Ich weiss gar nicht, warum da alle so empoert reagieren. Ich denke, dass die Welt (inkl. Italien) sich darueber einig ist, dass der Mann gar nicht geht. Er ist der Inbegriff von Lobbyismus und Bonzentum. :sz
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Ich weiss gar nicht, warum da alle so empoert reagieren. Ich denke, dass die Welt (inkl. Italien) sich darueber einig ist, dass der Mann gar nicht geht. Er ist der Inbegriff von Lobbyismus und Bonzentum. :sz
Wir sollten ihn durch Superputin ersetzen
Dann mach doch mal eine Umfrage in Italien, wie viele ihm da wohlgesonnen sind. Einzig seine Beziehungen und sein Mediaimperium halten ihn noch an der Macht. Letztendlich ist das in Italien aber belanglos, die hatten seit mehr als 50 Jahren keinen integeren ersten Mann mehr.
Einer der bekanntesten Finanzwissenschaftler des Landes ist nun auch der Meinung, dass der Euro zusammenbrechen wird.
http://www.sueddeutsche.de/geld/stre...chen-1.1151907
Der Mann spricht mir aus der Seele. :topZitat:
Solche Heilungsversuche offenbaren einen Mangel an Urteilsvermögen. Deshalb noch einmal: Die Regierungschefs der Euro-Zone und die EZB haben alle geltenden Stabilitätsregeln gebrochen, seien es Schuldenobergrenzen, das Schuldenankaufsverbot oder das Beistandsverbot. Hier gelten keine rechtsstaatlichen Regeln, sondern es herrscht Faustrecht.
Erinnert sich noch jemand an den Bankenstresstest vom Juli? :D
Gestern ist mit der Dexia eine Bank zerschlagen und verstaatlicht worden, die in eben jenem Test in der Spitzengruppe gelandet ist. Was für eine Verarsche. :D Belgien hat den belgischen Teil der Bank für 4 Milliarden verstaatlicht und anscheinend noch ca. 50 Milliarden an Garantien oben drauf gelegt. Das kleine Belgien, ja, das lädt natürlich jetzt natürlich dazu ein, diese 50 Milliarden auch zu "callen". :fft
Morgen stimmen die Slowaken über das 2. Griechen-Rettungspaket ab. Dort schert eine Regierungspartei ja aus und die Opposition fordert als Preis für eine Zustimmung Neuwahlen. Mal sehen, wie das so ausgeht.
Mal schauen was die Slowaken machen.
Kann nicht endlich mal einer diese armen Griechen retten, bitte? :look
Gestern Abend und auch heute Morgen soll es ja weiterhin zu keiner Einigung gekommen sein, aber die slowakische Ministerpräsidentin wil jetzt die Vertrauensfrage stellen. Die abtrünnige Koalitionspartei gedenkt, der Abstimmung nun fernzubleiben. Theoretisch bedeutet das natürlich Koalitionsbruch und keine Mehrheit für die Regierung. ABER: Es ist doch nun die Chance für die Opposition gekommen, die Macht zu ergreifen. Da kann man doch noch einen Deal aushandeln...
Gerade gelesen, dass die slowakische Opposition in einer zweiten Abstimmung zustimmen will, wenn die erste scheitert. Also kommt's wohl so, wie ich es oben angedeutet habe...
Ich bewundere jeden, der in diesen Tagen noch Optimismus aufbringen kann. :un
Kleiner Finanzkrisen-Rundumschlag
Griechenland
Es war ein Fehler, die Griechen überhaupt in die Euro-Zone aufzunehmen. Ein weiterer Fehler wäre es, die Griechen in der Euro-Zone zu lassen.
Gottchen, jahrzehntelang hieß es, Wechselkursschwankungen seien der Mechanismus, anhand dessen unterschiedlich starke Wirtschaften einen Ausgleich fänden. Das soll plötzlich nicht mehr stimmen?
Bullshit. Zurück zur Drachme, Schuldenschnitt, fertig.
Das wäre ein kraftvolles Zeichen für Handlungsfähigkeit in der Euro-Zone.
Und überhaupt: die Griechen haben mehrfach falsche Haushaltszahlen abgeliefert. Sowas darf man nicht durchgehen lassen, sonst macht das Beispiel Schule. Sowas gehört sanktioniert: wer nicht fair spielt, kriegt eins auf den Deckel - das gehört zu den Grunderkenntnissen der Spieltheorie.
Stellt euch vor, jemand geht zur Bank, nimmt einen Kredit auf und schwindelt bei den Angaben zu seinen Sicherheiten. Derjenige hätte ziemlich schnell ein Verfahren wegen Kreditbetrugs am Hals.
Bankenrettung
Systemrelevanz - ein Kandidat für das Unwort des Jahres.
Ich kann euch schon sagen, wo diese angebliche Systemrelevanz herkommt:
Zitat:
Steuermilliarden - Wie sich die Banker in Brüssel die Regeln selber machen
Die Kommission in Brüssel. Hier werden die europäischen Gesetze entworfen. Die Vorschläge für diese Gesetze erarbeiten Experten-Gruppen - sie sollten eigentlich unabhängig sein. Doch in den Experten-Gruppen sitzen beinahe ausschließlich Finanzlobbyisten. Ein Beispiel von vielen: In der Expertengruppe für die Bankenregulierung finden sich fast nur Vertreter eben dieser Banken.
Yiorgos Vassalos, NGO, Corporate Europe Observatory (Übersetzung MONITOR): "Die Kommission hat im Moment 260 Experten, die sie bei der Gesetzgebung am Finanzmarkt beraten sollen, die werden von der Kommission eingeladen. Nur, 200 von diesen 260 kommen direkt von der Finanzindustrie."
[...]
Nur ein Beispiel von vielen. Der Abgeordnete Burkhard Balz von der CDU hat mehrere Änderungsanträge eingereicht, die den Vorschlägen der Finanzindustrie gleichen. Hier die Belege: Die Finanzlobby schlägt vor, einen kompletten Artikel zu streichen, der soll übermäßige Spekulationen eindämmen. Auch Balz streicht diesen Artikel ersatzlos.
http://www.wdr.de/tv/monitor/sendung.../bruessel.php5
Es wäre doch ganz einfach: man trennt den Bankensektor auf in Sparbanken und Investitionsbanken.
Sparbanken müssen das Kapital ihrer Kunden "mündelsicher" anlegen. Wenig Zinsen, wenig Risiko, dafür gibt's dann auch staatliche Garantien.
Investitionsbanken und Kapitalanlagegesellschaften dürfen auch in Aktien und Fonds investieren - Risikokapital eben. Wenn's gut geht, darf sich der Anleger über zweistellige Renditen freuen. Wenn's schiefgeht: deren Problem.
Versicherungen - Beispiel Allianz
Versicherungen sollte man bei diesem Thema nicht vergessen. Ihre interne Arbeitsweise dürfte sich nicht besonders von Anlagegesellschaften unterscheiden.
Das Handelsblatt schreibt:
Bei Riester-Renten kassieren die Versicherungsgesellschaften einen guten, bis einen Großteil der staatlichen Förderung der Riester-Rente. Argh!Zitat:
Die Grundsatzfrage ist so alt wie Unternehmen: Wie viel von den Gewinnen der Lebensversicherer erhalten Kunden, wie viel die Eigentümer? [...] Im Ergebnis habe ... die Eigenkapitalrendite der Allianz nach Steuern einen Spitzenwert von 33,3 Prozent erreicht.
http://www.handelsblatt.com/finanzen...n/3908802.html
Zitat:
Minusgeschäft nicht ausgeschlossen
Doch die pauschale Werbebotschaft, riestern rechne sich für jeden, ist falsch. Denn in vielen Fällen ist die Riester-Rente am Ende ein Minusgeschäft. Das belegen Musterrechnungen, die Klaus Jaeger, Riester-Experte und Professor für Wirtschaftstheorie an der Freien Universität Berlin, exklusiv für die WirtschaftsWoche erstellt hat.
So muss ein 30-jähriger Riester-Fondssparer mit einem jährlichen Bruttoeinkommen von 52.500 Euro 92 Jahre alt werden, um seine eigenen Beiträge samt Zinsen als Rente ausgezahlt zu bekommen.
http://www.wiwo.de/finanzen/die-riester-luege-403903/
Alles richtig, mit der Trennung von Investmentgeschäft und restlichem Bankengeschäft ist es allerdings noch nicht getan. Versicherungen sind in der Tat ein riesiger weiterer Spieler. Deswegen sind in der Zukunft ja nicht nur Bankenpleiten zu erwarten, sondern eben auch die der Versicherungen. Die Versicherungen sind randvoll mit Staatsanleihen. Es ist kein Zufall, dass z.B. die Allianz gerade einen Plan vorgelegt hat, wie man den EFSF jetzt als Versicherung ausgestalten kann, sodass er fünffach gehebelt werden kann. Die fürchten um ihre nackte Existenz, weil mit dem derzeitigen Umfang des EFSF weder Spanien noch Italien vor der Zahlungsunfähigkeit bewahrt werden können. Und diese Staaten haben zusammen 2,5-3 Billionen Euro an Anleihen auf'm Markt, die zu einem sehr großen Teil in den den Büchern der Versicherungen stecken (sowie bei den Banken und vielen Fonds). Gerade aber die solche vergeschlagenen Versicherungslösungen(CDOs) haben uns allerdings erst kürzlich die Finanzkrise beschert.
Und ja, Riester-Rente ist ein Riesenbeschiss. Das hab ich auch schon mehrmals gesagt. Falls jemand sowas hat, kündigen und die Kohle lieber anderweitig investieren.Das größte Problem ist freilich, dass Hinz und Kunz Lebensversicherungen etc. haben. 90 Millionen sollen es in Deutschland sein, also durchschnittlich mehr als eine pro Nase. Die meisten werden wohl wertlos verfallen. Ich hoffe persönlich nur, dass meine Eltern noch die Auszahlung der ihrigen (in ca. 3-4 Jahren) erleben.
Zur Systemrelevanz noch einmal: Die Banken haben quasi sämtliche Rettungsmaßnahmen die in D (und anderswo) stattgefunden haben, selbst entworfen. Häufig werden Entwürfe des Bankenverbands 1:1 zu übernommen. Das war unter Steinbrück so, und das ist unter Schäuble nicht anders. Man sollte es nur nicht vergessen, weil Steinbrück heute ja als der große Meister inszeniert wird und beste Aussichten auf die SPD-Kanzlerkandidatur hat. Die entscheidenden Weichenstellungen werden hierfür nicht in Brüssel, sondern in Berlin getroffen. Brüssel hat sicher ein reges Interesse, aber welchen Deal eine deutsche Bank bekommt, das wird in Berlin entschieden. Ob der EFSF demnächst auch europäische Banken raushauen darf, wird nicht in Brüssel entschieden, sondern in Berlin. Wenn Deutschland sagt, dass es nicht geht, geht es nicht. So einfach ist das. Deutschland sitzt derzeit am Schalthebel, also dürfen wir unsere Politiker nicht damit davon kommen lassen, mal wieder die eigene Verantwortung auf Brüssel zu schieben.
Und nicht vergessen: Übergeordnet haben wir es nicht nur mit der Eurokrise, sondern mit einer westlichen Überverschuldung im staatlichen UND privaten Rahmen zu tun. Es ging 2007/08 in Amerika los, nicht in der Eurozone, deren Fehlkonstruktion jetzt nur der Brandbeschleuniger ist. Deswegen rechne ich mit globalen Finanzreformen. Alle langlaufenden Geldanlagen in Versicherungen und Sparkonten sollten daher gekündigt werden, weil die Kohle mit großer Wahrscheinlichkeit nach einem Schulden- und Guthabenschnitt (das eine bedingt das andere) weg ist. Cash (schnell verfügbare Kohle) is king.
Nebenbei: bereits 1983 gab es ein Urteil, das dem BdV die Aussage "Lebensversicherung ist legaler Betrug" erlaubte.
Leider scheinen die Regierenden das immer noch nicht verstanden zu haben.Zitat:
Der Bund der Versicherten (BdV) hatte im Jahre 1982 zusammen mit der Verbraucherzentrale Hamburg eine Broschüre mit dem Titel "Versicherung - ja, aber..."
herausgegeben, in der zu lesen war:
"Die Lebensversicherung zur Altersversorgung ist ein ,legaler Betrug’. Diese Kapital-Lebensversicherung ist zu neunzig Prozent überhaupt keine Versicherung, sondern ein langfristiger Sparvertrag mit einer Rendite, die oft unter der Inflationsrate liegt und dann gleich Null ist.
Mit den Geldern, die Lebensversicherte langfristig hingeben, verschaffen sich die Unternehmen aber inflationssichere Kapitalanlagen mit hohen Wertsteigerungen, an denen die Versicherten nur selten beteiligt werden. Und der Staat verschafft sich hier billige langfristige Kredite, so daß man Beiträge für Kapital-Lebensversicherungen in vielen Fällen auch als ,Steuer für Dumme’ bezeichnen kann, die man hier mit angeblichen Steuervorteilen (die kaum zum Tragen kommen) zur langfristigen Geldhingabe verführt.
Millionen Bundesbürger haben durch den Abschluß falscher Kapital-Lebensversicherungen Zigmilliarden Mark verloren - vor allem beim vorzeitigen Aussteigen aus diesen Verträgen und die dann meist sehr geringe Beitragsrückzahlung. Gewinner sind Staat und Lebensversicherungsunternehmen, die hier Hand in Hand arbeiten."
Der Verband der Lebensversicherungsunternehmen, an derart massive und öffentliche
Kritik nicht gewöhnt, wollte diesen Vorwurf natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Er klagte gegen den Bund der Versicherten auf Unterlassung dieser ,verletzenden Äußerungen". Die Klage wurde im Juni 1983 durch Urteil des Landgerichts Hamburg abgewiesen.
http://docs.google.com/viewer?a=v&q=...25Qe8LgUcaQZML
"Schuldenbremse in der Verfassung" ist das neue Zauberwort. Die Exekutive muß sich selbst ein Gesetz geben, um vernünftig hauszuhalten? Wie lächerlich.
Außerdem ist eine "Bremse" zu wenig. Weniger Schulden machen reicht nicht. Wie wär's denn zur Abwechslung mal mit Tilgung?
Jeder Gedanke an die Rettung des Euro ist mMn Zeit- und Geldverschwendung. Man sollte heute schon ueber eine Aufloesung, oder zumindest eine Neugestaltung nachdenken. Alles andere ist kalter Kaffee. Das es dazu kommt, kann ich mir aber nur in meinen Traeumen ausmalen, da der Lobbyismus viel zu maechtig ist. Im Eingestehen von Fehlern waren deutsche Politiker (zumindest nicht in Ihrer Amtszeit) nie gut.
Naja, das ist so eine Sache, bei der ich nicht zustimmen kann. Eine breitangelegte Reduktion der Kreditmengen führt in die Depression. Das ist ja das Dilemma in unserer kapitalistischen Geldwirtschaft: Kredit treibt das Wachsum, aber wehe, es ist zu viel da und die Grenzen der Bedienbarkeit sind erreicht. An dem Punkt stehen wir gerade.
Was Anderes: Heute ist mal wieder eine kleine historische Zäsur. Die Franzosen müssen auf 10jährige Anleihen erstmals seit Einführung des Euro 1 % mehr Zinsen zahlen als wir (derzeit genau 1,10 % mehr). Dieser Zinsabstand wird gnadenlos nach oben getrieben. In den besten Eurozeiten lag der Abstand nahe 0. AAA dürfte es für Frankreich wohl nicht mehr allzu lange geben. Wenn es fällt, gerät auch der EFSF wieder ins Wanken. Im Grunde sind die Zinsen, die Frankreich zu zahlen hat, sehr niedrig, aber die Tatsache, dass sich die französischen nicht mehr genau wie die deutschen Anleihen verhalten, verspricht größtes Ungemach.
Die Amis werden wieder Liquidität in den Markt drücken und sich weiter verschulden.
So haben sie es bei der Asien-Krise gemacht, nach dem Platzen der Internet-Blase, infolge von 9/11, in der Immobilien- und Finanzkrise, nach der Lehman-Pleite usw. Die erkennen nur nicht, daß jede "Rettungs"aktion direkt in die nächste Krise führt, und mit jedem Mal das Ausmaß zunimmt.:roll
Ja, so wird es passieren. Allerdings ist Obama ein guter Verwalter. Er ist immerhin mit nur einem Drittel des Budgets von Bush ausgekommen, trotz Finanzkrise. Dumm nur, dass er momentan nur noch als Statist herhalten kann.
Mein Wissensstand in Sachen Finanznachrichten ist gerade nicht ganz aktuell, wenn man mal ein paar Tage aussetzt derzeit, kann man schon nicht mehr mitreden. Führst Du den erhöhten Spread alleine oder zum größten Teil auf die Bonitätsunterschiede beider Länder zurück? Die hohe Nachfrage drückt die Zinsen für deutsche Staatsanleihen derzeit gewaltig, ich glaube, dass sie derzeit vor allem mangels Alternativen gekauft werden und nicht unbedingt die Bonität korrekt wiedergeben.
Mitte der 00er waren die Zinssätze fast identisch, ja. Deutschland etwas niedriger, weil sie eine höhere Liquidität hatten. Aber zu der Zeit haben alle Euroländer ähnliche Zinssätze gezahlt. Dass das nicht richtig sein kann, hätte man merken können.
Mal was anderes, für alle, die sich (wie ich) fragen, wie Griechenland denn seine Bilanzen frisiert hat, man sollte ja meinen, dass sie darin sehr geschickt gewesen sein müssten, hier mal ein späteres Beispiel:
2006 kam z.B. eine Nachricht aus Griechenland, dass bei der Berechnung des BIPs einige Branchen vergessen wurden: Rauschgifthandel, Geldwäsche, Zigarettenschmuggel und Prostitution. :D/:roll
Daraufhin stieg deren BIP mal eben um läppische 25%. :hmlol Natürlich wurden andere Gründe für den Anstieg verantwortlich gemacht. Erst 2009, auch bedingt durch einen Regierungswechsel, wurde die kreative Buchführung zurückgefahren.
Ich sehe es ähnlich wie Du. Mit ganz wenigen Ausnahmen (Norwegen fällt mir als erstes ein) ist eigentlich kein Land mehr als exzellenter Schuldner zu bezeichnen. Das extrem niedrige Zinsniveau (neulich ein Allzeittief bei 1,8 % auf die 10jährigen) ist mit Sicherheit ein Anzeichen einer Flucht in die sicheren Häfen. Allerdings wird in der Eurozone anscheinend nur noch ein Land als sicherer Hafen akzeptiert, eben Deutschland. Hier schätzt man wohl die Bonitätsrisiken unterschiedlich ein. Zwar haben beide Staaten eine vergleichbar hohe Verschuldung (über 80 % des BIP), aber die Dynamik ist natürlich in Frankreich derzeit wesentlich höher. Für Deutschland wird das Bonitätsrisiko, das sich aus der Neuverschuldung auf Grund der regulären Staatsverschuldung ergibt, wohl noch als beherrschbar gesehen (dieses Jahr vielleicht deutlich unter 3 %). In Frankreich ist das bisschen anders. Wenn man bedenkt, dass D in den letzten 20 Jahren die Wiedervereinigung schlucken musste und Frankreich trotzdem nicht weniger Schulden hat, liegt die Annahme wohl nicht so fern, dass die Franzosen bisher nie ernsthaft versucht haben, die Verschuldung zu begrenzen.
Was den Spread jetzt kurzfristig nach oben getrieben hat, ist wohl die Diskussion um Frankreichs Banken. Frankreich hat mit der BNP, SocGen und Credit Agricole eben drei Brocken, die großenmäßig ungefähr mit der Deutschen Bank zu vergleichen sind. Insgesamt ist der Bankensektor in Frankreich auch großer als bei uns. Alle drei dieser Banken waren jüngst Gegenstand aller möglichen Spekulationen, bis hin zu der Behauptung, dass sie sich nicht mehr am Markt refinanzieren könnten und Pläne zur Verstaatlichung ausgearbeitet würden. Wir wissen nicht, ob es stimmt. Hinzu kommt die Verstaatlichung der Dexia und Sarkozys Verlangen nach Finanzierung einer Bankenrekapitalisierung durch die EFSF. Das wurde jetzt natürlich die großen Spieler so gedeutet, dass Frankreich es als schwierig empfinden würde, die Banken mit eigenen Mitteln zu rekapitalisieren. Meine Vermutung ist, dass die relativ starke Dynamik bei den regulären Staatsausgaben und die Last mit den Banken Frankreich und seine Anleihen so schnell nicht in Ruhe lassen wird.
Langfristig steht es m.E. für Frankreich relativ zu Deutschland nicht so schlecht. Erstens halte ich deren Wirtschaft nicht für so eine extreme Trümmerwirtschaft wie die Großbritanniens, die gesamten Schuldenlasten sind auch wesentlich geringer als dort. Außerdem ist die Demografie im Vergleich zu unserer wesentlich besser. Das ist sicher ein großes Plus. Das alles wird wohl aber vor dem Reset nicht mehr zum Tragen kommen. :un In der Zwischenzeit präsentiert sich auch das UK als sicherer Hafen. Dort liegt die Inflation zwar bei über 5 %, aber die 10jährigen Anleihen gehen derzeit für weniger als 2,5 % weg. Dass das kein guter Schuldner sein kann und dass das geliehene Geld nach 10 Jahren ziemlich viel Wert verliert, sollte eigentlich jedem klar sein. Trotzdem scheint die Nachfrage hoch zu sein, wobei die Bank of England natürlich sehr stark nachhilft.
Implizit hat man wohl angenommen, dass alle füreinander haften und eintreten, auch wenn es die Verträge eigentlich nicht hergeben. Drei Jahre nach Beginn der Krise scheint zu dämmern, dass der Widerstand in den Geberländern doch beachtlich ist. Wenngleich wir uns natürlich sicher sein können, dass unsere Freunde an der Regierung alles versuchen, Widerstände zu umschiffen oder zu brechen. Der Schäuble z.B. kann es einfach nicht lassen. Der will die Fiskalunion mit aller Macht.Zitat:
Mitte der 00er waren die Zinssätze fast identisch, ja. Deutschland etwas niedriger, weil sie eine höhere Liquidität hatten. Aber zu der Zeit haben alle Euroländer ähnliche Zinssätze gezahlt. Dass das nicht richtig sein kann, hätte man merken können.
Auch ganz interessant: http://www.greekdefaultwatch.com/201...out-greek.htmlZitat:
Mal was anderes, für alle, die sich (wie ich) fragen, wie Griechenland denn seine Bilanzen frisiert hat, man sollte ja meinen, dass sie darin sehr geschickt gewesen sein müssten, hier mal ein späteres Beispiel:
2006 kam z.B. eine Nachricht aus Griechenland, dass bei der Berechnung des BIPs einige Branchen vergessen wurden: Rauschgifthandel, Geldwäsche, Zigarettenschmuggel und Prostitution. :D/:roll
Daraufhin stieg deren BIP mal eben um läppische 25%. :hmlol Natürlich wurden andere Gründe für den Anstieg verantwortlich gemacht. Erst 2009, auch bedingt durch einen Regierungswechsel, wurde die kreative Buchführung zurückgefahren.
Gerade heißt es, D und F hätten sich geeinigt, den EFSF auf 2 Billionen auszuweiten. :un
Funktionieren soll das, indem der EFSF als Versicherung für Anleihen fungiert. Versicherungssumme ist anscheinend 20 von 100, sodass eben statt gut 400 Mrd. 2 Billionen versichert werden können.
Das ist alternativlos, Sare. Ausserdem duerfen wir uns in dieser Frage nicht auseinanderdividieren lassen und muessen eine gemeinsame Loesung forcieren. :O
Andere Meldungen besagen, es soll nur eine Billion sein, und nicht 2. Da müssen wir wohl noch ein bisschen abwarten bis endgültig Klarheit herrscht.
Was Messi sagt. :D
Ich glaube, die deutschen Eliten sind immer noch in der Idee gefangen, dass Deutschland auf Grund des 2. WK eine besondere Verpflichtung ggü. anderen hat. Daher stellt man eigene Interessen zurück. Man sollte auch die Macht der Exportlobby nicht unterschätzen. Die hat in den 90ern schon massiv für den Euro gekämpft und tut es auch heute. Für die ist es geil, die europäische Konkurrenz kann nicht mehr abwerten, der Euro wertet auf Grund der Schwäche des Südens gegen andere Währungen weniger auf und wenn die Südstaaten nicht mehr zahlungsfähig sind, steht der deutsche Steuerzahler bereit und gibt ihnen Geld, damit sie munter weiter unsere Waren kaufen können. Ja bitte, was willst Du mehr? Und wir haben uns uns mittlerweile in eine Position gebracht, in der wir nur noch vom Export leben, sodass es der Lobby natürlich leicht fällt zu sagen, ein Ende des Euro würde Millionen Arbeitsplätze kosten. In der Tat, ist es so nun auch nicht mehr ganz von der Hand zu weisen. Nach 12 Jahren Euro würde eben eine neue DM auf einen Schlag 30 oder 40 % aufwerten und nicht gemächlich 2-5 % jedes Jahr, wie das früher war. Das wäre schon ein harter Schock.
Tja, und dann weiß man nicht, welches Erpressungspotenzial die anderen Spieler noch so haben. Ich gehe nicht davon aus, dass alle dicke Freunde sind, nur weil sie in der EU sind. Mit harten Bandagen wird überall gekämpft. Jedes Mal, wenn ich lese, dass bspw. 80-90 % unserer Goldreserven in New York, London und Paris liegen und nicht in Frankfurt oder Berlin, wird mir schlecht. Historisch gesehen, haben die anderen wichtigen Staaten immer darauf hingearbeitet, dass Deutschland nicht vereint oder nicht zu stark wird und entsprechende Koalitionen geschmiedet. Man soll das nicht aus der "Buhu, alle hassen die Deutschen und wollen uns zerstören"-Verschwörungsbrille sehen, sondern eher neutral. Deutschland ist eben der größte Hirsch in Europa und kann von Zeit zu Zeit eine halbhegemoniale Stellung erreichen. Folglich ergeben sich automatisch Gegenkoalitionen, um die deutsche Macht zu neutralisieren. Man weiß also nicht, welches Spiel noch hinter den Kulissen läuft und was Sarkozy zu Merkel wirklich sagt. Wenn irgendwann jemand anders der große Hirsch ist, dann wird auch dessen Macht ausbalanciert werden wollen.
Zuviel Anstalt geguckt? :D
Schlimm genug, dass man so machtlos und dadurch gleichgültig ist und so etwas mit einem :D kommentiert. ;)
Das ist ein wichtiger Punkt, eine Rückkehr zur DM brächte wieder ganz neue Probleme mit sich. Wen dein Satz nicht überzeugt, der muss sich nur die Schweiz derzeit angucken und evtl. auf Deutschlands Größe hochrechnen.
Ich bin dagegen strikt dafür, kaputte Länder wie Griechenland aus dem Euroraum auszuschließen. Eigene Währung, Schulden soweit erlassen/stunden, dass das ganze nicht den Finanzsektor ins Chaos stürzt und dann einen Neuanfang beginnen. Das einzige, was wirklich für eine Vergemeinschaftung der griechischen Schulden spräche, wäre aus meiner Sicht die griechische Bevölkerung. Die kann zum Großteil nicht wirklich etwas für die jetzigen Zustände, müsste bei einer Insolvenz aber richtig bluten. Die Argentinier haben lt. DLF-Berichten immer noch hart an ihrer früheren Insolvenz zu knabbern.
Nee, Pispers gehoert. :D
Gerade bei zerohedge.com gefunden. Die FTD hat heute so aufgemacht:
Anhang 2541
Ist schon witzig. Waghalsige Finanzkonstruktionen, die kaum einer versteht, haben uns 2007/2008 in die Krise gebracht, obwohl sie bis dato von allen Beteiligten als eierlegende Wollmilchsau der "Finanzindustrie" gepriesen wurde.
Und jetzt berät der Bundestag über eine waghalsige Finanzkonstruktion, mit der der ESF oder ESM oder wie das Ding jetzt aktuell gerade mal heißt, "gehebelt" werden soll. Mit Finanztricks in die Krise, mit anderen Finanztricks aus der Krise. Wenn da mal kein Widerspruch besteht....
Und die Landesgruppenleiterin der CSU ist auch noch dumm wie Brot. :un Hab mir die Debatte angeschaut.
Der Witz ist ja, dass man bei den Oppositionsreden denke könnte, Merkel würde pulverisiert. 10 Minuten später stimmen aber wieder alle zu. :p
Das ist halt alternativlos. :sz