menge Bier zu konsumieren. Was geschieht nun, wenn die zweite Gruppe auf die erste trifft? Natürlich erzählt jene diesen, was sie denn so alles zu tun hätten.
... Ach, die normale gesellschaftliche Situation in Deutschland. Manchmal könnt' ich kotzen. (Die Situation macht sich auch in den Anreden bemerkbar: Die Fans duzen die Spieler. Die Spieler siezen die Fans. Als ich mit "Herr Stein, würden Sie..." anfing, wurde ich schief angeguckt.)
Was kann ich euch nun mitgeben? Es sind drei sehr sympathische Herren. Jener Herr Stein erinnert mich von der Art doch sehr an einen Freund und er hat (anders als die anderen beiden, was zumindest bei Julius Reinhardt bemerkbar ist) das Zeug zum Kapitän, da er für die Mannschaft spricht. So erklärte er, dass am Tag selbst van Lent noch das Training leitete und sie von dessen Rausschmiss vielleicht zehn Minuten vor der Presse erfahren hätten (via Rund-SMS durch Kapitän Sead Mehic). Er erklärte auch, dass es nicht an Spannungen gelegen hätte, da "van Lent ein Trainer sei, wie ihn sich Spieler nur wünschen konnten" (doch bitte bedenkt hier: Marc Stein war Stammspieler und profitierte vom "System van Lent" wie kaum ein anderer. Andere mögen da anderes zu sagen haben.). Der Mannschaft wurde wiederum klar gemacht, dass der Abstiegskampf "nicht nur drohe", sondern bereits Realität sei. Das kommende Pokalspiel wurde angesprochen und doch nichts gesagt. Man konnte einfach über wenig sprechen.
Als sich die Spieler nun über die Tische verteilten (und ich mir drei neue Unterschriften auf meinem Trikot sicherte), wurden die Themen intimer. Ich kann euch nun sagen, wo Jan Washausen (das erste "a" seines Nachnamens wird übrigens kurz gesprochen, auch so ein Thema) nun wohnt und wie sein sehr kurzfristiger Wechsel genau ablief. Von Julius Reinhardt, der scheinbar nicht in Redelaune war (es kam kein echtes Gespräch zustande, und schließlich verbrachte er einen Teil seiner Zeit mit Essen), kann ich wiedergeben, dass der Unterschied des OFCs zu Braunschweig darin besteht, dass dort alle an einem Strang ziehen, und als Marc Stein schließlich den Weg an unseren Tisch fand, musste ich aufbrechen, um die letzte Bahn zu erwischen. Der Mann, der mir ein paar Fragen hätte beantworten können (wie etwa, was nun diese Saison anders läuft als in der letzten), ging mir damit durch die Lappen. Schade eigentlich.
An dem Wochenende sollte das erste Post-van-Lent-Spiel stattfinden (ich glaube, das ist richtiger, als von einem "Hartmann-Spiel" zu sprechen), doch Dortmund sagte witterungsbedingt ab. Nun spielen sie beim Regionalligisten in Eschborn ein Testspiel, von dem ich leider erst seit einer Dreiviertelstunde weiß. Es begann um elf Uhr...
Der Mann des Aschermittwochs
Da haben wir einen neuen Trainer: Rico Schmitt, Ex-Aue. Dazu kommt mit Alexander Conrad ein Co-Trainer aus der Region (Ex-Eschborn, doch noch nicht höher als Regionalliga). Ich hörte mir gerade die Pressekonferenz dazu an und... ach, sind wir ehrlich: Eine halbe Stunde Phrasen. Das Wochenende mit seinem Spiel gegen Saarbrücken wird sicher aussagekräftiger als ein "Hallo, hier bin ich" oder ein "Ich möchte mit weniger mehr erreichen". Lasst mich also noch etwas zu den Verflossenen sagen, solange die Namen noch bekannt sind. Arie van Lent und Manfred Binz waren sicher keine Schlechten, doch sie begingen Fehler - nicht nur, aber halt auch.
Arie van Lent war kein Aufstiegstrainer, eher ein Konkursverwalter. In der letzten Saison führte er die Kickers ziemlich exakt auf den Rang, den sie vom Etat her einnehmen mussten, und diese Saison wäre es ohne den Pokal vielleicht auch gelungen. Seine größte Stärke bestand wohl darin, dass er "Papi für seine Sonntagsschüler" war: Er versuchte alles, um in dem feindlichen Umfeld Offenbach den Druck von seinen Spielern zu nehmen, etwa indem er ihnen Zeit gab und ihnen schwache Spiele verzieh. Dies mochte sich wohl erst einmal positiv auswirken, doch zuletzt rächte es sich, Erbhöfe zu verpachten: Ein riesiges Problem stellten ja in dieser Saison Leistungseinbrüche einzelner Spieler da. Warum sollten sich Spieler denn besonders bemühen, wenn es für sie eh nichts änderte? Und wieso sollte ein Einwechselspieler begeistert sein, wenn er dann nur Chancen auf Positionen bekam, die er eigentlich nicht beherrschen musste? Ich könnte eine Menge Namen aufzählen, doch möchte mich einmal auf ein Beispiel beschränken: Marcel Stadel bekam Ende der letzten Saison plötzlich seine Chance und hängte sich voll rein - er nahm sich das Spiel zu Herzen und litt danach darunter, wenn es der Mannschaft nicht gelang, das entscheidende Tor eben doch noch zu schießen (wohlgemerkt, er ist Innenverteidiger). In dieser Saison? Nichts mehr davon zu spüren. Klar, der Trainer sprach ihm deutlich (durch seine Aufstellungen) sein Misstrauen aus und wenn er nun zum Einsatz kam, dann meist als Außenverteidiger. Klar, dass er sich da fragen wird, warum er um alles in der Welt seinen Vertrag bloß verlängerte.
Inzwischen wirkt die ganze Mannschaft blutleer. Von Maximilian Ahlschwede und Fabian Bäcker lässt sich noch behaupten, dass sie sich reinhängen, aber... wen wundert's? Das sind Bankdrücker.
Die Offenbach-Post schrieb, es liege nun am neuen Trainer, der Mannschaft wieder eine Identität zu verleihen, die sie vermissen ließe, und ich glaube, das ist wahr. Das führt zur Aufstellung, einer anderen van Lent'schen Schwäche. Die Kickers möchten gerne in die zweite Liga zurück und ich denke, man hatte bei der Taktik schon den darauf folgenden Abstiegskampf im Hinterkopf: Ein defensives (doppel-sechsiges) 4-5-1. Es wirkt toll, wenn der Gegner sich überlegen fühlt, an der Defensive zerschellt und sich auskontern lässt (wie gesagt, ich halte die Pokalerfolge für keinen Zufall), es scheitert jedoch, wenn sich der Gegner hinten reinstellt und ebenfalls dicht macht. Damit bekam der OFC Probleme gegen eigentlich schwache Mannschaften (Darmstadt zum Beispiel). Das war letzte Saison genauso, da wurde nach einer Schwächephase auf 4-4-2 umgestellt und dann lief es besser... und diesmal? Van Lent modifizierte es, indem er einen Stürmer im offensiven Mittelfeld spielen ließ, und jagte das nun jedes Spiel nach Schema F durch: Offenbach startete 4-5-1 und öffnete bei Rückstand nach der Pause. Das war ein weiterer Makel: Offenbach wurde damit verdammt berechenbar. Ein einstudiertes zweites System - oder zumindest eine einstudierte Reaktion - hätten hier wohl geholfen. Ich hatte jedoch nicht den Eindruck, dass es die gab.
Was war das jetzt? Blutleer, geistlos und berechenbar. Ja, so könnte man den OFC in letzter Zeit beschreiben.
Bleibt noch Manfred Binz. Ich hatte die Chance, ihm (bei der Tribünen-Eröffnungsfeier) einmal länger zuzuhören. Er ist ein "ganzer Kerl dank Chappi", der mich etwas an meinen eigenen (Jugend-)Fußballtrainer und meinen letzten Sportlehrer erinnerte: Ein Mann, der davon überzeugt ist, dass Jungs nun einmal Jungs sind und sich bewegen müssen. Ich halte ihn für den Kopf hinter dem "Bremer Konzept" der letzten Saison, nach dem charakterlich schwierigen, aber talentierten Spielern die Möglichkeit eingeräumt werden sollte, in Offenbach Fuß zu fassen und ihre Karriere in dem letztlich anspruchslosen Offenbacher Umfeld nach oben zu bringen - ein Konzept, zu dem die beiden Namen gehören: Pascal Testroet und Stefan Hickl. Lasst mich das Ergebnis zusammenfassen: Es scheiterte. Beide Spieler brachten zunächst ihre Leistungen, gerieten jedoch mit dem "Sonntagsschülerpapi" van Lent auseinander, wurden ausgemustert und verließen den Verein vor Ablauf ihres Vertrages. Beides sorgte für Unruhe und im Fall Testroet auch für weiteren Schaden, war er doch einer der wenigen Spieler, für die in den letzten Jahren eine Ablöse gezahlt wurde. Hier bissen sich die Konzepte. Das war schlecht.
Klinge ich erschöpft? Ich bin es. Vermutlich hätte obiger Text zu anderen Zeiten deutlich positiver geklungen. Für Grundprobleme konnte der Trainer nichts: Für zu wenig Geld, für einen ausgedünnten, schlecht bezahlten Kader und für die Unruhe im Verein. Die werden auch die neuen Männer nicht beseitigen können.
Ich hoffe trotzdem auf das Beste.
Leidenschaft gegen Das Böse
Diesen Titel möchte ich nicht kommentieren.
Dunkle Wolken hängen über Offenbach und der Regen zerstört sicher nicht nur mein Frisurenkonzept - es ist fast so, als würde die Zeit verrückt spielen und auf den Winter der Herbst folgen... und zum Herbst gehört auch Nebel: Rico Schmitt gab keine Pressekonferenz vor dem Spiel und so konnte man nicht durchblicken, was geschehen würde. Zum ersten Mal seit langer Zeit war ich auf die Aufstellung meiner Mannschaft gespannt.
Es geht gegen Saarbrücken zum 14. gegen den 15. und - auch hier fühlt es sich komisch an - das Stadion ist leer; trotz mehr Gästefans als gegen Aachen sank der Zuschauerschnitt weiter und ließ die Prophezeiung vom Spielertreff "Ihr spielt so noch das Stadion leer" ein bisschen düsterer drohen. Ich sollte jedenfalls die Gunst als Stunde nutzen und einmal die Seite des Tribünenblocks wechseln; statt Staionrand nun mittenrein und dorthin, wo mein Name steht. (Ja, tut er. Das ist aber eine andere Geschichte.)
Rico Schmitt-Spiel 1. Ich taste mich langsam heran.
Der Kader: Auch wenn gerne von einem Jugendkonzept gesprochen wird, sieht es für die eigenen Kräfte erst einmal düster aus: Kein Dziwniel, kein Maier, kein Mosch, nur Yannic Horn wird als dritter Torwart dort Platz finden. Das Gebot der Stunde scheint vielmehr darin zu bestehen, den Spielern klarzumachen, dass nun die Karten wieder neu verteilt werden. So kehrt Lars Bender zurück, während auch Kai Hesse nach langer Verletzung endlich wieder seinen Platz findet. Thomas Rathgeber fehlt gelb-rot-gesperrt, Torhüter Wulnikowski verletzt und krank.
Die Aufstellung: Ahlschwede für Washausen, Schwarz für Mehic, Bäcker statt Avdic oder Vogelsang... ach, wenn so einfach van Lent übertroffen werden könnte, dann warf er sich selbst vom Stuhl - alle Änderungen lagen auf der Hand. Endlich einmal spielen wieder zwei Außen- und zwei Innenverteidiger auf ihren jeweiligen Positionen und auch das Duo Stadel/Kleineheismann konnte nun zusammen auftreten - weiß van Lent allein, warum er sich so gegen diese Konstellation sperrte. (Für Marcel Avdic sollte es übrigens ein Tag zum Vergessen werden: Nicht nur bließ ihm nur die Bank, er hüpfte auch (aus nicht offengelegten Gründen) mit fremder Trainingshose herum (von seinem Banknachbarn Dziwniel) und als er die Aufgabe bekam, nach dem Aufwärmen die Hütchen aufzusammeln, scheiterte er sogar dabei und ließ eines stehen - es wurde erst nach dem Anpfiff von Maxi Ahlschwede hinter die Bande befördert.)
Ich ging davon aus, dass damit das 4-5-1-System van Lents fortgeführt werden würde, da ja nicht viel Zeit zum Umgewöhnen blieb, aber ich sollte mich täuschen: Die Doppel-Sechs wurde aufgelöst, Matthias Schwarz spielte Rechtes Mittelfeld und Julius Reinhardt ging ins Offensive auf seine Stammposition... Tatsache, das offene van Lent von Beginn an, dass ich das noch erleben darf...
Bleibt noch der Kapitän... und das war Mathias Fetsch. Eine interessante und unerwartete Wahl, doch keine schlechte. (Das Trainer sollte später im Interview erwähnen, den eigentlichen dritten Kapitän Marc Stein aus der Verantwortung zu nehmen, da er die Saison über in die Kritik geraten war - er spielt einfach nicht auf dem Niveau, welches man von einem Ex-Bundesliga-Spieler erwarten könnte.)
So kam es also zum Spiel... und wie es dazu kam. Offenbach bekam Anstoß, spielte herum und ging nach vorne, Julius Reinhardt dribbelte auf's Tor zu, wurde von zwei Saarbrückers gesandwitcht und ging zu Boden - ein Pfiff. Offenbach bekam einen Elfmeter, noch ehe die erste Minute verstrichen war. (Ob er gerechtfertigt war? Ach, schwer zu sagen. Unbedingt hätte man ihn nicht pfeifen müssen.)
Wer tritt nun an, wo mit Thomas Rathgeber und Sead Mehic die beiden Stamm-Elfmeterschützen fehlen? Mathias Fetsch übernimmt es, tritt an und versenkt ohne Probleme. 1:0. So haben Spiele zu beginnen.
Was nun folgt, ist ein Traum. Es ist eines dieser Spiele, bei denen man auf die Uhr blickt und sich fragt: "Erst zehn Minuten vorbei?" Die Kickers erspielen sich Chancen im Minutentakt, die Motivation stimmt (und das bei Regen) und jeder gibt seine zehn Prozent mehr, es ist wirklich herrlich zu verfolgen. (Sagt jetzt nicht: "Klar, nach früher Führung...". Auch den Elfmeter hätte es ohne die 10% mehr nicht gegeben. Neuer Trainer, neuer Wind, man konnte es merken.) Ich muss allerdings auch Saarbrücken Respekt zollen, die standhaft blieben und wie eine Mannschaft im Abstiegskampf kratzten und bissen. Sie besaßen auch einen guten Torwart, der manche gute Möglichkeit der Kickers vereitelte, und kamen auch zu eigenen Chancen. Das Ergebnis gab ihnen jedoch unrecht: Aus einer weiteren, nicht besonderen Chance kam der Ball in den Strafraum und flatterte nach Gestocher im Netz. Fetsch traf zum 2:0. 20 Minuten waren da gespielt und es stand 4:1 nach Ecken.
Es war schön, doch kostete es Kraft: Die erste Hälfte der ersten Halbzeit dominierten die Kickers, die zweite waren sie immerhin noch besser, der Anfang der zweiten Häfte war ausgeglichen und am Ende Saarbrücken vorn. Das Spiel wurde in der zweiten Hälfte und bei trocknendem Platz immer heftiger und schmutziger. Nun gab es auch Karten (für beide Mannschaften, doch Offenbachs waren weitgehend dumm) und ungewöhnlich viele Fouls, die ungewöhnlich viele Sanitätereinsätze nach sich zogen. Wärend dieser zweiten Hälfte wechselte Schmitt auch... mit interessanten Folgen: Da kam Washausen für Bäcker (kein herausragendes Spiel von ihm, ich versprach mir eigentlich mehr) und führte zu einer vant Lent-Konstellation: Ahlschwede rückte vor ins rechte Mittelfeld und sah da auch nicht schlecht aus (im Fanradio sollte er jedoch deutlich machen, dass es ihm hinten besser gefiel); da verließ auch Vogler nach ebenfalls nicht berauschender Partie den Platz für Mehic, was das System wieder auf 4:5:1 umstellte und dann kam in den letzten Minuten Vogelsang für Schwarz, der dadurch für eine überragende Partie geehrt wurde. Er war auch für mich der Spieler des Spiels.
(Mehics Auftritt nach der Einwechselung hatte es in sich: Erst bekam er nicht die Kapitänsbinde zurück, dann schoss er mit einem Kraftschuss aus 20 Metern nur den eigenen Mann ab (Feldhahn), der darauf liegen blieb, und schließlich dribbelte er sich mitungeahnter Agilität durch drei Saarbrücker zu deren Strafraum durch (ohne dass dadurch viel entstand). Die Kapitänsfrage ließ darauf der Trainer noch offen.)
Es blieb beim 2:0 und damit bei dem von mir vorher getippten Ergebnis. Nach der ersten Hälfte hätte es auch 4:0 stehen können, nach der zweiten wäre auch ein 2:1 nicht unverdient gewesen, doch wie dem auch sei: Endlich wieder gewonnen! (Zum ersten Mal in der Liga seit über drei Monaten) Und endlich wieder zu Null!
Das war doch ein gutes Ergebnis nach einem spannenden Spiel. Ich hoffte ja, die Sportschau könnte es übertragen, doch trog sie. Dafür sah ich später André Hahns erste Torvorlage in der Bundesliga. Immerhin.
Operation gelungen, Patient tot
Wieder einmal sorgt der OFC abseits des Rasens für Schlagzeilen: Das neue Präsidium, dessen erstes Ziel darin bestand, die Lage in den Blick zu bekommen, wird wohl enthüllen, dass die finanzielle Lage deutlich angespannter sei als bisher angenommen: Als Zahl geistert ein Schuldenstand von knapp 8 Millionen Euro (statt 4,2) durch den Raum. Das ließ den DFB hellhörig werden und ein Punktabzug könne aufgrund von Lizenzbedingungsverstößen drohen... ach, es wird einfach nicht schön.
Es wurde angekündigt, der Kaderetat müsse deshalb zur neuen Saison um ein Drittel reduziert werden. Was das bedeuten kann, das flüstern mir nur Alpträume, doch ich fürchte, dass nach der Saison eine Menge meiner Schatzln aus dem einen oder anderen Grund weiterziehen werden.
Nun heißt es, die Restsaison zu nutzen und sich (neben einem punktabzugssicheren Klassenerhalt) für die nächste DFB-Pokal-Runde zu qualifizieren, auch wenn dies heißt, sich mit Mannschaften zu messen, die in dieser Saison ausschließlich Spaß mit uns hatten. Aber so ist es nun einmal. Es sieht nicht gut aus.
Zu meinem Mitbewohner, der mir zum Pokalspiel folgte, meinte ich im Anschluss, er könne durchaus einen der letzten Höhepunkte des OFCs erlebt haben. Hoffentlich habe ich damit nicht recht.
Liste der Anhänge anzeigen (Anzahl: 4)
Mit Blut auf Pergament
In Offenbach herrscht gerade Trubel, immer noch verursacht durch die Finanzen: Ex-Geschäftsführer Kalt beschwerte sich erst, die Zahlen hätte man "schöner präsentieren können", fühlt sich "medial hingerichtet", erklärte sich zur Erklärung und Zusammenarbeit bereit... und sagte dies dann ab. Währenddessen gelangen immer neue Praktiken ans Licht, wie er auf Kosten der Substanz den Laden irgendwie am Laufen hielt: Das Reich Offenbachs ruht nicht auf tönernen Füßen, sondern auf Spucke und Altpapier.
Erinnert ihr euch, dass ich von einem Gang zur Geschäftsstelle berichtete, wo ich zwei Dinge klären wollte. Ich tue mir schwer damit, hier davon zu schreiben, da es ja aus dem Ligabetrieb ausbricht, doch andererseits passt es auch ganz gut: Es ging um die Folgen zweier Kalt'scher Produkte, die wohl recht gut zeigen, wie er dachte und wirtschaftete.
Im April 2010 wurden, um das neue Stadion realisieren zu können, Eröffnungsspiel-Pakete verkauft - für 99 € (Stehplatz), 149 € (Sitzplatz) und... mehr, um die 300 € meine ich (für Firmenmitgliedschaften). Dieses Paket enthielt (ich zitiere aus der Rechnung):
Zitat:
Stehplatzkarte im Eröffnungsspiel
Namensnennung auf der Stadion-Homepage
Namensschriftzug auf dem Mannschaftsbus
Buch "Der Weg zum neuen Sparda-Bank Hessen Stadion" am Bieberer Berg
goldener Namensschriftzug im Buch zum neuen Stadion
Anstecknadel in Sonderformat und in limitierter Auflage
personenbezogene Urkunde für den Eröffnungspartner
symbolische Eintrittskarte
20% Rabatt auf alle stadionbezogenen Fanartikel
Die goldene Reversnadel wurde zuerst geliefert, sie liegt direkt neben mir... und ist Mist. Der Kopf ist zu groß, er brach von der Nadel und meine Versuche, ihn zu kleben, scheiterten. Ich trug sie bislang nie.
Bei der "symbolischen Eintrittskarte" handelte es sich um ein Trikot - ein rotes mit weißem V, welches allein beim Eröffnungsspiel Anwendung fand und sicher mit ein Grund war, warum in dieser Saison zu ungewohnten Farben gegriffen wurde - man wäre ja sonst zu sich selbst in Konkurrenz getreten. Es ist allerdings auch Mist - sein stilisiertes Logo ist hässlich und... ja. Ich stand schon mehrfach vor der Frage, ob ich es nicht aufrüsten möchte (also Bepflockung und richtiges Logo), um es dann tragen zu können, entschied mich jedoch immer dagegen. Ihr seht es hier...
Anhang 9577
Bleibt noch die Urkunde, welche ich vor dem Geschäftsstellenbesuch herauskramte und anschließend, um etwas mit ihr zu machen, dort an die Wand hängte, wo einmal der Adventskalender wartete, und andere Ehrungen, von denen ich weiß (Nennung auf der Homepage erfolgte) oder auch nicht (Nennung auf dem Mannschaftsbus? Angeblich, ich sah ihn jedoch noch nie aus der Nähe); und bleibt noch das Buch. Das erschien im Oktober des letzten Jahres und war ein Grund für meinen Besuch auf der Geschäftsstelle. Zu ihm möchte ich noch kommen.
Lasst uns zunächst einmal durchrechnen: Für das Stehplatzpaket zahlte ich 100 €. Rechnet man die Leistungen auf, bedeutet das: Etwa 10 € für die Eintrittskarte, vielleicht 30 € für das Trikot (für diesen Betrag wurde es glaube ich verkauft), 20 € für das Buch, vielleicht 10 € für die Anstecknadel... und siehe da, hinter dem mehr als Ehrung und Spende verkauften Paket verbergen sich schon dadurch Leistungen von 70 €. Der einzige Vorteil bestand in der Zeit: Die Kickers bekamen das Geld Anfang 2010 und mussten erst Ende 2012 die Leistungen erbringen. Das war das System Kalt und ich bin mir sicher, seine Nachfolger lieben es.
Wo waren wir? Richtig, das Buch.
Anhang 9574
Der Autor Thorsten Siegmund arbeitet als Pressesprecher und "Verantwortlicher für Medien" direkt für den OFC (samt eigenem Büro... gut, natürlich ist er nicht zu fein, sich über eine Agentur im Internet als Moderator und Festbegleiter vermitteln zu lassen) - ein Fakt, den er im Buch sehr beharrlich verschweigt; was er jedoch offenbart, ist, dass an ihm kein Poet verloren ging (und wo er versucht, so zu wirken, wie etwa im Vorwort, scheitert er) und seine Arbeit nun einmal ihre Spuren an ihm hinterließ: Er ist sehr genau bei Ehrungen von Sponsoren und deren Mitarbeitern und widmet sich weniger den Punkten, die Fans interessiert hätten. Ansonsten ist seine Position (wie man sicher erahnen kann) seiner Aufgabe entsprechend: Pro-Stadionprojekt und Pro-Kalt. Das reicht soweit, dass er bei der Eröffnungsfeier Dieter Müllers Ausscheiden als Präsident erwähnt (das verstärkt ja den Höhepunkt) und Thomas Kalts Rücktritt am folgenden Tag verschweigt (der wirft ja Fragen auf).
Wenden wir uns nun dem offiziellen/nicht-offiziellen etwas-über-100-seitigen Bild- und Textband zu: Er umfasst den Zeitraum von der ersten Planung (heißt: etwa die Abstiegssaison 2007/2008) bis zur Einweihungsfeier (Juni 2012) - einiges davon erlebte ich hautnah mit, anderes erfuhr ich und anderes war mir ganz neu. Ich möchte nun nicht ins Detail gehen, nur mal zwei Punkte ansprechen: Die Bauteile wurden von einer Firma in Paderborn passgenau gegossen, durch die Republik verfrachtet und in Offenbach zusammengesetzt - und der Abriss und Neubau der einzelnen Blöcke fand eineinhalb Saisons lang während des Ligabetriebs statt. Es gab also meist einen von vier Blocks, der ausfiel, da entweder an ihm gebaut wurde oder er zum Zeitpunkt nur aus einem Schuttberg bestand.
Bleiben noch die Namen der Eröffnungspartner, die tatsächlich am Ende des Buches aufgeführt werden, allerdings in roter Schrift und komischerweise nicht alphabetisch. Mein Name steht darin... ich konnte ihn finden, nach langem Suchen.
In diesen Zeitraum fallen auch die (im Buch überhaupt nicht erwähnten - wie gesagt, keine Fan-Perspektive) Tribüneneröffnungsfeiern, die mit dem "be first"-Fanpaket verkauft wurden. Ich könnte es vom Flyer zitieren, der in meinem Fahrtenbuch klebt, doch ich mache es mir einfach und kopiere einfach das passende Angebotsbild. Das Paket kostete 79 €.
Anhang 9575
Die "Namensplakette" wurde als Farbe auf Beton umgesetzt (laut Kalt: "damit sie nicht gestohlen werden können"), die Dauerkarten-Ermäßigung brachte mir dieses Jahr 15 € Ersparnis ein und der Schal unterschied sich nur durch einen aufgenähten "Be First"-Schriftzug von einem gewöhnlichen - aber das sollte mir recht sein, nannte ich zu diesem Zeitpunkt doch noch gar keinen mein eigen. Die Feier hingegen war sehr schön (da ich an jenem Tag noch auf der Messe arbeitete, kam ich erst nach der Eröffnung und verpasste auch das Profifoto), ich blieb bis zum Ende und hörte allerhand Interessantes von Geschäftsführer Kalt, Trainer van Lent und (besonders) Co-Trainer Binz... japp, veraltete Personaliten. Ob Speis und Trank tatsächlich Wirklichkeit wurden, kann ich heute nicht mehr sagen - immerhin schrieben wir den Oktober 2011. Das VIP-Erlebnis kam mir nicht zu, allerdings wurden später, als der Verkauf wohl nicht so recht anlaufen wollte, noch 50 aktuelle Trikots verlost... da rechnete ich mir Chancen aus und griff erst da zu. So kam ich an mein Spielhemd zur letzten Saison und hätte es mir sogar noch kostenlos bepflocken lassen können, doch das fiel der Zeit zwischen Tür und Angel zum Opfer...
... ich stoße gerade auf die Anzeige und muss schmunzeln.
Zitat:
Auf die ganz schnellen Bucher wartet eine zusätzliche Möglichkeit: Alle die ihr "Be First-Paket" bis zum 110. Geburtstag des OFC am 27.05.2011 buchen, nehmen an einer tollen Geburtstags-Verlosung teil. Wir verlosen 50 der Nike-Spieltrikots der neuen Saison. Die Gewinner erhalten das neue Trikot mit dem Namen und der Nummer ihrer Wahl bereits in der ersten Juniwoche. So tragen Sie das neue Shirt nicht nur vor der Mannschaft sondern auch bevor es überhaupt der öffentlichkeit vorgestellt wurde. Auch hier gilt "Be First"!
Ich nahm mir in den letzten Jahren nicht soviel Zeit für die Kickers wie jetzt. Mein erstes Spiel der van Lent-Saison (also der letzten) war ein Testspiel im September (oder Oktober?) in Bad Vilbel. Da wurde mir also eine solche Ehre zuteil und ich wusste sie nicht einmal zu würdigen.
(Das Trikot der letzten Saison war auch nichts Besonderes, zwischen dem "40 Jahre DFB-Pokal"-Schriftzug um dem Logo der Vorsaison und den weinroten und neongrünen 111-Jahre-Gedenktrikots fiel es betont klassisch aus.
Was mich jedoch auf die Geschäftsstelle führte, das waren keine alten Geschichten, sondern jener 50%ige Preisnachlass auf eine Stadionführung. Ehe ich allerdings dazu komme, braucht es ein Bild - und ach du Furchtbares, was fällt mir da auf?
Anhang 9576
Kickers Offenbach macht auf seiner offiziellen Seite Werbung für Spermatests? Gut... nur was kommt als Nächstes? Gleitcreme? Die Aktion "Alkohol macht mehr kaputt als du denkst" als Trikotsponsor?
Gut, kehren wir zurück zu der Stadionführung und lassen wir uns auf ein Abenteuer ein, welches wohl meiner "be first"-Karte anheftet: Die Anmeldung zu den Führungen (die gerade alle zwei Wochen an Dienstagen stattfinden) erfolgt online, doch fehlte die Möglichkeit, sie be first-mäßig zu buchen. Ich wandte mich also an den Fanshop und wurde auf die Geschäftsstelle verwiesen. Ich bekam meinen Termin, doch keiner von uns wusste zu dem Zeitpunkt, dass "be first" nur "halbiert" bedeutet (ich sah erst später nach und den Geschäftsstellen-Mitarbeiter, dessen Namen ich nicht kenne, schien die Erfahrung zu prägen, dass Thomas Kalt nun einmal gerne spätere Leistungen verschleuderte). Ich sah daraufhin nach, ging davon aus, dass der Verein mir das Geld abbuchte (meine Bankdaten sollte er gespeichert haben), suchte nun meinerseits nach deren Daten (die im Netz faktisch nicht existieren) und nahm mit vor, die offene Frage nach der Führung zu klären. Am Ende davon würde ich sagen: "Ich stand nicht auf der Liste und ich habe noch nicht bezahlt, aber ich bin nicht schuld daran." Immerhin ging es ja nur um 4 Euro.
(Ach ja, das sind die Kickers. An ein Versagen der Kommunikation gewöhnte ich mich inzwischen. Dankbarerweise geht es den Mitarbeitern allerdings ähnlich.)
Es war nicht meine erste Führung - bekanntermaßen ließ ich mich schon von Thomas Kalt in der Premium-Ausgabe durch das neuerrichtete Stadion führen, aber halber Preis ist nun einmal halber Preis und möchte genutzt werden. Diesmal wurde sie von Rudi Kranz, dem wohl ehemaligen Hausmeister, gehalten und von Vizepräsidentin Barbara Klein begleitet - also von zwei Angehörigen des Vereins, welche auch die Nachteile des Betriebs kannten und ansprechen konnten und sich besonders unglücklich darüber zeigten, als Verein nur noch Mieter und nicht mehr Eigentümer zu sein. So legten sie naturgemäß andere Schwerpunkte als der damalige stolze Bauherr Thomas Kalt. Lasst mich deshalb einmal drei Punkte ansprechen, die ich erfuhr (neben der Tatsache, dass auch an Rudi Kranz kein Poet verloren ging - sein Handout zum Stadionbau zeichnet sich durch eine sprachliche Qualität aus, die ich selbst als Oberstufenschüler übertreffen konnte).
- Im Schiedsrichterraum scheint es ein technisches Problem zu geben, weshalb sich bei abgeschalteter Lüftung (und das war sie während der Führung) ein Toilettenaroma breit macht. Es wurde gewitzelt, dies könne einige Schiedsrichterentscheidungen der letzten Spiele erklären.
- Ich sprach Barbara Klein (die übrigens in meiner Achtung deutlich stieg) auf das Brunchen an, welches ja eigentlich monatlich stattfinden sollte und dann sang- und klanglos verschwand: Scheinbar geht es hier um finanzielle Gründe, da der Verein den Raum seinerseits von der Betreibergesellschaft mieten müsse und der Caterer ein sehr gutes Angebot vorgelegt habe, welches er nicht wiederholen würde (es hätte ihm wohl selbst Verlust beschert). Die Idee sei jedoch nicht gestorben - und ich muss das Projekt geistig von "Einnahmen generieren" in die "Tribut an die 'Kickers-Familie'"-Schublade verschieben.
- In der Kabine (in der ich mich über das Selbstverständnis einiger Führungsteilnehmer wunderte, die es für angemessen hielten, im Besitz der Spieler zu wühlen) stand eine Flippchart, die sicher nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war, und von dem Gekritzel, welches mir zum Großteil unverständlich blieb, konnte ich immerhin eines identifizieren: Trainer Rico Schmitt wünscht sich von der Mannschaft aus den Spielen gegen Erfurt, Dortmund II und Kickers Stuttgart drei Siege/neun Punkte.
Das ist doch ein schönes Ziel. Damit entpuppt sich das Karlsruhe-Spiel mit der unvermuteten Aufstellung als Testlauf vor den 6-Punkte-Abstiegsspielen der folgenden englischen Woche. Gelingt dies, wäre es ein richtig schöner Schritt nach vorne.
Am Ende bleibt zu sagen, dass die Offiziellen mein Geld nicht bar annehmen wollten und ich es nun auf das Konto überwies, welches sowohl bei der Eröffnungsspiel- als auch der "be first"-Rechnung in der Signatur genannt wird. So kehren wir zurück zu der Erwartung auf den morgigen Tag, wenn es gegen Rot-Weiß Erfurt geht - bezeichnenderweise geschäftlich von Thomas Kalt geleitet und sich in Stadionbauplänen befindend. Also dann, Jungs. Macht was wahr.
ps: Ein Link funktionierte nicht mehr, so entschied ich mich nun für ein besseres Trikot-Bild. Meine Erinnerung zum Preis trog also nicht, dafür muss ich sagen: So ein Pin war bei mir auch nicht dabei.
Der Bieberer Berg ruft. Er ruft um Hilfe.
(Zitat der Sportschau, welche sehr treffend über das Spiel berichtete. Ich hatte es nicht erwartet.)
Offenbach trifft auf Erfurt - zwei Mannschaften, die einiges verbindet. Der Tabellenerste der ewigen Tabelle der 3. Liga trifft auf den zweiten, in der aktuellen Tabelle 12. gegen 17. - zwei Mannschaften mit ähnlichem Saisonverlauf, wollten doch beide auf Kontinuität setzen, um oben mitzumischen, nur um dann völlig den Start zu verkorksen, sich aus dem Keller zu lösen und sich doch nicht ganz zu befreien. Im Offenbach dieser Tage ist Ruhe erste Bürgerpflicht - ein öffentliches Gespräch zwischen Dr. Ruhl und dem ehemaligen Geschäftsführer Kalt wurde abgesagt, dafür eine Antwortrunde des Trainers Rico Schmitt auf Fragen der Fans eingeschoben (auch von mir stammten welche) und auch von Fanseite erfolgte eine Reaktion auf den "Offenbacher Wirtschaftskrimi": In der Aktion "Gut für zwo" möge doch bitte jeder Fan eine zweite Karte für einen lange berglos gebliebenen Bekannter oder seine zweite Arschbacke erwerben, um den Kickers auf diese Weise bei der Schuldenmisere zu helfen (das erklärt auch die gewachsene Zuschauerzahl: Mit 5.600 immerhin 700 mehr, wobei sicher einige nur auf dem Papier existieren). Als krönender Abschluss wird noch für den verstorbenen Platzwart, welchem schon gegen Wolfsburg mit Trauerbinde bedacht wurde, noch eine Schweigeminute eingelegt. Die Stimmung im Stadion wird ehrlicher sein: Von Offenbacher Seite ist sie nicht vorhanden.
Die Zukunft, die Offenbach schon hinter sich hat, steht Erfurt noch bevor: Sie verpflichteten Thomas Kalt aufgrund seiner Erfahrungen bem Stadionbau in Offenbach, um Ähnliches auch bei ihnen durchzusetzen. Sie nennen es "Mission 2016": Neues Stadion in Verbindung mit einem Aufstieg in die zweite Liga. Zumindest unter den mitgereisten Fans ist die Stimmung erschreckend gut: Die Choreographie mit den roten und weißen Vierecken, die am Anfang der Sportschau auch zu sehen war, stammte von ihnen (und sie schafften es sogar, diese Papptafeln nicht zusammengeknäult aufs Spielfeld zu werfen. Respekt.).
Während Offenbach sich warmlief und damit gegenüber Erfurt eine kuriose Augenhöhe offenbarte - Offenbachs Spieler trugen rote Trikots, ihre Ersatzspieler blaue Trainingsjacken, die Erfurter sollten es genau andersherum halten -, würde die frische neue Taktik unseres "Taktikfuxen" (sic!) den Ausschlag geben. Das Karlsruhe-Spiel brachte dahingehend Erfahrungen, die man verwerten konnte.
Was herauskam, war kurios: Jan Washausen spielte gemeinsam mit Nico Feldhahn, während Julius Reinhardt auf den Flügel rutschte und Stefan Vogler wieder stürmte... und die Fans, darunter auch ich, reagieren mit Unglauben: Rückkehr zur Doppel-Sechs? Ein defensiveres Spiel gegen den Tabellen-Siebzehnten als gegen den Tabellen-Zweiten? Dann stellte sich heraus, wie es gedacht war: Nur Jan Washausen spielte im defensiven Mittelfeld, Nico Feldhahn konnte seinen Platz frei wählen und passte seine Lage dem Spielverlauf an. Das war eigentlich nicht dumm, wenn es funktionierte... ach, und da fangen die Probleme an.
Es sollte ein furchtbares Spiel werden. Erfurt nahm den Abstiegskampf an, foulte und störte früh - eine Menge Spieler sollten sich im Verlauf der neunzig Minuten auf dem Rasen krümmen. Vielleicht war das die richtige Taktik gegen Offenbach, müssten die Spieler doch bei einer Verletzung um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt bangen, oder vielleicht ging der Trubel einfach nur an die Reserven, aber ich muss mich wiederholen: Es war ein furchtbares Spiel. Beide Mannschaften veranstalteten ein Fehlpass-Festival, waren für dumme Ballverluste gut und standen sich jeweils selbst im Weg. Es sollte mir in der ersten Halbzeit schwer fallen, auf einen Offenbacher Spieler zu zeigen und zu sagen "Aber der macht es gut...", auch wenn ich gezielt einen solchen suchte: Ich würde Vogler nennen, der sich immerhin bemühte und die Laufbereitschaft brachte, und auch Torwart Wulnikowski ließ sich nichts zu Schulden kommen, aber sonst... es war ein graues, grausames Einerlei, ein - wie ich später im Bus hörte - "spielerischer Offenbarungseid". Kickers Offenbach fand in dem Spiel nicht statt.
Die erste Halbzeit lässt sich gut in zwei Hälften einteilen: In der ersten zeigten sie sich von der neuen Taktik selbst überfordert, in der zweiten brachten sie es wenigstens auf Spielkontrolle und mehr Ballbesitz. Es sagt sicher viel, dass die beiden besten Chancen (eine auf jeder Seite) aus Böcken der jeweils anderen Mannschaft entstanden. Es ist sicher auch bezeichnend, dass ich, als ich der Mannschaft auf dem Gang in die Kabine applaudierte, angeraunt wurde: "Was klatschst denn du? Die waren doch schlecht!" Ich war jedoch mit Spielkontrolle und Nicht-Rückstand erst einmal zufrieden. Ja, so weit ist es inzwischen bei mir als Anhänger des "Aufstiegsaspiranten Offenbach" gekommen.
Die zweite Halbzeit sollte der ersten gleichen, wobei man die "Hälften" zu verschiedenen Phasen aufspalten muss, die sich einander abwechselten: Mal konnte Offenbach für Druck sorgen, dann mal wieder nicht.
Zunächst begann alles, wie es endete. Zehn Minuten lang spielt alles auf ein Tor. Dann jedoch verstolpert ein Offenbacher den Ball, zwei Verteidiger verlieren Zweikämpfe, es kommt zu Flanke und Kopfball und das Unglück ist geschehen: Erfurt führt 1:0. Danke, das Übliche also.
Zwei Minuten später hätte es noch schlimmer werden können: Ein Erfurter bricht mit dem Ball einfach durch das Mittelfeld, lässt die Abwehr stehen und schießt dann... an die Latte. Das wär's dann beinahe gewesen.
Ich schrieb oben von Phasen, nun möchte ich hinzufügen: Erfurts vier beste Chancen übertrafen alles, was Offenbach aufbieten konnte. Echte Gefahr strahlten sie nicht aus und behalfen sich das ganze Spiel hindurch mit Freistößen und Schüssen aus der zweiten Reihe. An einem guten Tag hätte Freistoßspezialist Reinhardt freilich den Unterschied machen können, aber... ja.
Zweimal hätte Erfurt noch punkten können: Einmal schafften sie einen aussichtsreichen Konter, standen sich aber dann an der Strafraumgrenze selbst im Weg (komischerweise wurde diese Szene nicht von der Sportschau gezeigt) und in den letzten Minuten wagten sie noch einen Fernschuss auf das leere Tor, ehe jedoch Ahlschwede mit einem Fallrückzieher retten konnte. Nach Ecken stand es am Ende 2:3, irgendwie auch bezeichnend. Nicht einmal darin war Offenbachs Bilanz besser oder auch nur einer Heimmannschaft würdig.
Das Karlsruhe-Spiel verschaffte mir einige Lehren: Fabian Bäcker war der beste Spieler, Julius Reinhardt konnte im Zentrum mehr überzeugen, Thomas Rathgeber patzte und Theo Vogelsang erspielte sich einige Gummipunkte. Es ist interessant und bezeichnend, dass der Trainer nur eine einzige davon umsetzte: Bäcker kam nicht, Rathgeber kam (und konnte wieder nichts bewegen) und Theo Vogelsang kam diesmal auch auf keinen grünen Zweig. Es kam zum Doppelwechsel und er bewirkte nichts. Allein in der letzten Viertelstunde, als ich zum ersten Mal seit langem die Glocke vernahm (das lag sicher auch an meinem Standplatz), brachte einen Hoffnungsschimmer: Der lange Zeit verletzte Kai Hesse bekam seinen ersten Auftritt in dieser Saison und brachte Leben auf das Feld. Er ist (sicher nicht nur) mein Spieler des Spiels. Seine Premiere gelang und machte Hoffnung. Das Spiel als solches ging freilich verloren.
Es mag zum Stand der Dinge passen, dass sich die Spieler nach dem Abpfiff den Fans stellen wollten, sich aber betont nicht näher als zwanzig Meter an den Block heranwagten und schnell auch wieder ihre Rückkennummern sehen ließen. Der erhoffte "große Schritt" wurde nicht getan, das Plan "Neun Punkte aus drei Spielen" ist damit schon hinfällig. Nun warten erst einmal drei Auswärtsspiele gegen Dortmund, StuKis und Burghausen. Ich hoffe einfach mal das Beste. Folgt nichts, dann fürchte ich, man kann die Mannschaft als tot erklären. Dann endet sie wie Fürth: Mit einer Serie knapper Niederlagen, errungenen Unentschieden und Abstieg als Letzter.